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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1991-01-01 · No. 55 (1991) · p. Seite 7

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1991
Issue
No. 55 (1991)
Date
1991-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Worms-Symbol Jüdischer Vergangenheit ln der Geschichte der Juden Deutschlands hat die Stadt Worms einen symbolischen Wert. Wenn auch die Gemeinde in den dreissiger Jahren kaum noch eine Bedeutung hatte, die Forschungsstätten konzentrierten sich in den grossen Städten, bleibt der Name bekannt. Es ist dem mutigen Eintreten des seinerzeitigen Leiters der städtischen Kulturabteilung, Dr. liiert, der bis 1958 amtierte, zu verdanken, dass in der Nazizeit grosse Teile des Archivs der jüdischen Gemeinde, wie der „Heilige Sand“, der alte Friedhof, erhalten geblieben ist, wo nach den Plänen der Partei in Parteihaus errichtet werden sollte. ★ Der jüdische Reisende hat etwas zu sehen, in Worms, wenn auch heute keine Juden mehr dort wohnen. Die Synagoge, die bis 1034 zurückreicht, wie die Inschrift ausweist, von Jakob ben David und seiner Frau Rachel gestiftet. Das Gebäude brannte in der Pogromnacht, 9. November 1938, aus, die Mauern 1942 gesprengt. Die Synagoge wird in den Fünfziger Jahren wieder aufgestellt, nach genauen Plänen und mit alten Steinen — soweit vorhanden — und am 3. Dezember 1961 in einer grossen Feierstunde der Öffentlichkeit übergeben. Von einer Neuweihe kann man nicht sprechen, nachdem dort keine G’ttesdienste stattfinden. Der kleine, im romanischen Stil errichtete Bau steht am Ende der alten Stadt, wo noch Reste der 'Stadtmauern stehen. Man passiert die enge „Judengasse“, das ehemalige jüdische Wohnviertel. Die Synagoge war ein Zweckbau, der nichts von der architektonischen Pracht des Doms hat. In der Planung klein, 12,30 auf 18 Meter, der im Jahre 1212/13 die „Frauenschul“, von Meir ben Joel gestiftet, zugefügt wird, und 1624 die „Raschi Kapelle, ein einfaches an der Südseite angebautes Studierzimmer. Die Verbindung mit dem Namen des .Bibelkommentators, Schlomo ben Jizchak, Raschi, 1040—1105, der in Troyes lebte und arbeitete, hilft •der.Gemeinde sich den Namen als „Stadt Raschis“ zu schaffen, der als junger Mensch bei Jakob ben Jakar, Isaak ben Elieser, Juda ben Baruch, lernte, Schüler Rabbi Gerschoms, der um das Jahr Tausend den Juden Aschkenas die religiösen Vorschriften gibt, und sie von der Rechtssprechung von den Gelehrtenschulen in Babel unabhängig macht. In Worms werden um 1220 die „Takkanot Schum“ redigiert. Der Name steht für die Städte Speyer, Worms, Mainz. * Die Anwesenheit von Juden in Worms ist seit dem Jahr Tausend verbürgt. Sicherlich lebten schon früher welche dort, wie in anderen Orten des Gebiets. 1034 wird die Synagoge errichtet; ein Privileg Heinrichs IV., 1074, befreit sie von Zollabgaben. Mit den Kreuzzügen, 1096, beginnen die Ausschreitungen. 800 Juden, die sich im Palast des Bischofs retten wollten, begehen Selbstmord, um der Zwangstaufe zu entgehen. Weitere Pogrome 1146, die Synagoge wird zerstört, aber 1174/75 restauriert. Karl IV. übergibt die Rechte über die Juden 1348 an die Stadt. Es werden 12 Parnassim, Vorsteher, gewählt, der Vorsitzende wird „Judenbischof“. Die Einrichtung besteht bis 1782. Die Mikwe, das religiöse Bad, wird um 1185/96 gebaut, Von HEINZWERNER GOLDSTEIN tief, bis zum Grundwasser, dem „lebenden Wasser“. Zur Zeit des „Schwarzen Todes“, der Pestepedemie, 1349, wird das Judenviertel zerstört, die Überlebenden fliehen und kehren nach 1353 zurück. Die Bedeuiung der Gemeinde geht zurück, trotzdem Maharil die letzten Lebenjahre in Worms verbringt, nach 30 Jahren in Mainz, wo er als Rabbiner amtierte. (Maharil, Morenu Haraw Rabbi Jakob ben Mosche Halevi, auch Mölln, genannt, 1365—1427). Während des „Handwerkeraufstandes“, 1615, müssen die Juden die Stadt verlassen, kehren aber ein Jahr später zurück. Der damalige Parnass, Dawid Johoschu’a Oppenheimer, errichtet 1624 die erwähnte Raschi-Kapelle. Erst das französische Heer bringt 1792 die Gleichberechtigung wie bürgerliche Rechte. ★ Der „Heilige Sand“, gepflegt und erhalten von der Stadt, hinterlässt auf den Besucher einen nachhaltigen Eindruck. Der Eingang liegt an einem der heutigen Zufahriswege, wo im frühen Mittelalter, 9. und 10. Jahrh., die Stadtmauer