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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1981-01-01 · No. 48-49 (1981), Nachtrag · p. Seite 42

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1981
Issue
No. 48-49 (1981), Nachtrag
Date
1981-01-01
Page
Seite 42 (sequence 2589)
Language
German
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WAS AUS IHNEN WURDE... VON JUDEN AUS SCHLESIEN Von E. G. LOWENTHAli (Berlin) Mit einem Vorwort von Bundeskanzler Helmut Schmidt erschien in diesen Wochen ein neues Buch von Professor Dr. Herbert Weichmann, der, von 1965 bis 1971 Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, ln Deutschland und darüber hinaus zu einem „Eider Statesman“ geworden ist. Das Werk mit dem diesen erfahrenen und überlegenen Politiker treffend kennzeichnenden Titel „Der Geselschaft und dem Staat verpflichtet" kam zum 85. Geburtstag des Autors heraus (Albrecht-Knaus-Verlag, Hamburg) und ist, zumal es grundsätzlich wichtige Ansprachen und Aufsätze Weichmanns aus den letzten Jahren enthält, geeignet, den geistigen Kontakt zwischen dem zwar im Ruhestand (in Hamburg) lebenden, aber ausserordentlich interessiert, beteiligt und vital gebliebenen Politiker und einer grösseren Öffentlichkeit gleichsam erneut herzustellen. Nicht umsonst lautet der Untertitel der Neuerscheinung „Einfache und schwierige Wahrheiten"; denn Weichmann setzt hier seine Bemühungen fort, nachfolgenden Generationen Begriffe und Werte politischen Denkens und Handelns vor Augen zu stellen, die der Gesellschaft als „Forderung des Tages" gestellten Aufgaben beim Namen zu nennen und herausragende Persönlichkeiten, verewigte wie lebende, zu ehren. * In Jerusalem, wo er seit 1970 seinen ständigen Wohn- und Amtssitz hat, ist Rabbiner Egon I. Löwenstein im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung des “World Council of Synagogues” der Titel eines D.D. (Doctor of Divinity) des New Yorker "Jewish Theological Seminary of America” verliehen worden. Von den bei dieser Gelegenheit ausgezeichneten Rabbinern war Löwenstein, als einziger, der Absolvent einer der einst in Deutschland bestehenden Rabbinerausbildungsstätten. Der gebürtige Berliner, Jahrgang 1912 und aus der deutsch-jüdischen Jugendbewegung hervorgegangen, hatte nämlich 1938 seine Rabbinerqualifikation vom Jüdisch-Theologischen Seminar (Fraenkelscher Stiftung) in Breslau erhalten. Noch vor seiner Auswanderung nach Chile fand er, wenn auch nur für kurze Zeit, sein erstes Rabbineramt in Gleiwitz — 1939. Sodann wirkte er volle 31 Jahre an der, im wesentlichen von jüdischen Flüchtlingen aus Deutschland und Mitteleuropa geschaffenen und ausgebauten “Sociedad Cultural Israelita Bne Jisroel” in Santiago. Dass er in dieser Periode, mehr als ein Menschenalter lang, arbeitsmässig mit zahlreichen örtlichen, regionalen und sUdamerikanischen jüdischen Organisationen verbunden war (und geblieben ist), darf nicht verwundern. Das gilt vor allem für die Bnai-Brith- Logenbewegung. In Jerusalem ist Rabiner Drh.e. Löwenstein das geistige Haupt der Gemeinde „Emet W’Emuna". -¥■ Oberkantor Richard Cohn, Ende 1979 80 Jahre alt geworden, ist vor kurzem in New York heimgegangen. Vielen wird dieser einst auch als Oratorien- und Liedsänger bekannte Mann aus der Zeit ln