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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1977-09-01 · No. 42 (September 1977) · p. Seite 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1977
Issue
No. 42 (September 1977)
Date
1977-09-01
Page
Seite 30 (sequence 2317)
Language
German
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Auf der Gartenstrasse ~ Breslau Der Breslauer verschluckte gern das “r“ beim Sprechen, wie eine Mitarbeiterin dieser Zeitung kürzlich schilderte. "Die Mattel ging mit dem Kuttel in eine Konditorei auf der Gattenstrasse, Totte essen“. Von dieser beliebten Strasse sei hier die Rede. Sie begann am Sonnenplatz, an dessen Nordseite die Konditorei Kirscht gute Leckerbissen u. Getränke feilbot. Die Ostseite beherbergte ein Fahrradgeschäft und eine Drogerie. Ecke Sonnenstrasse gab es eine Gaststätte “Zur Sonne". Ecke der Gräbschmerstr. hatte die Firma Gebr. Österreicher ihre chemische Produktion aufgebaut. Es folgte C. Lewin (ursprünglich Pelze), später in AWB umbenannt, mit riesigen Hintergebäuden für die Textilbranche. Ecke Zimmerstr. versorgte ein Delikatess-Geschäft die Umgegend. In einem der folgenden Häuser übte Dr. Hirth seine Praxis aus und weiterhin kamen wieder Fabriksgebäude wo u.a. die Druckerei Schenkalowsky (Inhaber: Aron) ihren werbefreundlichen Druck ausübte. Es folgte mit einem Treppenvorbau von der Strasse aus eine sogenannte "Presse", also eine höhere Schule, in der man auf Schulexamina vorbereitet wurde. War der Name des Direktors nicht Gudenatz? In früheren Jahren bot kurz vor der Hoefchenstr. die Buchhandlung Roth ihre Hebraica, an. Hinter der Hoefchenstr. erblickte man das Konzerthaus, äusserlich zwar unscheinbar, aber Innen der schönsten der Künste gewidmet. Oft führte Prof. Dr. Georg Dohrn sein Orchester zu höchsten Höhen, einige Konzerte dirigierte Hermann Behr und die populären Sonntag-Nachmittagskonzerte mit leicht zugänglichen Programmen leitete der Kapellmeister Mundry. Hier war auch der Kammermusiksaal, wo edelste Musik von einheimischen und auswärtigen Ensembles geboten wurden. Ecke Theaterstr., wo es zum Schauspielhaus glng) war eine grosse Schallplattenfirma, es folgte die Drogerie von Keiler und nicht vergessen sei die koschere Fleischerei von Glücksmann. In dem einstigen Weiss’schen Kaffee- und Konzertgarten, wo früher die Programme von Richard Wagner bis Johann Strauss das musikliebende Breslauer Publikum begeistern, erstand das “Etablissement” von Liebich, wo Weltsterne des Varietö’s auftraten. Die internationalen Programme ähnelten dem Berliner “Wintergarten“. Im Sommer gastierten hier berühmte Schauspiel-Truppen aus Hamburg, Wien, etc. Ein Festsaal für (oft) jüdische Hochzeiten war im ersten Stock, später diente er als eleganter Tanzpalast. Eine rituelle Wurstfabrik, Reich, bereicherte die Mahlzeiten der “kleinen Imbisse“. Vergessen sei aber zunächst nicht die Nordseite dieser Strasse, wo zwischen Sonnenplatz und Hoefchenstr. eine Synagoge bestand. Diese weniger begangene Strassenseite wies noch ein Musikgeschäft, einen Obstladen und ein fotographisches Atelier auf. Ecke der Agnesstr. war in 4 Etagen die beliebte Firma “Möbel Harsch” üntergebracht und Ecke der Neuen