Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1981
- Issue
- No. 48-49 (1981), Nachtrag
- Date
- 1981-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 2594)
- Language
- German
- Belongs to
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ERINNERN. NICHT VERGESSEN ZUGAENGE ZUM HOLOCAUST Hr. MARTIN STÖHR Chr. Kaiser München 1979 „Zeugnisse zum Holocaust“, nach denen der Untertitel des Buches genannt ist, nehmen den ersten und grösseren Teil dieser Veröffentlichung ein. Die ältesten Zeugnisse sind entnommen christlichen Schriftstellern des 4. und 9. Jahrhunderts und von Luther, denen einige aus der Zeit der Aufklärung folgen, um die antisemitische Vorgeschichte des Holocaust zu dokumentieren. Aus der Zeit der Naziherrschaft sind veröffentlicht amtliche Berichte, grauenhafte Erfahrungen von Überlebenden der Todesläger, Tagebücher und Gedichte von Ermordeten und Aufsätze von Nichtjuden, z.B. von Heinrich Mann, der schon* 1936 die „planmässige Vernichtung" der deutschen Juden befürchtete. Auch Stimmen der Solidarität sind abgedruckt. Der zweite Teil bringt unter der Überschrift „Versuche zu antworten“ von Überlebenden, Gedichte und Erzählungen, philosophische und theologische Abhandlungen. Aus dem Reichtum des Materials sei wiedergegeben aus dem 1. Teil die Äusserung von Eugenio Pacelli, des späteren Papstes Pius XII.: „Jerusalem und sein Volk sind nicht mehr die Stadt und das Volk Gottes, Rom ist das neue Sion.“ Dem ist im 2. Teil entgegengestellt die Erklärung des 10. Deutschen Evangelischen Kirchentags Berlin 1961: „Gegenüber der falschen, in der Kirche Jahrhundertelang verbreiteten Behauptung, Gott habe das Volk der Juden verworfen, besinnen wir uns neu auf das Apostelwort: ‘Gott hat sein Volk nicht verstossen, das er zuvor ersehen hat.’ (Brief von Paulus an die Römer 11,2)“. In der Zeit zwischen diesen beiden Stimmen wurden die Juden von den Nazis ermordet. Christen haben gelernt, wohin die Judenfeindschaft der Kirche geführt hat. Deshalb überschreibt der Herausgeber sein Nachwort: „Erinnern, nicht vergessen“ und stellt ihm den Vers aus den Sprüchen Salomos voraus: „Wird Er, der die Herzen prüft, dich nicht durchschauen?“. Nach Auschwitz fühlen sich Christen durchschaut, dass bei der Absonderung des Christentums vom Judentum „etwas geschah, was der Nazi-Ideologe Rosenberg ständig übte“: nämlich die Benutzung der prophetischen Kritik als Zeugnis gegen das Judentum. So entstand aus dem „Familienstreit“ das Dogma, dass das Volk Israel verworfen sei und die Kirche das Erbe des erwählten Volkes angetreten habe. Gegen diese antijüdische christliche Tradition wendet sich das vorliegende „Lesebuch“. Der Herausgeber schliesst das Nachwort mit dem Satz: „Die Hoffnung auf die Ankunft des Messias und die Erneuerung von Himmel und Erde verbindet Juden und Christen“. Es wäre wünschenswert, das diese Dokumentensammlung in den Unterrichtsplan der Schulen aufgenommen würde. Anni Loewenstein REUßEN VOREMBERG ~ DER ISRAELISCHE TAENZER UND BALLETTMEISTER IM HOLLAENDISCHEN NATIONALBALLETT „HET NATIONALE BALLET“ Hollands ist wohl eine der international bekanntesten Ballettgruppen und ein Gastspiel wird in jedem Land als ein hochkünstlerisches Ereignis angesehen. Das Ballett besteht heute aus 90 Tänzern und Tänzerinnen, vier Ballettmeistern, abgesehen von der Direktorin, Choreographen und Musikern. „Die Hälfte der Gruppe sind Holländer — die andern 50%" — erzählt der Israeli Reuben Voremberg, der seit 1958 Tänzer, seit 1975 Ballettmeister im holländischen Nationalballett ist — „sind von den verschiedensten Rassen und Farbstufungen.“ Am Vorabend seiner Rückreise nach Amsterdam traf ich Reuben Voremberg, der seiner Familie und seiner Heimat mal wieder einen kurzen Besuch abgestattet hatte. Reuben, ein Zabar von deutschen Eltern, wurde 1935 ln Tel Aviv geboren, besuchte das alte Herzl-Gymnasium und war eines der musischen Kinder, die sich hauptsächlich für Theater, Tanz und Malerei Interessieren. Erst mit 16 Jahren erhielt Reuben die elterliche Erlaubnis, sich für eine künstlerische Ausbildung zu entscheiden. Er begann in einer der ersten Ballettschulen des Landes bei Mia Arbatowa und Mia Pick, Tel Aviv, klassisches Ballett zu lernen. Auch während seiner Militärzeit fand er die Möglichkeit, seine Ausbildung fortzusetzen — den Krieg 1956 erlebte er als Soldat. Noch während seiner Militärzeit trat das entscheidende Ereignis In seinem jungen Leben ein. Das Londoner Festibel Ballett kam als erste ausländische Tanzgruppe mit grossem Erfolg nach Israel. Die englische Gruppe, begeistert von Land und Menschen, beschloss, etwas in ihrer künstlerischen Linie Hegend für Israel zu tun. Sie