Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1980
- Issue
- No. 46-47 (Mai 1980), Fortsetzung
- Date
- 1980-05-01
- Page
- Seite 59 (sequence 2527)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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ERNST AVRAHAM MARKOWICZ s. A. Mit Ernst Avraham Markowicz Ist einer der Pioniere des deutschen Zionismus von uns gegangen. Als Gymnasiast in Breslau war er ursprünglich in der jüdischen Jugendbewegung der „Kameraden“ aktiv. Zum Studium wählte er Chemie, für die er sich schon in der Schule interessiert hatte. Am Beginn seines Studiums stiess er auf die Schrift von Rosenzweig „Zeit ists..die forderte, zu den jüdischen Quellen zurückzukehren. Er nahm diesen Ruf ernst und ging im Sommersemester 1921 von Breslau nach Frankfurt, um an dem von Rosenzweig begründeten jüdischen Lehrhaus zu lernen. Mit Rosenzweig zusammen veranlasste er die Einrichtung von besonderen Kursen am Jüdisch-Theologischen Seminar in Breslau für nicht-theologische Studenten, um ihnen neben dem Universitätsstudium eine jüdische Ausbildung zu ermöglichen. Unter dem Eindruck von Rathenaus Ermordung 1922 wurde Ernst A. Markowicz Zionist. Er trat ins KJV ein und wollte sofort nach Palästina auswandern. Nur auf den Rat von Benno Cohn, sich vorher beruflich auszubilden, setzte er sein Studium fort. Nach dem Doktorat 1926 wurde er von dem Nobelpreisträger Haber als Assistent angenommen. Haber riet ihm, Industriechemiker zu werden. Er folgte seinem Rat und übernahm die Leitung eines chemischen Werks in Leipzig. Dort blieb er, unterbrochen durch eine längere Krankheitspause, bis 1935. In der leipziger zionistischen Ortsgruppe übernahm er das Dezernat für Jugendarbeit und half seit 1933 Chaluzim bei der Auswanderung. 1935 ging er als Warenprüfungschemiker zum Warenhauskonzem Schocken. Neben seiner beruflichen Arbeit sah er eine Aufgabe darin, die etwa 400 jüdischen Angestellten zur Auswanderung zu bewegen und ihnen bei der Umschulung zu helfen. Gleichzeitig bereitete er die Produktion für die pharmazeutische Fabrik Teva vor, die sein Bundesbruder Günther Friedländer in Jerusalem gegründet hatte. 1937 wanderte er in Palästina ein und arbeitete in verschiedenen chemischen Werken. Schon vor der Staatsgründung half er zeitweilig, später hauptberuflich am Aufbau der chemischen Abteilung der Kriegsindustrie mit. 1950 wurde er als Leiter der chemischen Abteilung ins Handels- und Industrieministerium berufen. 1961 erhielt er einen Auftrag der UNO, asiatische Länder bei der Verwertung lokaler Rohstoffe zu beraten. Er hatte einen solchen Erfolg, dass sein Vertrag Jahr für Jahr erneuert wurde. Er benützte die Gelegenheit seines Aufenthaltes in Malaya und Singapore, um sich in die asiatische Kultur zu vertiefen. Später wurde tv auch von den Regierungen in Portugal und \ ’ . zuela zur Beratung angefordert. Nach fünf Jahren kehrte er zurück und nahm sofort die Beratung für Regierungsinstitute auf. Wie sehr seine Leistung anerkannt wurde, zeigt seine Ernennung zum stellvertretenden Vorsitzenden des Standardinstituts trotz vorgeschrittenen Alters. So sehr er von seinem Beruf erfüllt war, so vernachlässigte er darüber nicht menschliche Beziehungen und die politische Arbeit. In ihm waren Fachkenntnisse, Religiosität und warme Menschlichkeit vereinigt. Deshalb war er in der