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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1972-09-01 · No. 32 (September 1972) · p. Seite 10

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1972
Issue
No. 32 (September 1972)
Date
1972-09-01
Page
Seite 10 (sequence 2028)
Language
German
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Die Jugendbewegung der Siebzigjaehrigen ERICH (ELIESER) LEWIN ZUM 70. Bei Goethe lesen wir: “Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.” Kein Druckfehler — denn Menschen, zwischen 60 und 80, also durchschnittlich Siebzigjährige trafen sich im Gästehaus des Kibbuz Schefajim bei Herzlia am 26. April 1972 zur Feier der Gründung des jüdischen Wanderbundes Blau Weiss vor nun 60 Jahren, um Rückschau zu halten und sich Rechenschaft zu geben. Im Jahre 1912 ist der Blau Weiss von Breslau ausgegangen und hat sich dann über Deutschland, Österreich und Tschechoslowakei ausgebreitet. Zur Erinnerung des 50jährigen Jubiläums hatte ein Treffen in Naharia stattgefunden, 5 Jahre später in Arad. Diesmal sind wieder 430 Teilnehmer dem Ruf gefolgt, denn die Wirkung jener Zusammengehörigkeit auf den Fahrten, der erzieherische Einfluss zur Aufnahme von Kunst und Musik, zur Rücksichtnahme auf den Nächsten ist, unverlierbar. Martin Landmann sprach in seinen einleitenden Worten davon, dass in uns Blau Weissen etwas lebendig ist, was andere nicht haben. Während das Programm des Treffens in Arad auf Singerasten mit Guitarrebegleitung im vertrauten alten Stil und auf ganz ungewöhnlichen Ausflügen (z.B. nach der ausgegrabenen Wüstenstadt Kurnub) aufgebaut war, so erzählten diesmal eine Reihe ehemaliger Blauweisser von ihrem Beitrag zum Aufbau in wichtigen Arbeitsbereichen des Landes, jenem Aufbau aus dem Nichts, um zu zeigen, wie jene in der Blauweissgemeinschaft verbrachten Jugendjahre ihr Leben geprägt haben. Unter jenen, die schon früh, in den 20er Jahren mit der Arbeit am Aufbau des Landes Ernst gemacht haben, war Bella Hirsch-Birk. Sie berichtete, dass es damals noch keinerlei Sozialfürsorge gegeben habe. Durch Miss Szold, die Amerikanerin, die in grossartigem Masstabe auch die Jugendalija durchgeführt hat, wurde sie beauftragt, trotzdem sie das Fach nicht gelernt hatte. Als sie sich um Unterstützung für die Einrichtung von Entbindungsheimen an Beba Idelsohn von der Histadruth und an den Bürgermeister Krinitzi von Ramat Gan wandte, wurde sie überall abgewiesen. Krinitzi wollte nichts davon wissen; damit solle sich seine Frau befassen. Was tat man? Man hängte an einem Baum ein Schild auf, mit der Aufschrift, dass man sich an Frau Krinitzi wenden solle. Das wirkte! Der vom Danziger Blau Weiss herkommende Pädagoge Schaul Lewin, der später Schuldezernent von Tel-Aviv war, jetzt Knessetmitglied, wies daraufhin, dass er die Pflichtbesuche der Schüler in den Museen und die Jugendkonzerte des Philharmonischen Orchesters, ebenso wie den Schüleraustausch zwischen Israel und Deutschland und Israel und Italien einrichtete. Diese neuartigen Ideen für Bildung und Unterricht verdankt er jenen Jahren der Jugenderziehung im Blau Weiss. Hans Sternberg, einer der Gründer von Kibbuz Maayan Zwi berichtete von den Schwierigkeiten der ersten Jahre, als die Hagana noch nicht die Ansiedlung auf den Hängen des Carmel erlauben konnte, weil es zu gefährlich war und sie im tiefgelegenen Sumpfbezirk schwer unter Malaria leiden mussten. Felix Suhlmann berichtete über seinen Lebensweg, der ihn auf Umwegen über Portier — und Sekretärarbeit und als Guitarrelehrer an der Musikakademie endlich zu seinem Fach der angewandten Pharmakologie führte. Rückblickend sieht er, dass Liebe zum Wandern, zu Sport und Musik und Ablehnung von Bourgeoisie, Nikotin und Alkohol vom starken Blau Weiss-Einfluss in der Jugend ausgingen und seinen Lebensweg geformt haben. Auch Herbert Karliner, der als Handwerker in d. 20er Jahren in den Blauweisswerkstätten begann und dann Bürgermeister von Kirjath Bialik bei Haifa wurde, sieht in der Sicherheit und Könnerschaft, die der Blau Weiss den Menschen verlieh, die Basis seines Lebens. Wolfgang Lewy, der Leiter des Philharmonischen Orchesters, der die internationalen Beziehungen für die zahlreichen Gastkonzerte in aller Welt organisiert, bringt seine Tätigkeit mit jener Zeit in Verbindung, als er zur Gründung des Blau Weiss Orchesters in Berlin Waldhorn blasen gelernt hatte. Walter Katz erzählte davon, dass er mit seiner Kenntnis von Felsen und Schlupfwinkeln im Gebirge einen Beitrag hat leisten können zur Befreiung von Jerusalem. In den letzten Jahren hat er für die Gründung von Jugendherbergen an verschiedenen Plätzen des Landes für die wandernde Jugend gesorgt. So wurde die fruchtbare