schrieb eine Audition aus. Der Junge Soldat Reuben gewann, unter 50 Bewerbern, den 1. Preis. Er musste zwar eine Militärzeit noch beenden, konnte aber dann in England mit der Truppe sofort auftreten. Leider — nach zwei Jahren — musste er wegen Schwierigkeiten hinsichtlich Arbeitserlaubnis England verlassen. Sonja Gasteil, die Leiterin des holländischen Klassischen Ballettes — damals aus 45 Tänzern bestehend, holte den Jungen, vielversprechenden israelischen Tänzer in ihre Gruppe. Aus dem holländischen klassischen Ballett entwickelte sie 1961 das holländische Nationalballett und begründete damit seinen heutigen Weltruf. Reuben tanzte von 1958 bis 1964 ln der Gruppe, dann rückte er in die Reihe der ersten Solisten auf, bis er 1975 zum Ballettmeister ausersehen wurde. Er gibt Stunden, ohne im eigentlichen Sinne des Wortes ein Choreograph zu sein, liebt klassische Ballette, viel Balachin, Fonkine, Marius Petit Pas, und hatte nie den Ehrgeiz zu einer eigenen Schule — Jedoch die Hauptsache ist ihm, seine Kunst weiterzugebn. Zu seinen grossen Tanzerlebnissen, erzählt Reuben, daraufhin angesprochen, von einer Tournee nach Ostdeutschland, wo er mit Kurt Joss, Palucca und anderen uns bekannten Tänzern und Choreographen zusammentraf. Im Repertoire der holländischen Gruppe war „Der grüne Tisch“, von Kurt Joss, In dem Reuben den „Tod“ tänzerisch dfL'rstellte. Ansonsten ist er ein moderner, junger Mann, der wie er sagt, wenig freie Zeit hat — die wenige, aber mit Theater, Konzerten und anderen Tanzmedien ausfüllt. Er liebt moderne Musik, so z.B. Igor Strawinsky, Ist aber immer auch bereit, Richard Wagner zu hören oder sogar zu den Festspielen nach Bayreuth zu fahren. Italienischen Opern gegenüber zeigt er sich wenig aufgeschlossen. Er besitzt eine schöne Sammlung von Bildern — viel abstraktes darunter — schätzt Agam sehr und Kinetik, ebenso VassareUi und andere. Noch ein Wort über Sonja Gastell, die Direktorin, der Holland sein Nationalballett verdankt. Sonja, eine Russin, von Diaghilew unterrichtet, kam 1910 als Chaluza nach Palästina in den Kibbuz Ein Charod. Zur weiteren Ausbildung war sie in Paris, heiratete dort einen jüdischen Franzosen, von dem sie sich aber bald trennte. Kam dann nach Holland, heiratete dort einen christlichen Holländer, der ihr half, die Kriegsjahre im Untergrund zu überstehen. Aber sogar in dieser schwierigen Situation unterrichtete Sonja die jüdischen Kinder, die wie sie sagte, untergetaucht waren. Reuben Vorembergs Gesicht leuchtete auf, als er mir die Geschichte seiner Direktorin erzählt« und ich war mir klar darüber, dass er diese Frau, die seit 22 Jahren seinen Weg begleitet, hoch verehrt. Friedei Schwartz, Tel Aviv JERUSALEM BUCHMESSE 1981 Ein wahres Kultur-gesellschaftliches Ereignis, die Eröffnung der loten Jerusalemer Buchmesse, das noch an Bedeutung gewinnt, wenn man die Tatsache in Betracht zieht, dass sie in Jerusalem, der Hauptstadt Israels, stattfand. In Jerusalem, der Stadt des Buches. In dem Jerusalem, in dem die interessante, flache Kuppel des „Shrine of the Book“ als eines der Wahrzeichen dieser Stadt hervorragt. In solch einer Stadt ist das Abhalten einer „Internationalen Buchmesse“ ln jeder Beziehung anziehend und am richtigen Platz. Und nun zu dem mehr gesellschaftlichen Ereignis, der glanzvollen Eröffnung, in Form einer „Cocktail Party“ fm Jerusalemer Hilton Hotel, am Abend vor der allgemeinen Eröffnung der Buchmesse am 6tens April 1981. Es war hier wohl jeder anwesend, der ln kultureller Hinsicht - einen Namen hat. Und dass dies viele sind, in einem Land wie Israel, konnte man an diesem Abend feststellen. Ganz abgesehen von allen den auswärtigen Gästen, an der Spitze unser Ehrengast und Preisträger, der bri- * tische Schriftsteller „Graham Greene", welchem bei der „loten Jerusalem Book Fair 1981“ de« Jerusalem Preis für Literatur zugesprochen wurde. Die feierliche Preisverteilung fand am Montag Nachmittag, den 7. April, im „Khan-Theater“, statt. Die Buchmesse selbst, in den für sie besonders neu erweiterten „Binjanel Hauma" tunfasste zirka 7.000 Quadratmeter. Mit ihren etUchen 100.000 Büchern, an 1.200 Ständen aufliegend, zählte sie heute, nach Frankfunrt, zu der 2 grössten Buchmesse der Welt. Sie war nicht nur an Umfang den vorhergehenden Buchmessen überlegen sondern hervorzuheben ist ihr ln Jeder Beziehung hohes Niveau. Ihre Aufgabe Publikum und Verleger auf dem Laufenden zu halten, über Bücher, vor allem Neuerscheinungen, ln fast allen Sprachen, hat sie in grossem Ausmass erfüllt. Und so wollen wir hoffen, dass sie ihren Zweck voll und ganz erfüllte, Völkerverbinded von Jerusalem aus durch Wort und Schrift zu wirken. LU1 Vardon 47