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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2003-01-01 · No. 74 (2003) · p. Seite 16

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2003
Issue
No. 74 (2003)
Date
2003-01-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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16 Till van Rahden: Juden und andere Breslauer Die Beziehung zwischen Juden, Protestanten und Katholiken in einer deutschen Großstadt von 1860 bis 1925. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2000, 382 Seiten. Diese eingehende Studie aus der Schule von Hans-Ulrich Wehler versucht, die Zeit von 1860 bis 1925 als "deutsch-jüdische Symbiose" zwischen Juden und Nichtjuden in Breslau darzustellen. Material und Ausführungen zeigen aber, daß es eine solche Symbiose nicht gegeben hat. Wieder einmal wird deutlich, wie sehr Juden sich zu integrieren suchten, aber von der Umwelt, wenn nicht ausgegrenzt, so doch nur halbherzig angenommen wurden. Ausführlich widmet sich der Autor dem Problem der Mischehe, die schließlich erst in der zweiten oder dritten Generation zur Integration führte. Juden, die eine Mischehe eingingen, aber weiter ein jüdisches Bewußtsein hatten und dies teilweise auch auf ihre Kinder übertrugen, saßen zwischen den Stühlen. Sicher gab es den einen oder andern jüdischen Bürger, der im öffentlichen Leben eine Rolle spielte, sogar Ehrenbürger wurde. Dies bedeutete aber für die Masse der Juden gar ncihts. Getrübt wurde das Verhältnis zu den Nichtjuden durch die Einwanderer aus Osteuropa, bei deren Einbürgerung die Behörden eine teils willkürliche Haltung einnahmen. Der in Berlin 1 880 entstandene Antisemitismusstreit durch Heinrich von Treitschke bald nach der Emanzipation wurde auch in Breslau ausgetragen, wobei die katholischen Blätter ebenfalls dem "Erzprotestanten" zustimmten. In Schlesien hatten sich 50 000 Bürger der Petitionsbewegung angeschlossen, um die jüdische Zuwanderung zu stoppen, in Breslau beteiligten sich 5000 Nichtjuden daran. Man wird an die heutige Asylpolitik erinnert, wenn man über die Ausweisung von Juden liest. Auch die Freimaurer waren nicht frei von Antisemitismus. Es ist daher kein Zufall, daß es allein in Breslau 4 jüdische B'nai B'rith-Logen gab, (Lessingloge, Heinrich Graetz Loge, Manuel Joel Loge, Zacharias Frankel Loge), von denen die größte - als eine der ersten in Deutschland überhaupt - bereits 1885 gegründet wurde. Über die innerjüdische Situation erfährt man wenig. Das bedeutende jüdisch theologische Seminar von Breslau wird kaum erwähnt und der große Historiker Heinrich Graetz auch nur kurz mit dem Antisemitismus-Streit. Nach dem Ersten Weltkrieg verschlechterten sich die Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden in Breslau dramatisch, was ohne längst vorhandene Ansätze kaum möglich gewesen wäre. Nach 1918 machte sich die allgemeine antisemitische Ideologie auch in Breslau bemerkbar. Teile des konservativen Bürgertums verbanden sich mit dem völkischen Nationalismus, wobei der Jude "zum Feind" avancierte. Der Antisemitismus griff auf alle Gebiete über, sei es auf die Ärzteschaft oder auf die Schulen. Selbst jüdische Pfadfinder wurden ausgeschlossen. Es zeigt sich also gerade hier einmal mehr, daß der Nazismus nicht vom Himmel gefallen ist, sondern eine Vorgeschichte hatte. Sicher gab es zwischen 1860 und 1914 ein Maß an jüdischer Integration in der städtischen Gesellschaft. Man sollte deren Grenzen aber nicht überschätzen, selbst wenn das jüdische Bürgertum eine gewisse Rolle spielte. Das vorliegende Buch bietet eine Fülle von Material für den Zeitraum von 1860 bis 1925, wenngleich man auch über die jeweiligen Einschätzungen verschiedener Meinung sein kann. So gab es immer positive liberale Momente, die aber recht bald durch antijüdische Vorgänge eingeschränkt wurden. Das zeigt sich u.a. am permanenten Problem der Anstellung jüdischer Lehrer an allgemeinen Schulen wie auch an anderen Ereignissen, die kaum von einer "deutsch-jüdischen Symbiose" sprechen lassen. Wenn von "Assimilation" geredet wird, so erfolgte diese vor allem durch die zahlreichen Mischehen in der zweiten oder dritten Generation. Laut van Rahden erfuhren die Breslauer Juden bereits in der Vorkriegszeit Diskriminierung und Ausschließung, wenngleich ohe Breslauer Antisemiten im politischen Bereich, im Vereinswesen und in den Schulen in der Minderheit blieben. Wenn dem so war, so wird man bestenfalls von einer Duldung der Juden sprechen können, wobei der Verfasser betont, daß es der Preußische Staat war, der die wirkliche Integration der Juden in die Gesellschaft zu behindern suchte. So ist Breslau nur ein Ausschnitt aus einem Gesamtphänomen, aber als solches durchaus lehrreich. Ernst Ludwig Ehrlich, Riehen/Basel Freiburger Rundbrief, 2002

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