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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1978-10-01 · No. 44 (Oktober 1978) · p. Seite 13

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1978
Issue
No. 44 (Oktober 1978)
Date
1978-10-01
Page
Seite 13 (sequence 2382)
Language
German
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Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen: Ja, so geht es mir, der ich das Glück hatte, zusammen mit meiner Frau zu der Gruppe zu gehören, die anlässlich der “Woche der Brüderlichkeit” von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, vom 9. — 16. März nach Köln eingeladen wurden. Der Einladung folgten 16 Menschen der Vereinigung ehemaliger Kölner und Rheinländer aus Haifa, und es gibt keinen dieser Gruppe, der nicht voll des Lobes ist für das, was uns geboten wurde und das gilt besonders für die Menschen, die sich zur Verfügung gestellt hatten, uns die Tage in Köln zu einem Erlebnis zu machen. Nach einem angenehmen Flug mit der Luft- Hansa erreicherten wir München gegen 8 Uhr abends. Während wir Israel bei 28° Celsius verlassen hatten, hatten wir in München eine Temperatur von 4°, doch waren alle Teilnehmer in bester Stimmung. Im Flughafen von München war mit nett ausgestatteten Imbiss-Beuteln für den Appetit gesorgt, und schon nach einer knappen Stunde hatten wir den Weiterflug nach Köln, und siehe wir wurden hier von Herrn Unger, dem Vorsitzenden der Gesellschaft, von Frl. Meret Meyer, Enkelin von Chagall und von Ruth und Theo Torossian empfangen und bald darauf waren wir im Hotel Leonet in der Rubens Str., wo wir nach einer kurzen Lagebesprechung bald unsere Zimmer aufsuchten, zur wohlverdienten Ruhe. Am Freitag den 10. März starteten wir um 10 Uhr zu einer Stadtrundfahrt, die von Pater Prior Dr. W.P. Eckert geleitet wurde. Er verstand es bei dieser Tour uns die Schönheiten Köln’s, wie Kirchen und Museen, Parks und trotz der schweren Bombardierungen erhalten gebliebenen romanischen und gothischen Bauwerke zu definieren, und uns das neuerstandene Köln, seine Brücken über den Rhein-Strom und seine Glaspaläste vorzustellen. Einen besseren Führer durch Köln hätten wir nicht finden können. Pünktlich um 12.15 Uhr wurden wir im Stadt. Rathaus von Bürgermeister Wilh. Peter Winkler als Vertreter des sich nicht in Köln befindlichen O.B. empfangen und mit herzlichen Worten begrüsst. Eine anschliessende Führung durch das Rathaus zeigte uns die alten Säle, herrliche alte Teppiche, Handschnitzereien und Gemälde. Ein geschmackvolles Lunch um 1 Uhr im Restaurant “Sion” stillte den Appetit der Teilnehmer. Nach einem freien Nachmittag trafen wir uns wieder pünktlich um 18.30 Uhr zum Freitag-Abend-Gottesdienst in der Synagoge in der Roonstrasse. Anschliessend waren wir Gäste zum Abendessen bei der Jüd. Gemeinde im Gemeindesaal, wo wir von Herrn Ginsberg, Vors. d. Jüd. Gemeinde Köln, herzlich berüsst wurden. — Zurück ins Hotel, fanden fast alle von uns ein besseres, komfortableres Zimmer vor. Während ein Teil unserer Gruppe noch zu privater Einladung ging, sass ein anderer Teil noch gemütlich bei einem Glas Bier im Restaurant “Prinz Eugen” beisammen. Nicht vergessen möchte ich zu berichten, dass früh morgens gegen 7 Uhr am Freitag wegen plötzlichen Stromausfalls der Fahrstuhl hängen blieb, und zum Pech befand sich Alice Levy darin. Die Ärmste musste fast VA Stunden ausharren, bis der Schaden behoben war, und ich sie in ihr Zimmer tragen konnte, wo sie sich von dem Schrecken erholte. Am Samstag, den 11. März waren wir alle pünktlich um 9.30 Uhr beim Gottesdienst, wo Heini Schupler, Herr Bein und Prof. Meyer zur Thora aufgerufen wurden. Auch die