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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1973-04-01 · No. 33 (April 1973) · p. Seite 3

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1973
Issue
No. 33 (April 1973)
Date
1973-04-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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w Die Presse in Breslau 2. Teil Als Ergänzung der interessanten Ausführungen von Herrn Paul Treitel Montevideo, in Nr. 32 der Mitteilungen des Verbandes ehemaliger Breslauer und Schlesier, möchte ich als langjähriger Mitarbeiter der Breslauer Zeitung und der Breslauer NEUSTEN NACHRICHTEN (früher General Anzeiger) einige z.T. persönliche Erlebnisse mitteilen, die sich recht häufig mit allgemeinen Dingen des täglichen Lebens berrührten. Als Chef-Redakteur der Breslauer Zeitung waltete Dr. Alfred Oehlke. Er glaubte die philosemitische Stellung seiner Zeitung herzuleiten von einer Säbel-Mensur, die er wegen antisemitischer Aeusserungen in der Studentenzeit erlebt hatte. Es bleibe dahingestellt, ob er im Herzen judenfreundlich war. Zionsfreundlich war er bestimmt nicht. Trotz aller Bemühungen seines Referenten im Handelsteil “Gottschalk” seines Blattes war es seinem alten Mitarbeiter Gottschalk völlig unmöglich, auch nur eine kurze Mitteilung in der Breslauer Zeitung unterzubringen, wenn sie sich irgendwie mit zionistischen Dingen befasste. Der Referent für das Feuilleton war der Wilda„ von Beruf eigentlich Arzt. Er hatte in Berlin am Kurfürstendamm seine Praxis an der Ecke einer der belebtesten Seitenstrassen. In der Sylvesternacht erlaubte sich einer seiner “Freunde” den geschmacklosen Witz den Text seines Arztschildes zu korriegieren. Anstelle des Wortes “wohnt um die Ecke” konnte man das ominoese “bringt um die Ecke” lesen. Dies, muss wohl persönliche, vielleicht auch wirtschaftliche Konsequenzen mit sich gebracht haben, denn Dr. Wilda, der stets ruhige und liebenswürdige Mensch, entsagte seinem bisherigen Berufe als Arzt und ging seinen literarischen Neigungen nach. Freilich seine bisherigen medizinischen Dinge übertrug er mir, dem jungen medizinischen Mitarbeiter, nachdem er meine bisherigen Artikel mit Aufmerksamkeit und Zufriedenheit bemerkt hatte. Es geschah im Jahre 1913 als in Erinnerung an die Befreiungskriege (1813) in Breslau mehrere Kongresse statfanden die von derTagesprcsse mit Ausnahme der Schlesischen Zeitung gemeinsam besprochen wurden und von der speziell begründeten “Schlesischen Presse” an die übrigen Zeitungen weitergeleitet wurden. Als letzter Vortragender bei der Eröffnungstagung sprach ein Neurologe über “das Wesen des Stotterns” ein Thema, das sicherlich die nichtmedizinische Öffentlichkeit interessieren durfte. Ich konnte persönlich dem Vortrag wegen der vorgerückten Stunde nicht mehr beiwohnen, Ich bat daher den Redner, mir einen Extrakt seiner Ausführungen zugeben. Nicht wenig betroffen war ich tags darauf wieder das Thema “vom Wesen des Stotterns” angekündigt zu sehen, da es am Abend zuvor nicht mehr behandelt werden konnte. Es war mir daher nicht sehr angenehm, vom Hauptreferenten der Morgenzeitung Prof. Oppenheim — Berlin — einen Auszug für die bereits mittags erscheinenden Breslauer NEUSTEN NACHRICHTEN zu erbitten. Nach dem journalistischen “Pancher” mit dem gestern nicht mehr gehaltenen, jedoch heute schon in allen Morgenzeitungen erschienenen Vortrage, lehnte der Referent ab, und es bedurfte meiner ganzen Überredungskunst, mir seine Notizen zu übergeben, nachdem ich versichert hatte, diese erst