Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1977
- Issue
- No. 42 (September 1977)
- Date
- 1977-09-01
- Page
- Seite 10 (sequence 2297)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Schicksal der lezten Deutschen Rabbinergeneration Es gehört zu den Angewohnheiten, Erinnerungsaufsätze bekannten Persönlichkeiten zu widmen. Zu dem Schicksal der Generation, die wie Victor Pörder im Jahre 1913 geboren wurde, gehört, das sie die ganze Last des Umbruchs zu tragen hatten. Sie waren im Jahre 1933 zu Jung, um Beruf und Berufung zu haben, ihr eigenes Ich auszuprägen, sich einen Namen zu machen, Lebenserfahrungen zu sammeln. Sie steckten noch in der Ausbildung, im Lernen, andererseits waren sie zu alt, einen praktischen Beruf wirklich zu erlernen. Victor Förder, Sohn einer bekannten Breslauer Familie, die einen Zwi Hirsch Kalischer zu ihren Ahnen zählen kann, den Mitbegründer des praktischen Siedlungswerks in Erez Israel und Vorläufer des religiösen Zionismus, der in seinen Gedanken und Handlungen die Synthese zwischen jüdischer Frömmigkeit und der westlichen Welt darstellte, wie ihn das 19. Jahrhundert in den Ostprovinzen des Reichs schaffen konnte. In diesem deutsch-jüdische Milieu von stiller, selbsverständlicher Frömmigkeit und Lerneifer wächst Victor Förder auf. Nach Abschluss des Gymnasiums bezieht er die dortige Universität, um Philosophie zu studieren. Er ist noch keine zwanzig Jahre alt, und im dritten Semester, als das ‘Dritte Reich' ausbricht. Nun hatte er es in Breslau vielleicht leichter als die jungen Menschen anderer Orte, sofort in das Jüdisch-Theologische Seminar überzuwechseln, der würdigen Hochschule, im Jahre 1854 geschaffen, um eine neue Form von Rabbinern, Predigern, Seelsorgen und jüdischen Forschern zu erziehen. Den Breslauern braucht man nicht von der Bedeutung dieser Hochschule zu erzählen, der nur noch gleichwertige Anstalten in der später gegründeten Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, 1872, und dem Rabbinerseminars Hildesheimers, 1873, beide in Berlin, gegenüberstanden. Der Begriff des modernen Rabbiners, Lehrer, Seelsorger und Prediger, ist in Israel unbekannt. (Fortsetzung von Seite 9) von den Lehrern unumwunden anerkannt. Wenn am Feste des Versöhnungstages die jüdischen Schüler im Unterricht fehlten, sass die Klasse oft genug auf dem Trockenen, und zum geflügelten Wort wurde der Stossseufzer eines Lateinlehrers, der an einem solchen Tagen mit einer christlichen Rumpfklasse vergeblich die Exegese eines klassischen Textes versuchte: "Ohne die Juden jäht es nicht“! Infolgedessen konnte eine feindselige Haltung der Lehrer gegen die jüdischen Schüler niemals aufkommen, und ebensowenig war ein Gegensatz zwischen konfessionellen Schülergruppen zu bemerken. Meine Schulfreunde waren fast sämtlich Christen. Der mir von der untersten Klasse bis zur Reifeprüfung am nächsten stand, und dem ich die meisten Anregungen in artibus et litteris verdanke, war allerdings jüdischer Abstammung: Erich Berger, später Lehrer der neueren Sprachen und Studienrat in Berlin. Aber die anderen waren rein “deutschblütig“: zuerst, solange meine Familie an der Zwölf-Apostel-Kirche Wohnte (1894—1899), Kurfürstenstrasse 49), der Sohn des Pastors Lange (was aus diesem "Willy“ geworden ist, weiss ich nicht); dann Enzio Stöckhardt, Sohn