Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1977
- Issue
- No. 41 (April 1977)
- Date
- 1977-04-01
- Page
- Seite 24 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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a SHILLING Zur Erinnerung an Hans H. Pinkus (7. FEBB. 1894 NEUSTADT OS. — 8. FEBRUAR 1977, ENGLAND) In dem 1931 ln Berlin veröffentlichten “Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft: Das Handbuch der Persönlichkeiten ln Wort und Bild” Ist auch Hans H. Pinkus aufgeführt, der damals eine grosse Rolle Im Wirtschaftsleben Schlesiens führte. Zwei Jahre später — Im Jahre 1933 — hatte sich unter dem Einfluss des Nationalsozialismus eine grosse Veränderung vollzogen, von der viele, im oben genannten Reichshandbuch erwähnte Personen betroffen wurden, da sie Juden bzw. Nichtarier waren. Zu Ihnen gehörte auch Herr Hans Pinkus, der sich aus allen Positionen, die er in Gesellschaft und Wirtschaft einnahm, zurückziehen musste. Vor kurzem ist er, der noch bis Ende 1938, bis zur Arisierung seiner Fabrik, als letzter jüdischer Leiter und Mitinhaber der bis zur NS- Zeit sehr bekannten Damast- und Leinenweberei 8. Fränkel in Neustadt OS. gelebt hatte, unbeachtet in England gestorben. Die Fabrik war ursprünglich von Samuel Fränkel, der 1801 in ZUlz als der Sohn des Abraham Isaac Fraenkel aus Hotzenplotz (bei Jägemdorf in Österreichisch-Schlesien) geboren war, gegründet Worden und hatte sich auch aus einem kleinen Schnittwarengeschäft entwickelt, das 1827 in Neustadt OS eröffnet worden war. In diesen Betrieb, der ich allmbählich zu einer Fabrik weiterentwickelte, trat der Grossvater von Hans Pinkus, nämlich Joseph Pinkus (1829-1909) als Lehrling ein, arbeitete sich empor und heiratete 1856 die Tochter des Fabrikinhabers S. Fränkel. Die Familie Pinkus stammte aus der benachbarten Provinz Posen und zwar aus der grossen Jüdischen Gemeinde Lissa. Da die Posener Städte vor der Emanzipationszeit für die sich stark vermehrende jüdische Bevölkerung zu klein wurden und es damals dort nur geringe Möglichkeiten für eine weitere Entfaltung ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit gab, wuchs die Auswanderungsbewegung unter den Juden. Sie emigrierten nicht nur in das benachbarte Königreich Preussen, sondern darüber hinaus bis nach Holland und England. Die Wagemutigsten trieb es bis nach Amerika, wo es damals kaum noch Beschränkungen für die Juden gab. Dorthin ging auch der Finanzier der Unabhängigkeitsbewegung Haym (Chajim) Salomon (geb. 1740 in Lissa gest. 1780 in Philadelphia), dessen Bild Jetzt auf Sondermarken anlässlich des 200 jährigen Jubiläums der Unabhängigkeitserklärung der U.S.A. erschienen ist. Vielleicht war der ungefähr gleichaltrige erste aus Lissa ausgewanderte Vorfahr der Familie Pinkus, Joseph Pinkus, ein Bekannter von ihm. Dieser aber hatte es vorgezogen, in das benachbarte Preussisch-Schlesien zu übersiedlen und sich in der bischöflichen Residenz Neisse O/S aufzuhalten, wo dem Gesetz nach damals keine Juden leben durften. Im Jahre 1782 erscheint er nach den Akten des dortigen Stadtarchivs unter den jüdischen Händlern, die an den Markttagen, an denen den Juden der Aufenthalt in Neisse erlaubt war, dort Handel betrieben. Sie liessen