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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1979-04-01 · No. 45 (April-Mai 1979) · p. Seite 29

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1979
Issue
No. 45 (April-Mai 1979)
Date
1979-04-01
Page
Seite 29 (sequence 29)
Language
German
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Rede bei der Gedächtnisfeier ANDÄCHTIGE VERSAMMLUNG! i’pma vis» ’ö» ro nsnty Pw run ..Siehe, ein lauten Wehgeschrei der Tochter meines Volkes dringt zu uns aus fernem Lande". Und dieses Wehgeschrei ist so gewaltig und so furchtbar, dass es unser Innerstes ergreift und von tiefstem Mitgefühl erbeben macht. Der Weg, den unsere vielverkannte Glaubensgemeinschaft und unser vielgeprüfter Stamm durch die Welt genommen, ist reich an Leiden und an Tränen. Seitdem Israel vor mehr als achtzehnhundert Jahren durch die Römer seiner Heimat beraubt wurde und der grössere Teil seines Überrestes gezwungen war sich unter den Völkern des Abendlandes heimisch zu machen, ist kein Land und kaum eine namhafte Stadt frei geblieben von den Spuren des vergossenen Blutes unschuldiger Israeliten und von Gewalttaten, die gegen sie verübt wurden. Doch uns schien es, als wäre unsere gesittete und aufgeklärte Zeit über diese Barbarei hinaus und als wären unmenschliche Greuelszenen in so weitem Umfange, wie sie im finstern Mittelalter zutage traten, nur damals möglich gewesen, wo Unbildung und eine falsche Auffassung der Religion für Wahn, Vorurteil und fanatische Unduldsamkeit gegen Andersgläubige einen günstigen Nährboden bildeten. Uns schien es, als wären die ungerechten Angriffe, Bedrückungen und Verfolgungen, die bis in unsere Gegenwart da' und dort gegen die Israeliten gerichtet werden, nur vereinzelte Nachzügler und Nachwirkungen einer im Schwinden begriffenen Zeit der Unkultur und Barbarei. Wir haben uns getäuscht. Denn das, was jetzt in Russland geschehen, ist neu und von eigener Art und übertrifft durch die grosse Zahl der gleichzeitigen Opfer, durch die Planmässigkeit und Heftigkeit der plötzlich ausgebrochenen Verfolgung und durch die tierischen Grausamkeiten, die dabei verübt wurden, alles, was die blutigsten Blätter unserer Geschichte aus der Zeit der Kreuzzüge und der schwarzen Pest berichten. Die schweren Verfolgungen aus diesen Anlässen waren elementare Ausbrüche einer durch Aberglauben, Fanatismus und Unglück leidenschaftlich erregten und verwilderten Menge und nicht ein von oben für ganze Provinzen angefachtes, geplantes und organisiertes Verderben. Das Verderben hatte auch nicht Jenen furchtbaren Grad des Schrecklichen erreicht. Denn da konnten noch viele vor dem drohenden Unheil in der einen Gegend 6ich in andere, davon noch verschont gebliebene Gegenden retten. Und bei den grossen, von den verblendeten Regierungen angeordneten Vertreibungen aus Frankreich, England und Spanien hat man doch wenigstens das Leben und die Familie der Unglücklichen geschont, während man sich nur ihrer Habe bemächtigte. Die Untaten aber, welche jetzt an über dreihundert mit Juden am meisten bevölkerten Orten Südrusslands gegen Besitz, Leben und Familienehre in der schändlichsten Weise verbrochen wurden, sind ursprünglich nicht von unten und blos aus eigenem verbrecherischen Triebe des Pöbels, sondern von oben planmässig veranlasst und geleitet worden von denjenigen, welche berufen waren die Wächter und Hüter des Gesetzes und der Ordnung zu sein. Von diesen wurden die gemeinsten Instinkte des niedrigen Pöbels mit boshafter Überlegung geweckt und auf die Juden gerichtet. Der Pöbel