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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1973-04-01 · No. 33 (April 1973) · p. Seite 26

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1973
Issue
No. 33 (April 1973)
Date
1973-04-01
Page
Seite 26 (sequence 26)
Language
German
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Aus der Chronik der Meyer Kaufmann-Textilwerke Von einem Grossen Unternehmen der schlesischen Textilindustrie sei hier berichtet. Es handelt sich um die Meyer Kaufmann Textilwerke, deren kaufmännische Leitung in Breslau war, deren 4 Fabriken im schlesischen Gebirge lagen, also in Tannhausen bei Charlottenbrunn, in Wüstegiersdorf, in Rengersdorf, Kreis Glatz, und eine im Kreise Marklissa. Der Stammvater dieser weltbekannten Firma ging noch, wie die Chronik berichtet, zu Fuss (mit seiner Ware auf dem Rükken) durchs schlesische Gebirge und verkaufte seine Kleiderstoffe, wie auch Wäsche etc. direkt an d. Dorfbewohner. Er soll ein freundlicher Mann von heiterem Wesen gewesen sein, die Dörfler und Landwirte freuten sich, wenn er kam, weil er zuverlässig einwandfreie Ware zu erschwinglichem Preise lieferte. — Ich lernte die Betriebe 1910 kennen, als die Firma bereits einen glanzvollen Namen hatte. In den oben genanten Orten befanden sich Spinnerei, Weberei und Faerberei mit vielen hundert Arbeitern; waehrend in Breslau der Hauptsitz auf der Karlstr. 10 war. Ein Fabrikteil befand sich auf der Klosterstrasse. Täglich kamen telegrafisch die amtl. Kurse fuer Textilien aus England. Der Berliner Boersen-Kurier wurde als Zeitung gehalten. Die Hauptaktionaere waren damals Kommerzienrat Dr. Georg Kauffmann, der in Göldberg wohnte, und sein Bruder Dr. Franz Kauffmann (Tannhauser). Leitende Direktoren in den Fabriken waren Dr. Hans Schaefer, Richard Heymann und Georg Kunze. Weitere Namen sind mir entfallen. Die Breslauer Niederlassung in der Karlsstr. 10 umfasste die Geschäftsleitung wie auch ein reichhaltiges Textillager (3 Etagen) fuer die Breslauer und schlesische Kundschaft, die hier einkaufte. Von Breslau aus gingen Ballen und Kisten der ausgesuchten Ware in die Nachbarorte Schlesiens und in die angrenzenden Provinzen. Das Breslauer Lager wurde staendig aus den Fabriken ergaenzt, es kam regelmaessig durch Spediteur Matzdorff auf Rollwagen zum Abladen und zur Verteilung in die Etagen an. Die Lager besonders vor den Feiertagen voll und gut sortiert. Dem Lager stand Herr Heinrich Steuer vor, ein grosser Kenner der Materie, ihm zur Seite Herr K. Obst und Lehrlinge. Als sich die Lagerraeume als zu klein erwiesen, uebersiedelte man nach dem Pokoyhof am Karlsplatz. Die kaufmaennische und administrative Leitung lag in den Haenden von Direktor J. Wachsner und Prokurist M. Czapski. Zeichnungsberechtigt waren ferner die Herren E. Rosenthal und G. Schubert gemeinsam. Es gab Buchhaltungs¬ und Schreibpersonal, auch eine Anzahl Lehrlinge wurde in die “Mysterien” des kaufmaennischen Berufes eingeweiht. Es ist mir erinnerlich, dass saemtliche Direktoren von unantastbarer sauberer Gesinnung waren und dass die Arbeitsathmosphaere als vorbildlich galt. Jede Abteilung hatte einen verantwortlichen Herren, Registratur, Korrespondenz, Kassenwesen, Debitoren, Kreditoren — alles funktionierte am laufenden Band. Man arbeitete damals noch mit Copier-Buechern, weniger mit