Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1978
- Issue
- No. 43 (April 1978)
- Date
- 1978-04-01
- Page
- Seite 26 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Unterwegs mit Freunden und Büchern Der Musikkritiker Dr. Prankenstein gab bei einer Zusammenkuft der Zentra, des Dachverbandes der Mitteleuropäischen Landsmannschaften, im Januar einen interessanten Bericht über seine letzte Europareise. Am Anfang der Reise hatte er ein erfreuliches Treffen mit einer alten Dame im Zug von Passau nach Regensburg, die von einer katholischen Ordensschwester begleitet war. Sie war von der Begegnung mit einem Bewohner aus dem Heiligen Land so erschüttert, dass sie zu weinen begann. Aus der zufälligen Begegnung entstand ein lebhafter Briefwechsel, der bis zum Lebensende der frommen Israel-Verehrerin dauerte. Ein anderer frommer Christ, den er traf, war der Maler Gasper. Sein Schaffen ist getragen von der Vision des Fürsten der Gerechtigkeit und seines Sitzes in Zion, nach Jesaia 32 und 33. An der Haustür des Künstlers fand Frankenstein anstatt eines gewöhnlichen Namensschildes ein Bild seines Grabsteins mit seinem Namen. Eine angenehme Erfahrung machte er mit einem Beamten der deutschen Bundesbahn. Er reiste mit seiner Tochter, die an Kinderlähmung leidet, und fragte den Beamten, ob es eine Möglichkeit gäbe, die Treppen bei Umsteigestationen zu vermeiden. Der hilfreiche Beamte gab sich grosse Mühe, um durch telephonische Erkundigungen, die Reise zu erleichtern. Eine alte Dame, die er sprach, lebte so in der Begeisterung für Heine, dass sie sich als die wiedergekehrte Seele von Heines Freundin, der Mouche, fühlte. Er lernte eine andere achtzigjährige Dame kennen, der einst Beer-Hofmann das “Schlaflied für Miriam“ gewidmet hat. Er traf mehrere Schriftsteller und Künstler, unter ihnen die grosse schwedische Schauspielerin und Sängerin Torberg, deren Biographie er geschrieben hatte. Sie war eine der wenigen Nichtjuden, die ihre Stellung an der Berliner Oper aufgab, als Hitler die Macht ergriff, und ein zweites Mal auf ihr schon angekündigtes Auftreten als Isolde in Wagners Oper in Wien verzichtete, als Hitler einmarschierte. Wer sie vertrat — war eine Halbjüdin. Heiterkeit erregte seine Erzählung über den Dirigenten Klemperer. Klemperer hatte verschiedene Orchester in Israel dirigiert, jedoch niemals die berühmten Philharmoniker. Klemperer stellte den Verantwortlichen, Zwi Haftel, darüber zur Rede. Zögernd erhielt er die Antwort: das kommt daher, weil er getauft sei. Als ihm Klemperer zum Gegenbeispiel andere getaufte Dirigenten nannte, z.B. Koussewitzki, sagte ihm Haftel entschuldigend: “Ja, aber der hat auf Honorar verzichtet.“ Was bekam Zwi Haftel von ihm zu hören? “Ich bin eben immer noch genug Jude, nicht auf das Honorar zu verzichten." Die Hörer nahmen dankbar seinen Reisebericht von Europa auf; fühlen sie sich doch noch mit dem geistigen Leben dort verbunden, auch wenn sie sich in Israel verwurzelt haben. Anni Loewenstein (Priebatsch) Eine ehemalige Breslauer Familie trauert ZUM TODE VON JUDITH ALTHOF, geb. WEISS Wer unter den Alteingesessenen in Haifa kennt nicht Kurt Weiss? Sein 80. und 90. Geburtstag (geb. 7. Dezember 1884) waren Ereignisse im gesellschaftlichen Leben der Loge und