Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1981
- Issue
- No. 48-49 (1981), Nachtrag
- Date
- 1981-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 2605)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/7411685-7412805-7412846--0983-7412864- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
WAS MIR UNSER SCHREIBTISCH ERZAEHLTE Eines Mittags ging ich ins Herrnzimmer, setzte mich an meines Vaters alten Schreibtisch, um einen Brief zu schreiben. Das Briefschreiben war mir immer eine unliebsame Beschäftigung und bald ruhte mein Federhalter wieder auf dem schönen Tintenfass. — An den Stuhl zurückgelehnt, träumte ich ein wenig von den letzten Jahren, da ich hier oft mit meinem Grossmütterlein gesessen, und sie mir allerhand erzählte. Sie plauderte aus ihrer Jugend und vom Ernst des Lebens. Oft gab sie mir gute Lehren und wenn es gerade in der Dämmerstunde war, erzählte sie mir wunderbare Geschichten, von denen ich des Nachts träumte. Bald war ich des Traumjörgens Prinzessin, bald eine Rittersfrau, oft ein Ritter selbst und zog hinaus auf die Jagd. Unter anderem erzählte sie mir auch, dass sie einst ein kleines Puppenkind gehabt hätte, das ihr eines Tages seine Vergangenheit geschildert hat. Von nun an war es mein sehnlichster Wunsch, einmal unseren Schreibtisch zu hören, denn ich weiss, dass er sehr alt ist und sicher viel erlebt hat. — Grossmuttchen ist lange tot, doch heute dachte ich unaufhörlich an sie, denn ich sollte noch Wunderbares erleben. „Ich habe schon viel erlebt und bin ein Greis. Meinen Geburtstag habe ich längst vergessen" — hörte ich eine tiefe, leise Stimme sagen. Es war der Schreibtisch, der zu meinem grössten Erstaunen anfing, mir seine Erlebnisse zu schildern. „Hör’ weiter zu, mein liebes Kind“ — begann er wieder, ich will Dir einmal meine Lebensgeschichte erzählen. Du wirst Dich wundern, wenn ich nicht vom Tage meiner Entstehung anfange, aber das habe ich in der langen Zeit vergessen. Ich weiss nur, dass ich in einem grossen Wald als Tanne auf einem hellen Fleckchen stand, wo viel Licht und Sonne hinkam. Ich war der Bewunderung aller Tannen preisgegeben, denn schlank war mein Stamm und hoch gewachsen. In meinen Asten wiegten sich Eichhörnchen, unter meiner Rinde krochen Käferchen, und an meinem Stamm lehnte sich oft ein müdes Wild oder ein Wanderer erquickte sich in der guten Waldluft, wenn die Abendwinde meine Zweige leise bewegten und meine Krone ein wenig neigten, beinahe Im Takt Wir brauchen keinen Graetz und keine son- »tlgen wissenschaftlichen Nachschlagwerke. Ich erinnere mich schon aus meinem Lernen ln der Religionsschule Breslau, Wallstrasse, dass die alt-orientalischen Grossreiche Assyrien und Babylonien sehr unterschiedlich gegenüber den besiegten Völkern sich verhielten. SHAVUOT Am Berge Sinai wurden uns die 10 Gebote gegeben Das Fundament der Moral der Menschheit zum Leben die Weltordnung ist aufgebaut auf unserm Gesetz trotz der Verfolgung und wie oft verletzt das jüdische Volk besteht — bestand mit den Thorarollen in seiner Hand holt man sie hervor aus dem Schrein dringt uns das Wort Gottes ins Herz hinein der Ewige, ER wird uns nicht verlassen lernen wir verstehn: Liebe zu Gott, Liebe zu Menschen — die Lehre die von Ihm ausgeht zu erfassen! Ern! Goldschmidt, Tel Aviv mit dem Abendglöckchen, das sanft herüber tönte. Nicht lange erlebte ich diese Freuden und genoss die Waldeinsamkeit, denn fleissige Arbeiter kamen und haben mich und viele meiner Kameraden bald abgehauen. Ein paar Tage lag ich nun am Boden, niedergeschlagen und verzweifelnd vor Kummer, bis ich endlich aufgeladen wurde. Während ich schmerzlichen Abschiedsgedanken nachhing, fuhr man mich über Stock und Stein, durch Wald und Flur über die blaue Heide davon. Es schien mir, als nickte mir die ganze Natur ein letztes „Lebewohl“ zu. Ich kam alsdann in eine Holzschneiderei und zerschnitten wurde ich von dort aus in eine Fabrik gebracht. Da wurde ich in einen grossen Raum geschafft, wo ich ordentlich Angst bekam, denn soviel Menschen hatte ich noch nie beisammen gesehen. Aber hier wurde mir auch endlich klar, dass ich für den Menschen sehr nützlich bin und verarbeitet werden sollte. Was ich hier weiter erlebte, liebes Mädchen, will ich Dir nicht erzählen, um Dir Tränen des Mitleids zu ersparen, denn es war schrecklich. Mit anderem Holz verarbeitet und verziert, stand ich nach langen Wochen bei einem Fabrikanten unter prachtvollen Gegenständen aller Art. Eines Tages wählte mich Dein Urgrossvater zum Kauf. Ich stand bei der Familie in hohem Ansehen und wurde schonend behandelt. Ich kenne die Lebensgeschichte Deiner Urgrosseltern und weiss Freud und Leid, das sie ertragen mussten. Als Erbstück bekamen mich Deine