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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1977-04-01 · No. 41 (April 1977) · p. Seite 22

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1977
Issue
No. 41 (April 1977)
Date
1977-04-01
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
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JUDITH JASCHUVI Im Alter von 83 Jahren ist die Pianistin Judith Jaschuvi in die Ewigkeit eingegangen. Sie wurde am 21. Oktober 1976 zwei Tage vor Schabbath Bereschith in Kirjath Bialik — Zur Schalom zur letzten Ruhe gebracht. Noch in den Sukkoth-Tagen gab sie im Elternheim Achusa in der Mapu-Strasse ein beifällig aufgenommenes Hauskonzert Erst seit kurzer Zeit, Pessach 1976 wohnte sie mit ihrem Gatten, Josef Jaschuvi in diesem Heim. Wer die beiden dort im Sommer besuchte, fand ein zufriedenes Alterspaar vor, welches auf ein arbeitsreiches und gesegnetes Leben zurückblicken konnte. — Judith entstammte einem kultivierten Elternhaus in Dortmund, wo ihr Vater als Lehrer und Direktor an der Jüdischen Schule wirkte. Judith Goldschmidt studierte in der Wilhelminisohen Aera an der Hochschule für Musik in Berlin. Zu ihren hervorragenden Lehrern zählte der Komponist Engelbert Humperdinck (Hansel und Gretel), dem die Ausbildung der Meisterklasse oblag. Sodann trat sie an die Seite des jungen Lehrers Josef Rosenthal, der gleichfalls aus dem Westfälischen stammt (Lage, Lippe- Detmold) und der als Schüler von Meier Spanier nicht nur die Routinefächer der Pädagogik und Didaktik auf dem Seminar der Marks-Heindorf- Stiftung in Münster erlernte, sondern darüber hinaus von ihm den Sinn für die Schönheit der Form, des Wortes und des Gedankens in sich aufnahm. Joseph Rosenthal war als Junglehrer vor 1914 eine Zeitlang in Grünberg in Schlesien tätig. Als Ehegattin dieses Mannes sollte ein neuer Lebensabschnitt für Judith beginnen. Haifa bereits 1924, dann wieder Berlin, Herrlingen,, Kiriath Bialik wurden die Stationen harmonischen Schaffens und Wirkens. Der Unterzeichnete darf ein Persönliches anführen. Als Professor Heinrich Löwe im Frühjahr 1949 seinen 80. Geburtstag in Haifa beging, äusserte er einen besonderen Wunsch. “Bringen Sie mich doch in die Ahava nach Kiriath Bialik”. Wir fuhren hinaus. Kaum dass wir die Eingangspforte passierten, vernahmen wir die Klänge des virtuosen Spiels, die aus der Jaschuvischen Wohnung ertönten. Als wir eintraten, und aufs freundlichste begrüsst wurden, sagte Heinrich Löwe, er wolle das Arbeitsprogramm der Künstlerin nicht unterbrechen. “Im Gegenteil! Fahren Sie, liebe Zum 2. Mai 1930 AiilässL der Abschiedsfeier der D.D.P. für Reg. Präsident Jaenicke trag R.A. Dr. TARNOWSKI folgendes Gedicht vor: Toents nicht von Nimptsch bis hin nach Stroppen? Und Raunen und Geschwabel hört in Glatz man wie in Habelschwerdt. In Brieg sieht man, in Neisse flennen, Viel könnt ich noch mit Fleisse nennen. Doch scheint — durch unser Schlesien fliegend — Der knappe Ausschnitt mir genügen. Wir stehen halt vor einem Faktum, Es ist halt wieder mal ein Akt um, Der Führer geht — und die Gefährten Sinds, die den Abschied ihm erschwerten. Kein Lichtblick? Doch. Mir ist nicht bang, Beleucht ich Wolfgangs Werdegang. Erst Elbing: einfacher Assesor, in Potsdam Stadtrat, etwas besser. Doch wiederum nach Elbing reist er, Und wird dort — hört — schon Bürgermeister. Jetzt wird er gar — was sehr gescheits — Zum Ober schnell ernannt in Zeitz. Da hier und uns zum Missgeschick Holt man nach Potsdam ihn zurück. Habt ihr kapiert: Wie den Verbrecher Es wieder hin zum Tatort zieht, Vergleiche sind stets schwach und schwächer Sein Stamm hat zwei mal stets geblüht. Zwei mal ln Potsdam, zwei mal Elbing. Der Himmel, der uns schwarz und gelb hing, Wird uns auf einmal rosenrot, Welch eine Chance, die sich bot. Die Parze, die die Faeden koppelt, Führt Dich vielleicht zu uns auch doppelt. Wir fassen uns ans Köpf eichen: Ach, wohin rollst Du Äpfelchen? Und träumend ich im Stehn nicke: Kehr wieder, Wolfgang Jaenicke. Doch das ist heute nur ein Traum, Jetzt geb der Gegenwart ich Raum. Ich bringe Dir den Abschiedsschluck. Reich uns die Hand mit kräftgem Druck, Drück unsere Frauen ans Herz nach Noten, Der Nachdruck ist hier nicht verboten. Geh vorwärts und schau nicht zurück. Nimm mit auf Deinen Weg: das Glück. Der Weg ist steil, nicht ohne Müh. Auch Potsdam ist nicht Sans-Souci: Doch Du sitzt oben an der Quelle, Und Du bist immerhin ganz helle. Dich fasst der Metropole Welle, Wenn in des Reichstags holden Mauern Sie schlagen sich mit