Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1974
- Issue
- No. 36 (September 1974)
- Date
- 1974-09-01
- Page
- Seite 20 (sequence 2148)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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KARL JEREMIAS sei. And. Kürzlich haben der lOOte Geburtstag und der 60te Todestag von Dr. Karl Jeremias Anlass gegeben, sich dieses Vorkämpfers der zionistischen Bewegung in Ostdeutschland zu erinnern. Obwohl Posen die Stadt seiner Geburt und seines Wirkens war, war er auch mit Breslau eng verbunden. Nicht nur, dass zahlreiche Fäden zwischen den Gemeinden dieser beiden Städte sich spannen: er war einer der Gründer der Zionistischen Ortsgruppe Breslaus, zusammen mit Dr. Ernst Kalmus s.A. und Hugo Hillel Schachtel s.A. Jeremias und Kalmus waren damals — es war um die Jahrhundertwende — als Assistenten an der psychiatrischen Klinik in Breslau tätig, und in den “massgebenden” Kreisen Breslaus hiess es alsbald, was dies für eine Bewegung sein könne, die von 2 Irrenärzten inauguriert werde. Karl Jeremias hat nicht nur auch in seiner Heimatsstadt die zionistische Bewegung gefördert und geleitet, er war noch bis in die Tage seiner letzten Krankheit Mitglied des Zentral- Komitees der ZVfD. Auf Einladung Herzls hat er auf dem 5. Kongress im Jahre 1901 das Korreferat zu Nordaus Bericht über die Lage der Weltjudenheit gehalten, mit dem Thema: "Die hygienischen Verhältnisse der Juden”. Bald danach wollte er nach Palästina übersiedeln und bewarb sich um die Stelle des “Kolonie-Arztes” in Sichron Jaakow, aber familiäre Bedenken Hessen den Plan nicht verwirklichen. Er gehörte zur Richtung der politischen Zionisten jener Zeit, und diese Einstellung Hess es auch nicht zu, dass er, ein orthodoxer und ständig weiter “lernender” Jude sich an der Gründung der Misrachi-Bewegung beteiUgte. Er war gegen die Vermischung von Politik und Religion. Tief religiös, wie er war, war er menschlich duldsam und warm, wie viele seiner früheren Patienten werden bezeugen können. Sein oft ausgesprochener Leitsatz war, dass ihm "ein koscheres Herz und ein treifener Magen lieber seien als ein koscherer Magen und ein treifenes Herz.” An einer damals noch nicht heilbaren Krankheit ist Karl Jeremias im Jahre 1914 im Alter von kaum 40 Jahren dahingegangen. Palästina hat er nicht mehr erreicht. Seine Frau und seine drei Kinder sind aber hergekommen. Der Spruch auf seinem Grabstein fasst das kurze, aber voll ausgefüllte Leben Karl Jeremias zusammen: KöstUch Leben, Reich an Streben, Höchstem zugewendet, Schmerzlich früh vollendet. J. F. WOLFSOHN Dr. JOMTOW LUDWIG DATO Einer unserer eifrigsten Mitarbeiter unserer Zeitung, ein Journalist von Format, d. 7 Sprachen in Wort und Schrift beherrschte, Dr. phil. Jomtow Bato ist im Alter v. 88 Jahren heimgegangen. Von Jugend auf Zionist, studierte er in ItaUen, war Direktor der Donau-Schiffahrtsgesellschaft, später Direktor des KKL in Rumänien, viele Jahre im Vorstand der Gemeinde Ichud Schiwat Zion, Tel- Aviv, leitete er viele Jahre das Verbandsblatt dieser Gemeinde. Seine Artikel erschienen in den verschiedendsten Sprachen in Israel und in der ganzen Welt. Unsere Teilnahme gilt der Gattin, der Tochter und ihrer FamiUe. Bei Drucklegung unserer Zeitung erfahren wir von dem lOOten Geburtstag von Prof. ISMAR ELBOGEN sA.. Wir behalten uns vor in unserer nächsten Ausgabe eine Würdigung dieser Geistesgrösse des deutschen Judentums, zu bringen. JOSEF MEYER s. A. Ein ständiger Leser unserer Zeitung, der aus einer der geachtetsten Frankfurter Familien stammte, ist kurz nach seinem 80ten Geburtstag plötzlich verschieden. Was dieser Mann im Laufe seines Lebens geleistet hat, ist im Rahmen dieser Zeilen nicht zu beschreiben. Als bekannter Börsenmakler an der Frankfurter Börse hat er ein offenes gutes jüdisches Haus geführt und war in Tel- Aviv bis zu seiner Pensionierung ebenfalls in dieser Branche tätig. Sein feiner Charakter, sein stets freundliches Wesen, seine Liebenswürdigkeit und Hilfsbereitschaft kannten keine Grenzen. Er war jahrelang ehrenamtlich in der Chevra Kadischa- Ichud (Beerdigungsgesellschaft aus ehrenamtlichen Mitgliedern) tätig. Kein Tag war zu früh und keine Stunde zu spät zu helfen, zu lindern und Kranke zu besuchen. Sein freundliches Lächeln, seine überaus feine kulturelle Erscheinung zeigten einen Menschen von Edelmut. Seine Kinder, Enkel und Urenkel gehen in denselben Wegen. Seine Gattin, die ihm einige Jahre vorher entrissen wurde, war ihm treue Helferin. In unserer Zeit des schnellen Tempos, des Egoismus und vielen anderen negativen Dingen war das Haus Josef Meyer eine Hochburg der