Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1992
- Issue
- No. 56 (1992)
- Date
- 1992-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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IM 1UDA1CA j Gegründet von Dr. Wilhelm (Seev) Freyhan V t HniD’3 lNTOHl ’NSl’ |1JHN Inj IIUJ’T MITTEILUNGEN No. 56 1992 2' jmi DES VERBANDES EHEMALIGER BRESLAUER IN ISRAEL E. V. VORSTAND: Mosche Goldstein (Vorsitzender), Chaja Bar-Or, Edith Benda, Arie Gradenwitz, Lotte Lewald, Max Lopatka P.O.B- 3591; 61035 Tel-Aviv 50 JAHRE WANNSEE Gedanken zum Tage (n den letzten Monaten des Jahres 1991 waren wir alle Zeugen von grossen ideologischen Umwälzungen in der Welt. Die Auflösung der Sowjetunion und die Entstehung von den diversen Nationalstaaten an ihrer Stelle zeugen von dem Zusammenbruch der kommunistischen Idee nach 70 Jahren „Diktatur des Proletariats“. Die U.S.A. und die Westeuropäischen Staaten wetteifern mit ihren Lobliedern auf die neuerstandenen „Demokratien“. Doch wir Juden haben eine lange Rechnung mit diesen. Von den Pogromen der Kosaken in der Ukraine und deren Befehlshaber Chmelnicky im 17. Jahrhundert über die Pogrome in Russland im 19. Jahrhundert bis zu den Nazis in den Balkanstaaten, Lettland, Estland, Litauen, welche im zweiten Weltkrieg unter der deutschen Besetzung „gelehrige Schüler der argen Meister“ waren und diesen an Grausamkeit gleichkamen.Die Vernichtung der Juden in Polen, Ukraine, Weissrussland und den Baltischen Staaten wäre ohne das Schweigen dieser antisemitischen Bevölkerung nie möglich gewesen. Die 12.000 Juden, welche in Babijar von den Nazis mit Beteiligung vieler Ukrainer ermordet wurden sind ein ewiges Zeugnis dafür. Diese Handlanger der Nazis wurden von diesen in den berüchtigten Konzentrationslagern als Aufseher und Wächter beschäftigt. Die wenigen Überlebenden dieser Konzentrationslager sind die lebenden Zeugen von den Missetaten dieser Unmenschen. Aber auch in den vielen Jahren der kommunistischen Diktatur waren antisemitische und antijüdische Ausschreitungen an der Tagesordnung. Die jüdische Religion (wie auch die anderen Religionen) wurden als ungesetzlich erklärt und die hebräische Sprache und Kultur durften nicht gelehrt werden. Eltern und jüdische Erzieher mussten „im Untergrund“ den Kindern ihr jüdisches Erben weitergeben. Wir alle gedenken noch der Prozesse gegen die jüdischen Ärzte und der Ermordung jüdischer und jiddischer Schriftsteller und Künstler. Nach dem Tode Stalins wurden die antijüdischen Bestimmungen etwas erleichtert und es gab wieder einige Rabbiner, welche überlebt hatten und wieder fungierten. Unter diesen ist besonders Raw Jehuda Leib Lewin zu nennen, einer der letzten Schüler der Jeschiwa von Raw Reines vor der Revolution. Aber wenn auf der einen Seite die religiöse Betätigung der russischen Juden erleichtert wurde, begann auf der anderen Seite die Hetze gegen dem jüdischen Staat und unter dem Decknamen Antizionismus nahm der Antisemitismus einen neuen Aufschwung. Die arabischen Staaten wurden von den Sowjetmachthabern mit den modernsten Waffen ausgerüstet, um den jüdischen Staat zu bedrohen. Doch trotz der 70jährigen Unterdrükkung, suchten Hunderttausende von russischen Juden den Weg nach Israel. Gorbatschows Perestroika ermöglichte es Vielen Russland zu verlassen. Aber andererseits kam infolge des „Glasnost“ der alt eingesessene Antisemitismus wieder zum Vorschein, und die Pamyat und andere judenfeindliche Bewegungen hetzen gegen das Judentum und den Zionismus. Die Regierungen der neuen Staaten der ehemaligen Sowjet-Union werden zu beweisen haben, wieweit sie den Antisemitismus unterdrücken und ein echtes demokratisches