Grosseltern und dann Deine Eltern. Manche freudige, aber auch traurige Nachrichten schrieb man auf meinem Pult. Schon mancher trüber Kopf sass vor mir und blickte mich schmerzlich an. Aber sieh Du mich nur einmal an — hat nicht auch schon manches kleine Mädchen seinen Unmut wegen seiner Schularbeiten an mir ausgelassen? — Fast errötend nickte ich träumend, ganz mit verklärtem Gesicht, dem Erzähler zu. Er sollte nicht mehr weiter erzählen, denn es klopfte und ich wurde aus meinen Gedanken aufgeschreckt. Erni Goldschmidt, Tel Aviv Die Assyrier gingen nach der Eroberung von Samaria im Jahre 722 so vor, wie sie es auch den anderen besiegten Staaten gegenüber gewohnt waren. Das Nordreich (Israel) erlebte die völlige Vernichtung. Die 10 Stämme verschwanden aus der Geschichte und aus gelegentlichen Dingen finden fantasievolle Forscher Reste der 10 Stämme ln Nord- und Süd-Amerika, Japan und China. Alles Suchen war vergeblich. Dem gegenüber hat Babylon nach dem Fall Jerusalems 586 die Bevölkerung nach Babel weggeführt und dort zum Teil angesiedelt, so dass sie nach der Vernichtung Babylons durch Cyrus das Ende des babylonischen Exils erlebten, die lntelektuelle und moralische Kraft besassen in das Land zurück zu kehren, den 2. Tempel aufzubauen. Wieder wurde ein jüdisches Volk geschaffen, aus dem das heutige Judentum hervorgegangen Ist. So hat die wohlwollende Haltung Babels und seine Duldsamkeit die Grundlage für das heutige Judentum gelegt. Dr. Rudolf Spitzer, Ramat Chen Aluf Davidstr. 185 Der Warnruf im Raumzeifalfer Von NORÄ HAUBEN Die tragische Tatsache unsere Zeit: der entfernteste Stern ist nicht mehr weit, jedoch gefahrbringend entfernen sich die Erdbewohner voneinander, stets mehr und mehr. Der Vorstoss in das Weltall — was kann es der Menschheit nützen, — wenn die Erdbewohner auf einem Pulverfass sitzen. Dem Fortschritt im Kosmos steht das klägliche Versagen des Menschen gegenüber, die Erdbewohner handeln wie Kranke, im schweren Fieber. Der Masstab des normalen Handels ist ihnen abhanden gekommen. . Was nützt ihnen ihr wissenschaftlich-technisches Können, wenn sie sich weigern, die Sprache der Menschheitsverbrüderung zu lernen, um die Gefahr einer totalen Katastrophe der Erde zu bannen. Als Basis und Endpunkt einer Jeglichen Raumfahrt sollte dem Menschen die Erde selbst erhalten bleiben. Was nützt der Vorstoss in die Tiefe des Kosmos, das Forschen nach Lebenserscheinungen auf fernen Himmelskörpern, wenn atomische und chemische Giftstoffe, — von uns erdacht und erschaffen, im Falle eines Weltkonfliktes, die Erde auf Jahre für jedes Lebewesen unbewohnbar machen können. Was nützt aller Fortschritt der wirtschaftlichen Erkenntnisse, wenn wir uns weigern, den Kampf gegen den bösen Trieb in unserer eigenen Seele, aufzunehmen. Wenn unbeugsamer Hass, die Menschen und die Völker voneinander trennen dürfen. Der Mensch mag auf dem Mars landen oder seinen Fuss auf einen noch weiter entfernten Planeten setzen. Das Grundprinzip der Thora: Liebe Deine Nächsten, wie Dich selbst, bleibt aktuell wie zuvor. Von der Befolgung dieses Grundprinzipes hängt die Fortdauer des Lebens unserer bedrohten irdischen Welt ab. Auf unsere ERDE können wir nicht verzichten, auch nicht — im Raumzeitalter! DIE TAUBE Eine der einsamsten und ruhigsten Stätten von Tel Aviv war der kleine Saal der Nachschlagwerke in der Stadtbibliothek. Die Bücherfestung der Wände schloss den Besucher ab von der Welt. Nichts drang hier herein von allem was da draussen kreucht und fleucht. Glaube ich. Bis eines Tages doch jemand durch das Fenster fleucht und flattert — sieh an, eine Taube. Sie verschwindet auf einem der oberen Borte. Eigentlich geht es einen ja garnichts an, bei welchen Büchern ein anderer Besucher sich aufhält. Aber die Taub* hatte eine so interessante, vielseitige kunterbunte Abteilung gewählt. Wollte sie sich an der „Encyclopedia Britannica" bilden? Sollte sie, die fromme Taube, im „En Yaakow“ Talmud Studien treiben wollen. Aha, da leucht es ln Golddruck auf: „Itineraire de Paris a Jerusalem“. Das liegt bestimmt auf ihrer Linie, Luftlinie natürlich. — Die Taube also sitzt hoch oben über ihrer Fachliteratur, ich über meiner. Und wir denken garnicht an einander. Bis eine Beamtin mahnt: wir schliessen. Ich gebe zu bedenken: Da oben hat sich eine Taube auf ein Bort verirrt. Sie müsse wohl auch verständigt werden?! Das Fräulein zeigt sich durchaus nicht überrascht. Sie lächelt. „Die Taube! Reizend, nicht wahr? Ich werde sie nicht verraten". „Aber sie wird verhungern“, „Keine Spur. Die anderen werden ihr Nahrung bringen“. „Welche anderen?“ „Die anderen Tauben, die ins Nest geflogen kommen“. Annie David, TA. ASSYRIER UND BABYLONIER NACH DER EROBERUNG DER BEIDEN STAATEN 58