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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1971-09-01 · No. 30 (September 1971) · p. Seite 20

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1971
Issue
No. 30 (September 1971)
Date
1971-09-01
Page
Seite 20 (sequence 1984)
Language
German
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DIE EVAKUATION JAFFAS Eine Errinnerung an den Kriegspessah 1917 Von Arthur BEERMANN, Ramat-Chen Es ist wohl noch in allgemeiner Erinnerung, welches Unglück die jüdische Bevölkerung Palästinas am Pessach des Jahres 1917 traf, als die türkische Regierung durch Djemal Pascha den Befehl zur Räumung der Stadt Jaffa und Tel-Aviv gab. Trotz Requirierungen, Verhaftungen und Verbannungen seiner führenden Persönlichkeiten, hatte es Djemal Pascha nicht vermocht, im Verlaufe der letzten drei Kriegsjahre den jüdischen Jischuw unmöglich zu machen. Durch eine rigoros durchgeführte Räumung Jaffas und Umgebung glaubte er den Jischub ins Mark zu treffen — Der Verfasser ist seit Januar 1914 als einer der ersten Chaluzim aus Deutschland im Lande, war Mitbegründer des Herzl-Bundes 1912 in Halberstadt und befand sich selbst unter den Evakuierten vor genau 54 Jahren u. will den Lesern einige Einzelheiten über die Vorgänge bei der Räumung, sowie einige Stimmungsbilder nach damals gemachten Aufzeichnungen geben. Am Sabbath Hagadol wurde die Räumung bekanntgegeben* welche binnen 24 Stunden durchgeführt werden sollte. — Unbeschreiblich war die Panik der jüdischen Bevölkerung, die sich ausser - stände fühlte, in dieser kurzen Zeit und noch dazu an einem Sabbath die Stadt zu verlassen. Auf Grund von Vorstellungen wurde dann die letzte Frist bis zum folgenden Donnerstag, einen Tag vor Erew Pessach, verlängert, aber keiner wagte, es darauf ankommen zu lassen, der letzte zu sein. Der Notschrei eines gemarterten schuldlosen Volkes drang bis in die vier Ecken der Welt und musste bis an die verstocktesten jüdischen Ohren dringen. In diesen Tagen hat auch der Jischuw Palästinas seine Feuertaufe bestanden. Sofort fanden sich junge, zumeist ledige Leute, die den gesamten Abtransport in Tel-Aviv organisierten. Von diesen, den Schomrim und mehreren jüdischen Lehrern wurde auch eine gute Wache organisiert, um den Wegelagerern, die die Auswanderer oft ihrer letzten Habe beraubten, das Handwerk zu legen. Die Wanderung bewegte sich über Petach-Tikwah, das 2l,b Wegstunden von Jaffa entfernt, den Strom der Auswanderer zuerst aufnehmen musste, um diese von dort aus weiter nach dem Norden zu leiten. Die Landstrasse nach Petach-Tikwah glich einer einzigen langen Karawanenstrasse bei Tag und Nacht. Auf Karren und Lasttieren, zu Pferde und zu Fuss schleppte man das Nötigste zum Leben und an Kleidern mit. Die jüdischen Wächter waren auf der ganzen Chausse verteilt. Man erschrack wohl zuerst, wenn man im Dunklen Gestalten hinter einer Hecke oder zu Pferde sah, aber bald hörte man den hebräischen Anruf und darauf den “Schalom”-Gruss. Ein Gefühl des heissen Dankens beschlich uns dann gegen die, die unter Aufbietung all ihrer Kräfte und unter eigener Lebensgefahr die Abwanderung überwachten. Tel-Aviv selbst glich einem Siedekessel. Haufen von Gepäckstücken lagen auf den Strassen, Knäuel von Menschen lagerten umher auf den von Unrat und Apfelsinenschalen übersäten Strassen. Wagen, die schier zum Zusammenbrechen überladen waren, standen zur Abfahrt bereit. Wer viel Geld (Gold) hatte, konnte sich einen Wagen leisten; denn das Risiko, dass die türkische Regierung die Gespanne beschlagnahmte, war zu gross. Für den gezahlten Betrag könnte man heute bereits nach Zürich fliegen. Ich als "Lediger” bekam den Auftrag, 4 Wagen nach Metulla zu bringen (von Abraham Schapira, dem Kommandanten der Schomrim), der vor einigen Jahren in Petach Tikwah hochbetagt starb und grosses für das Land geleistet hat (Anm. der Redaktion), was unter grossen Opfern nach 8 Tagen gelang. Mit dem hastigen Laufen, dem Packen und Schreien der Menschen und Weinen der Kinder vermischte sich das Gurgeln der Kamele, Trompeten der Esel und das laute Feilschen ihrer Treiber, die sich jetzt als Herren dünkten. Inzwischen hatten auch die Kolonisten in den abgelegensten Kolonien von den Vorgängen in Jaffa erfahren. Sie schickten ihre Gespanne nach Jaffa, um ihre Verwandten zu holen und sich sonst dem Jischuw zur Verfügung zu stellen. Die Hälfte der Wagen wurde unterwegs für militärische Zwecke abgefangen. Wer in Jaffa die Phantasiepreise für eine oder mehrere Extrafuhren aufbringen konnte, war