Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1973
- Issue
- No. 34 (September 1973)
- Date
- 1973-09-01
- Page
- Seite 21 (sequence 2097)
- Language
- German
- Belongs to
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Rechtsanwalt Paul Seid Ein grosser Kaufmann, ein besonders begabter Mensch, der die Zeichen der Zeit verstanden hat, ein ausgesprochen guter Mensch, ist vor einigen Wochen in Haifa in hohem Alter verschieden. Bis in die letzten Tage seines Lebens klar und gutmütig, von allen, die ihn kannten geschätzt und geliebt, so sehen wir ihn vor uns. Paul Seidmann ist im Jahre 19X7 als Zivilgefangener aus Radom (Polen) nach Breslau gekommen. Seine besondere Intelligenz, sein schnelles Einfühlungsvermögen, haben ihm alle Wege geebnet. Er heiratete in Breslau die Tochter der Besitzerin der jüdischen Buchhandlung Wwe. Mayer und eröffnete ein Engros-Geschäft für Porzellan und Glaswaren. Bald wurde es zu den führendsten der Branche. Sein Arbeitstag kannte keine Grenzen. Das Lagerhaus an der Jahnstrasse mit Gleiss- Anschluss war Mittelpunkt und Einkaufszentrum für die Detail geschäfte in Breslau und Schleseien. — Nach einer grossen Arbeitswoche gönnte er sich auch am Schabbat keine Ruhe. Während viele am Schababt-Nachmittag ihren gewohnten Schlaf absorbierten, ging Paul Seidmann mit seinen Freunden jede Woche ins jüdische Krankenhaus, um nicht nur Kranke zu besuchen, sondern auch ihnen in jeder Weise behilflich zu sein. Er gehörte dem Vorstand des Vereins” Gemilud Chessed Umischan Awelim” an und erschien fast bei allen Trauerfällen im Hause. Das System der 2 Büchsen, die in jedem Trauerhaus aufgestellt wurden, die eine gefüllt mit einem grossen Betrag, die andere leer, ist seiner Iniciative zu verdanken. Niemals konnte man feststellen, wer sich des Geldes bedient hat, da beide Büchsen geschlossen abgegeben werden mussten. Im Bedarfsfälle konnte der Betreffende das nötige Geld sich herausnehmen. Diese Einrichtung ist ein wahrer Matan be Seter (Hilfe im Stillen). Auch unser Chawer Karl Ludnowskl, Haifa, — bis 120 — arbeitete in dieser Vereinigung mit grossem Elan mit. LEO FREUND s.A. Es ist uns schwer, diese Zeilen zum Andenken an Leo Freund zu schreiben, da wir mit ihm sehr eng verbunden waren. Als Sohn d. bekannten und viel verzweigten Familie Salo Freund, Breslau, Breitestr. 4/5, in streng traditionellem Sinne erzogen, war er von Jugend an begeisterter Zionist. Schon in jungen Jahren besuchte er die jüdische Sprachschule in Breslau und sprach schon Iwrit vor seiner Einwanderung im Jahre 1932. Ein Jahr vorher besuchte er als Tourist Palästina und beschloss sich hier niederzulassen. Bei seiner Trauung in Breslau im Jahre 1932, sprach Rabbiner Dr. Simonsohn einen Teil seiner Rede in Iwrit, was damals grosses- Aufsehen erregte. Trotz schweren Anfangs liess er den Mut nicht sinken und übernahm nach verschiedenen Versuchen, ein Geschäft von Haus- und Küchengeräten sowie Geschenkartikeln, in Tel Aviv, Jaffastrasse, das er der grossen Unruhen wegen im Jahre 1938 nach der grossen Geschäftsstrasse Allenby, verlegte. Die Firma Leo Freund, war ein angesehenes, solides grosses Geschäft, zu dem die Kunden insbesondere der deutschen Alij ah grosses Vertrauen hatten. Der Heimgegangene war ein stiller, tiefreligiöser Mensch, der sehr belesen und gebildet war. Er liebte es nicht