Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1972
- Issue
- No. 32 (September 1972)
- Date
- 1972-09-01
- Page
- Seite 12 (sequence 2030)
- Language
- German
- Belongs to
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Mein Ausflug in die „Besonnte Vergangenheit“ Auch wir, die wir ferne leben, sind von der gleichen Heimats-Sehnsucht betroffen wie alle nach dem Westen Vertriebenen, und es ist besonders das schlesische Gebirge, dessen Anblick und Durchwanderung uns so fehlt. Wir wissen, dass “alles fliesst”, und dass auf Höhe Tiefe logischerweise folgen muss, der Verstand sagt es, aber die Seele weigert sich durchaus diese Notwendigkeit anzuerkennen. — Bei mir handelte es sich um unser liebes schönes Riesengebirge, dass man ja trotz allem heute noch, wenn auch etwas kompliziert, erreichen kann, sei es über Polen, sei es durch Boehmen, heute Czechoslovakei, genannt. Obwohl ersters leichter von hier direkt zu erreichen ist, so entschloss ich mich aus persönlichen Gründen den letzteren Weg zu nehmen, da ich gute Freunde im einstmals so goldenen Prag habe, über deren Ergehen ich mich informieren wollte. Ein czechisches Visum hier zu bekommen ist natürlich nicht schwer, wofern man eine gewisse Summe (neben den Visakosten) einbezahlt, die ein Minimum der Ausgaben drüben decken, d.h. dass man einerseits dem dortigen Staate nicht zur Last fällt, auf der anderen Seite mit Devisen dem Lande hilft. Naturgemäss sind die Czechen sehr an fremden Touristen interessiert, denen man auch 25% Profit an dort gewechseltem ausländischen Gelde verspricht und es auch tut. Da ich meinen alten Freunden nicht noch extra Mühe aufbürden wollte, buchte ich eine doppelte Unterkunft im “Interhotel”, d.h. einem solchen für Ausländer, in denen man wirklich ausgezeichnet und bevorzugt untergebracht ist, für mich wurde es Hotel “Flora” ln mitten der “Weinberge” und Hotel Horecz in Pec pod Sniezka — unserem alten Petzer unter der Schneekoppe, die von der böhmischen Seite her ja erheblich leichter zu besteigen ist als von der ehemals preussischen. Da ich im ganzen fünf Tage Visa-Gültigkeit hatte, verbrachte ich 2 davon erst in Prag selbst, einer der auch heute noch schönsten Städte, den 3. & 4. (Wochenende) hingegen in unseren alten, ganz unverändert gebliebenen Bergen. — Von Prag ging ein Autobus über 4 Stunden lang den Norden über Trutnov (Trautenau) und Janske Lasle (Johannisbad), und auf einmal waren alle vergangenen Jahre ausgelöscht, und man atmete die würzige Bergluft wie einst. Von dem wirklich phantastisch ausgestatteten Hotel aus machte ich mir im Verein mit der ^sehr hilfreichen recht gutes Deutschsprechenden Geschäftsführerin meinen besten Plan für die leider nur 2 Tage, und zwar riet sie mir, den Aufstieg zur Koppe gleich am selben Tage zu unternehmen, da das Wetter (wie wir ja auch immer schon wussten) nie zuverlässig sei, und nach einem sonnigen Tage sehr wohl Regen am nächsten zu erwarten sei, und wie sie Recht behielt; doch davon später. — Nun geht ein Sessel-Lift von Petzer aus zur halben Höhe (Rosenhöhe genannt) und von dort aus. wenn, (was leider sehr selten zutrifft) bei einiger - massen Windstille bis oben auf die zweigeteilte Koppe hinauf, aber da ich eine ausgesprochene Abneigung gegen eine derartige Beförderung habe und zudem lOOe begeisterte Czechen sich darum drängten (das Riesengebirge zieht natürlich auch seine neuen Besitzer unwiderstehlich an), so beschloss ich, unseren