Predigt an diesem Tage hielt Prof. Meyer, der mit ergreifenden Worten über den Aufbau unseres Landes erzählte und hervorhob, dass der kleine Mann, der Mann aus der Reihe, der Pionier, der Chawer aus dem Kibbutz, dass sie alle es waren, die am Tage geschafft und in den Nächten gewacht haben. So wurde unser Land aufgebaut. Die Predigt war ein nsmymüEmmaa Woche der Brüderlichkeit 9. — 16. MÄRZ 1978 — IN KÖLN Erlebnis, eines der vielen auf unserer Tour. Ein gemeinsamer Kiddusch mit den dazugehörigen Reden, u.a. von Heine Schupler, und eine Geschenkübergabe an Herrn Ginsberg, als den Vors, der Jüd. Gemeinde, beendeten das Programm — sagen wir das offizielle am Schabbath. Der Abend wurde von den Mitgliedern zu Theaterbesuchen benutzt, wobei Meret Meyer, die anstelle der erkrankten Frl. Keller Herrn Unger zur Seite stand, alles Erdenkliche unternahm, um Karten für die Oper, für das Schauspielhaus und für die Kammerspiele zu bekommen. Meine Frau und ich wareil Gäste bei Familie Torossian, wo wir einen netten Nachmittag und Abend verbrachten. Ein furchtbares Ende nahm der schöne Abend, als wir bei den Nachrichten von dem schrecklichen Autobus- Überfall auf der Strasse Haifa—Tel-Aviv hörten. Sofort fuhren wir zur “Deutschen Welle”, wo Herr Torossian für bulgarische und armenische Sendungen verantwortlich arbeitet, und so bekamen wir bis 12 Uuh nachts alle neuesten Durchsagen. Im Hotel hatten sich um Mitternacht alle unsere Freunde eingefunden, um zu kondolieren und um uns Beistand zu leisten. Es wurde abgemacht, dass die Gruppe am Sonntag Nachmittag in der Wohnung von Wilhelm Unger zu den Ereignissen Stellung nimmt, und die weiteren Schritte berät. Am Sonntag, den 12. März, traf man sich am Vormittag zum Museums-Besuch und leider viel zu kurz war man im Römisch-Germanischen und im Wallgraf-Richards Museum. Im ersteren hätte man noch eine Woche, im letzteren noch mindestens zwei volle Tage verbleiben können. Murillos, Chagalls, Picassos, Pissaros, Kokoschkas, Toulouse- Lauteres, Goyas und Van Goghs sind einige derer, die wir trafen. Nach dem Mittagessen und nach einem kleinen Nickerchen machten wir uns auf den Weg zum Empfang bei dem Vorsitzenden Wilhelm Unger in seiner besonders nett eingerichteten Privatwohnung in der Vogelsanger-Strasse 9. Besonders erwähnenswert ist seine Bibliothek, die was Vergangenheit und Gegenwart, Forschung und Geschichte, Judaica und sonstige Religionen unserer Erde betrifft, alles vorhanden ist. Herrliche Bilder komplettieren diese gemütlichen und schönen Räume. Schon heute glaube ich sagen zu können, dass dieser Nachmittag in der Wohnung von Wilhelm Unger einen Höhepunkt der Veranstaltungen unseres Hiersein in Köln darstellt, und dass die Atmosphäre, die von diesem grossen Manne ausstrahlt, sich auf sein Heim, auf seine Gäste und auf jedes Gespräch überträgt, das in diesen Räumen geführt wird. Von seiner herrlichen Terrasse kann man Köln in allen Richtungen erschauen, und bis zum alles überragenden Dom sehen. Bei Kaffee und Kuchen wurde besprochen, das geplante Programm mit kleinen Änderungen betreffs des morgigen gemütlichen Abends weiter durchzuführen. Nur nie den Mut verlieren. Jetzt erst recht. Später unterhielt man sich bei Würstel und Kartoffelsalat noch recht gemütlich, und viel zu schnell waren auch diese bemerkenswerten Stunden vergangen. Es darf nicht ungesagt bleiben, dass der Post- und Telefon-Techniker Mathias Jacqumien, auch ein sehr aktives Mitglied der Gesellschaft, die Telefonnummern aller Teilnehmer sammelte, um zu allen Familien nach Israel zu telefonieren und ihnen Grüsse und Teilnahme zu überbrigen. Mathias sowie die ganze Familie Jäger mit Söhnen standen uns