Unabhängigen Liberalen Partei und in der Inter-Faith Organization für die Jüdisch-arabische Verständigung tätig. Für alles, was er tat, setzte er sich voll ein. Aber nie stellte er sich persönlich heraus. Er war, was heute so selten ist, bescheiden und hilfsbereit. Wer ihn kannte, wird ihn immer in der Erinnerung behalten. Julius Izhak Löwenstein FELIX BILEWUY s. A. Am 20. September 1979 ist unser guter Freund Felix Bilewsky in Venedig gestorben. Sein Tod hinterlässt eine Lücke ln unserem Freundeskreis, die sich nie schliessen wird. Felix — der Name bedeutet der Glückliche, und er trug diesen Namen zu Recht. Sehr viel zu seiner inneren Ausgeglichenheit trug auch seine Liebe zur Natur bei, die ihn bis in seine letzten Tage begleitete. Er entdeckte für sich und seine Familie die Schönheiten der Umgebung Jerusalems, wo Bilewskys bis zum Jahre 1950 lebten. Nach ihrer Übersiedlung nach Tel Aviv gehörte er zu den Gründern der Chowewey Teva, und nahm so oft wie möglich an den Wanderungen teil, solange sein Gesundheitszustand es ihm erlaubte. Seine Naturliebe und intensive Beobachtung führte ihn auch dazu, sich solch kleinen und unscheinbaren Pflanzen wie den Moosen zuzuwenden. Er entdeckte über 150 Sorten nur in Israel einheimische Arten, veröffentlichte einige wissenschaftliche Arbeiten darüber, die ihm internationale Anerkennung einbrachten. Was sein Leben ungeheuer bereicherte, war seine Liebe zur Musik, die ihn ständig begleitete. Er war viele Jahre Mitglied des Philharmonischen Chores. Es war für uns — seine Freunde — immer ein Genuss und eine Bereicherung über künstlerische Dinge zu sprechen und zu diskutieren. Dazu kam sein ausgeprägter Sinn für Humor, der so viele Härten des alltäglichen Lebens glättete. Seine grosse Güte, sein Verhältnis für seine Mitmenschen sicherten ihm einen grossen Freundeskreis, so dass man von ihm wirklich sagen kann, dass sein Leben bis zum letzten Tage von innerem Glück erfüllt war. Gedenkfeier für Frau Dr. Else-Ester Rabin Im Herbst 1978 fand im Zentrum für pädagogische Lehrmittel in Haifa eine Gedenkfeier für Frau Dr. Else-Ester Rabin statt, die am 14. April 1978 gestorben ist. Im Rahmen dieses Zentrums wurde von der Familie eine Kinder- und Jugendbuch-Bibliothek gestiftet. An dieser Gedenkfeier beteiligten sich Verwandte, Freunde und Mitarbeiter von der Loge und der Misrachi Frauenbewegung. Der Bürgermeister von Haifa, Herr Arie Gurel, sprach im Namen der Stadt über das einflussreiche Wirken der Verstorbenen im sozialen und kulturellen Leben der Stadt Haifa. Frau Towa Ben-Dov, die Leiterin der Erziehungsabteilung der Stadt Haifa, erzählte über die jahrelange Zusammenarbeit mit Dr. Rabin, die sich u.a. in der Gründung von Lesezimmern in Schulen in Haifa ausdrückte sowie in der Spendung von Büchern für Jugend-Bibliotheken. Dr. Adir Cohen, Leiter der Fakultät für Erziehung an der Haifaer Universität hielt einen Vortrag über die literarische Arbeit von Dr. Rabin, im besonderen ihrer Kinder- und Jugendbücher. Als Letzter sprach Professor Chaim Rabin, der einen Vortrag über die Wandlungen der hebräischen Sprache hielt. Die Jugend- und Kinderbücher-Bibliothek steht den Lehrern und Erziehern von Haifa und Umgebung zur Verfügung. ES wird geplant, die Eibliothek zu erweitern und vergrössern. Die Schwestern der Judith Montefiore-Logc zusammen mit