nach Schluss seines Vortrages zu veröffentlichen. Nicht gering war jedenfalls das allgemeine Erstaunen, als die Kongressteilnehmer in der Mittagspause hörten: ÜHier, die soeben erschienenen Breslauer NEUESTEN NACHRICHTEN mit dem Vormittagsbericht von Prof. Oppenheim. Von Dr. WILLIAM S. BOSS s.A. Die geschickte Art der Berichterstattung kam mir erst recht zum Bewustsein, als ich Referent des internationalen Chirurgen - Kongresses in Kairo im, Lesesaal des eleganten Shephard-Hotels unter den Tausenden von internationalen Zeitungen auch 2 Exemplare der Breslauer NEUSTEN NACHRICHTEN mit meinem Feuilletons: “Medizin im Lande der Pharaonen” vorfand. Hatte man sich in den grossen Museen Kairos von den in ältesten Zeiten schon gebräuchlichen chirurgischen Instrumenten überzeugen können, war es mir nicht ganz verständlich, das man sich nicht, wie in Deutschland, blütenweiser Operationswäsche bediente, sondern die grüne Farbe vorherrschte. Der von mir deshalb befragte Chefchirurg machte mich darauf aufmerksam, dass die langwährende Sonnenbestrahlung das menschliche Auge rasch ermüdet, die grüne Farbe liess jedoch das angestrengte Auge ausruhen und rascher adaptieren, was beim Operieren von Vorteil war. Neuerdings ist dies auch in modernen Operationssälen eingeführt worden, ebenso an den Schultafeln. Bei meinem Besuch im Auslande lernte ich u.a. auch den russischen Physiologen Voronoff kennen, der mich einlud, seine experimentelle Arbeitsstätte in Menton an der französisch-italienischen Grenze zu besuchen. Er machte dort seine Studien an hochgezüchteten Menschenaffen, die in grossen, luftigen Käfigen bei sorgsamer Betreuung untergebracht waren. Diesen wurden Geschlechtsdrüssen entnommen und sollten alternden menschlichen Organismen überpflanzt werden und manchen noch auf geistiger Höhe befindlichen Männern eine, wenn auch keine neue Jugend schenken, doch eine namentlich in sexueller Beziehung vorzeitige Vergreisung hinhalten. Zu einer ähnlichen Ansicht kam ich in einem ausführlichen Artikel in der Breslauer Zeitung und die gleiche Auffassung hatte auch Prof. L. Fränkel, der nachmalige Direktor der Breslauer Universitäts-Frauen-Klinik, der seine Erfahrungen über innere Drüssensekretion in Wort und Schrift niedergelegt hatte. Der Blätterwald hatte intensiv und lange gerauscht, aber es zeigte sich nach einiger Zeit, dass sich die hochgezüchteten Menschenaffen letzten Endes, um im Journalisten Jargon zu sprechen, als eine “Ente” entpuppte. Zweimal wöchentlich wanderten die Studenten der Medizin und der technischen Hochschule aus den Kliniken zum physikalischen Institut auf der Dominsel, um die Vorlesungen von Prof. Otto Lummer wahrzunehmen. Dieser verstand es durch hervorragende Demonstrationen die Studenten zu interessieren, die in ihrer Sprache vom physikalischen Varietee am Dom und seinem artistischen Leiter Lummer zu sprechen pflegen. Er verstand es aber auch vor einem breiten Publikum über seine grundlegenden Untersuchungen über “Interferenzerscheinungen” und über die Verteilung der Energie im Sonnenspektrum zu interessieren, die später Prof. Plank zur Aufstellung seiner bekannten “Quanten-Hypothese” geführt hat. Der bei diesem Vortrag gleichfalls anwesende begabte Berichtserstatter der Schlesischen Zeitung sagte, als wir uns in vorgerücktre Stunde verabschiedeten: Wir sind uns doch wohl daraüber im Klaren, dass der Bericht über dieses wichtige Thema nicht bereits in der Morgenausgabe unserer Zeitungen erscheinen wird. Durch meine Erfahrungen gewitzigt, wurde es mir klar, dass dieser