gelobt zu werden. Das Haus Leo Freund war in den Einwanderungsjahren von 1933 an für viele Breslauer die erste Station, die ihnen Rat und Halt gab. Viele alte Breslauer wohnten in der ersten Zeit bei Freunds und orientierten sich über die Einstellung zum Lande. Sein ausgeprägter Famimann s. A. Nach seiner Einwanderung in Haifa hat Paul Seidmann sofort als grosser Importeur von deutschem Porzellan über die Haawara Mengen von bestem Material in den verschiedensten Nueancen hereingebracht und?far bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges der Importeur. Seine Gattin Jeanne Seidmann geb. Mayer, unterstützte ihn in jeder Weise. Der Heimgegangene war eine derart rührige Natur, die immer einen guten Blick für das hatte, was die Stunde erfordert. Während der 2. Weltkrieg sich dem Ende näherte, erschien Seidmann bereits in London und machte grosse Abschlüsse in englischer Keramik, Teller etc. für das damalige Palästina. Er war wieder der Einzige, der dem ausgehungerten Publikum durch Einfuhr dieser Wären Hilfe brachte. Es wäre nicht vollkommen von uns, wenn wir nicht Paul Seidmann auch in seinem sozialen Wirken erwähnen würden. Er gab mit vollen Händen. Er stiftete eine moderne Küche mit sämtlicher Einrichtung und mehrere Zimmer auf den Namen der umgekommenen Angehörigen in einer Jeschiwa in Bne Berak. Bei Spenden stand sein Name an der Spitze. In gesunden Tagen erschien er täglich 2 mal im Beth Haknesset. Seine Anhänglichkeit an Verwandte, Freunde und Bekannte war ausserordentlich gross. Nach dem Verlust seiner Gattin entschloss er sich in den letzten Jahren Frau Erna Quartner zu heiraten, die im Laufe ihres Lebens ihn hingebungsvoll betreute. Seine erste Sekretärin, Frau Gine Messer, geb. Schmulewitz, war ihm über Jahrzehnte hinaus in Breslau und auch in Israel treueste Beraterin, sowie er mit der Familie in engster Verbindung stand. Ein ausgezeichneter Mensch, ein treuer Freund, ein lieber Verwandter ist uns entrissen worden. Für unseren Verband hatte er immer grosses Interesse gezeigt. Er bleibt uns unvergessen. liensinn zeigte sich in der Liebe in seinem Hause, den Geschwistern und der Verwandschaft. Sein Hinscheiden hat einen unersätzlichen Verlust für seine Familie und Freunde hinterlassen. DR. JAKOB FREUDENBERGER s.A. Als ehrenamtlichen Mitarbeiter unseres Blattes gebührt dem Heimgegangenen ein würdiges Gedenken. In Flieden, bei Fulda geboren, in starker jüdischer Tradition erzogen, besuchte er nach seinem Abitur die Universitäten in Frankfurt, Königsberg und Berlin. Er studierte Soziologie, war Lehrer an der Uhlandschule in Frankfurt a/M und an der Carlebachschule in Leipzig. Schon 1934 sehen wir ihn als verantwortlichen Sekretär Im Kibbutz Rodges in Palästina. Nachher ging er an die Stadt-Verwaltung Tel-Aviv, wo seine grossen Fachkenntnisse sehr geschätzt wurden. Seine Eigenschaft, grosse Menschenliebe, tief religioes, half er am Aufbau der Synagoge in Ramat Chen, einer Vorstadt von Tel-Aviv. Er war jahrelang der Mittelpunkt dieses Beth Haknesseth. Bei Hitze und Kälte kassierte er allein die Gelder für den Hilfsfond “Malka” und brachte grosse Summen auf für Darlehen und sofortige Hilfe. Als Briefmarkensammler von hoher Qualität verband ihn eine ausserordentlich grosse Korrespondenz mit allen Teilen der Welt. Die Synagogen-Gemeinde, Ramat Chen, hat einen ihrer Besten