System aufbauen können. Es ist die Pflicht des Staates Israel und der westlichen Demokratien dafür zu sorgen, dass die Menschenrechte in diesen neuerstandenen Staaten gewahrt werden. ★ In einem Prozess Ideologischer Umwälzungen befinden sich auch arabische und muslemische Staaten. Die Wahlergebnisse in vielen dieser Staaten zeigen, dass, wahrschinlich unter iranischem Einfluss, die Mehrzahl der Bevölkerung für die muslemisch-fundamentalistischen Parteien stimmte. Die in diesen Ländern fortgeschrittene Atomindustrie ist nicht nur eine Gefahr für den Staat Israel, sondern für die ganze zivilisierte Welt. Von YAACOV BAROR (BREUER) Knaurs Lexikon a-z fürs Jahr 1969 — also nicht ganz 25 Jahre nach den Urteilen gegen die Kriegsverbrecher in den Nürnberger Militärgerichtsverfahren, und 8 Jahre nach dem Urteil im Eichmann-Prozess — definiert „Wannsee“ wie folgt: Havelsee, 3 km lang, 2,7 qkm, bis 9 m tief; Freibad; Villenkolonie W, (zu W-Berlin). Viel mehr als dies wusste man auch zu Beginn der Völkermordprozesse nicht über das nette Örtchen bei Berlin. Noch entsetzlicher: eigentlich wussten wir alle hier in Israel einfach nichts von praktischen Entschlüssen zur sogen. „Endlösung de9 Judenproblems“. Es sind die Tage von Pearl-Harbour, Amerikas Eintritt in den Krieg gegen Japan, jetzt erst* — Ende 1941 —• verlässt der amerikanische Botschafter seinen Posten im nazideutschen Berlin. Dort, im für die Ewigkeit verfluchten Geheimwinkel vor Berlin, sitzen die versammelten Spitzenbehörden der deutschen Nazi-verbrecherischen Regierung— und erhalten Bericht über den Judenmord der Einsatzgruppen und der baltischen Hilfskräfte in den vergangenen Monaten: „Litauen, Lettland, und Estland — j u d e n r e i n“. So steht’s da, von allen anwesenden hohen Herren wohl verstanden. Natürlich kein Wort von KZ, sondern Arbeitslager. Nichts von Gas, Erschiessung und Massenverbrennung. Diese Kleinigkeiten überliess man nur zu gern den Fachleuten im „Feld“, die dort beim Wannsee sich so vorzüglich durch Obersturmbannführer Adolf Eichmann vertreten wussten. „Geheime Reichssache" — das war der ganze Trick!! Niemand durfte das wissen ausserhalb der deutschen Verbrecherwelt. Der Ausdruck „Sprachregelung“ (also Abschiebung in den Osten, Arbeitslager, Waldsee — nur nicht den brutalen unbegreiflichsten Massenmord der Geschichte beim Namen nennen) bleibt der letzte kümmerliche Rest eines menschlichen Gewissens der nazibesessenen deutschen Nation. Kein Wunder: als die amerikanischen Vertreter der Anklage in Nürnberg den grauenhaften „von-nichts-wissenden“ Hauptangeklagten das „Wannseeprotokoll“ vorlegten, glaubte man auf deutscher Verteidigungsseite es gehe da nicht mit rechten Dingen zu. 50 Jahre vergangen? Als wäre es gestern — wer darf da vergessen!! (Siehe auch Seite 24) Dieser Gefahr muss Einhalt geboten werden bevor er zu spät ist. Aber Amerika und andere westeuropäische Staaten, welche in den dreissiger und vierziger Jahren ihre Tore vor den jüdischen Flüchtlingen des Hitlerregimes verschlossen haben, und sie so ihrem tragischen Ende auslieferten, haben es sich jetzt zur Aufgabe gemacht den Staat Israel öffentlich im Rahmen der UNO zu rügen. Und warum? Weil der Staat Israel von seinem Selbstverteidigungsrecht Gebrauch macht und arabische Mordhetzer aus dem Lande ausweist. Trotz aller dieser Hindernisse geht unser Aufbau Israels vorwärts; Hunderttausende von Juden finden hier eine neue Heimat und es ist die Aufgabe des ganzen jüdischen Volkes, bei diesem historischen Ereignis mitzuhelfen, auf dass die künftigen Generationen uns nicht beschuldigen können, diese einmalige Gelegenheit verpasst zu haben. M. E. Awi-Achija