der Erinnerung sein, als er von 1925 bis 1936 an der Synagogengsmeinde Gleiwitz/Oberachlesien wirkte. Danach konnte er noch weitere 86 Jahre an New Yorker Synagogen tätig sein; seit 1972 war im Ruhestand, * Professor Dr. George L. Mosse, in Berlin geboren, Jahrgang 19i8, seit vielen Jahren an der Universität von Wisconsin/USA, ist auf den neugegründeten Lehrstuhl für deutsche Geschichte an der Hebräischen Universität in Jerusalem berufen worden. Dieser trägt den Namen des deutsch-jüdischen Historikers Richard Koebner (Breslau 1885 — London 1958), der, bis 1934 an der Universität seiner Geburtsstadt lehrend, sodann bis 1955 Professor an der Jerusalemer Hochschule wirkte. * Fünf Jahre nach dem Tode des Schriftstellers und Verlaglektors Max Tau, der am 13. März 1976 im Alter von 79 Jahren in Oslo starb, konnte man im „Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel" (Frankfurt/M.) bemerkenswerte „Worte d. Freundschaft" von Hans-Otto Mayer lesen. Bis zur Verleihung des „Friedenspreises des deutschen Buchhandels" an Tau (1951) hatte Mayer seinen alten Freund 13 Jahre lang nicht gesehen; er hatte ihm 1938 „heraus“-geholfen, „es war für mich", so erinnert sich Mayer, „ebenso wie für die anderen Freunde, eine einfache Menschenpflicht, dieser grossartigen Persönlichkeit zu helfen, einem Mann, der in den praktischen Dingen des Lebens hilflos wie ein kleines Kind, aber für literarische Qualität, für das Gute und Schöne ln der Welt und für die Versöhnung aller Gegensätze beispielhaft aufgeschlossen war“. * Im Alter von 84 Jahren ist vor einigen Monaten der namhafte Chirurg Professor Dr. Rudolf Nissen, aus jüdsichem Haus in Neisse/Obersphlesien stammend, in Riehen bei Basel gestorben. Dort war er fast drei Jahrzehnte lang ansässig. 1952 war Nissen nach Basel berufen worden und leitete bis 1967 die Chirurgische Universitätsklinik. Nach vierjähriger Teilnahme am Ersten Weltkrieg hatte er bis 1933 als Assistent des berühmten Ferdinand Sauerbruch und Oberarzt an der Berliner Charite gearbeitet und es bis zum Ausserordentlichen Professor gebracht. In die Emigration gezwungen, folgten für ihn sechs Jahre in Istanbul, zwei in Boston/Mass. (USA) und 10 als Direktor der Chirurgischen Abteilung des Maimonides-Hospitals in New York. Der Verstorbene war ein ungewöhnlich fruchtbarer wissenschaftlicher Autor: Ausser einer Reihe von Fachbüchern in deutscher und englischer Sprache hat er weit über 600 Aufsätze über Themen aus allen Gebieten der Chirurgie veröffentlicht. 1969 publizierte er seine Erinnerungen als Chirurg unter dem Titel „Helle Blätter“ und 1979, in einem Buch zusammengefasst, ausgewählte Vorträge und Schriften („50 Jahre erlebter Chirurgie“). Im “Bulletin of the Chicago Board of Rabbis" (April/May, 1969) veröffentlichte Rabbi Ira (Isi) Sud, Chicago, .Erinnerungen an das einstige Prag. Daraus habe ich — gekürzt — ein Kapitel übersetzt, das für den Leserkreis dieser Zeitung nicht ohne Interesse sein dürfte. Ausgehend von einer Photographie, die leider nicht wiedergegeben werden kann, wird über die sieben Tschecho-Slowaken erzählt, die am Breslauer Rabbinerseminar gemeinsam studierten. Da auch ich mich diesen Kollegen freunschaftlichst verbunden fühle, sei ihnen die Übersetzung gewidmet. Von diesen „Sieben" hat sich nur einer gerettet, der von ihnen erzählen kann: Ira (Isi) Sud (1910, Samgorodek, Ukraine), war zunächst Rabbiner in Eger und Prag und lebte, nachdem er 1961 das Rabbinat des Temple Ezra, Chicago, 111. übernahm, nunmehr im Ruhestand. In der Photographie steht zur Linken Georg Löwith (1913, Trautenau), bereit zu lernen und unserem Volk zu dienen. