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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1979-04-01 · No. 45 (April-Mai 1979) · p. Seite 28

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1979
Issue
No. 45 (April-Mai 1979)
Date
1979-04-01
Page
Seite 28 (sequence 28)
Language
German
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Eine Gottgewollte Institution „Der herzensgute, kluge, humorvolle Jacob, der weltschauende Kaufmann und seine Lebensgefährtin, die vornehme, anmutige, liebenswürdige Emma haben ein Haus aufgebaut, grosszügig und gastlich, in dem Jeder sich wohlfühlt, in dem Herz und Geist, Körper und Seele gestärkt werden“, so schilderte Onkel Louis der traditionelle Festredner der Familie meine Eltern. Es stimmte, er sagte nicht zuviel. „Ihre prächtigen Kinder“, so fuhr er fort — eins von den „prächtigen Kindern“ war ich und zwar das Jüngste und das einzige Mädchen neben vier schon erwachsenen Brüdern, von denen ich viel auszustehen hatte. Eltern waren zur damaligen Zeit eine gottgewollte Institution und genossen göttliche Verehrung. Wir hassten noch nicht unsere Väter — das kam erst später. Warum sollte man auch? Die lieben guten Väter und Mütter, was war gegen sie einzuwenden? Im Gegenteil! Ich liebte meine Eltern zärtlich und aufrichtig. Man hatte sogar Respekt vor ihnen, ohne dass dies der Liebe Eintrag tat. Und wenn an mich die dämliche und taktlose Frage gerichtet wurde, die man offenbar sehr witzig fand: „Wen hast Du lieber, Vater oder Mutter?“, dann antwortete ich, wie aus der Pistole geschossen: „Beide gleich!" Ganz unter uns, ein klein wenig zog ich Papa vor, und hätte ich damals schon Freud gelesen, so hätte ich kein so schlechtes Gewissen deswegen gehabt. Aber ich war auch sehr stolz auf meine schöne, elegante Mama, und es stand bei mir fest, alles war richtig, so wie sie es machte. Papa hatte es leichter als Mama, was meine Erziehung betraf. Er musste sich nicht um die Einzelheiten kümmern. Wenn ich ihm bei seinem Nachhausekommen fröhlich und ohne Scheu mitteilte, „Vatel, heute war ich ungezogen“, sagte er freundlich: „Nu machs nicht wieder“. Er sah die Dinge in der richtigen Perspektive, während Mama sich verpflichtet fühlte, einen Versuch zu machen, etwas streng zu sein. Ich wuchs auf in dem schönen neuen Haus, Kaiser Wilhelmstrasse 117, das mein Vater, Jacob Manasse, erbaute, nachdem sich die Familie durch mein Erscheinen vergrössert hatte. Vorher wohnte die Familie am Tauentzienplatz, damals eine gute Wohngegend. Das Haus Nr. 117 war in den ersten Jahren des Jahrhunderts das letzte in der schönen, vornehmen Kaiser Wilhelmstr., eine Tatsache, auf die ich sehr stolz war. Man hatte einen weiten Ausblick über Wiesen und Felder bis zur „Umgehungsbahn“, denn auch auf der Rückseite, der Hohenzollemstrasse, standen damals noch keine Häuser. Wenn Papa nach Hause kam, warf er mir und den Mädchen, die herbeisprangen, um ihm seine Sachen abzunehmen, Schokoladentäfelchen zu, von denen er immer einen kleinen Vorrat in der Tasche hatte. Es war sein Bedürfnis, Freude und Zufriedenheit um sich zu verbreiten, und nicht nur durch das Verteilen von Schokoladentäfelchen. Er half und schenkte mit offenen Händen und aus vollem, gütigem Herzen, Verwandten, Freunden, Armen, Institutionen. Sein besonderes Mitgefühl galt den armen jüdischen Schnorrern, auf deren Listen, die sie in den Herbergen käuflich erwarben, er offenbar als grosser Wohltäter verzeichnet war. Es handelte sich wohl nicht immer nur um Bedürftige und arme Vertriebene aus dem Reiche (Elternhaus und Familie) von „Väterchen Zar“, sondern auch um gewerbsmässige Schnorrer. „Glaubst Du denn wirklich, Kobe (in Schlesien übliche Abkürzung für Jacob), all das stimmt, was der Dir da erzählt“, sagte Mama, die fürchtete, dass er ausgenützt würde, etwas ärgerlich. „Natürlich glaub’ ich’s nicht, Emmale“, erwiderte er mit gutmütigem Lächeln, „aber dass er Geld braucht, stimmt ganz sicher“. Als Berger, unser Haus-Faktotum, erwischt wurde, dass er ein wenig „klaute“, zog Papa mit wahrhaft salomonischer Weisheit und Güte die einzige logische Konsequenz: „Ich werde ihm zu seinem Gehalt zulegen, denn er kommt doch offenbar nicht damit aus, sonst würde er doch nicht stehlen“. Mit seinen weitreichenden Plänen beschäftigt, war mein Vater oft in Gedanken verloren. Er legte neue Strassen an. Der Durchbruch des neuen Teils der Hohenzollernstrasse, über den Kaiser Wilhelmplatz hinaus zum Wasserturm, ist ihm zu verdanken. Er