stand, da seinerzeit der Friedhof ausserhalb der Stadt lag. Die westliche Seite begrenzt spätere Mauer, 13. bis 17. Jahrh., heute die Trasse der Bahnlinie, die die Alliierten 1945 angriffen, wobei einige Gräber beschädigt wurden. Die Anlage gleicht einem gleichseitigen Dreieck, die Spitze im Süden. Das „Rabbinental“ liegt ungefähr in der Mitte des östlichen Schenkels. Hier befinden sich die Gräber bedeutender Persönlichkeiten, aber auch der Stein mit der ältesten entzifferten Inschrift aus dem Jahre 4837—1076/77. Das Grab Rabbi Meirs von Rothenburg, einstmal ein Wallfahrtsziel, liegt im nördlichen Winkel, zusammen mit dem von Alexander Wimpfen, der 1307 sein Vermögen zur Auslösung des Leichnams Rabbi Meirs opferte, der 1293 im Gefängnis in Ensisheim, Eisass, verstab. Rudolf von Habsburg setzt ihn 1286 gefangen, nachdem er in ihm einen Anreger, der die Auswanderung ins Heilige Land befürwortet, sieht. In der Vergangenheit war der Friedhof nicht vor Zerstörungen bewahrt. Oft wurden Steine als Baumaterial verschleppt, wie zu Schanzarbeiten, der neuen Mauer, 13./14. Jahrh. Im Jahre 1930 wird ein 36 Meter langer Tunnel entdeckt, 1.50 Meter hoch, 0,80 m. breit, zwischen den Mauern, der mit Grabsteinen ausgelegt war. Die Umfassungsmauer 1625 durch Dawid Oppenheimer erneuert, und der das „Mithar Haus“, das Haus zur Waschung der Verstorbenen, errichtet. Das Dach brannte 1938 ab, wurde aber 1956 erneuert. ★ Der neuere Teil des Friedhofes, seit dem 18. Jahrh., liegt auf einer langgestreckten Anhöhe im Westen, gradlinig abgegrenzt, wie aufgeschüttet. Im Jahre 1911 erhält die Gemeinde ein neues Gelände, ausserhalb der Stadt, Erbbegräbnisse werden bis in die letzten Tage, wie Inschriften zeigen, durchgeführt; seit dem 19. Jahrh. zweisprachig: hebräisch und deutsch. In Worms entwickelte sich ein Minhag, ein lokaler Brauch, die Gräber nach Nordost, der Synagoge zu, auszurichten. Eine Ausnahme stellt das Grab des erwähnten Maharil dar. der sich testamentarisch ausbat, sein Grab nach Osten, nach Jerusalem, auszurichten. Im ältesten Teil sind ungefähr 1000 Steine registriert, ungefähr die gleiche Anzahl auf dem neuen Komplex. Die ältesten bekannten 12 Steine stammen aus den Jahren 1076—1109, darunter einer für die 12 Vorsteher, aus dem Jahr 1096, dem Jahr des 1. Kreuzzuges. Weitere 50 stammen aus dem 12. Jahrhundert. ★ Neben der Synagoge befindet sich heute das „Raschi-Haus“, ein Gebäude einer ehemaligen Jeschiwa, zwischen 1980 und 1982 erneuert. Es beherbergt das städtische Museum, mit Teilen des Stadtarchivs, wie Photokopien des durch Dr. liiert geretteten Archivs der jüdischen Gemeinde, das 1957 nach Jerusalem gebracht wird. Im Tiefgeschoss werden jüdische Erinnerungen und Kultgegenstände gezeigt. Leuchter, Becher, Torakronen, Wimpel etc. ★ Der jüdische Besucher sieht in Worms die steinernen Reste einer endgültigen Vergangenheit, die „Schul“, die Synagoge, die Bezeichnung „Judengasse“, mit den kleinen Häusern, die unter Denkmalschutz stehen, die Steine auf dem „Heiligen Sand“, Zeichen einer ehemaligen jüdischen Bevölkerung, deren Nachfahren, soweit sie am Leben geblieben sind, nicht mehr in der Stadt leben. Eine mindestens Tausendjährige Geschichte ist abgebrochen, sie kennt keine Gegenwart, keine Zukunft. -~-------? DER JUEDISCHE - FRIEDHOF LOHESTRASSE!'; Wie den Lesern unserer „Mitteilungen“ bekannt sein dürfte, ist die von dem rührigen „Konservator“ verfasste Publikation über den jüdischen Friedhof Lohestrasse ins Deutsche übersetzt und unter dem Titel „Der r alte jüdische Friedhof in Wroclaw/Breslau“ von der Friearich-Ebert-Stiftung in Bonn herausgegeben worden. Durch diese Veröffentlichung angeregt und auf Grund von Gesprächen mit früheren Breslauern, die in den letzten Jahren Herrn Lagiewski kennengelernt haben, sind jetzt Nachkommen der auf diesem Friedhof,beigesetzten Vorfahren an einer direkten Verbindung mit dem verantwortlichen und verantwortungsvollen „Konservator“ interessiert. Seine Adresse lautet: Mgr. Maciej Lagiewski ul. Januszowicka 18 55 — 153 Wroclaw Es empfiehlt sich, in dem Schreiben (Herr Lagiewski liest deutsch) genaue Daten anzugeben und die gewünschte Auskunft zu de- ■ taillieren (Kosten der Grabpflege; Restauration des Grabsteins etc.). Bitte Rückantwortschein beilegen! 7

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