Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1973
- Issue
- No. 33 (April 1973)
- Date
- 1973-04-01
- Page
- Seite 25 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Von Juristerei, Wilddieben und anderen Feinschmeckern Draussen tobt ein Sturm, Blitze zucken, heftiger Donner grollt, und die Luft ist mit Elektrizität geladen. Drinnen sitzt ein junger Rechtsanwalt an seinem Schreibtisch und wartet auf Klienten. Er hat seine Praxisräume wohlweislich in der Nähe des Gerichtes gewählt. Erstens kann man länger schlafen und zweitens ist man zum Mittagessen schnell wieder zu Hause. Der Bürovorsteher kommt hereingestürzt. “Herr Doktor, Herr Doktor, im Büro sitzt eine Frau, die schreit und weint, sie hätte jemanden ermordet. ” “Lassen Sie sie noch ein wenig schreien, bis 6ie sich beruhigt hat, und dann schicken Sie sie rein.” “Also, liebe Frau, wie heissen Sie und wer hat Sie zu mir empfohlen?” “Mein Name is Kupke und ich bin von ganz alleene hier reingekumm, denn Sie sind der erste Anwalt neben dem Gerichte.” “Ma, trokenen Sie mal Ihre Tränen und erzählen Sie mir mal, was Sie zu mir führt.” “Wir haben ein Bauernhof hier in der Nähe von Breslau. Wir leben mit unserer Schwiegermutter zusammen, und ich kann Ihnen sagen, Herr Duckter, was die fier ein Theater mit uns macht. Nischt kann man ihr recht machen. Gestern fing sie wieder an, und ich sag Ihnen, Herr Rechtsanwalt, ich konnte mich nicht mehr halten, ich habe ihr eine Ohrfeige gegeben, dass sie hinterrücks gegen die Treppe fiel — und sie war tot. Und jetzt werden sie mich zum Tode verurteilen, und dabei haben wir die Ernte noch nicht eingebracht.” “Beruhigen Sie sich, Frau Kupke, so schlimm auch Ihre Handlungsweise war, die Sache sieht nicht so schwarz aus.” Die Verhandlung endete mit einem Freispruch, weil es ja kein geplanter Mord war, und Frau Kupke ging mit ihrem Mann fröhlich zu ihren Hühnern und Schweinen nach Hause. Aber sie hat den Rechtsanwalt, der sie verteidigt hat, niemals vergessen. In der ganzen Zeit, wo Lebensmittel knapp waren, versorgt sie ihn mit Geflügel und frischem Gemüse. Als man die Juden in der Kristallnacht verhaftete, kam sie in aller Herrgottsfrühe in unsere Wohnung und warnte meinen Mann, der so seiner Verhaftung entging. Mein Mann hat sich besonders im Umkreis von Breslau einen Namen als Strafverteidiger gemacht, und oft habe ich ihn in unserem kleinen Wagen zu den Verhandlungen gefahren. Die Juristerei hat mich schon immer interessiert, und ich war immer im Zuschauerraum, besonders wenn mein Mann plaedierte. So kam es, dass ein Bauer wegen Brandstiftung angeklagt war u. seine Magd als Beihilfe zur Brandstiftung. Der Bauer wurde von Justizrat Mamroth verteidigt, mein Mann verteidigte die Magd. Am Tage der Verhandlung sah man den grossen, eleganten Mercedes mit Chauffeur neben, unserem schicken Sportwagen vor dem Landgericht in Brieg. Herr Justizrat Mamroth plädierte mit gewaltiger Stimme, und ich muss sagen, er sprach sehr eindrucksvoll. Dann kam mein Mann an die Reihe, die Magd zu verteidigen und Rührung überkam ihn als er von dem unschuldigen Wesen sprach, die noch dazu ein uneheliches Kind hatte. Im Zuhörerraum schneuzten sich die Bauern voller Ergriffenheit. Das Gericht nebst Geschworenen zogen sich zurück. Freispruch auf der ganzen Linie. Nach einem Jahr zeigte die Magd den Bauern wegen Brandstifftung an. Man konnte ihm nichts mehr anhaben, weil er ja wegen dieses Vergehens freigesprochen wurde. Und noch zuletzt eine kleine Erinnerung. Um Breslau herum gibt es viele Wälder, wo Wälder sind, gibt es auch Wild und wo Wild ist, gibt es auch Wilddiebe. So sind wir wieder einmal mit unserem kleinen Wagen zu einer Verhandlung gefahren, wo mein Mann einen Wilddieb zu verteidigen hatte. Der Angeklagte wurde freigesprochen. Wir gingen zu unserem Wagen, um nach Hause zu fahren, da kam der Bauer mit einem Paket in der Hand, das er uns überreichte. “Herr Rechtsanwalt, weil Sie mich so gut verteidigt haben, will ich Ihnen auch was Gutes antun.” Er überreichte uns eine