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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2002-01-01 · No. 72 (2002) · p. Seite 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2002
Issue
No. 72 (2002)
Date
2002-01-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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20 Verbrechen der Wehrmacht Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944 Neu gestaltet präsentiert das Hamburger Institut für Sozialforschung eine neue Ausstellung unter neuem Namen zum gleichen Thema: Verbrechen der Wehrmacht (der Titel der alten Ausstellung lautete "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944"). Wie die Umbenennung bereits andeutet, ist die Sichtweise differenzierter geworden - und hat damit Dimensionen angenommen, die den unbedarften Ausstellungsbesucher leicht abschrecken könnten: die Ausstellung ist auf 1000 Quadratmeter und drei Etagen verteilt, und die Bilder sind größtenteils zugunsten umfangreicher Text- und Tondokumente (Sitzmöglichkeiten vorhanden) auf ursprüngliche Dimensionen - also Postkartengröße - reduziert, zumindest was die Präsentation der Verbrechen betrifft. Die These, die der Ausstellung zugrunde liegt, ist deutlich: Kriege unterliegen Regelungen, also internationalen Konventionen, und sind entsprechend zu führen. Der Krieg der Wehrmacht war ein Vernichtungskrieg und hielt sich daher nicht an die von Deutschland mitunterzeichneten Genfer Konventionen zu Völker- und Kriegsrecht. Die Ausstellung beginnt mit den entsprechenden Dokumenten. Nun stellt sich allerdings die Frage, ob die konkrete Kriegssituation das Einhalten solcher Regeln sinvoll oder sogar möglich macht - schon vor und nach dem Zweiten Weltkrieg sind diese Regeln verletzt worden, ohne dass der grundsärzliche Sinn und Zweck dieser Regelungen von den beteiligten Staaten in Frage gestellt worden wäre. Das alleine rechtfertigt eine solche Ausstellung also nicht. Nun, und das wird im zweiten Stock der Ausstellung besonders * deutlich, hängt alles vom individuellen Verhalten der Beteiligten ab. So ist es durchaus auch im Kriegszustand möglich, ethisch und moralisch einwandfreies Verhalten zu zeigen - was zwar nicht immer leicht und auch mit Risiken behaftet ist - hier erhält das Verbrechen also seinen Gegenpart. Auch das ist bekannt und schon vielfach dargestellt worden - das Gefühl, Bilder und Dokumente schon gesehen zu haben, verlässt einen also nicht. Das Verdienst der Ausstellung ist es aber, sich akribisch und detailliert mit den Ereignissen im Osten 1941-1944 auseinanderzusetzen und umfangreich zu dokumentieren, wobei der Schwerpunkt auf der Darstellung der Wehrmacht liegt. Sicher: Dass die deutsche Wehrmacht Verbrechen begangen hat oder zumindest an von der SS initiierten Verbrechen(Vernichtungsaktionen in Ghettos und Partisanenbekämpfung) beteiligt war, steht außer Zweifel. Wo genau diese Verbrechen das übliche Maß von Kriegsverbrechen übersteigen, zeigen die neuen Tafeln nur noch zögerlich. Nach dem umfangreichen Bericht der Kommission zur Überprüfung der Ausstellung "Vernichtungskrieg ..." (im Internet unter www.hisonline.de abzurufen), die zu dem Schluss kam, dass "1. die im "Prolog“ der Ausstellung formulierte pauschale Kritik an der "deutschen Militärgeschichtsschreibung", die zwar viel zur Aufklärung über den 'Vernichtungskrieg gegen Juden, Kriegsgefangene und Zivilbevölkerung' beigetragen habe, sich aber weigere, 'einzugestehen, dass die Wehrmacht an allen diesen Verbrechen aktiv.und als Gesamtorganisation beteiligt war', offensichtlich überzogen (ist). Das gilt auch für den Anspruch, mit der Ausstellung erstmalig in der Öffentlichkeit die "Legende von der 'sauberen Wehrmacht' " als eine Geschichtsklitterung zu entlarven ... "3. Die Tatsache, dass die Verbrechen in der Sowjetunion von SS, Polizei, Wehrmacht und einheimischen Hilfskräften arbeitsteilig verübt wurden, wird von der Ausstellung nicht hinreichend herausgearbeitet. Dadurch werden die vielfältigen Abstufungen zwischen den von Wehrmachtangehörigen unmittelbar begangenen Verbrechen und solchen Verbrechen, die mit dem Wissen oder der Hilfestellung militärischer Einheiten, also in jedem Falle unter der Verantwortung von Teilen der Wehrmacht, verwischt. Die in der Ausstellung präsentierten Verbrechen der Wehrmacht werden dadurch unzulässig isoliert" (Zitat aus dem Bericht dere Kommission). Der wiederholten Forderung nach Differenziertheit ist nunmehr in jeder Hinsicht Rechnung getragen, es handelt sich also um eine um das Detail bemühte Ausstellung, die zugleich in eine Metaausstellung eingebunden ist: eine Ausstellung über die (erste) Ausstellung und eine ausführliche Auseinandersetzung um das Bild als historische Quelle. Professor Dr. Julian Nida-Rümelin ließ es sich nicht nehmen, bei der Ausstellungseröffnung darauf hinzuweisen, dass seiner Ansicht nach Geschichte realistisch dargestellt werden solle - was auch ein philosophisch richtiger Ansatz wäre. Wie auch immer das gemeint sein kann, ist es den Ausstellungsmachern mit diesem Diskurs doch scheinbar gelungen. Um diese umfangreiche Arbeit einem breiteren Publikum ortsunabhängig zugänglich zu machen, wäre es schön, wenn die Ausstellung, die ja eine ausführliche zeitgeschichtliche Dokumentation ist, auch publiziert werden könnte - etwa auf CD- Rom. So lässt sich sich nur feststellen: Zeit und Geduld sind mitzubringen! Nikoline Hansen "Die Mahnung" 1.1.2002 r Am Erev Jom Kippur ist unsere liebe Mutter, Großmutter und Urgroßmutter Hanna Levy Goldberg, geb. Cohen (von 1923 - 1939 in Breslau) von uns gegangen. Es trauern um sie ihre Kinder: Schimon Levy Bnei-Zion Michael Levy Ramat-Chen Ruth Abneri, geb. Goldberg und Familie - U S A. und alle anderen Familienmitglieder rur Geschichte des deutschen Judentums e.V.

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