Lebensarbeit von Blau Weissen in verschiedensten Lebensbezirken und der Wille Leben und Arbeit für die jüdische Erneuerung einzusetzen gezeigt. An ein Wiederentdecken des jüdischen Erbes wurde seltsamerweise nicht gerührt, trotzdem auch diese Komponente im Blau Weiss vorhanden war. Wenn wir jedoch erfahren durften, dass der Landwirtschaftslehrer Siegfried Hirsch, dessen Schüler in der Kadurischule; Dajan, Alon und Rabin gewesen sind, später das Dorf Tikwa gegründet hat, in dem zurückgebliebene Kinder für ein Arbeitsleben angeleitet werden und ein Heim gefunden haben, so darf man erkennen, dass ursprüngliche Gedanken des jüdischen Erbgutes zu schöpferischer Verwirklichung gebracht wurden. ANNI LÖWENSTEIN geb. Priebatsch Ramat-Chen, Haggaistr. 12 Erich Lewin verbindet sein Wissen stets mit der Anwendung im täglichen Leben. Er sieht in den Gesetzen eine Verpflichtung, sie in menschlichster Form bei seinen Mitmenschen in die Tat umzusetzen. Er beschränkt sich nicht darauf, bestimmte moralische Grundsätze zur Kenntnis zu nehmen, im Sinne grösster Menschenliebe erfüllt er sie durch praktisches Tun. Auf allen Gebieten gesellschaftlicher und sozialer Aktivität handelt Erich Lewin immer hilfsbereit und jedem zur Seite stehend. Seien es Kranke, Alleinstehende, Notleidende — immer werden sie bei Erich Lewin wertvollen und richtigen Rat, Hilfe, Eingreifen finden. Bei traurigen Anlässen ist sein Wirken wahrhafter Trost. — Als gebürtiger Posener-Schlesier hat Erich Lewin eine wichtige und wertvolle Mission als General-Sekretär des Verbandes ehemaliger Breslauer und Schlesier gefunden. Weit über das Mass dessen, was der Verband ihm je danken kann, hat der Jubilar hier eine Aufgabe übernommen, die ihm den Dank aller Breslauer und Schlesier einbringt. Auch die Herausgabe der Verbandszeitung, dessen reicher Inhalt ausnahmslos anerkannt wird, ist sein: Werk. Von höchster Liebe zu allem hiesigen Geschehen erfüllt, ist sein Leben und Wirken im Lande vorbildlich. Wie gesagt gibt er den Gesetzen menschliche Ausdeutung durch seine Gläubigkeit, Frömmigkeit und seine unantastbare Gesinnung. Zugleich mit der verehrten Gattin, die selbst im öffentlichen Leben tätig ist, die ihm mit Rat und Verständnis für unsere Tätigkeit zur Seite steht, freuen wir uns, diesen Jubeltag unseres Erich Lewin in Gesundheit mit ihm begehen zu können und wünschen ihm und uns noch viele Jahre gedeihlicher Zusammenarbeit und freundschaftlicher Beziehungen. JULIUS SACHS, Tel-Aviv, Mazestr. 51 LESERBRIEF Namen, Orte, Erinnerungen Freudigst habe ich die Maerz “Mitteilungen” erhalten und gelesen. Wie sonderbar? Trotz fast einem halben Jahrhundert in New York lebend dank meines Schöpfers ein volles, gutes Leben stecken meine Wurzeln doch tief in Breslau. — Breslau, wie es einst war. — Breslau, Du Stadt meiner Geburt, der ersten 18 Jahre meines Lebens. Ich stosse auf den Namen “Zahnarzt Schachtel’. Seine Tochter Ruth war eine meiner Klassenfreundinnen in der Augusta-Schule, als auch ein lieber Gefährte im Blau-Weiss. Ich lese: Hohenzollernstrasse, Kaiser-Wilhelmstrasse. Ganz in der Nähe wohnten wir auf der Moritzstrasse. Dort war eine kleine Synagoge (Pinchas-Synagoge), in der mein seliger, frommer Vater Jakob Kurzbart Gemeinde-Vorstand war. Wir-d.h. Eltern und 8 Kinder, verbrachten die würdevollsten heiligen Tage des Rosch-Haschana (Neujahrsfest) und des Jom Kippur (Versoehnungstag) in diesem kleinen Tempel und hörten mit Rührung und Stolz unseres Vaters Schofarblasen. Ich lese von den Bruedem Joseph, Wilhelm und Aron Kober. 3 meiner grossen Schwestern waren im Kober-Kontor taetig. Die älteste- Selma-traf auch dort ihren zukuenftigen Mann, Hugo Singermann, der sich spaeter in Berlin in Metallen selbststaendig machte. Vor ihrem Ende lebten die Singermanns in Pardess Chana. Mit Interesse las ich auch Prof. Dr. Michael Rabins Studien und Arbeiten in den Universitäten. Im Courant Institute of Math. Siences in New York arbeitete dieser junge Mathematiker an der Seite meines Sohnes Jacob T. Schwartz (Prof. Dr.) welcher unter anderem auch Direktor des Computer Departements der New Yorker Universität ist. Ist die Welt nicht eine Stadt? Wer hätte nicht von Rabb. Dr. Simonsohn gehört? Ich hatte die Ehre, diesen hervorragenden Rabbiner und Lehrer eine zeitlang in Hebräisch zu haben. Ich sehe noch im Geiste die Klassenraeume des alten Storch-Tempels. Zu dieser Zeit heiratete Rabb. Dr. Simonsohn eine besonders reizende, junge Dame aus Hamburg. Und so geht es — Seite nach Seite — ein Name hier, ein Ort da. Und es oeffnen sich die Tueren zu einem Reichtum von Erinnerungen. Hede Schwartz-Wasser 324 Beach 59. Street Rockaway, N.Y. 11692, U.S.A. 10

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