eines Geheimen Regierungsrates, der vertraute Kamerad vieler Riesengebirgswanderungen, — später Baurat in Stuttgart. Vor allem aber Julius Dinglinger (1883—1924), ein unvergesslicher Mentor, der nachher noch als aktiver Offizier mit mir verbunden blieb. In den Familien aller dieser Freunde habe ich völlig unbefangen verkehrt. AVIGDOR P O R A T H, 1913—1972 Zu der Ausbildung jener Tage gehörte nicht nur das Wissen von Bibel und späteren Schriften, jüdischem Wissen und Gebräuchen und Homilietik, sondern auch Schulung zu Lehrern, Erziehern und in jenen Jahren auch Chasanut, um ihren Absolventen die Möglichkeiten zu geben, in den vielen kleinen Gemeinden Deutschlands, die damals noch bstanden, aber auch in Übersee jede sich bietende Stelle anzunehmen. Das erste Rabbineramt bringt den jungen Rabbiner 1938 nach Bernstadt, einer kleinen Gemeinde in Schlesien. Das Glück ist im hold, und er kann 1939 eine Erzieherstelle auf der Lord Balfour gehörenden Farm in Schottland antreten, wo eine Hachschara-Ausbildungsstätte unterhalten wurde. Er beschliesst nach Erez Israel zu gehen, wo er im Kriege, am 4. Januar 1940 eintrifft. Die Jugendalija ermöglichte ihm, zwei Jahre an der Hebräischen Universität in Jerusalem seine philosophischen Studien zu beenden, und den akademischen Titel zu erlangen, eine Tatsache, die uns erst Jetzt Frau Jona Porath erzählt. Das zeigt eine der angenehmen Eigenschaften, die ihn aber sicherlich manchmal im Fortkommen gestört haben, die persönliche Bescheidenheit, das bewusste Zurückstellen seines Wissens und Könnens. In zwanzigjähriger Bekanntschaft in der über viele auch persönliche Dinge gesprochen wurde, hat er niemals ein Wort über die abgeschlossene akademische Ausbildung erwähnt, vielleicht nahm er an, dass es selbstverständlich sein musste, dass er die Universität nicht ohne das Diplom verlassen hat. Für den deutschen Rabbiner gab es keine beruflichen Möglichkeiten im Lande. Aus Gründen, die hier nicht diskutiert werden sollen, haben nur wenige Rabbiner aus diesem Kreis das Recht erhalten, hier als Amtspersonen zu wirken, und beispielsweise Trauungen zu vollziehen. Der aus Breslau stammende Rab. Dr. Kurt Wilhelm, der in Jerusalem die Gemeinde Emet w Emuna geschaffen hatte, konnte den jungen Kollegen im Jahre 1940 trauen. Von 1942 bis 1944 finden wir Avigdor Porath, wie er sich nannte, als Erzieher im Jugenddorf Megged in Pardess Hanna, dann bis 1952 in der Ahava, dem einmal in Berlin gegründeten Kinderheim, das nach Kirjat Bialik übersiedelt war. Im Jahre 1952 beginnt insofern ein neuer Lebensabschnitt mit dem Eintreten in das Lehrerkollegium d. damals jungen Leo-Baeck-Schule in Haifa, der er bis zu seinem frühen Hinscheiden im Dezember 1972 angehörte. Er wollte nicht nur Lehrer sein, sondern Erzieher, er bemühte sich, den Schülern das zu geben, was man heute Judentumslehre nennt, sie in die Gebete und Gebräuche einzuführen, er bereitete die Jungens zur Bar Mizva vor und die Mädels zu den damals in dieser Schule eingeführten Bat Mizva Feierlichkeiten, die nach den Gottesdiensten am Freitag Abend in einer kurzen Zeremonie abgehalten wurden, in der die Mädels, es waren immer mehrere zusammen, kurze Verse aus der Schrift deklamierten, und die mit einer Ansprache des Rabbiner Porath, nicht des Lehrers, abgeschlossen wurde. Im Jahre 1951 erhält