Feinheit und wahren Frömmigkeit. Die Verehrung seitens der Kinder, der Enkel und der weiteren Familie, sowie der Freunde genoss Josef Meyer in höchstem Masse. Ohne Überheblichkeit können wir sagen: Er war Einer der wahren Gerechten in dieser Welt. ELLY KURZ s. A. Die bekannte Sängerin und Stimmbildnerin, die vor einigen Jahren die Professur für Gesangstechnik erhielt, ist nach langjähriger, schwerer Krankheit, die sie heldenhaft bewältigte, dahingegangen. Aus Berlin stammend, war sie eifrige Leserin unseres Blattes und hat sich immer zur Verfügung gestellt, um unsere Abende zu verschönern. Ihr Interesse war vielseitig. Lebensbejahend hat sie tausende von Schülern in Israel und in aUer Welt als Lehrerin und Freundin betreut. Kantoren von Weltruf, Opernsängerinnen in Amerika und anderen Ländern, sind durch ihre Schule gegangen. Ihre Hilfsbereitschaft für ihre Schüler, für Alte und Bedürftige, war grenzenlos. Immer fand sie Wege, um zu helfen, trotzdem sie oft selber der Hilfe bedürftigt war. Elly Kurz war in Israel und im Ausland ein Begriff. Sie gehört in die Geschichte des Zionismus, dem sie sich schon als Kind verschrieb. Ihr Bruder, Dr. Kurz, kam 1924 als Arzt in das Sumpfgebiet, Chedera, und arbeitete dort unter unmenschUchen Bedingungen, behebt und geehrt von allen. Wir haben sie in Chedera zur letzten Ruhe gebettet und viele Tränen flössen, die die Dankbarkeit für ihre Hingebung und Liebe bezeugten. •k Am 29. August 1974 fand im Millo-Klub in Tel-Aviv ein Gedenkabend für die kürzlich verstorbene Sängerin und Gesangslehrerin statt. Die Trauerkundgebung wies einen zahlreichen Besuch auf. Dr. Schorr, Elieser Levin und Zvi Caspi sprachen warme Worte des Gedenkens. Kollegen und Künstler, Verwandte und Freunde der Verblichenen, trugen zu einem würdigen Verlauf des Abends bei, an dem die in weiten Kreisen geschätzte und behebte Persönlichkeit der Verstorbenen in Wort und Ton geehrt wurde. Die Anwesenden waren zutiefst beeindruckt. Mit ernsten Gesängen der Künstler Judith Alexandroni, Ethel Sussman, Mordechai Ben-Shachar und Mordechai Roth unter Begleitung von Dr. H. Pinkus, R. Barniv, und F. Roth, schloss der eindrucksvolle Abend. Zum Gedenken an Abraham (Adolf) Daus In Tel-Aviv verschied kürzlich der als Komponist, Musikpädagoge und Kappellmeister bekannte Abraham Daus. Geboren in Berlin, studierte er an massgebenden Musikhochschulen und fang bald AnsteUung als Theaterkapellmeister u.a. auch an der bekannten Breslauer Opernbühne, wo er reizende Aufführungen herausstellte. Insbesondere lag ihm — im Gegensatz zu später — die komische Oper also Lortzing usw. Auch er musste diese ihm liebgewordene Tätigkeit aufgeben. Er ging 1936 nach dem damaUgen Palästina, wo er u.a. in Kibbutzim mit musikalischer Aufbauarbeit und Musikerziehung Wichtiges leistete. Wir kennen ihn weiterhin hier als einfallsreichen seriösen Komponisten. Neben Klavierwerken schrieb er Kammermusik, Lieder u.a. Besonders bekannt sind auch die Rachel- Lieder (mit Begleitung von Flöte und Bratsche), die Gvatkantate und in der letzten Zeit “The twelfth Sonnet” für Cello. Der Verstorbene, ein Mann von hoher Bildung, unantastbarer Gesinnung, und schöpferischem Ethos, wurde in Israel mehrmals durch Musikpreise ausgezeichnet. In der letzten Zeit scharte er einen musikinteressierten Hörerkreis zu lichtvollen Vorträgen, besonders auch über moderne Musik, um sich. Er besass ein tiefgründiges Wissen und richtiges Beurteilungsvermögen. Sein Hinscheiden hat Viele betrübt. Julius Sachs MINNA WOHL s. A. Schweren Herzens sprechen wir von dieser Stelle aus dem Vorstandsmitglied der ehemaligen Frankfurter, unserem lb. Erwin Esriel Wohl und seiner Familie zu dem schweren Verlust, den sie erlitten haben, unsere innigste Teilnahme aus. Als ehrenamtUche Sekräterin des Verbandes ehemaliger Frankfurter hat sie für diese Vereinigung und im Rahmen der “CENTRA” viel geleistet. Ihr starker Charakter, ihre grosse Arbeitsfreude haben uns positives gebracht. Sie hat es verstanden, durch ihre Klugheit und Lebensweisheit Verbindungen zu schaffen, die dem Verband und der CENTRA zu Gute kamen. Wir werden sie in unserem Kreise sehr vermissen. JAHRZEITS-STIFTUNGEN UND GOLDENES BUCH ROSA SCHÄFER geb. Guttmann umgekommen in Theresienstadt eingetr. von ihrem Sohn Walter Schäfer, London NW 4 ★ ERNA LOEWE geb. Schäfer umgekommen in Auschwitz eingetr. von ihrem Bruder Walter Schäfer, London NW 4 DIPLOM NURSE MIRIAM SCHMEREL - HOFSTEIN, Tel-Aviv, Ben-Jehuda Str. 76. Tel. 23 13 56 empfiehlt sich zur Verabreichung von Injectionen in- und ausser dem Haus. Sprechstunden im Hause: von 8—10 Vormittags und von 1—4 Nachmittags. 20