Schreibmaschinen. Das Rohmaterial wurde auch von Breslau aus bestellt, massgebende bayrische und rheinische Firmen lieferten die Rohgespinste und Textilfarben, auch Ersatzteile fuer die Textilmaschinen und Textilfarben. Vorhanden war ein riesiger Wechsel- und Checkbestand, man schickte taeglich zur Bank um diese einzuloesen resp. gutschreiben zu lassen. Am Mittwoch wurden die diversen Geldsortenin Faessern verpackt — an die fabriken p. Post geschickt, damit dort am Freitag die Arbeiter ihre Lohngelder puenktlich erhielten. Es gab damals noch Gold- und Silbergeld, das in Rollen abgezaehlt den Faessern einverleibt wurde. Ein Boettcher schloss fachgemaess die Faesser und die Haushaelter trugen sie zur Post in der Karlstrasse, selbstverstaendlich versiegelt. Die Meyer Kauffmann’schen Textilien hatten einen guten Namen, man sah damals sehr auf Qualitaet und Haltbarkeit der Stoffe und Waeschesorten. Wenn ein Lehrling neu eintra, so wurde ihm als erstes gesagt; “Du hast zu niemandem ueber geschaeftliche Dinge etwas verlauten zu lassen. Es gibt nichts ueber unsere kaufmaennischen Massnahmen zu erzaehlen, nicht, wer unser Kunde ist, nicht was wir Umsetzen, planen, noch wer uns Wechsel gibt.” Dies geschah lediglich aus konkurrenzlichen Gruenden. Die Geschaeftsfuehrung war absolut sauber ja pedantisch genau. Bilanzen erschienen jeweils oeffentlich. Als M. K. Aktiengesellschaft wurde, gab es namhafte Persoenlichkeiten als Aktionaere, so Prof. Neisser u. a. Die Beziehungen der Firma zu kulturellen Kreisen der Stadt Breslau waren gross, z. B. zum Orchesterverein. Es wurden auch viele Unterstuetzungen geleistet. Die Angestellten waren in diversen kaufmaennischen Vereinen organisiert, z.B. im 1934er Verband, im 1874er, u.w. Alle waren auch selbstverstaendlich den Krankenkassen angeschlossen. Als der erste Weltkrieg beendet war wurden alle frueher bei M. K. taetig gewesenen Angestellten erneut eingestellt. Mit grosser Freude erinnert man sich jedenfalls dieser vorbildlichen Firma, die einst ein Begriff auf dem Gebiet der Txtilindustrie gewesen ist, und ein glanzvolles Haus kaufmaennischen Adels. JULIUS SACHS “MUSTER BÜRGERLICH GEISTES” Die riesigen Ausmasse des Platzes, in dessen Mitte man das Rathaus errichtete, waren darauf berechnet, ganze Wagenburgen von Karawanen aufzunehmen, die der Stadt Rohprodukte und Fertigwaren zuführten und wieder fortbrachten. Vom 14. bis zum 16. Jahrhundert wetteiferten die bürgerliche Architektur, das Beste an Künsten zusammenzutragen. So erwuchs mit dem Breslauer Rathaus ein Bau, der in seiner Funktion, wie der Breslauer Germanist Heinrich Rückert (ein Sohn des Dichters Friedrich Rückert) schrieb), “das Muster bürgerlichen Geistes darstellt, wie die Marienburg an der Weichsel das Muster ritterlichen Geistes geworden ist”. Der Schweidnitzer Keller hat die Lebensstimmung eines grossen Emporiums durch sieben Jahrhunderte charaktervoll bewahrt. Die im Jahre 1480 gestaltete Südfassade des Rathauses zeigt in ihrem reichen bildhauerischen Schmuck und Sandsteinsimsen mit viel Geist und Witz Begebenheiten und Szenen, wie sie sich im Stadtkeller bei Trank und Schmaus abgespielt haben mögen. Architektonische Besonderheit des Schweidnitzer Kellers sind die von einem Mittelgang erreichbaren langgestreckten, tonnengewölbten Räume mit ihren mittelalterlichen Bezeichnungen