des K.J.V., wie auch der zahlreichen Bekannten und Freunde. Man feierte den Jubilar, wie man auch aus gegebenem Anlass den 70. und 80. Geburtstag von Frau Grete Weiss geb. Bab feierte. Das Ehepaar Weiss errichtete in Breslau eine Pflanzstätte der feinen Kultur, der Jüdischkeit im allgemeinen und des Zionismus im besonderen. In dem Buch “Erlebte Judenfrage” schreibt Kurt Blumenfeld: Zahnarzt Dr. Hugo Schachtel und Kurt Weiss waren damals (vor 1914) die Säulen der Zionistischen Ortsgruppe, erfindungsreiche, sehr bewegliche Persönlichkeiten, deren organisatorische und literarische Arbeiten im ganzen Reich wirksam wurden. Ich habe viel v. ihnen gelernt”, (Blumenfeld S. 61). Grete Weiss hat als Jugendliche,, damals Grete Bab, in Berlin, auf dem Sternchen, später auf dem Konservatorium von Scharwenka und schliesslich auf der Hochschule für Musik ihre musikalische Ausbildung erhalten und seit 1933 bis auf den heutigen Tag Generationen von Sängern und Sängerinnen ausgebildet. Ihre Rezensionen über das Haifaer Musikleben in der Palestine — bzw. Jerusalem Post fanden jeweils starke Beachtung. Kurt Weiss ist der Spross einer Familie, die vor der Jahrhundertwende noch ihre eigene Synagoge besass. Dr. Weiss erinnert sich lebhaft an die Gottesdienste in der Antonienstrasse, welche sein Grossvater Zacharias, genannt der kleine Zacharias, dort bei sich im Hof installiert und durchgeführt hat. Auch sein Vater Eduard Weiss führte die Tradition weiter. Nach dem Kriegsende ging dann der Enkel — der heute fast 94 jährige — vom Zeitpunkt seiner Heirat in die Synagoge in der Kürassierstrasse, bzw. im Betlokal des Jüdischen Krankenhauses. Zwei bildhübsche kleine Mädchen folgten ihm und gingen an der Seite von Vater und Mutter zu den Gottesdiensten. Die ältere Judith, sei. And. und — zu langen Jahren — die jüngere Susi! Sie blieben auch hier in Haifa ab 1939 beieinander, als sie die Misrachi-Mädchenschule unter der damaligen Leitung des bekannten Schulmannes Ben Schabbat, besuchten. Susi ist heute verheiratet mit Benjamin Prager, Sohn von Dr. Joseph Prager und seiner zu früh verstorbenen Lotte, geb. Badt. Wer Lotte Prager kannte, der wird sich erinnern wie gütig und wie tüchtig diese einmalige Frau gewesen ist... Von Joseph Prager, eine der bedeutendsten Persönlichkeiten in Haifa überhaupt, ist in diesem Zusammenhang nicht zu sprechen. Die Erwähnung seines Namens hier, erfolgt lediglich zur familiären Orientierung. Die dahingegangene Judith arbeitete nach ihrer Schulzeit einige Zeit bei der grossen Fluglinie B.O.A.C. Die Direktion erkannte alsbald worin die besondere Begabung dieser jungen Angestellten lag, nämlich ihre Kontaktfähigkeit von der geradezu ein Zauber ausging. So kam es, dass sie auf einer ihrer Reisen, die sie durch die Schweiz führte, von einer jüdischen Familie in Basel, in der Stadt der Gründung des Zionismus, festgehalten, fast könnte man sagen “entführt” wurde. Judith Weiss und Samuel Althof aus Basel gründeten eine Familie, die im Laufe der Zeit ein angesehener Sammelplatz für alle diejenigen wurde, die sich von dem angeborenen Scharm der Dame des Hauses angezogen fühlten. Mit der ihr eigenen Gabe auf die Schicht der Intelligenz, jüdische wie nicht-Jüdische, zu wirken, konnte Judith grosses für