errichtete auf seinen Terrains in Brockau die erste Vorstadt-Siedlung von sehr billigen Einfamilienhäusern, die auch für Leute mit sehr geringen Mitteln erschwinglich waren, die vorher in schrecklichen Mietskasernen gewohnt hatten. Und er errichtete das erste moderne Geschäftshaus in Breslau, das „Goldene Hirschei“, das eine Passage bildete zwischen der Karlstrasse und dem Exerzierplatz. Es hatte die staunenswerte Neuerung von vier Fahrstühlen. Im Hofe des neuerbauten Hauses stand, hoch auf einem Podest, „das Goldene Hirschei“, das noch erhaltene Wahrzeichen der ehemaligen Herberge, „Gasthof und Ausspannung zum Goldenen Hirschei“, die einst an dieser Stelle gestanden hatte. Oft hatte er schwere Probleme und stöhnte herzbewegend. Fragte Mamma besorgt: „Aber Kobe, was stöhnst Du denn so? Dann erwiderte er gemütsruhig: „Lass mich doch, Emmale, es macht mir Vergnügen!“ Lächelte er verträumt vor sich hin, und man fragte nach dem Grund seines Amüsements, lautete die Antwort: „Nichts Besonderes, ich lächle nur schmunz“. Kein Wunder, dass er, mit Dingen beschäftigt, die ihm wichtiger waren, wenig Interesse für seinen Anzug hatte. Er liebte es zwar, dass Mama elegant gekleidet war, doch er fühlte sich am wohlsten in seinem alten Anzug. Schliesslich erklärte Mama energisch: „Kobe, Du brauchst unbedingt einen neuen Anzug!“, und schleppte ihn mit sanfter Gewalt zum Schneider. Sie überwachte die Anproben und sah Jedes Fältchen. Schneider Buckwitz war ein Meister seines Faches, doch manche Kunden verlangten Unmögliches. Buckwitz liess sich nicht aus der Ruhe bringen, er erklärte: „Die Hose soll sitzen ‘lascher’ (leger) und dennoch wie ein ‘Trako’ (Tricot), beides lasst sich nicht vereinigen“. Denn das glich etwa der Quadratur des Kreises. Und wenn der neue Anzug fertig war, dann bedurfte es noch vielen guten Zuredens, ehe Papa ihn auch wirklich trug. Die Eltern waren umgeben von zahlreichen Verwandten, von denen sich besonders an Sonntagabenden eine beträchtliche Anzahl bei uns einfand. Papa, der von der Familie als Oberhaupt geliebt und verehrt wurde, sah das gern. Mama hatte es vielleicht nicht ganz so gern, doch sie liess es sich nicht anmerken, und spielte mit Anmut und Würde die Rolle, die ihr zugedacht war. Sie blieb die vollendete Gastgeberin, selbst bei solchen Prüfungen, wie dem unangemeldeten vollzähligen Erscheinen — ohne vorherige telefonische Warnung — Polodskis, einer mit 6 Kindern gesegneten Familie. Mama unterdrückte einen Seufzer und sagte nur resigniert: „Marie, ziehen Sie noch eine Platte aus, und schneiden Sie noch mehr Braten auf”. Der Ruscheway — Ausziehtisch und das Esszimmer boten Platz für — Gottbehüte — 24 Personen, und die Speisekammer musste die entsprechenden Vorräte in Reserve halten. Wie Mama es fertig brachte, dass der Haushalt trotz solcher Überfälle, zahlreicher Logiergäste, die jederzeit mit Selbstverständlichkeit aufgenommen wurden, und dem lebhaften regulären Betrieb eines 10 Personen.Haushalt — immer tadellos funktionnerte, das war bewundernswert. Sie hielt die Fäden des Haushalts unmerklich in der Hand, und das Personal, das sie verehrte, und wusste, dass sie jede Arbeit verstand, tat sein Bestes für sie. Ich weiss ihre Leistung erst heute richtig zu schätzen, nachdem ich einen eigenen Haushalt habe, nur einen kleinen, und in dem geht es manchmal drunter und drüber. Allerdings besteht „das Personal“ nur in einer Aufwartefrau, einmal in der Woche 4 Stunden. Die Zeiten ändern sich. Der Dollar und das Pfund wurden abgewertet und Eltern sind nicht mehr „Eine Gottgewollte Institution“. „Wir haben ja nicht solchen Respekt vor Dir, wie Du mal vor Deinen Eltern“, sagte meine Tochter (damals elfjährig), aber Du bist so ein lieber, anständiger Mensch — eigentlich sollte man Dich überhaupt nicht ärgern“. Und das ist doch schliesslich auch sehr schön; auch wenn Eltern heute keine „Gottgewollte Institution“ mehr sind. Jenny Breslauer, Tel-Aviv Ein Blümlein hab ich Das mit tausend zarten Blättern Nach oben greift. Ein anderes senket Seine Zweiglein nieder. Das eine gleichet einer Seele Die nach Selbsterlösung ringt. Das andere gleichet einer Seele Die die Nächstenliebe wirkt Doch beide sind ein Ganzes, Herrlich heilig Silberklares Inmitten einer Mondlichtnacht. — ★ — Ich stehe vor Deinem Gericht In heiligem Neigen, Das Böse zu meiden Ist meine Pflicht. In Liebe zu handeln Das Dunkle zu wandeln In Reinheit und Licht. OTTO HECHT s.A. 2t

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