sich als “vorübergehende Dauergäste” in Neisse nieder und schlossen sich, da sie in Neisse keine jüdische Gemeinde bilden konnten, der privilegierten Gemeinde von Zülz an, deren Mitglieder gewisse Handelsrechte in Schlesien hatten. In den Steuerbüchern der “Zülzer Landjudenschaft”, d.h. der ausserhalb Zülz wohnenden Juden, war denn auch unter den Neisser Mitgliedern “Joseph Pinkus Lisser” auf geführt. Diesen Herkunftsnamen Lisser vertauschte Joseph 1812 in Neisse, als er preussischer Staatsbürger wurde und einen Familiennamen annehmen musste, mit dem Familiennamen Pinkus, der eigentlich der Vorname (Pinchas) seines Vaters war. Er starb zwischen 1812 und 1829. Sein ca. 1771 geborener Sohn Heimann (Chajim), der Begründer der Neustädter Linie, war Lotterie-Untereinnehmer in Neisse, wo er am 21. Sept. 1850 starb. Sein Grabstein, den ich noch sah, wies, typisch für die damalige Zeit, einen deutschen Text in hebräischen Buchstaben auf. Aus seiner Ehe mit der 1806 in Proskau geborenen Dorothea, Tochter des Abraham Proskauer, stammte u.a. ein Sohn Joseph Pinkus (1829—1909), der wie bereits erwähnt, Schwiegersohn des Fabrikbesitzers Samuel Fränkel in Neustadt wurde. Joseph Pinkus, der später die Fabrik übernahm, machte sich um die Stadt Neustadt, die durch ihn zu einer Industriestadt wurde, sehr verdient. Er wurde Stadtverordneter, Stadtrat, Kreistagsabgeordneter und auch Ehrenbürger. Besondere Verdienste erwarb er sich um die schlesische Industrie u. Wirtschaft. Er wurde Mitglied der Oppelner Handelskammer, Vorstandsmitglied des Verbandes schlesischer Textil-Industrieller und stellvertretender Vorsitzender des Zentralvereins schlesischer Leinen-Industrieller. Diese Ämter gingen dann auf seinen Sohn, Kommerzienrat Max Pinkus (1857—1934), über. Dieser setzte die Tätigkeit seines Vaters fort und modernisierte die Fabrik. Für seine Heimatstadt baute er ein Krankenhaus und stiftete unter dem Namen “Hedwig und Max Pinkus-Stiftung”, im Jahre 1920 eine städtische Badeanstalt, die er in der Nazi-Zeit selbst nicht mehr betreten durfte. Besonders grosse Verdienste aber erwarb er sich um die schlesische Kultur. Er schuf die berühmte Schlesier-Bücherei, eine Zentrale der schlesischen Heimat- und Literaturforschung, die zuletzt etwa 25.000 Bände umfasste. Im Zusammenhang mit seinem Interesse für die schlesische Literatur trat er auch in Beziehungen zu Gerhart Hauptmann, der ihm zu seinem 70. Geburtstag ein Gedicht widmete und ihm seine Freundschaft bis zu seinem Tode bewies. Er nahm als einziger Nichtjude an der Beerdigung des am 19. Juni 1934 (am Anfang der NS-Zeit) verstorbenen Max Pinkus teil, bei der noch nicht einmal die Behörden der von ihm so geförderten Stadt erschienen. Auch die Belegschaft und die Mitarbeiter des von ihm gegründeten und geleiteten Betriebes, für die er besondere soziale Einrichtungen geschaffen hatte, wagten nicht, sich zu zeigen. An diese tragischen Zustände erinnert das von Gerhart Hauptmann unter dem Eindruck dieser Vorgänge 1937 geschriebene Requiem “Die Finsternisse”, das u.a. im April 1961 von den Städtischen Bühnen in Münster in Anwesenheit seines Sohnes CHAJIM JECHESKEL HEYMANN KASKEL RAWICZ geboren zu Breslau gestorben 21. Ijar 1919 (14.5.1919) ln