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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1974-04-01 · No. 35 (April 1974) · p. [Seite]

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1974
Issue
No. 35 (April 1974)
Date
1974-04-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Gegründet von Dr. Wilhelm (Seev) Freyhan Bitte bewahren Sie die “ Mitteilungen ” and denken Sie immer wieder an die “ Suchanzeigen ”• iN^na »N>n» iiain iw MITTEILLUNGEN No. 35 m y*i» Tbwn nva April 1974 DES VERBANDES EHEMALIGER BRESLAUER UND SCHLESIER IN ISRAEL E.V. Actions-Comite: Dr. T.im Berg-Platau, Benno Cohn, N. Heimann, Erich Lewin. Max Lopatka, R. Löwenberg, Dr. Prager, M. Pick, J. Sachs, M. Schmerel-Hofstein. Briefadresse: Erich Lewin, Bamat-Gan, Mazadastr. 27. Tel. 749754 Vorsitzender ERNST TAUBER Prof. Dr. HANS CHANOCH MEYER Haifa, März 1974 Nissan 5734 Gedanken zur jüdischen Heimaisgeschichte am Pessach Die Leser dieser Blätter dürfen in aller Bescheidenheit von sich sagen, dass sie im Festhalten an gewissen Lebenserscheinungen der Vergangenheit einen grossen moralischen Wert sehen. Wir wissen um die innere Grösse der Vergangenheit. Diese ist uns nicht nur eine trockene Chronik, in welcher lediglich über Situationen und Begebenheiten berichtet wird. Nein, mit Interesse und Rührung lassen wir so manches wieder aufleben, was wir in unserer Jugend erlebt haben, sei es, das sich etwas im Familienkreise oder im Gemeinschaftsleben zugetragen hat. Die Mühewaltung, die aufgebracht wird, um diese Blätter in gewissen Abständen erscheinen zu lassen, sind ein beredtes Zeugnis der besagten Tendenz. Gar vieles wäre vom endlosen Meer des Vergessens verschlungen worden und dem Nichts anheimgefallen, wenn nicht von kundiger Seite eine anstrengende Arbeit geleistet würde, um an der Gewinnung und Erhaltung eines Ausschnitts innerhalb des grossen jüdischen Geschichtsbildes mit Handanzulegen. Je länger die Zeit währt, um so mühevoller ist es, dem anstürmenden Meer des Vergessens Einhalt zu gebieten. Nur diesem Hang zur Verlebendigung unserer Überlieferung ist es zuzuschreiben, dass unser ganzes spezifisch jüdisches Sein derart unerschüttert verblieben ist. Die Feste nehmen in diesem Zusammenhang einen besonderen Raum ein. Im Pessachfest kommt dieses Gefühl für das Festhalten am Überlieferten wohl am vielfältigsten zum Ausdruck. Ein Detail sei erwähnt und dies mag für das Ganze zeugen. Wir versetzen uns im Geist zurück und lenken unsere Aufmerksamkeit zu den kleinen jüdischen Siedlungen auf dem flachen Lande im | Dr. HUK WITZ LTD. | i| TRAVEL & TOURS AGENCY $ TEL*AVIV, Yehuda Haievi Str. 43 1 614025 1 I 621351 1 Individuelle Beratung « : j für Ihre Reise ins »!;< Ausland >? früheren Deutschen Reich. Bereits vor 1914, und erst recht danach, wurden sie immer schwächer. Aber bis dahin existierten sie noch in ansehlicher Zahl von den Ostprovinzen bis nach dem vorgeschobenem Westen und Süden hin. Was bedeutete für diese Menschen die Pessachzeit? Man sollte meinen, ein an soviel Vorschriften geknüpftes Ritual konnte einfach dort, wo es keine festgefügten Gemeinden gab, nicht durchgeführt werden. Weit gefehlt! Die Ausstrahlung des Pessach und seiner Bräuche erfasste auch die Familien, welche ganz und gar isoliert von den jüdischen Gemeindezentren dahinlebten. Es ist herzbewegend, wenn man in den Kindheitserinnerungen eines alten Mannes, unseres unvergesslichen Dr. Siegfried Braun 1885—1969 — vormals Lehrer Jahrzehnte hindurch in Köln, dann Tel-Aviv von 1951 bis 1969 in Mayan Zwi, bei Zichron-Jakow — nachliest, wie die winzig kleinen jüdischen Niederlassungen in der näheren und