Schweidnitzerstr. war das Cafe Brandt ein beliebtes Verkehrslokal. Überschritt man die Neue Schweidnitzerstr., so blieb man bei Firma Armer, Fahrradhandlung, stehen, wo die neuesten Markenmodelle ausgestellt waren, mit Rücktrittbremse, mit Gepäckhalter und sonstigen Finessen. Daneben war ein Papiergeschäft, wo es speziell zur Karnevalszeit allerhand Scherzartikel, im Sommer aber Lampions für Bootsfahrten, Ausflüge und dergl. gab. Im Cafe “Vier Jahreszeiten“ spielten Unterhaltungskapellen, z.B., Goldzweig, aber auch Ette aus Berlin gastierte hier. Kurz vor der Teichstrasse, auf der anderen Seite, war der Saal des Tanzlehrers Bernhard Baer. Hier lernte die jüdische Jugend die “Benehmität“ und die Gesellschaftstänze jener Zeit. Es waren noch sehr unbeschwerte Jahre von Jugend und Glückseligkeit. Die reizend-hübschen Damen wurden von jungen Studenten engagiert und keine "blieb sitzen”. Es war phantastisch! Die Mütter auf der “Wartburg“ walteten kritisch ihres Amtes. Und am Schluss begleitete man seine “Auserwählte“ nach Hause immer “unter Aufsicht “der Frau Mama. Es kam dann, wieder auf der Nordseite, das Landeshaus und Ecke Teichstr. hatte der Juwelenladen von Stammwitz seinen Stammsitz. Gegenüber dem Hauptbahnhof logierte man im “Hotel du Nord“ oder im “Hotel Kronprinz" und bis zur Claassenstr., wo sich ein alter jüdischer Friedhof befand, waren früher Büros der Eisenbahndirektion. Jedoch auf der Südseite hinter der Neuen Schweidnitzerstr. war “Blusen-Wolf“ bemüht mit unauffälliger Eleganz zu wirken. Ein Kino, dort, wo einmal der “Palmengarten" blühte, führte erstmalig die “Zwei Herzen im Dreivierteltakt“ auf. Nicht mehr genau im Bilde bin ich über andere erwähnenswerte Geschäfte bis zur Teichstr. Es gab halt alles, wie es eben auf einer Strasse, die zum Hauptbahnhof führt, üblich ist. Jedenfalls beherbergte die Ecke der Teichstr. das Kaufhaus Hermann Sachs (kein Verwandter des Verfassers), wo für die Reise und für zu Hause besondere Schaufenster die Auswahl leicht oder schwer machten. ■Hiermit wollen wir die Gartenstrasse verlassen — sicherlich habe ich nicht alles erwähnt, aber doch eine kleine Erinnerung präsentiert. JULIUS SACHS In den 90er Jahren und bis 1911 hat man Operette im Lobetheater gespielt, teilweise auch im Thalia-Theater. Wer in dieser Zeit die Operettenvorstellungen besuchte, erinnert sich mit Vergnügen speziell auch ,an die Besetzung der weiblichen Rollen. So gedenkt man um 1900 gern der Sängerin Alma Saccur, z.B., in der “Geisha“, ferner der Gusti Foerster die die Frauengestalten der Werke eines Johann Strauss, eines Milloecker usw. erfolgreich verkörperte. Neben ihr trat damals in Soubretten- Rollen die unvergessene Fanny Mayerhofer auf. Sie war eine Adele in der Fledermaus, die mit einem Schlag alles in Operetten-Lustigkeit verwandelte, ein toller Bühnentyp, dessen Koloraturen eben voller Lachen glitzerten. Auch in Oskar Straus “Walzertraum" sang sie hunderte Male die Geigerin Franzi und entzückte in dieser Rolle alle ihre vielen Verehrer, ebenso in der Foersterchristel von Georg Jarno. Neben ihr spielte in zweiter Besetzung Helene Wandrey die gleichen Rollen. Besonders gefiel sie in dem “Heinerle-Duett“ vom “Fidelen Bauer“. Nach