Breslau. MASCHA META RAWICZ - FRIEDLÄNDER geboren in Ostrowo gestorben 20. Nissan (25.3.1917) in Breslau eingetragen von der Tochter Frau Elly Plotke - Rawicz (geb. in Breslau), Basel, Schweiz. Hans Pinkus, der selbst in dem Stück durch einen Schauspieler dargestellt wird, auf geführt wurde. Hans Pinkus war der letzte jüdische Leiter der Fabrik, die er trotz grosser Schwierigkeiten in der NS-Zeit (er war bei der Belegschaft sehr beliebt) bis zu seiner erzwungenen Auswanderung, Anfang 1939, weiterführen konnte. Allerdings hatte er bei Beginn der NS-Zeit alle Ehrenämter und Funktionen in Stadt und Land niederlegen müssen. Nur seine Ämter in jüdischen Organisationen konnte er behalten: Er war Vorstandsmitglied der Synagogengemeinde Neustadt ÖS., Mitglied des Vereins Jüdisches Museum in Breslau und der Gesellschaft für jüdische Familienforschung in Berlin. 1939 wanderte er mit seiner Famüie nach England aus, von wo er nach dem Krieg noch einmal vorübergehend nach Deutschland zurückkehrte und übersiedelte dann endgültig nach England, wo er jetzt starb. Während sich Kommerzienrat Max Pinkus speziell um die schlesische Literaturgeschichte verdient gemacht hat, hat sein Sohn Hans Pinkus grossen Wert auf die Erforschung der Geschichte der schlesischen und speziell der oberschlesischen Juden gelegt. Im Zusammenhang mit seinen familiengeschichtlichen Arbeiten interessierte er sich besonders für den bis dahin fast unbeachtet gebliebenen jüdischen Friedhof des oberschlesischen Städtchens ZUlz, dessen älteste Grabsteine aus dem 17. Jahrhundert stammten. Er betrachtete ihn mit Recht als eine wichtige Forschungsquelle und veranlasste, dass die Zülzer Grabsteininschriften kopiert wurden. In den Darstellungen über die Wirtschaftsgeschichte Schlesiens und über die Geschichte der schlesischen Juden wird die kulturelle und wirtschaftliche Tätigkeit der Familie Pinkus nicht unerwähnt bleiben können, zumal der letzte Vertreter dieser Familie, Hans Pinkus, einen Teil des von ihm gesammelten historischen Materials gerettet und dem Archiv des Leo-Baeck-Instituts in New York übergeben hat, wo es den Forschern zugänglich ist. Ich selbst bin Herrn Pinkus sehr zu Dank verpflichtet, weil ich durch ihn auf für meine Forschungen wichtige Archivalien hingewiesen worden bin, wie z.B. auf die s.Zt. im Gesamtarchiv der deutschen Juden in Berlin auf bewahrten Akten der Jüdischen Gemeinde Zülz und auf das im Breslauer Staatsarchiv liegende Grundbuch der Judenstadt Zülz (1742—1803), das ich excerpieren konnte. Meine langjährige Korrespondenz mit Herrn Pinkus, die ich aufbewahrt habe, zeugt von seinem Interesse an meinen geschichtlichen Forschungen. Aber ich besitze auch eine schöne Bibelausgabe, die er mir bei unserem Treffen in München geschenkt hat und die mich an ihn stets erinnert. Rabbiner Dr. B. BRILLING Münster i/W. HANS CHAIM SCHIFTAN Gestorben 29. Kislew 5737 — 20.12.1976 NELLY NACHE SCHIFTAN, geb. Braniss gestorben 15. Cheschwan 5735 — 31.10.1974 eingetr. von ihrer Tochter und deren Familie Miriam und Jakir Loewy, Geora und Eran. ELSE STEPHANY geb. Königsberger, London gestorben am 30. August 1976 — ’4 Elul 5736 eingetragen vom Verband ehemaliger Breslauer in Israel. GOLDENES BUCH JAHRZEITS STIFTUNGEN 24