sogar mit seinem ganzen Geschäftslager nach Norden gezogen, um irgendwo seinen Laden aufzumachen. — In diesem Treiben bot auch der Schabbos keine Abwechslung. — Rette sich, wer kann, war die Parole. Mein alter väterlicher Freund aus Katra, Jacob Schacheiditz, der “Talmudbauer" genannt, kam selbst am Sabbath mit seinem Wagen, um seine Kinder abzuholen. Tränen standen diesem ehrwürdigen Alten in den Augen, als er dieses Treiben sah. Als ich ihn erstaunt und fragend ansah, sagte er mir: Heute ist nicht Sabbath, heute ist Tischah Beaw. Für diesen Mann, der als fanatisch orthodox verschrien war, war dieser Tag kein Sabbath Hagadol, sondern ein Churban; heute muss man Schiwah sitzen, so sagte er. Auch ich, der in seinem gastlichen Hause wie ein eigenes Kind während der Jahre meines Palästinaaufenthaltes alle Festtage miterlebte, sollte in dieser Zeit der Not bei ihm sein. Ich vertrete Vaterstelle an dir, so sagte er zu mir, und ich muss deinem Vater mal darüber Rechenschaft ablegen. So sass dieser ehrwürdige Greis in meinem Zimmer auf einem Packen mir gegenüber und sah mir in die Augen. Er verstand meine Weigerung, mit ihm nach Katra zu gehen, er umarmte, küsste und segnete mich und griff aus dem Gewühl meiner Sachen den Tenach, damit dieses heilige Buch nicht in die Hände von Plünderern, falle. — Der letzte Tag || Jahrzeifsstift ungen FRITZ SANDBERGER gest. am 22. Februar 1954 MARGARETTE SANDBERGER, geb. SANDBERG gest. am 22. Oktober 1970 eingetragen von ihrer Tochter Gerda Sandberger, Brüssel — Belgien SELMA SARAH WENGLOWITZ, geb. KRZESNY gest. am 12. Juli 1971 — 19. Tamus 5731 — eingetragen von ihrem Sohn Chaim Wenglowitz, Herzlia-Pituach, Israel. ARON SCHACHER Aron ben Chechawer Awraham Josef gest.: 11. Mai 1971, 16. Ijar 5731 eingetragen von seiner Tochter Alice Jaschkowitz, geb. Schacher, Guatemala der Frist nahte heran, in Tel-Aviv waren fast ausschliesslich noch junge Leute. Einige von diesen hatten sich verpflichtet, zurückzubleiben als Wache, wozu sie die Genehmigung der türkischen Regierung unter gewissen Bedingungen erhielten. Diese nahmen alle Schlüssel der Häuser in Empfang und versiegelten zum Teil die Türen. — Als ich nach vier Monaten mit Erlaubnis der Regierung nach Jaffa für einen Tag zurückkam, war der grösste Teil von diesen jungen Menschen noch anwesend; sie hielten die Strassen in Ordnung, hatten auch die Bäume in den Anlagen bewässert; sie bildeten die einzigen Einwohner der Stadt Tel-Aviv. Das Gymnasium hatte schon ein,en Teil der wertvollen Einrichtungen, sowie den Besitz der Schüler, die hier ohne Eltern waren, nach Schweah bei Sichron Jakob ab transportiert, denn dort wollte man die Schule wieder von neuem mit dem Rest der Schüler und Lehrer öffnen. Schon am frühen Morgen des letzten Freitag sammelten sich Schüler und Schülerinnen und nahmen Aufstellung vor dem schönen Gebäude, ein jeder seinen Packen auf dem Rücken und einen derben Stecken in der Hand. Der Direktor Dr. Mossinsohn sagte in einer kurzen ergreifenden Ansprache ungefähr: “Das Gebäude, die Form verlasset Ihr, aber was Ihr hier gelernt habt, sitzt fest in Euren Herzen, das nehmt Ihr mit Euch, um es an anderer Stelle weiterzupflegen, und wir hoffen, dereinst mit Jubel in unseren grossen schönen Bau wieder einzuziehen.” Er schloss mit dem Ruf: “T’chi Erez Israel (es lebe Palästina!) J’chi Hajischub, jichju kol Hamorim (es lebe Jischuw, es leben alle Lehrer!)" Darauf setzte sich der Zug in Reih und Glied in Bewegung, voran einige Jungen mit Lauten und Mandolinen, und unter Absingen der Hatikwah ging der Zug die Herzl- Strasse entlang, hinaus auf die Strasse nach Petach-Tikwah. SIEGMUND FROST, 15 Roundwood Road, Northenden, Manchester 22 und seine Schwägerin BERTA JACOBOWITZ, Manchester (England), haben eine grosse Spende anlässlich des 75zigsten Geburtstages ihres Freundes ERNST TAUBER für den Verband gegeben. und Eintragungen || ERNST WOLFF, Elijahu ben Mosche gest. am 27. Juli 1969 — 12. Aw 5729 — eingetragen von seiner Ehefrau Charlotte Wolff, geb. Herz, Ramat Chen (Israel) seiner Tochter Towa Clark, geb. Wolff und Ehemann!, Lome Sheldon Clark, den Enkelkindern Ronnie, David und Sharon, USA. KAETHE SANDBERGER geb. ISRAEL Leiterin des jüdischen Mädchenheimes, Breslau, Gräbschenerstr. 51 umgekommen in Auschwitz im Jahre 1942 eingetragen von ihren Töchtern Stefanie Sucher, geb. Sandberger 3188 Cromwell P L Hayward, Californien 94542 Renate Dolllnger, geb. Sandberger 780 Sutter St., Palo Alto, Californien 94303 20

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