Moldenhauern. Oft wird das arbeitsschwere Hirn Gedankenfroh nach Breslau schwirrn. Uns aber lasst die Gläser klingen durch Stimmgewirr und Rauches Wehn Hör ich es deutlich leise klingen: Leb wohl und auch: Auf Wiedersehen. , Wie einstelns bei der Erde Teilung Nach seines letzten Verses Feilung Kommt — wie gewöhnlich, viel zu spät — Noch nach drei Reden — der Poet. Die Welt ist fort, der Stoff verbraucht, So oft man auch die Feder taucht, Es fehlt bedenklich an Pointen, An eigenen, wie an geschenkten. Und doch: Die Sprache der Kanonen, Die schon auf Ehrengipfeln trohnen. Ergänzt mit leichtbeschwingtem Fuss des schlichten Bürgers Abschiedsgruss, Es spricht zu Dir, aus meiner Miene, Das Odertor und die Tschepine. Der Trauer bin ich Repetitor Vom Benderplatz bis hin zum SUdtor. Ich bin heut nur der Sprache Diener Der Tschanscher wie der Oltaschiner. Als Demokrat und guter Deutscher Drück ich die Wünsche aus der Schwoitscher, Der Mochberner und der von Krletem, Sie trinken auf dein Wohl nach Litern, In Lissa bilden Mädchen Reigen, Von Leerbeuteln ganz zu schweigen, Kurz, unseres Breslaus alte Mauern Erzittern heut in leisem Trauern. Doch glaub ichs, nicht nur, nein ich bins: Das Sprachrohr wohl auch der Provinz. O, wenn sie erst erführen durt In Auras und in Dyhrenfurth, Da heut man hier zum Abschied weilt, Sie wären wohl herbeigeeilt. Und leerten auf Dein Wohl die Schoppen. junge Freundin, nur fort.” Frau Jaschuvi, damals eine Mitfünfzigerin machte in ihrer Erscheinung einen bedeutend jüngeren Eindruck, trotz allem Schweren, das hinter ihr lag (Opfertod eines Sohnes auf einem der Geleitzüge nach Malta). Judith Jaschuvi setzte also ihr Spiel fort und an unserem Ohr rauschten die bizarren Laute der “Wut über die verlorenen Groschen” vorüber. Und auch noch manch anderes. Das Antlitz des Alten verklärte sich und später auf dem Heimweg bekannte er, der Besuch in diesem Hause sei sein schönstes Geburtstagsgeschenk gewesen. Mit der Pensionierung von Josef Jaschuvi begann ein neuer, intensiv erlebter Lebensabschnitt. Das Ehepaar bezog bei Beginn der sechziger Jahre eine Wohnung in der Tischbi-Strasse auf dem Mt.-Carmel, unweit des Maon-Reuth. Man widmete sich jetzt mehr denn je den geliebten Anliegen, dem Schrifttum und der Kunst. Frau Jaschuvi verstand es, die Herzen der Hörer für die ernste Muse zu erschliessen. Ein bestimmtes Brahms-Konzert, dunkel und nicht leicht verständlich, gehörte bei Beginn der siebziger Jahre zu ihren bevorzugten Stücken. Es fand sich stets ein Freundeskreis von nah und fern ein. Man verlebte dort jeweils einige Stunden der inneren Sammlung und des nicht alltäglichen Gesprächs. Immer wieder erfreute sich eine kleine Gesellschaft an den Klängen eines reich gespannten Programms, hervorgezaubert von einer Künstlerin, die eine Berühmtheit hätte werden können, die aber in ihrer übergrossen Bescheidenheit und ob ihrer zärtlichen Anhänglichkeit an ihren nächsten Familienkreis die Oeffentlichkeit im allgemeinen scheute. Bis fast zuletzt hat sie unermüdlich ihren Haushalt selbst versehen, ihren Gatten versorgt und den Kindern und Enkeln jederzeit zur Verfügung gestanden. Sie führte ein Haus, das an die edle Tradition der versunkenen Zeit in Aschkenas gemahnte. Gleichzeitig war sie hellen Sinnes dem Zeitgeschehen nahe. Sie verkörperte eine ungewöhnliche Herzlichkeit Im Verkehr mit allen Menschen. Dem zurückgebliebenen Gatten, dem Sohn im Kibbuz Maagan Michael und der Tochter in Jerusalem, allen Familienangehörigen .gilt unser Beileid und unsere Sympathie. Prof. Hans Meyer (Haifa) BEGRÜSSUNG Auf diesem Wege wollen wir noch einmal unserem Landsmann MARKUS LUBASZ, aus Quito, Ecuador, zu seiner Einwanderung nach Israel, Kfar Saha, Ruppinstr. 15, Pensionärs Klub “Hamawri”, aufs herzlichste begrüssen und ihm zu seinem 91ten Geburtstag unsere wärmsten Glückwünsche übermitteln. Wir freuen uns, dass er sich entschlossen hat, ins Land zu kommen und hoffen, dass er in Gesundheit und Zufriedenheit noch viele, viele, Jahre verbringen wird. MASCHA KALEKO MEMENTO Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang, nur vor dem Tod derer, die mir nahe sind. Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr sind? Allein im Nebel tast ich todentlang und lass mich willig in das Dunkel treiben. Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben. Der weiss es wohl, dem Gleiches widerfuhr; und die es tragen mögen mir vergeben. Bedenk: den eignen Tod den stirbt man nur doch mit dem Tod der andern muss man leben. 22

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