der Familie von Dr. Ester Rabin liess ihre Jugend- und Kinderbücher in Braille schreiben. Eines der Bücher wurde auf Kassette für die Höhrbücherei aufgenommen. Dr. Walter Scherf, Leiter der Internationalen Jugendbibliothek in München plant eine Ausstellung zur Erinnerung an Dr. Rabin im Frühjahr 1980. Familie und Freunde hoffen, durch alle diese Tätigkeiten den Namen dieser aussergewöhnlichen Persönlichkeit, Dr. Else-Ester Rahm, lebendig zu halten. Eingesandt von der Tochter Dr. Miriam Ben-Porat, Haifa, Kidronstr. 26 PAULA HERZ ZUM GEDENKEN Zum 2. Mal jährt sich der Todestag von Frau Paula Herz, die uns am verg. 20.9.77, im Alter von 83 Jahren von dieser Welt verlassen hat. Frau H. wurde im Jahr 1894 in Samter b/Posen geboren und ihr Vater zog Anfang der 1. Jahre des 20. Jhdts. nach Breslau. Er hatte 4 Kinder: Erna, Frida, Paula u. Arno, der Jüngste, war ein bekannter klinischer Arzt in Berlin, der in der Nazizeit nach Paris auswanderte und sich mit seiner Frau nach Besetzung von Paris in d. Haute Vienne versteckte, aber leider doch unbekannterweise umkam. Erna, die älteste heiratet Salo Kaiser, die auf der Ohlauerstrasse das „Kaufhaus Ohlauer Tor" besassen, Frida verw. Meyer später J.acobowitz, führte viele Jahre lang allein das „Alsenhaus“ auf der Alsenstr. (in der Tschepine), Paula Herz übernahm nach dem Tod ihres Vaters das Geschäft (der allen 3 Mädchen sozusagen als Mitgift ein Geschäft in die Ehe einbrachte — das waren noch Zeiten!) das „Central-Kaufhaus Lesser Moses“. Allen Geschwistern ging es gut, bis es eben nicht mehr ging. — Herr Luz Meyer liess zuerst seine Mutter und Bruder nach Bs. Aires kommen und später erreichte er, auch dass das Ehepaar Herz nach Argentinien einwandern konnte. Herr Herz associerte sich mit seinem Neffen, lebt aber auch schon ca. 20 Jahre nicht mehr. Frau Herz war noch bis zu ihrem 80. Jahre im Geschäft ihres Neffen tätig. Ihre letzten Jahre lebte sie im Stadtteil Belgrano in einem Appartmenthaus, das sich Vidalinda nennt, wo sich ältere jüdische Leute eingekauft hatten oder in Miete lebten. Dort fühlte sie sich sehr wohl und war unter ihren Bekannten sehr beliebt, da sie sehr gefällig war. Auch war sie besonders aufmerksam zu ihren Neffen, die sie regelmässig besuchten und ihnen natürlich ihre gute Tante numehr fehlt. Die Güte von Frau Herz wurde gewissermassen belohnt, sie war in GeselL schaft einer Nachbarin, mit der sie sich gerade unterhielt und erwähnte, dass zum 1. Mal beide Neffen gleichzeitig verreist seien, der 1. in USA, der andere in Europa, plötzlich merkte die Freundin, dass Frau Herz nicht mehr reagierte und das war das Ende. L.M. Zum Gedenken an Leonie Kaminski Im 88. Lebensjahr verstarb kürzlich im Elternheim des I.O.M.E. Frau Leonie Kaminski. Sie war eine Urenkelin von Heinrich Heines Schwester Charlotte, also eine Urgrossnichte des Dichters. Obwohl sie eine fortschrittliche Persönlichkeit war, lebte sie gern in der Welt Heines und wusste viel aus dessen Familie zu erzählen. Oft hielt sie auch im Heim Vorträge über die gute alte Zeit, über die Heine-Familie und über ihre Einwanderung ins Land. Sie war schon 1912 hier, im damaligen Palästina angesiedelt, sie bewirtschaftete mit ihrem Elhemann ein Anwesen in Merchavia unter primitivsten Verhältnissen. Alles musste allein gemacht werden, es gab weder Kanalisation noch 59