der Foerster übernahm Genie von Groessl deren Rollen als erste Sängerin, wie auch Mia Adam. 1911 übernahm Dr. Loewe, der Direktor, auch das “Schauspielhaus“ und führte es als Operettenbühne mit grossartigen Aufführungen im Wiener Stil. Dort sah man im “Lieben Augustin“ die Groessl neben Irene Fidler, die des Direktors Spürsinn als Spitzenkraft dieses Rollengebietes (Soubrette) aufgefunden hatte. Weitere starke künstlerische Talente waren Emmy Sturm, Anni Lieber Erich Lewin, Zum 75. Geburtstage möchte ich Ihnen meine innigsten Wünsche übermitteln. Mit beispielloser, bewundernswerter Aktivität und Schaffenskraft sind Sie jedem von uns ein Vorbild. Weit über Ihre Kräfte dienen Sie den Menschen mit dem Herzen. Wenn im Gebet die Rede davon ist, dass der Ewige uns die Liebe zur Menschlichkeit gab, so sind Sie es von jeher gewesen, der dies in die Tat umgesetzt hat. Für jeden sind Sie da, ihn anzuhören und zu helfen, jedem gewähren Sie ein gutes Wort resp. viele und jeder kennt Ihr gütiges Herz, Ihre Bescheidenheit und unantastbare Gesinnung. Von allen wird anerkannt, wie klug und tatkräftig Sie an Probleme herangehen und wie wunderbar Sie es verstehen mit Menschen umzugehen. Sie kennen nicht sich, Sie kennen nur den Mitmenschen, den Freund. Alles, was Sie tun, wird von Ihrem gütigen Herzen dirigiert. Sie sind tolerant, haben Verständnis und Einsicht. Wir danken Ihnen Ihre unermüdliche Tätigkeit und die verdienstvollen Bemühungen um die konstruktiven Leistungen des “Verbandes ehemaliger Breslauer“ und im Besonderen auch die Herausgabe unseres allseits im In- und Ausland beliebten Mitteilungsblattes. Auch in vielen anderen Verbänden und Organisationen spielten Sie im Laufe der Jahre und auch heute noch eine wichtige Rolle, reich an Initiative und Hilfsbereitschaft. Wer könnte sie alle nennen! Möge es Ihnen noch viele gute Jahre beschieden sein, sich im Kreise Ihrer lieben Familie, an den Früchten Ihrer Tätigkeit zu erfreuen. Möge der Allmächtige Sie mit Glück, Gesundheit und Freude am Schaffen segnen. Das ist der aus vollem Herzen Vieler kommende Wunsch anlässlich Ihres Jubeltages und auch der meinige. Ihr JULIUS SACHS Ahlers, Edith Karin, Thilde Stetten und Lydie Petri, die man alle bei den vielen neuen Operetten im Schauspielhaus bewundern konnte. Auch Rosl Albach ist unvergessen und ferner Hella Kuerthy. Wer eriniert sich noch an die Quicklebendige Elli Nitsche, an Trude Reiter, Lore Bim und Rita Georg? Vergessen sei nicht ein anderes Rollengebiet, das der “komischen Alten“. Hier hatten wir jahrelang die Freude ein urkomisches Unikum, Minna Lanz, in oft närrischen Rollen zu bestaunen, aus denen sie in ihrer grossen Kunst ein Erlebnis machte. In manchen Werken spielte Gertrude Westhäuser diese Rollen. Ebenfalls wäre noch Traute Gruschka zu nennen, die in kleineren Rollen auf trat. Dr. Th. Loewe wusste alle diese Talente zu fördern. Ihre Namen bleiben mit der Geschichte der Breslauer Theater verbunden. JULIUS SACHS NEUERSCHEINUNG : I. TOLKES (AMONG WRITERS and WISE MEN) ENTHÄLT ESSAYS UND ARTIKEL ÜBER HEBRÄISCHE UND DEUT¬ SCHE SCHRIFTSTELLER. Weibliche Sterne am Breslauer Operette nhiirntel 30

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