wurde förmlich herbeigerufen und angestachelt seine Mordgier und Plünderungssucht an den Juden zu befriedigen, während man die Angegriffenen entwaffnete und wehrlos machte und jede Sammlung derselben zu ihrer Selbstverteidigung durch die Polizei verhinderte. Dieses Vorgehen erinnert nur an den verruchten, aber vereitelten Plan Hamans, die Juden FÜR DIE OPFER DER RUSSISCHEN JUDEN¬ VERFOLGUNGEN AM 10. DEZEMBER 1905 IN DER ALTEN SYNAGOGE ZU BRESLAU GEHALTEN VON DR. F. ROSENTHAL, RABBINER DER SYNAGOGEN - GEMEINDE des ganzen, unter seiner Botmässigkeit stehenden Reiches für einen bestimmten Tag dem Tode und der Plünderung preiszugeben. Zeigt sich doch auch in den angegebenen Gründen eine gewisse Ähnlichkeit! Denn wie Haman seine Kränkung durch Mordechai an sämtlichen Juden strafen wollte, so wollten auch die grausamen Anstifter dieser Greueltaten in Russland, wie ausdrücklich gesagt wurde, die Juden im allgemeinen strafen für die Teilnahme der jüdischen Jugend an der erwachten Freiheitsbewegung der Unterdrückten und Unterjochten im Lande. Heil und Preis der jüdischen Jugend, dass sie, von einem idealen Drange beseelt, sich nicht scheute, mit der gerechten Forderung der Befreiung auch ihrer unglücklichen Glaubensgenossen von dem unerträglichen Joche einer tyrannischen Willkürherrschaft mit ihren Mitbürgern gemeinschaftlich in den Kampf zu treten! Aber es war doch nicht die ganze jüdische Jugend, die sich an den öffentlichen und anfänglich unblutigen Aufzügen beteiligte, sondern nur ein Teil derselben, die sogenannten intelligenten, die es besonders schmerzlich empfinden mussten, dass die Juden allein von den öffentlich verheissenen Volksrechten ausgeschlossen bleiben sollten. Und diese waren auch nur Mitkämpfer und nicht die Führer im Kampfe, der in dem ganzen grossen Reiche, auch da, wo keine Juden oder solche nur in geringer Anzahl wohnen, geführt wird für eine Umgestaltung und Verjüngung des Vaterlandes nach den Grundsätzen einer hehren und alle Glieder beglückenden Gerechtigkeit. Es ist daher eine Ausgeburt des törichten Wahnes die Juden allein verantwortlich zu machen für eine Bewegung, die von ihnen höchstens mitgefördert wurde, aber nicht von ihnen ausgegangen ist und die selbst durch ihre völliger Vernichtung nicht aufgehalten werden könnte. Das mussten doch die Verteidiger ihrer bisherigen Macht, die grausamen Anstifter der Greuelszenen, trotz ihrer Verblendung selbst einsehen. Und was haben euch schliesslich die schwachen Greise und zarten Kinder, die harmlosen Frauen und Jungfrauen getan und was die anspruchslosen Schriftgelehrten, die ihre ganze Seligkeit in den vier Ellen der Halacha des Studienhauses fanden und allen öffentlichen Fragen und Angelegenheiten fern blieben, dass ihr sie zu Tausenden von dem entfesselten und von euren Schergen aufgehetzten und geführten Pöbel morden, plündern und schänden liesset? Von der Unschuld dieser Geopferten musstet ihr selbst überzeugt sein, und ihr konntet daher auch nicht, blos um zu strafen und zu rächen, euch mit so furchtbarer Schuld beflecken. Das, was ihr getan, geschah vielmehr aus kalter, politischr Berechnung, aus Nützlichkeitserwägungen zur Behauptung eurer Gewaltherrschaft. Euer Plan ging dahin die im Volke ausgebrochene feindselige Strömung gegen die ungerechte Willkür der Gewaltigen von ihrem Ziele abzulenken und dadurch zu schwächen und herabzusetzen. Und dazu benutztet ihr das von euch selbst im Volke stets genährte Vorurteil gegen die Söhne Israels, und dazu habt ihr die unter eurer Herrschaft verrohten Massen zum Angriffe gegen die wehrlos