alten Riesengrund ohne Hilfe hinaufzuklimmen, was mir auch (es war immer noch strahlender Sonnenschein) in einigen Stunden gelang, und von dort, der erwähnten Rosenhöhe aus sah ich unsere Koppe ganz aus der Nähe zum ersten Male wieder. Ganz genau wie früher blickte die jetzt polnische und die czechische Baude, die Kapelle und die Wetterwarte freundlich herunter, und ich winkte mit einem Büschchen Knieholz, das unpolitisch wie es ist, immer noch genau so in dichter Üppigkeit wächst, zurück. Nun blies aber der Wind ziemlich heftig, und die Zeit war vorangeschritten, zudem drängte es mich nicht, oben die polnische Baude und die energisch festgelegte Grenze zu betrachten und sie dabei nicht überschreiten zu dürfen, denn ein polnisches Visum zu bekommen wäre für den kurzen Aufenthalt zu kostspielig gewesen, somit liess ich es bei dem ersehnten Anblick und legte mich dafür in die Sonne und die altbekannte Würze des Knieholzes. Ausserdem musste ich ja auch noch herunter und durfte den letzten “Lift” nicht verfehlen. Dieser aber hatte zu meiner Freude wenigstens ein Brett unter den Füssen, sodass man nicht ganz zwischen Himmel und Erde schwebte. Wir hatten ja früher keine solche Transportmöglichkeit, aber man war ja ans Wandern gewöhnt; heute würde es wohl bei uns auch anders geworden sein; zu dem war ja “eigentlich” die böhmische Seite immer schon sogenanntes Ausland, nur dass man das eben nicht als solches betrachtete. Oh welch schöne Zeiten das waren, als es noch keine Weltkriege und damit auch keine Pässe gab, wer glaubt heute noch an solche Mären? — Das war also der 1. Tag, den ich als vollkommen betrachtete, denn wer erhofft, seine Sehnsucht zu 100% erfüllt zu sehen? In meinem Interhotel freudig begrüsst, bereitete ich mich nun auf die 2. Tour vor, die früh um 6 Uhr im Bus anfing. Auf nach Spindelmühle! Dass Wetter war immer noch heiter, und nach kurzer Fahrt auf sehr gutem Fahrwege durch den Wald langten wir an in dem einst so eleganten Kurort, der heute ausser einigen grossen modernen Hotels fast nur Erholungsheime für kranke Arbeiter und Werksangestellte enthält. Aeusserlich hingegen hat sich kaum etwas verändert, und der malerische Anblick des Ortes, von der jungen Elbe (Labe) durchflossen erfreute das Herz. Nun aber wollte ich in die Berge, d.h. zur Spindler- -und Peter-Baude und vielleicht auch noch auf den Kamm hinauf, hatte ich doch nur den einen Tag mit mir zu nehmen für alle Zukunft. Auch da gab es einen Bus, denn die “Spindlerovka” war sehr beliebt als Ausflugsziel. Ich fand sie ganz unverändert und wanderte von dort aus zur nahen “Petrovka”, aber leider fing die Sonne an sich zu verstecken, aber ich hatte plötzlich den herrlichsten Überblick auf den Kamm mit Mittag-, 3 Steinen und Prinz Heinrich Baude, die nach einem Brande, viele andere Bauden waren auch am und nach dem Ende des Krieges verbrannt, unter anderem Namen wieder aufgebaut worden war und die liebe alte Schneekoppe. Interessant war, — auf dem Wege zur Peterbaude fiel es mir ganz besonders auf, — die scharfe Grenzbarriere zu beobachten, die zwischen polnischem und czechischem Gebiet errichtet ist, sodass auch czechische “Brüder” nicht aus ihrem ganz besonders sorgfältig gepflegten Nationalpark in das bei weitem nicht so einladend erscheinende polnische Gebiet hinübergehen dürfen. Ich sah einen polnischen Wachtsoldaten, bis an die Zähne bewaffnet jenseits aufmerksamst auf und ab gehen mit Feldtelephon direkt