die jüdische und zionistische Sache erreichen. Immer wieder wurde sie von den Familien u. Persönlichkeiten, die eine Art modernes Patriziertum bilden, aufgefordert, organisierend und propagandistisch für Israel, zu wirken. Zahllose Reisen hierher sind unter ihrer Ägide erfolgt. Judith Althof war eine der Persönlichkeiten, die in Basel, aber auch über die Grenzen der Stadt hinaus, den Ton angaben. Sie gehörte zur Elite der Gesellschaft und sie verstand es durch ihr Wesen und ihr vornehmes Auftreten zahllose neue Freunde fürs jüdische Volk und den Staat Israel zu werben. Die Trauer über ihr Dahinscheiden, am 6. Februar 1978 — 29. Schwat —, war gross. Im Trauerhaus auf dem Carmel wurde täglich gebetet. Der Unterzeichnete trug zwischen Mincha und Maariv jeweils in der ersten Trauerwoche aus dem Rambam die Vorschriften des Thora-Studiums stückweise vor. Am letzten Schiwa Tag sprach der ehemalige Chefrabbiner der Israel-Marine Dr. Heitner / Haetani über die Bedeutung des Ausdrucks unserer Weisen bezüglich der “Krone der Thora”, aber auch über “die Krone des edlen und guten Namens”. Ein Krondiadem, der alles überstrahlt! Judith war dieser Auszeichnung würdig. Prof. Dr. HANS MEYER, Haifa GEMÄLDEAUSSTELLUNG Die Ausstellung des Malers Hans Schlomo COHN wurde am 11.3.1978 in dem Städtischen Museum von Ramat Gan durch den Vice-Bürgermeister und Museumsdirektor unter Teilnahme zahlreicher geladener Gäste feierlich eröffnet. Hans Cohn wurde im Jahre 1920 zu Breslau geboren und ist uns durch vorherige Ausstellungen als Maler und Graphiker schon nicht mehr unbekannt. Dieses Mal hatten wir die Gelegenheit, eine umfassende Bilderausstellung der letzten Jahre zu bewundern. Bemerkenswert ist die Vielseitigkeit des Malers in den verschiedensten Techniken so wie: Oel — Acrelic, Guash, Aquarell und Radierungen, durch die er seine Empfindungen und Impressionen zum Ausdruck bringt. Besonders auffallend ist die Zusammenstellung der Farbenskala, die durch ihren Optimismus sich dem Publikum mitteilte. Hans Krieg s.A. Am 13.11.77 verschied unser treues Mitglied Hans Krieg innerhalb weniger Tage an einer schweren Infektions-Krankheit. Seine Kindheit u. Jugendjahre verlebt er in Breslau, wo er das Zwinger-Gymnasium besuchte. Als erst 18jähriger nahm er noch am 1. Weltkrieg teil. Im “Breslauer Touren Ruderclub“ zeichnete er sich als Sportler aus u. hielt seinen Kameraden aus dieser Zeit sein Leben lang die Treue. Er arbeitete in der Lebensmittel-Branche, zuerst in Breslau, später in Köln u. Düsseldorf in der “Ehape“ u. wanderte im Jahre 35 nach Chile aus. Ihm ist es zu verdanken, dass sich noch die ganze Familie nach Chile retten konnte. Nach Israel folgte er seinem einzigen Sohn u. lebte zuerst im Kibuz Amir, zuletzt in Tivon. Sein Charakter zeichnete sich duch Treue u. Bescheidenheit aus. Verband ehemaliger Breslauer in Israel Gut emfunden waren seine Carmellandschaften und Jaffa-Bilder, neben grosszügig komponierten BlumenbUdern, darunter besonders auffallend seine Sonnenblumen. Bemerkenswert war eine Gruppe von 5 Gemälden, die die Erlebnisse aus der Verfolgungszeit zum Ausdruck brachten, und symbolisch in der Form von Bäumen dargestellt wurden. Die Ausstellung umfasste über 50 Werke und wurde sehr gut besucht. E. L. 26