er wieder eine Gemeinde, wird Rabbiner, wenn auch nicht als Beruf, sondern als Berufung. Die im Jahre 1936 von Dr. Max Elk in Haifa gegründete Bet Israel Gemeinde hatte damals zwei Gottesdienste, auf dem Carmel und auf dem Hadar Hacarmel Viertel, die lange Jahre von dem früheren Wiesbadener Rabbiner Dr. Paul Lazarus betreut wurde, der am 1.1.1951 verschied. Durch den Ausbau der Stadt hat sich die kleine Gemeinde mitteleuropäischer Juden verlaufen. In den mehr als zwei Jahrzehnten, in denen Porath der Gemeinde Vorstand, verstand er es, ihr einen besonderen Charakter zu geben, die Gebete auszuwählen und dafür zu sorgen, dass sie deutlich vorgetragen wurden, dass jeder folgen konnte. Seine Predigten, an den Feiertagen hebräisch und deutsch, sonst nur hebräisch, waren jedesmal ausgearbeitete stilistisch durchformulierte Ansprachen. Ein besonderer Genuss war es, seine weiche Stimme als Vorbeter zu hören, die eindriglich war, wenn sie auch auf alle die Hilfsmittel verzichtete, die man gewöhnlich ‘Chasanut’ nennt. Er liess es sich nicht nehmen, das Ne’ila-Gebet zu sprechen, wie das Gebet um Geschem und Tal, um Regen und Tau an den Feiertagen. Eine besondere Hingabe führte Rabb. Porath insbesondere während seiner letzten Lebensjahre zu dem Chassidismus. In den Predigten werden oft Beispiele, insbesondere Meschalim des Rabbi von Kozk gegeben, Rabbi Mendel Morgenstern, 1787 / 1857. Meier Urian, der Biograph des Kozker Rebben, nennt ihn den ‘Brennenden Busch', scheinbar war Porath von dem Feuer, das aus dem Chassidismus strahlt angezogen worden. In diesem Zusammenhang muss auch seine Neigung zur Gematria, der. Zahlenspielerei mit der Bedeutung hebräischer Worte erwähnt werden. Es fiel uns schwer, den Grand zu ermitteln, wie ein akademisch ausgebildeter deutscher Rabbiner sich so intensiv in die Welt des Chassidismus hineinleben konnte, und nach Ansicht seiner langjährigen Lebensgefährtin, sei einer der Gründe in der Lebenshaltung und der Form in den schon erwähnten Vorfahren, Zwi Hirsch Kalischer, zu suchen.— Eine Aufgabe sah Porath in der Veranstaltung von Jugendgottesdiensten, die zu seinen Lebzeiten zu einer ständigen Einrichtung der Schule und der Gemeinde gehörten. Wenige Tage vor seinem Hinscheiden, als die Krankheit ihn schon zeichnete, liess er es sich nicht nehmen, im Kreise der Schüler die Chanukalichter zu entzünden, und nachher mit ihnen zu feiern. Das alles liegt nur fünf Jahre zurück, aber es gehört der Vergangenheit an. Die Gemeinde hat kein geistiges und geistliches Oberhaupt mehr gefunden, und aus dem Kreis der Lehrer und Lehrerinnen fand sich niemand, der die Jugendgottesdienste, die Bar Mizva und Bat Mizva-Vorbereitungen organisieren kann oder übernehmen will. Die Generation der europäischer Rabbiner, zu deren letzten Vertretern Avigdor Porath gehörte, die Rabbiner, Prediger, Seelsorger, Lehrer, Jugendführer und Berater in ihren Gemeinden sein sollten, hat keine Nachfolge gefunden, und darunter leidet insbesondere die Jugend in Israel, die ohne geistige Führung und geistigen Hirten aufwachsen, während in Amerika heute versucht wird, auf der Tradition der Vergangenheit aufzubauen. EL W. Goldstern PAPIERWAREN ROTKOWITZ BÜROBEDARF ROTKOWITZ GESCHENKE ROTKOWITZ ÜOTKOWTIZ « Office Equipment and Stationery » « Tel-Aviv, Rambam Str. 24 Tel. 625420 » 10