Rehleber, die angeblich eine grosse Delikatesse sein soll. Da in unserer Küche kein Wild gekocht wurde, schenkten wir die Rehleber wahrscheinlich dem Hausmeister. Ein guter Arzt und ein guter Rechtsanwalt sind Goldes wert! Beim Arzt werden die Fehler beerdigt, während ein Rechtsanwalt sich immer noch rausreden kann! Erna Schutz, New York, 11 Riverside Drive, N Y 10023 Dr. Siegmund Hadda zum 90.fen Geburtstag In Nr. 32 unseres Blattes haben wir Ihnen versprochen, noch eine Wuerdigung anl. dieses ausserordentlichen Jubilaeums zu bringen. Dr. Hadda war der langjaehrige und letzte Chefarzt der chirurgisch-urulogischen Klinik sowie Aerztlicher Direktor des Jued. Krankenhauses in Breslau. In Oberschlesien geboren, trat er im Jahre 1904 eine Assistentenstelle bei Prof. Stern an. Sein Weg ging ueber die Chirurgische Universitaetsklinik von Geheimrat Prof. Dr. von Mikulicz. 1906 wurde er von Prof. Gottstein als Assistent berufen. Sein Ruf als ausgezeichneter Operateur ging weit ueber die Grenzen Breslaus hinaus. Aus allen Kreisen Breslaus, der Provinz Schlesien, Polen und der Tschechei stroemten die Patienten zu Dr. Hadda und Tausenden hat er durch seine aerztliche Kunst das Leben gerettet. Im Jahre 1943 wurde er mit seiner Gattin nach Theresienstadt deportiert, wo er wieder am Krankenhaus arbeitete und operierte. Am 4. Februar 1945 wurde das Ehepaar Hadda aus dem Schlaf gerissen und gefragt, ob es sich an einem Transport beteiligen wolle. Die Befuerchtung, dass dies der letzte Weg sei hat sich G.s.D. nicht bewiesen. Dr. Hadda u. Frau kamen mit einem Sammeltransport in die Schweiz. Ueber England ging es nach Amerika, wo Frau Hertha Hadda im Oktober 1970 in hohem Alter verstarb. Die 3 Kinder wurde gerettet. Einer der Soehne wirkt als Chirurg in New York. Wie wuenschen dem ausgezeichneten Arzt und Menschen Dr. Siegmund Hadda noch viele Jahre in Gesundheit mit seinen Lieben. Verband ehemaliger Breslauer in Israel. Jahrzeitssfiftungen und Eintragungen Herbert Chajim Wittkowsky gest. am 25 März 1963 — 29. Adar 5723 eingetr. von seiner Ehefrau Irene Wittkowsky, Talmi Elieser. HAUSCHNER RICHARD gest. 17. Siwan 5685 in Breslau Hilda geb. Fischer gest. 9. Elul 5704 im Lager Theresienstadt eingetr. von ihrem Sohn Mordechal Ernst Hauschner, Ramat Gan. KURT (KECKEL) FREUND gestorben am 4. April 1972-20. Nissan 6732 in New York eingetragen von seinen Geschwistern Meta Morrison, Ernst Freund, Resi Better und Familien. HANS (ELIMELECH) KLUGER geboren 8.1.1923 ln Hindenburg O/S gestorben 1.12.1971 — 13. Kislew 5732 in Haifa, eingetragen von Schwester u. Schwager Grete u. Siegusch (Schlomo) Ehrlich — Erel, Giwataim. OTTO DAVID GASSMANN geb. 28. Januar 1868 gest. 25. Februar 1959 — 17. Adar 1 5719 HEDWIG CHAWA GASSMANN geb, 20. September 1880 gest. 13. Januar 1973 — 10. Schwat 5733 eingetragen von ihrer Tochter Charlotte Dawidow geb. Gassmann, Kfar Yedidia. ZUR GEFL. BEACHTUNG Fuer Mitglieder der In der "Centra” zusammengeschlossenen Vereinigungen ist eine allgemeine unentgeltliche Beratungsstelle im Buereo der Centra, Tel Aviv, Balfourst. 31 (Dr. Kaufmann) errichtet worden. Die Beratungsstelle ist zunaechst an jedem Montag von 9 — 11 vormittags geoeffnet. Unserem Vetter Julius Sachs, Tel Aviv, zum 80ten Geburtstag alles Gute. Dies wuenschen ihm in Liebe. LEA und ERNST NELKEN, Haifa, LIESEL und Hans NELKEN, Kirjat Bialik, TTTJ.Y und WALTER NELKEN, Haifa. Abloesung der Gratulation durch Eintragung seines Namens in das "Goldene Buch“ des Verbandes ehemaliger Breslauer in Israel. AN DIE EINSENDER VON AUFSÄTZEN UND ARTIKELN! Hierdurch bitten wir hofl. um Entschuldigung, dass wir die Artikel bez. Aufsätze von Herrn Bodo Langer, Santiago de Chile “Ein Breslauer reist um die Welt”, sowie den Reisebericht von Frau Anette Mengel, London “Reise im Jahre d. Unheils in 8 Länder” als auch die“Kindheitserinnerungen” von Frau Annie Malarczyk, Kfar Szold (Israel) nicht hereinbringen konnten. Wir werden uns bemühen, in unserem nächsten Blatte “Auszüge hineinzunehmen. Die Redaktion 25