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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1994-01-01 · No. 58 (1994) · p. Seite 8

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1994
Issue
No. 58 (1994)
Date
1994-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Eine National-Jüdische Zeitung in Breslau „DIE JÜDISCHE ZEITUNG FÜR OSTDEUTSCHLAND” 1924 - 1937 von josbph walk ln der Epoche zwischen dem Ende des 1. Weltkrieges bis 1938, erschienen In Deutschland, zusätzlich zu den „Gemeindeblättern“ der diversen Jüdischen Gemeinden, 4 grosse, auf hohem Niveau stehende, Zeitungen: „Die Jüdische Rundschau“, das Organ der Zionistischen Bewegung; die „C. V. Zeitung“ des Zentralvereins; das überparteiliche „Israelitische Familienblatt“ und das Organ des orthodoxen Judentums, „Der Israelit". Zu diesen gesellte sich in den Jahren 1924—1937 die regionale „Jüdische Zeitung für Ostdeutschland“. Die. selbe war die Fortsetzung der 1897 In Breslau von Dr. Louis Neustadt gegründeten „Jüdische Volkszeitung“, welche bis Oktober 1923 erschien. Die „Jüdische Zeitung für Ostdeutschland“ (JZfO) sieht ihre Aufgabe darin, dass sie „Berichte über die jüdische Welt, besonders Schlesien erstattet, Angriffe des Antisemismus zurückweist, über innerjüdische Fragen unterrichtet und Aufklärung und Hilfe gegen antisemitische Angriffe leistet“ (S.. 13). Julius H.Schoeps schreibt treffend im Vorwort zu dieser Forschungsarbeit: „Die Zeitung berichtet vom Vereinsleben, von Kulturveranstaltungen, Vortragsabenden und der jüdischen Winterhilfe, ebenso wie von den Zionistischen Kongressen, von der Spaltung der Zionisten, der Alija und den Devisenbestimmungen der potentiellen Auswanderungsländer“. Prof. Joseph Walk, der Verfasser dieses Buches, schreibt in der „Einleitung“: „Um die Eigenart der Zeitung systematisch zu erfassen, wird... das Zeitgeschehen nach vier Sachgebieten geschildert werden: 1) Deutschland; 2) das deutsche Judentum; 3) das Judentum in der Welt; 4) Palästina und Zionismus. Breslau und seine jüdische Gemeinde nehmen, verständlicher Weise, eine Sonderstellung ein...“ Die Breslauer Gemeinde war immer das Vorbild der deutsch-jüdischen „Einheitsgemeinde“ und wie Rabbiner Kurt Wilhelm einmal schrieb: „Nur in Breslau konnte man am Schabbat-Nachmittag drei ältere Herren mit Zylinder am Stadtgraben prominieren sehen... zu einer Seite Ferdinand Rosenthal... Gemeinderabbiner an der orthodoxen Synagoge, zur anderen Jacob Guttmann... Gemeinderabbiner an der liberalen Synagoge und in der Mitte Marcus Brann... Professor am Seminar". Das konnte nur geschehen, als der radikal-liberale Rabbiner Abraham Geiger auf Grund des Druckes seiner eigenen Gemeindemitglieder Breslau verlassen musste und an seiner Stelle die gemässigten liberalen Rabbiner (man könnte sie liberalkonservativ nennen) Manuel Joel und Jacob Guttmann, Rabbiner an der neuen Synagoge wurden. Nach dem Tode von Rabbiner Guttmann wurde der aggressiv-militante Herrmann Vogelstein als liberaler Rabbiner nach Breslau berufen, welcher auch aus seinem extremen Antizionismus keinen Hehl machte. Auch unter seinen liberalen Kollegen, gab es nur wenige, welche seine Ansichten teilten, und die unter' seinem Einfluss stehende liberale Gemeindefraktion wurde viel extremer als früher. Und jetzt waren es gerade die orthodoxen Rabbiner Hoffmann und Simonsohn und wohl auch der 2. liberale (aber gemässigte) Rabbiner Sänger, welche den Rahmen der Einheitsgemeinde aufrecht erhielten. Die JZIO musste hier in die Bresche springen, um den Angriffen dieser Extrem-Liberalen Einhalt zu gebieten. Die JZfO, welche bewusst national-jüdische Ziele verfolgt, hatte oft gegen diese zu polemisieren. Die Kapitel des Buches sind nach Jahren eingeteilt (von 1924—1937). Jedes Jahr und seine besonderen Probleme. Aber das Leitmotiv In Je. dem Kapitel ist der aufkommende Antisemitismus, Ausschreitungen gegen Juden an den Universitäten, .Friedhofsschändungen u.s.w., Neuigkeiten aus Erez Israel und der zionistischen Bewegung, Neuigkeiten aus der jüdischen Welt. In der Berichterstattung war die JZfO viel objektiver als die „linientreue“ Jüdische Rundschau. So die Reportagen über die Spaltung in der Mlsrachibewegung und „dem Auftreten von Jabotinsky, der in einem dreistündigen, frei gehaltenen Vortrag in deutscher Sprache auch seine Gegner in Bann hielt“. Die JZfO berichtete neben den grossen schwerwiegenden Problemen, auch kleine Geschichten über „Debatten und Streitereien über Kleinigkeiten des Gemeindelebens“, welche die Reportagen belebten. So, ZjB., der'Kampf von (Rechtsanwalt Förder (selbst Mitglied der neuen Synagoge) gegen die immer