wie Bauernkeller, Bürgerkeller, Schöffenkeller, Hansekeller, Räuberloch und Tonne. An Schönheit unübertroffen ist die Bucht, die hundert Jahre nach Baubeginn mit edlen Kreuzgewölben auf Rippen, getragen von einem kraftvollen Mittelpfeiller, eingewölbt wurde. Die alten Bezeichnungn mögen die Separation der Stände vermuten lassen, aber es gab sie nicht. Die einladende Oeffnung der Tonnengewölbe liess sie erst gar nicht zu. RICHARD KRÜGER AUFRUF (Wiederholung) Dr. JOSEPH WALK, der sich in den letzten Jahren vorwiegend mit der Geschichte der jüdischen Erziehung im Dritten Reich beschäftigt hat, ist zum Leiter des neu gegründeten Instituts zur Erforchung des Diasporajudentums an der Bar-Ilan-Universität, Ramat Gan, ernannt worden. In dieser Eigenschaft hat sich Dr. Walk an unseren Verband mit der Bitte gewandt, ihm beim Auffinden von Dokumenten zur Geschichte der Juden in Deutschland und anderen Ländern von 1918 an behilflich zu sein (Bücher und Broschüren, Zeitschriften und Informationsbläter, Aufzeichnungen und Briefe usw.). Wir schliessen uns dieser Aufforderung von ganzen Herzen an, da auch wir der Überzeugung sind, dass sich nicht selten geschichtlich wertvolles Material in Privatbesitz befindet und über kurz oder lang aus Unachtsamkeit oder mangeldem Interesse verloren gehen kann. Das Institut verpflichtet sich seinerseits, das ihm überlassene Material nach wissenschaftlichen Grundsätzen zu ordnen u. es der Forschung und dem Studium zugänglich zu machen. Anschrift: The Institut for the Research of the Diaspora Jewry, Bar-Ilan University, Ramat Gan, (Israel). SUCHANZEIGEN Ludwig Simonsohn, 143 Cheviot Grdns., London N W 2, geboren in Kattowitz O/S 1936, Vater Kurt Simon sohn, Mutter Helga geb. Levy aus Nakel an der Netze, in Myslowitz gelebt, später in Kattowitz O/S ein grosses Konfektionsgeschäft gehabt, bei Kriegsausbruch 1939 nach Warschau geflohen. Spuren der Eltern Kurt Simonsohn und Helga verschwunden. Wer weiss darüber Näheres. Bescheid an obige Adresse. STENDEN AUS ISRAEL UND AUSLAND Schlomoh Marcus, Kibbutz Hamaapil, Dr. Chanan Hans Prinz, Kirjath Bialik, Hanna Pinner geb. Wiener, Beth Izchak. Irma Colbergh geb. Werner, London. DANKSAGUNG : Hierdurch sagen wir allen Bekannten und Freunden sowie den Mitgliedern des Herzl Bundes in Israel und in aller Welt herzlichsten Dank für ihre Anteilnahme an unserem schweren Verlust, den wir durch das Hinscheiden unseren lieben unvergesslichen ARTHUR BEERMANN erlitten haben. Im Namen der Familie Trude Beermann geb. Sternglas, Ramat Chen, Michastr. 6 (Israel). WIR GRATULIEREN: Frau Marga Falkenburg geb. Weiss, Kirjath Chaim bei Haifa, Rechow Mosche Schareth 85 D zum Geburtstage. Viel Glück und Freude mit Ihrem Gatten und den Kindern. Professor EPHRAIM URBACH, Jerusalem, der als Kandidat für die Wahl des Staatspräsidenten von Israel vorgeschlagen ist, hat in Breslau studiert, ist ein ganz bedeutender Gelehrter, der kürzlich ein hervorragendes Werk herausgegeben hat. Seine Gattin ist Hanna geb. Pinczower aus Breslau. Wir freuen uns, dass einem so bedeutendem Mann dieses hohe Amt angeboten wurde und sind als frühere Breslauer darüber erfreut. Redakteur: ERICH LEWIN Druck.: “OT”, Tel-Aviv, Wolfson Str. 48 Tel. 82 67 84 Mitgliedsbeiträge jährlich: 18.— IL in Israel 10 $ in Ausland 26

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