bei der Hand, um evtl. “Vorkommnisse” sofort weiterzumelden. Ich erkundigte mich später, als ich in der “Petrovka” (Peterbaude) die üblichen Ansichtskarten schrieb, bei einem der vielen Ostdeutschen - Touristen, worüber man drüben besorgt sei, Schmuggel, so wurde mir versichert, evtl, aber auch feindselige “Eindringung” hörte man dazwischen vorsichtig geflüstert. Furcht bewegt eben heute alles und alle sowie der Stolz auf und das Festhalten am Besitz, der ihnen ja zugesichert war. Inzwischen war es ganz finster geworden und als ich weiterwandern wollte, begrüsste mich ein heftiger Regenguss und ein dichter Nebel verhüllte nicht nur die nur so kurz erschaute Aussicht sondern auch den Weg, sodass man nur blindlings sich vorwärtstappen konnte, bis mich endlich Autolichter zur Baude zurückführten. Und ich hatte mich doch so darauf gefreut, den berühmten “polnisch-czechischen Freundschaftsweg”, die einzige Begehungsmöglichkeit beider Seiten des Kammes bis zum kleinen Teich und vielleicht noch weiter durchwandern zu können. Auf diesem Wege dürfen sie alle wandern, Freunde, Brüder, Verbündete und sogar solche, die es nicht sind; möge doch eine solche Oase des Friedens alle Menschheit manchmal und auch anderswo erfreuen! Dies zog durch meinen Sinn, als ich betrübt mit dem letzten Autobus den Rückweg antrat, um am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe unsere Berge wieder zu verlassen, nur von einem Büsch-chen Knieholz zur Erinnerung begleitet. Wäre ich jung gewesen, so hätte mich Enttäuschung überrannt, nicht alles Ersehnte wiedergesehen zu haben, ich hingegen war dankbar zu wissen, dass man für alles, auch das Kleinste, dankbar sein muss, und dass ich doch wenigstens auf Augenblicke die alte Heimat habe erspähen dürfen, welche, wenn auch heute unter anderm Namen, dieselbe geblieben ist, weil sie in unseren Herzen auf ewig lebt! ANETTE MENGEL, London. N. W. 6 55 Gondar Gdns. (Fortsetzung von Seite 11) MEDIZIN — DA GIBT’S NICHTS ZU LACHEN ODER DOCH? riert werden. Herkommen, auch am Schabbath fahren. Ich besorgte mir, was nicht ganz einfach war, ein polnisches Visum und war schon im Begriff, nach Rücksprache mit dem Oberrabbiner, am Schabbath zu fahren. Da kommt früh ein neues Telegramm: Abcess mit G”ttes Hilfe allein geplatzt, Kommen nicht erforderlich, weiter dawnen (beten). Freilich besass Gottstein nicht den feinen Humor wie sein College Sandberg... jedenfalls nicht im Dienst auf der Station. Es war wohl ein Sonderfall, dass ich ihn einmal lachen sah. In den heissen Sommertagen hatte man zur Abwehr der lästigen Fliegen oberhalb der Krankenbetten Papierstreifen mit Klebstoff aufgehängt. An einem offenbar etwas tiefer heruntergerutschten Streifen geriet die frisch gewaschene Haartracht des Chefs an den Klebstoff. Da wird man ja noch hängen bleiben, meinte Gottstein ärgerlich. Und ich murmelte vor mich hin: “Da wird aber ein grosser Brummer hängen bleiben”. Und Gottstein lachte. Lehrjahre im Krankenhaus haben mir jedenfalls gezeigt, dass man einen Lehrer haben soll, d. mit Zuverlässigkeit und Humor im geeigneten Zeitpunkt den Kranken behandeln soll. Ich hatte das Glück in den beiden Chefärzten Sandberg und Gottstein zwei Lehrer gefunden zu haben, die mir für die spätere Praxis den richtigen Weg gewiesen haben. PAPIERWAREN ROTKOWITZ BÜROBEDAF ROTKOWITZ GESCHENKE ROTKOWITZ ROTKOWITZ Office Equipment and Stationery Tel-Aviv, Rambam Str. 24 Tel. 625420 TI 3 1 V> fl J V 12