Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1978
- Issue
- No. 43 (April 1978)
- Date
- 1978-04-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Innerjüdische Verhältnisse in Oberschlesien Nicht nur zahlenmässig und wirtschaftlich, sondern auch geistig-kulturell stellte das oberschlesische Judentum einen bedeutsamen Faktor dar. Ausser Berlin und wenigen Grosstädten mag es kaum Orte und Gegenden im weiten Deutschland gegeben haben, in denen mehr allgemeine und jüdische Bildung, mehr allgemeine und jüdisch-geistige Aktivität anzutreffen gewesen wäre, und was ich hier hinsichtlich der Juden im ganzen festgestellt habe, gilt von der Jugend im besonderen. Von aussen gesehen, erschien diese Regsamkeit noch eindrucksvoller, als der Vergleich ahnen lässt, weil sich das kulturelle Leben — ebenso wie das wirtschaftliche — auf engem Raum abspielte und darum den einzelnen mit ganz anderer Vehemenz in seinen Wellenschlag zog, als es in Grosstädten möglich ist. Was insbesondere das jüdische Leben betraf, so musste man ihm schon bewust und absichtlich fernbleiben wollen, um in eine seiner Strömungen — der religiösen oder geselligen oder geistigen — nicht hineingezogen zu werden. Blosse Gleichgültigkeit genügte nicht, und so gab es wohl nur wenige, sehr wenige Juden, die in keinerlei Beziehung zu ihrer angestammten Gemeinschaft standen. Vor allem gilt dies auch von den wirtschaftlich führenden Kreisen. Religiös herrschte der Liberalismus überall vor; aber die konservative Minderheit war stark, bewusst, geistig geschult, hatte ihre Führer auch in der obersten wirtschaftlichen Schicht und wusste sich infolgedessen so zur Geltung zu bringen, dass es ausser Beuthen keine Orgelsynagoge gab und dass die öffentlichen Einrichtungen ohne Ausnahme der Tradition gemäss geführt wurden. Niemand, von dieser oder jener Seite, hätte gewagt, die Einheit der Gemeinden in Gefahr zu bringen. Die Gemeinden bildeten einen Bund, der einen Bezirksrabbiner für die rabbinerlosen Gemeinden und ein Waisenhaus unterhielt, das nicht zu den notleidenden gehörte. Naturgemäss trat in Oberschlesien auch das ostjüdische Element stark hervor, das assimilierte und nichtassimilierte, das ansässige und über die Grenze gehende, auffallenderweise aber viel mehr iip geschäftlichen Verkehr als im jüdischen Leben. Sogar im zionistischen Umkreis traten die Ostjuden wenig an die Öffentlichkeit, obwohl sie doch gewiss numerisch, wie intellektuell einen bedeutsamen Faktor bildeten. Die geistige Aktivität lebte sich am stärksten in der Auseinandersetzung um den Zionismus aus. Es war allbekannt, dass dieser kaum irgendwo so kämpferisch auftrat wie in Oberschlesien. Während der Vorkriegszeit fanden in Kattowitz zwei Versammlungen statt, die eine tiefere und weitergreifende Wirkung ausgelöst haben. Die erste war die grosse zionistische Versammlung — wohl um 1912 —, in der der polnische Zionistenführer Rabbiner Dr. Thon ein programmatisches Referat hielt. Zum erstenmal — und niemals wieder in solchem Masse — sah ich bei dieser Gelegenheit ostjüdische Jugend von jenseits der Grenze in solcher Menge und gepackt von einer Erregung ohnegleichen. Für unsere Jugend war der Zionismus ein Ideal, für das man kämpfte, wie Jugend eben für ein Ideal kämpft. Für diese ostjüdische Jugend jedoch war Palästina — das Volkstum ist ihr ja nie eine “Frage” gewesen — eine Notwendigkeit von heute, eine Tatsache von morgen, die zu verwirklichen sie auf dem Sprung zu sein schien. Die andere bemerkenswerte Versammlung war eine des Centralvereins (kurz C. V.), in der dessen Hauptvorsitzender Geheimer Justizrat Eugen Fuchs aus Berlin sprach. In sehr vorsichtiger Weise — der C.V. mied die Auseinandersetzung mit dem Zionismus des “inneren Friedens“ wegen, soweit es nur ging — versuchte er, die beiden Weltanschaungen gegeneinander abzugrenzen. Den Zionisten war es aber nicht um Frieden, sondern um Sieg zu tun, und da hierzu der Kampf die imumgängliche Voraussetzung ist, fehlte nur der Casus belli. Diesen lieferte der Königshütter Rabbiner Dr. Goldschmidt in der Diskussion, als er eine Behauptung, die schon durch die Presse gegangen, von den Zionisten aber dementiert worden war, wiederholte. Es brach ein Skandal aus, in dessen Verlauf der Berliner Assessor Friedemann schwere Angriffe gegen den C.V. und seinen Vorsitzenden richtete. Die Folge war, das der C. V. seine Zurückhaltung aufgab und in den offenen Kampf gegen den Zionismus eintrat. Damit war eine Kluft im deutschen Judentum aufgetan, die bis zur Katastrophe von 1933 unüberbrückt blieb. Abgesehen von solchen grossen Entscheidungskämpfen war der Kleinkrieg in Permanenz erklärt. Die Zionisten waren in der Offensive, verfügten über alle notwendigen Kräfte und griffen unermüdlich an, wo sich eine Gelegenheit bot. In Arnold Wiener, damals schon ein Mann in reifen Jahren, hatten sie