erfahrene Reporter sein Referat noch heut nachts in Druck geben wird. Und was er in seiner SCHLESISCHEN ZEITUNG vermochte, konnte ich auch bei dem Nachtredakteur der BRESLAUER ZEITUNG erreichen, der erfahrungsgemäss stets für wichtige Nachrichten einen Platz reserviert hielt, den ich nun für den Vortrag von Prof. Lummer in Anspruch nehmen wollte. Ich stelle mir vor, das der Morgenkaffee dem sonst überlegenen Reporter etwas bitter schmeckte, als er mein Referat im Morgenblatt der Konkurrenzzeitung entdeckte. Nach einmal sollte ich mit der SCHLESI¬ SCHEN ZEITUNG die Klingen kreuzen. In Breslau fanden die wissenschaftlichen Tagungen der Südostdeutschen Chirurgen-Vereinigung alle eins bis zwei Jahre statt. Mitglieder dieses Kreises waren die praktisch- und wissenschaftlich tätigen Chirurgen des Südostdeutschen Kreises von Schlesien und dem benachbarten Polen, und der CSR. Den Bericht über diese Tagung hat ein Assistent der Breslauer chirurgischen Universitätsklinik übernommen. Nicht wenig erstaunt waren vier frühere Oberärzte des Jüdischen Krankenhauses in Breslau, dass ihre Referate und Demonstrationen bei dieser Tagung überhaupt nicht erwähnt wurden, während die kürzeste Diskussionsbemerkung jedes anderen Teilnehmers zitiert wurde. Man hatte den Eindruck, als wolle man den Lesern der deutsch-nationalen SCHLESISCHEN ZEITUNG, die auch in der Provinz in landwirtschaftlichen Kreisen viel gelesen wurde, die Namen jüdischer Chirurgen vorenthalten. Von einem der vier “Ausgeklammerten" aufmerksam gemacht, wandte ich mich an den mir befreundeten Chefredakteur der NEUSTEN NACHRICHTEN Dr. Tugendhat. Sichtlich erstaunt über diese recht wenig objektive Berichterstattung erklärte er: Die BRESLAUER NEUSTEN NACHRICHTEN werden in ihrer heutigen Ausgabe diesen Bericht nicht veröffentlichen.Gleichzeitig bat er mich über, jeder diese Tagung wirklich objektiv zu berichten. “Freilich”, fügte er lächelnd hinzu, werden Sie nun nicht in ihrem Bericht nur über die übergangenen Redner schreiben, sondern sie mit den anderen; Vortragenden in geeignete Relation bringen. Wie ich später erfahren habe, hat meine Klarstellung in dem sehr guten Informationsblatte den von der Kongressleitung gelieferten Bericht mit seiner einseitigen politischen Einstellung in den Schatten gestellt. Zum Abschluss noch ein Wort zu der Verstimmung zwischen dem Verlagsdirektor Dr. Tugendhat und dem Konzertkritiker der Breslauer NEUESTEN NACHRICHTEN, Dr. Paul Riesenfeld. Als ich den von mir geschätzten ur.d von grossen Musikzeitschriften wiederholt zitierten Dr. Riesenfeld nach der Ursache dieses Krachs befragte, sagte mir Dr. R.: “Es dürfte Ihnen bei unserer Unterhaltung nicht entgangen sein, dass ich an einem unbedeutenden Sprachfehler leide. Wem aber, so dozierte er weiter, die Zunge “beschnitten” ist, hat dann häufig eine Spitze und scharfe Feder, die sich nicht selten mit persönlichen Hintergründen des kritisierenden Künstlers befasst, wenn sie nach seiner Auffassung der Kunst abträglich wäre. Die Vorschriften des zunehmenden Hitler-Regimes gestatten nicht, die sichtbare Zur-Schau-Stellung gewisser Wochen-Zeitschriften. Der am Sonnen-Platz befindliche Kioskbesitzer wollte aber seine regelmässigen Kunden nicht verlieren und brachte manche Zeitschriften in die Wohnung, so z.B. die “Jüd. Rundschau” mit ihren oft recht aggressiven Beiträgen, dem benachbart wohnenden Frauenarzt Dr. Nathan Mj Den rechten Arm seitwärts hochhebend rief dann der Bote aus: Heil Hitler! Die Jüd. Rundschau. 3

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