mehr zunehmenden Reformen in der neuen Synagoge, wie die Kürzung der Megillat Ester am Purim (er bezeichnete das spöttisch als „Roman in Fortsetzungen“) und die am Schabbat vorgetragene Haftara nur in deutscher Übersetzung. Interessant ist auch die Polemik gegen die sogenannte „demokratische“ Breslauer Zeitung, welche ein grosser Teil der Gemeindemitglieder las, welche aber in verkappter antisemitischer Tendenz (mit einem demokratischen Deckmantel) ihren Antizionismus zum Ausdruck brachte. Es sei hier darauf hingewiesen (was nicht in dem Buch steht}, dass am Ende der zwanziger- und am Anfang der dreissiger Jahre, das „Berliner Tageblatt“ unter der Redaktion von Theodor Wolff, eine besondere tägliche Beilage für Breslau — „Breslauer Stadtanzeiger“ genannt — herausgab, und viele GemeindemitgHeder, welche nicht mit der Tendenz der „Breslauer Zeitung“ einverstanden waren, dieselbe abbestellten und das „Berliner Tageblatt“ abbonnierten. Die Kapitel von 1932—1937 behandeln in immer stärkerem Masse die Berufsumschichtung und die Auswanderungsmöglichkeiten. Wenn auch Erez-Israel das Hauptziel ist, werden auch andere Länder zur Auswanderung in Betracht gezogen, und es Ist retrospektiv tief zu bedauern, dass nicht mehr Juden in den Jahren bis 1938 davon Gebrauch machten und sich so hätten retten können. Andererseits waren auch schon in diesen Jahren viele Länder vor der jüdischen Immigration verschlossen. Auch die zunehmende Verarmung der Gemeinde und ihrer 'Mitglieder wird eingehnd behandelt und über die Hilfsaktionen des jüdischen Arbeitsamts und der jüdischen Winterhilfe eingehend berichtet. Auch über die kulturellen Veranstaltungen In diesen schweren Jahren, durch die Gemeinde und den jüdischen Kulturbund, unterrichtet uns die JZfO. Die JZfO ist in gewissem Sinne ein Spiegelbild des Judentums in Deutschland zwischen den Jahren 1924—1937. Der Verfasser scheute keine Mühe die Nummern der Zeitung, welche fast vollständig in der Bibliothek der Universität-GH-Duisburg vorhanden sind, seiner Forschung zu unterziehen, und so kann er die grosse Genugtuung haben, dass kein Historiker, welcher über das Judentum Deutschlands schreibt, an diesem Buch vorübergehen kann. M. E. KORE I Das Buch kann zum ermässigten Preis I (70.— IS) beim Verfasser, Prof. Joseph ' Walk, Leo Baeck Institut, P.O.B. 8298 I 91082 Jerusalem, erworben werden. PROFESSOR DR. JOSEPH WALK - 80! Am Rosch-Chodesch Sch’wat konnte unser verehrtes Mitglied Professor Dr. Joseph Walk im Kreise seiner unberufen grossen Familie seinen 80. Geburtstag feiern. Prof. Walk ist ein bedeutender Historiker des Judentums Deutschlands, insbesonders in seiner Endepoche 1933—1943. Seine Werke „Jüdische Schule und Erziehung im Dritten Reich“ und „Das Sonderrecht für Juden im NS-Staat“ sind dieser Epoche gewidmet. Der 1914 in einer religiös-zionistischen Familie in Breslau Geborene, besuchte die jüdische Schule am Rhedigerplatz und danach e(in allgemeines Gymnasium. Nach seinem Abitur, absolvierte er das jüdische Lehrerseminar in Köln. Auch war er in der religiös-zionistischen Jugendbewegung. Brith Hanoar schel Zeire Misrachi, tätig. Im Jahre 1936 kam er als Leiter einer religiösen Jugendalijagruppe nach Erez-Israel. Nachdem wurde er Lehrer und Direktor der Schule von Ss'de.Ja'akow, einer religiösen Siedlung des Hapoel Hamisrachi. Insbesonders widmete er sich der Lehrerausbildung Von 1964—1981 war er Dozent für Erziehung und jüdische Gesichchte der Neuzeit an der Barllan Universität. Von 1978—1983 war er Direktor des Leo Baeck Institus in Jerusalem. Gleichzeitig war er Mitarbeiter von Yad Vaschem. Vor nicht langer Zeit erschien sein Buch über „Die Jüdische Zeitung für Ostdeutschland“, welches ein Spiegelbild der jüdischen Gemeinde Breslau ist. Wir wünschen dem Jubilar alles erdenkliche Gute im Kreise seiner Familie, beste Gesundheit und Fortsetzung seiner so wichtigen und interessanten Arbeit auf dem Gebiete der Forschung des Judentums Deutschlands. HERZLICHST 'MASAL TOW — bis 120! M. E. H. JÜDISCHE AKTIVITÄT IN WROCLAW (EHEMALS BRESLAU) Vor einiger Zeit wurde in Wroclaw ein Kreis jüdischer Jugendlicher unter der Leitung von Herrn Kichler gegründet — „Chawurah Lelimud Jahadut“ genannt — welcher es sich zur Aufgabe machte, die Kenntnis des Judentums zu fördern und zu vertiefen. Am 9. November veranstalteten sie eine Gedenkfeier zum Andenken an das November-Pogrom 1938 und die Neue Synagoge, welche damals zerstört wurde. Sie gaben auch einen Kalender für das Jahr 5754 (1993 T994) heraus, auf welchem alle jüdischen Feier- und Gedenktage verzeichnet sind.! B

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