gemachten Israeliten aufgerufen. Das hamanische Werk ist leider nur allzusehr gelungen, da mehr als 25 000 unschuldige Menschen in grausamer Weise hingeschlachtet und mehr als hunderttausend verwundet, geschändet, zu Bettlern und zu Witwen und Waisen gemacht wurden. Müssen diese barbarischen Untaten jedes menschlich fühlendes Herz aufs tiefst erregen, so muss unser schmerzliches Mitgefühl nur noch um so grösser sein, als die Geopferten unsere Stammesgenossen und Glaubensgenossen sind und weil die Unschuldigen nur deshalb so Furchtbares erleiden, weil sie gleich uns in der Treue gegen den Glauben unsrer Väter beharren. vpy m-nn Pvn “ow nrain tw navi np’1? n»m mp,-; ’nxir dx nx» rrtm nsa ■>»» na nPiro rnaan .asn ’xiVnn mm v»n vixi dxi am mm Meine Augen zerfliessen in Tränen ohne Unterlass, denn einen grossen Sturz hat erfahren die jungfräuliche Tochter meines Volkes, einen schweren Schlag. Wende ich mich nach aussen, siehe da die vom Schwerte Erschlagenen; wende ich mich nach innen, siehe da die Kranken und vor Hunger Verschmachtenden". Meine Brüder und Schwestern! Werdet nicht müde und matt in der Betätigung eurer Liebespflicht gegen die in Not und Elend zurückgebliebenen Unglücklichen! Bezeugen wir ihnen, dass sie von ihren in einem Rechtsstaate und in Freiheit lebenden Glaubensgenossen nicht verlassen sind. Lassen wir uns aber durch solche Vorgänge auch nicht den Glauben an die Menschheit und das Vertrauen auf den endlichen Sieg des Rechts rauben! Bei dem Berichte des ersten Schöpfungstages heisst es: inx nv> npa vpi any vn. Und es war Abend und es war Morgen ein Tag. Es heisst nicht llöin m\ der erste Tag. Darin finden unsere Alten eine Andeutung auf n"3pn 'TV IDT auf den Tag Gottes, mx DT> den Tag des Einen- Einzigen. Der Gottestag der Geschichte führt vom Abend zum Tage, zieht durch Nacht zum Morgen. So wird auch die gegenwärtig so düstere Zeit der Verwirrung und des Unheils in Russland, so hoffen wir, zu einem hellen Morgen führen, da die Sonne der Gerechtigkeit heilspendend über das ganze grosse, mächtige Reich aufgehen wird und auch für unsere unglücklichen Glaubensgenossen darin. Manche Anzeichen sprechen bereits dafür, dass die Teilnahme an ihrem traurigen Lose sich bei den edlen Menschen auch anderen Glaubens regt und zwar bei denen in ihrem eigenen Lande, wie bei denen in anderen Ländern. Wir wollen uns auch den Glauben nicht nehmen lassen, dass die göttlsche Verheissung an den Patriarchen Jakob; ■qTl?X X1? ’D »denn ich werde dich nicht verlassen“, an seinen Nachkommen, wie in früheren Zeiten, so auch Jetzt und für alle Zukunft nicht unerfüllt bleibt. Denn siehe, es schläft nicht und es schlummert nicht der Hüter Israels. Und so wenden wir uns auch mit unserem inbrünstigen Gebete zu Dir, Vater in den Höhen und ewiger Gott der Gerechtigkeit! Lasse das unschuldige Blut unserer Brüder, Deiner Knechte nicht vergebens geflossen sein. Lasse ihnen die Zelt der Leiden und Prüfungen eine Saat in Tränen sein, von der ihnen eine Ernte in Freuden erwächst, dass das alte und so schwer auf ihnen lastende Joch der Willkür und Gewalttat ihrer Feinde von ihnen genommen werde, und sie die Anerkennung ihrer Rechte finden. Wir flehen zu Dir um Deinen Schutz für den Rest, der aus dem Verderben entronnen, und wir flehen zu Dir für die Seelen der Gefallenen und der für die Heiligung Deines Namens Geopferten. Lasse sie weilen in Deiner Nähe und im Reiche der Seligen und Unsterblichen, und lasse ihr Andenken ihren Nachkommen und auch uns zum Segen sein! Amen. 29

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