einen klugen, rednerisch sehr gewandten, vor allem aber im Jüdischen einschliesslich des Hebräischen gründlich geschulten Anführer. Der Gegensatz zwischen Zionisten und Antizionisten brach in offenen Konflikt in der Jugendbundaffäre aus. Um 1910 war die Zeit der “Neutralen Jugendbewegung“, die die achtungswerte Tendenz verfolgte, die Jugend der “Drecklinie des politischen Kampfes“ — als der Interessensphäre der Alten — fernzuhalten, dabei aber jugendpsychologisch nicht zureichend orientiert zu sein schien. Kattowitz war von Jugendbünden aller Art noch frei, und so erging der Ruf nach Gründung einer Vereinigung auf unbedingt neutraler Grundlage. Der Rufer war einer der temperamentvollsten Zionisten. Hunderte Jugendliche beider Geschlechter folgten dem Aufruf, und unter Assistenz Kurt Blumenfelds wurde der Jüdische Jugendbund mit einem paritätischen Vorstand und einer neutralen Wir wünschen recht frohe Ferientage Nach des Jahres Müh’, nach Arbeit und Plage Doch wollen wir die Wünsche aus verständlichen Gründen Mit folgendem wichtigen Hinweis verbinden. So wie auch in früheren Jahren, Werden viele von Ihnen ins Ausland fahren. Ein jeder, der fährt, auch Bekannter, Verwandter, Sei sich bewusst — er ist ein Gesandter. Paris, Wien, Berlin, oder gleich welches Land, Macht die Menschen mit Israel bekannt. Sagt allen im Westen, auch im Osten, im Süden: Israel wünscht sich vor allem den Frieden. Erzählt vom Aufbau in unserem Land, Sprecht von Entebbe, macht es bekannt. Ihr müsst Euch vor nichts u. vor Keinem genieren, Stolz könnt Ihr draussen mit der Heimat brillieren. Sprecht von den jüdischen Flüchtlingen aus allen Landen, Die hier Heimat, Familie und Zukunft fanden. Erzählt von Beerscheva, Aschdod und Eilath, Nehmt Euch darob vor den Mund kein Blatt. Von unserer herrlichen Jugend in Israel Jeder zu jedermann alles erzähl’. Ladet auch Eure Freunde ein, Sie werden in Israel willkommen sein. Verfassung gegründet. Bald wurde eine Turngruppe gebildet, und in dieser kam es zur Explosion. Barren und Reck waren zwar neutral, nicht aber die Turnerlieder; die waren entweder deutsch oder zionistisch. Nein! sagten die Zionisten, die als zionistisch denunzierten Lieder seien nicht zionistisch, sondern jüdische. Und welcher gute Jude könne etwas dawider haben, dass in einem jüdischen Bunde jüdische Lieder gesungen würden? Nun waren es ausgerechnet konservative Jungmannschaften — im Vertrauen gesagt, sie waren gar nicht mehr so jung — und noch dazu von Distinktion, die revoltierten. Also kam es zum Bruch und zur Gründung eines zweiten, wirklich neutralen Jugendbundes mit Namen “Iwria”, um öffentlich zu dokumentieren, dass man es mit einer gutjüdischen Sache zu tun habe. Der lokale Konflikt wuchs sich zu einer Reichsaffäre aus, als die Iwria ihre Aufnahme in den “Verband der neutralen Jugendvereine” beantragte. Die Tendenz dieses Antrages war leicht zu durchschauen: seine Annahme bedeutete die Desavouierung des anderen Verein, mithin war die Frage der Neutralität zur Diskussion gestellt. So trat auf dem Höhepunkt der Krise eine neue Persönlichkeit' in Aktion; Dr. Alfred Apfel, der Vorsitzende des Verbandes, damals selber noch neutral. In Begleitung der Verbandssekretärin Fräulein Cora Berliner erschien er zwecks Untersuchung des Falles an Ort und Stelle. Der noch junge Rechtsanwalt erwies sich als ein ausgezeichneter Diplomat, insofern es ihm gelang, unberührt von den leidenschaftlichen Zumutungen der Parteien und ohne Verbindlichkeit nach der einen oder anderen Seite wieder nach Berlin zu entkommen und auch hier noch — wenn ich mich nicht sehr irre — die Angelegenheit so lange in der Schwebe zu halten, bis der Streitfall mitsamt den beiden Bünden im Strom des Weltgeschehens unterging. Aber bis dahin haben beide Vereine fleissig und gewiss auch erfolgreich im Dienste ihrer Ziele und Aufgaben gewirkt. Prof. Dr. Hans Meyer, Haifa Berichtet von unserem guten Zaun, Solch Wunder kann man nur in Israel schaun. Israel’s Datteln, Orangen, Zitronen Gehn nach Europa der Kisten Millionen. Und glänzt strahlend in Brüssel ein Edelstein, Fast sicher, er wird aus Israel sein. Erzählt auch, dass in der arabischen Welt Es an Platz für arabische Flüchtlinge fehlt; Dass in all den riesigen arabischen Landen, die Brüder keinen Platz für die Brüder fanden. Dass trotz der Miliarden von Petro-Millionen die Flüchtlinge dort in Baracken noch wohnen, Und dass die sogenannten “Vereinten Nationen”, Die Lager-Effendis noch fürstlich belohnen“. Und sagt Eueren Freunden ebenso klar: Israel wünsche und braucht “Alijah”; Die Jungen, die Alten, die ladet nur ein, Sie werden im Lande willkommen sein. So, meine Lieben, Ihr kennt Euere Pflicht. Bei Euerer Reise, vergesst sie nicht. Nach dem Winter, nach Aller Müh’ und Plage, Recht angenehme Ferien-Tage. HEINZ OLIVEN Haifa, Margalit 11. ZUM FERIEN-BEGINN 10