weiteren Umgebung seines Heimatortes Dusemond/Brauneberg an der Mosel, am jüdischen Brauch festhielten. Braun berichtet: der Ort selbst zählte 10 jüdische Familien. Im Umkreis lagen Mühlheim 7, Lieser 4, Wintrich 4 und Veldenz 4, zusammen 29 Familien. Diese 29 Familien wohnten also zerstreut und auseinandergezogen innerhalb einer nicht jüdischen Welt. Wenn die Zeit vor Pessach herannahte so scheute man keine Anstrengung, um noch näher in Verbindung zu treten als es auch sonst aus gegebenen Anlässen der Fall war. Es ging dem Knaben “besonders nah ans Gemüt”, wenn von Rachtig an der Mosel her die grossen Körbe mit Mazzot gebracht wurden und wir Jungen nach Monzel zu einem Kleinkrämer geschickt wurden, um die Käscher schel Pessach Sachen einzukaufen. Unser Weg führte durch prächtige Frühlingswiesen... die den Weg säumten. Mir wurde in dieser, dem Fest nahen Zeit, eine besondere Mission übertragen: Ich wurde zum Vorsteher der Gemeinde Bernkastel geschickt und erhielt von ihm eine Namenliste nebst einem bestimmten Be trag an Reichsthalern... (Nach verschiedenen Quellen abgedruckt in Max Lazarus, Erinnerungen. Anmerkungen Seite 292/3, Documenta Judaici Band 1, Dortmund 1967). Was klingt aus diesen Angaben heraus? In erster Linie das Zusammengehörigkeitsgefühl des in der Gola versprengten Volkes, das Zueinanderstreben der kleinsten Splitter, um unter den gegebenen Umständen ein Ganzes zu bilden. Die ungezählten Tagesstrecken, welche unsere Väter zurücklegten, zu Fuss oder mit Pferd und Wagen, waren durch den harten Existenzkampf bedingt; aber gleichzeitig erwuchs ihnen hierbei auch die Funktion, den Zusammenhang der versprengten Glieder unseres Volkes zu wahren. Diese “Reisen" waren damals so wichtig wie diejenigen unserer Brüder von Übersee nach Israel und in umgekehrter Richtung in heutiger Zeit. Die technischen und zivilisatorischen Formen haben sich ln einemhistorisch gesehen-kurzem Zeitraum geändert. Der Gedanke zueinander zu kommen hat jedoch an Intensität nichts eingebüsst. Man kommt zusammen allen Hindernissen zum Trotz. Das Solidaritätsbewusstsein wird am Pessach auf die höchste Stufe gesteigert. Die paar Reichstaler, welche der Knabe Siegfried Braun aus getreuen Händen empfangen und sie getreulich weitergab — sie entsprechen den Tausenden und Millionen in einheimischer und fremder Währung welche heute hin-und herfliessen ohne die der Staat Israel nicht existieren könnte. Dasselbe gilt für alle religiösen, kulturellen und gemeinnützigen Einrichtungen im Lande Israel und in der weiten Welt. (Fortsetzung Seite 2) LIEBE MITGLIEDER UND FREUNDE IN ISRAEL UND IN ALLEN TEILEN DER WELT Nach Wochen und Monaten schwerer Krise in Israel, nach all dem Schweren, das wir erlebten und von dem wir hoffen, dass es sich zum Guten wenden wird, überreichen wir Ihnen heute wieder unsere Zeitung. Wir bitten unsere Mitglieder und Freunde, auch ihre Pflicht zu erfüllen und die Beiträge und Spenden uns regelmässig und pünktlich zugehen zu lassen, da durch die ungeheure Teurung in Israel und in der ganzen Welt die Herausgabe des Blattes grosse finanzielle Opfer erfordert. Zahlungen wie bisher aus dem Ausland auf das Konto Bank Japhet, Tel-Aviv, Rotschild Blvd. 11 Konto 24195 Irgun Joze Breslau, in Israel durch Scheck oder Postscheine an den Verband z. H. von Erich Elieser Lewin, Ramat Gan, Mazadastr. Nr. 27. Wir hoffen, dass auch diese No. 35 Ihr Interesse finden wird und stehen wir bei Anfragen etc. jederzeit gern zur Verfügung. Wir wünschen Ihnen Allen für die Zukunft alles Gute. Chag Sameach. VERBAND EHEMALIGER BRESLAUER IN ISRAEL

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