jederzeit mit Rat und Tat, aber auch mit Auto-Transport zur Verfügung. Am Sonntag Abend um 8 Uhr hatten wir Karten für die Komödie “Ingeborg” von Goetz im Theater am Dom. Andere Freunde waren im Volkstheater oder im Theater im Vrincsveedel. Montag, der 13. März, gehört wieder zu den Höhepunkten unseres Programmes. Pünktlich 9.30 Uhr morgens starteten wir zu unserem Bonn-Besuch, und sowohl Petrus als auch unsere Kölner Freunde begleiteten uns dorthin. Recht eindurcksvoll war die Stadtrundfahrt durch die Regierungshauptstadt, die es jedoch nicht sein will. Vor der Israel-Botschaft wurden wir von dem Botschaftssekretär, Herrn Mordechai Levy, über die letzten Ereignisse in Israel ausführlich informiert, und weiter ging die Fahrt zum Bundestag, wo wir für 11 Uhr angesagt waren, und auch dort pünktlich vom Bundestagspräsidenten, Herrn Prof. Carl Carstens empfangen wurden, nachdem wir vorher über technische und parlamentarische Einrichtungen des Hauses eingehend unterrichtet wurden. Bei dem Empfang beim Bundestagspräsidenten muss die aufrichtige Herzlichkeit hervorgehoben werden und die scharfe Verurteilung der letzten Terror- Greuel in Israel standen dabei an erster Stelle. Seiner Ansicht nach ist die Bedeutung der rechts- oder linksradikalen Parteien in der Bundesrepublik minimal und auch weiter bedeutungslos. Beim anschliessenden Empfang beim Bonner Oberbürgermeister Eberhard Honig war unser Freund Bein der Held des Tages. Sein nicht bezahlter Steuerbescheid aus dem Jahre 1933 wurde herzlich belacht und sein Bild nebst Bericht von der Bonner Zeitung herausgebracht. Bei einem Mittagessen der D'.I.G. mit deren Vizepräsidenten, dem Bundestagsabgeordneten Dr. Hans Stercken, nahmen u.a. auch Rolf Vogel von den d.b. sowie der Generalsekretär Herr Rotter teil. In den nachfolgenden Reden und Entgegenungen wurde unser Besuch in Bonn besonders lobend hervorgehoben, während Heini Schupler offen über verschiedene unliebsame Erscheinungen in der Bundesrepublik berichtete. Nachdem wir unsere Geschenke übergeben und alle Teilnehmer die Bonn-Nadel erhalten hatten, nahm man Abschied, wobei die Gastgeber besonders lobend die Verbindung der Vereinigung zu ihrer ehemaligen Heimat erwähnten. Bei herrlichem Wetter kehrten wir über die Autobahn Bonn — Wesseling — Köln zurück, um nach einer kleinen Verschnauf-Pause pünktlich um 19.30 Uhr der Einladung der Kölnischen Gesellschaft im Gemeindesaal in der Roonstrasse Folge zu leisten. An diesem Abend hatten sich alle namhaften Persönlichkeiten Köln’s ein Stelldichein gegeben, und sollte ich einen oder den anderen von ihnen vergessen haben, bitte ich um Entschuldigung. Herr Theo Buraun, ehemaliger Oberbürgermeister von Köln, Dr. Rotter, Generalsekretär der D.I.G., Dr. Rossa, Oberstadtsekretär, Dr. Gisbert, Oberschuldezernent, WUhelm Unger, Vors, der Vereinig für Christl-Jüd. Zusammenarbeit, der Oberschulinspektor Simons, sowie Herr Ginsberg, Vors, der Jüd. Gemeinde Kölns und 2. Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland. Der Abend war nett und angenehm und bei einer Kalten Platte, bei Kaffee und Kuchen traf man sich mit Freunden und Bekannten und mit ehemaligen Haifanem, wie z.B. Frau Josef und Sohn (Cafe LUliput — Nordaustr.). Auch Familie Torossian aus Köln und Franz Josef Klein befanden sich neben all unseren ständigen Kölner Freunden unter uns, und der Conferencier leitete den Abend in netter Form, der noch hier und da von Liedern und anderen Darbietungen, Begrüssungen und Vorstellungen umrahmt wurde. Leider kam es an diesem Abend nicht mehr zu einer Aussprache zwischen Mitglie- (Fortsetzung auf Seite 14) 13

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