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeitete er schwer auch in der Zeit des Druckes unserer Feinde. Neben ihm steht Erich Weiner (1911, Prag), der Sohn des Rabbiners Gustav Weiner in Prag-Vinohrady. Wir wuchsen unter einem Dach auf und legten unsere Prüfungen am Seminar zusammen ab. Von ihm wird gesagt, dass er einen G’ttesdienst in einer Gaskammer in Auschwitz abgehalten hat. Zeuge war einer der Vollstrecker durch das Guckloch. Das Zeugnis wurde abgelegt, weil der Beobachter diesen heroischen Tod nicht vergessen konnte. Vor seiner Deportierung war er Rabbiner in Klatovy und Pilsen (Böhmen). Dann sehen wir Otto Presser (1912, Pacow) hochgewachsen, sympatisch und vielversprechend. Der Baum hätte hochragen können, wenn er nicht ausgerissen worden wäre. Otto Hochmann (1910, Pardubice) wäre möglicherweise ein Gelehrter der Altertumswissenschaft geworden, denn seine Kenntnisse der lateinischen und griechischen Kultur waren aussergewöhnlich. Sein gewinnendes Lächeln wurde durch die Kraft* der Vernichtung rinnerungen für immer ausgelöscht. Albert Schön (1913, Märisch-Ostrau), versiert ln der Welt der Midraschim, war Rabbiner in Prosnitz und zuletzt ln Brünn. Von ihm wird berichtet, dass er den Menschen in Theresienstadt vorbildlich beistand. Er starb an Unterernährung und wir werden niemals das Ausmass seiner Leiden kennen. Seine teuren Eltern überlebten und fanden seine Bibliothek in der Zelle eines katholischen Priesters, der sie rettete. Nach dem Krieg erhielt der Schreiber dieser Zeilen sein Wilnaer Schass, so wie 3 Bände des T A N A C H, ed. LorenzO' Bragadin, Venetia 1545, 1617, 1618. Die drei Bände wurden dem Jewish Theological Seminary, New York zur Verfügung gestellt mit der Auflage, sie der damals geplanten „P’nimia" in Jerusalem zu überlassen. Albert Schön und der Schreiber dieser Erinnerungen wurden 1937 zusammen als Rabbiner vom Seminar entlassen. Albert Schön und Erich Weiner haben ein Jahr in der Hebrew University, Jerusalem studiert, bevor sie nach Breslau kamen. Pavel Hoch (1912, Pardubice) war klein und stämmig und ein ausdauernder Student. Diese 7 Rabblnatskandidaten wurden vor 50 Jahren dank der Weitsicht des Obersten Rates der Tschecho-Slowakei mit einem Stipendium zum Studium nach Breslau geschickt. P.S. (E.I.L.). Der Verfasser obiger Zeilen Rabbi Isi (Ira) Sud gedenkt in dem Artikel unserer Lehrer am Breslauer Rabbiner Seminar, die uns für das Leben vorbereitet haben. Ihm — bis 120 — und unseren sechs gemeinsamen Freunden — den 6 „Tschechen tyi" — seien diese Zeilen in schmerzlicher Erinnerung gewidmet. Vor vielen Jahren erschien im „Aufbau“ ein Artikel: „Albert Schön, der Heilige von Theresienstadt“. Im Jahre 1937 durfte ich bei einem Besuch in Prosnitz die Liebe und Verehrung beobachten, die die Gemeinde ihrem Jungen Rabbiner entgegenbrachte. E. I. Löwenatein. Jerusalem 42

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