verloren. Wir verbinden uns in gutem Gedenken mit seiner Gattin, den beiden Söhnen und ihren Familien. GEORG JOEL s.A. Vor einigen Monaten entschlief in Tel-Aviv der allseits bekannte und besonders tüchtige R.A. Georg Joel. Geboren in Posen im Jahre 1906, war er Mitglied des Blau-Weiss in frühester Jugend und später gehörte er dem KJV an. 1926 verliess er mit dem Abitur das bekannte Johannes-Gymnasium in Breslau, studierte in Heidelberg und Breslau und machte 1933 seine juristische Staatsprüfung beim Kammergericht Berlin. Nach kurzer Arbeit im Staatsdienst wurde er durch die Nazi- Zeit entlassen, war von 1933 bis 1937 juristischer Berater beim Palästina-Amt, Breslau, später Prokurist bei der Paltreu, Berlin. 1938 wanderte er nach Palästina ein und war seine Tätigkeit bei der Haawara erfolgreich. 1939 heiratete er Edith Bock, aus deren Ehe ein Sohn Dan Joel hervorging. Bereits 1943 machte er sein Anwalts-Examen in Tel-Aviv, das in dieser Zeit durch die neue Sprache und die anders gearteten Gesetze eine ausserordentliche Leistung war. Bereits 1950 wurde er Notar. Auch sein Sohn Dan Joel ist Anwalt geworden und hat sich nach erfolgreicher Vorbereitung und Studium mit dem Vater in Sozius- Gemeinschaft verbunden. Die Anwaltspraxis von Joel & Joel ist keine gewöhnliche. Neben Wieder - gutmachungs- und internationaler Praxis, sind Joels Vertrauens-Anwälte der Schweizerischen, Schwedischen, Finnischen und Deutschen Botschaften in Israel, sowie der Anglikanischen Kirche etc. Georg Joel war der Gründer des Rotary- Clubs Ramat-Aviv/Tel-Aviv, dessen Präsident z. Zt. sein Sohn Dan Joel ist. 1970 wurde ihm das Verdienstkreuz 1. Klasse durch den Bundeskanzler der deutschen Bundes-Republik, 1972 der VASA Orden 1. Klasse durch den König von Schweden, verliehen. Wir bertauem mit der Gattin, dem Sohn, der überaus liebenswürdigen Schwiegertochter und der weiteren Familie den Verlust dieses hochwertigen und tüchtigen Mannes. Möge sein Geist in der Familie so fortleben, wie der Heimgegangene das Leben zu meistern verstand. ABRAHAM MAMROTH s.A. Der überall bekannte und beliebte Abraham Mamroth hat uns nach langer, schwerer Krankheit, vor einiger Zeit verlassen. In der Schuhbranche aufgewachsen, hat er in Jerusalem ein bekanntes Schuhgeschäft geführt. Er war durch seine Reellität und den freundlichen Kundendienst äusserst beliebt. Leider hat in den letzten Jahren schwere Krankheit ihn behindert. Was seine Gattin, Tamar Paula Mamroth in diesen Jahren geleistet hat, lässt sich nicht beschreiben. Sie hat es verstanden, dem körperlich behinderten Mann den Gedanken zu geben, dass er trotz seines Leidens an allem teilnehmen kann, was das Leben verlangt. Eine besondere Liebe verband ihn mit seinen Kindern und den Geschwistern, sowie der weiteren Familie. Wir wollen Abraham Mamroth, der bereits ln Breslau so beliebt war, auch in unserem Verbände nicht vergessen. Unsere Teilnahme gilt seiner Gattin, den Kindern, u. der Familie Mannheim in Kirjat Ono, sowie Frau Irma Baruch in Canada. WIR KONDOLIEREN: Frau HULDSCHINSKY, Essen a.d. Ruhr, Steelerstr. 101 zum Heimgang ihres lb. Gatten, Ernst Huldschinsky, der vor einem Jahr seinen 80ten Geburtsag feiern konnte und dem wir in Nr. 32 September 1972 einen Artikel widmeten. Seien Sie getröstet in dem Gedanken, dass ein ausgefülltes Leben sein Ende gefunden hat. 21