Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2002
- Issue
- No. 72 (2002)
- Date
- 2002-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Breslauer Erinnerungen (Fortsetzung von Seite 4) er stellte sein umfassendes, in den entlegensten Gebieten der rabbinischen Literatur heimisches Wissen allen bereitwilligst zur Verügung, die bei ihm anklopften und um Rat ersuchten. Allein es gebrach ihm an jener mutvollen Entschlossenheit, ohne die eine literarische Tat niemals zu Stande kommt. Und so hat er denn auch wirklich keine sichtbaren Spuren seiner regen geistigen Tätigkeit hinterlassen. Eine einzige leise Hindeutung auf das Wesen und Wirken Salomon Nissens findet sich in Graetz "Geschichte der Juden" und zwar in einer Einleitung zu einem Teile des bändereichen Werkes. Hier stattet er seinen wärmsten Dank einem gelehrten Freunde ab, für die ihm stets bereitwilligst geleistete Hilfe, der es ihm aber streng verboten hätte, seinen Namen zu nennen. Dieser allzeit hilfsbereite Gelehrte aber war kein anderer als eben Salomon Nissen. Friedsam sanft, wie sein Leben, war auch sein Ende. Die Nachricht von dem Tode des Weisen verbreitete sich naturgemäß sehr rasch. Einer der Ersten, der in das Trauerhaus eilte, war Graetz. als er bei der tiefgebeugten Witwe sich nach dem literarischen Nachlaß ihres Gatten erkundigte, sagte sie, mit von Tränen unterdrückter Stimme: "Alles von der Hand meines Mannes Niedergeschriebene habe ich, auf ausdrückliches Geheiß meines Mannes, wenige Tage vor seinem Tode verbrennen müssen." Graetz war, wie er selbst versicherte, bei dieser Mitteilung wie zerschmettert. Salomon Nissen war nämlich, wie aus manchen Gesprächen hervorzugehen schien, während seiner letzten Lebensepoche religiös-mystischen Anwandlungen nicht unzugänglich geworden, er mochte manchmal von Zweifeln an der Berechtigung seiner kritischen Methode ergriffen worden sein. Und so wollte er denn diese Denkmale seines kritischen Scharfsinns für immer vernichtet wissen, um nicht an der Verbreitung seiner Ansichten irgend welchen Anteil zu haben. Nach dieser kurzen, aber vielleicht nicht unwesentlichen Abschweifung, nehmen wir den Faden unserer Erzählung wieder auf. Die glänzenden Namen der an das sogenannte Fränckelsche Seminar in Breslau berufenen Gelehrten, nämlich außer dem bereits genannten Zacharias Frankel, Jacob Bernays, einer der scharfsinnigsten und gelehrtesten Philologen nicht bloß seiner Zeit, Heinrich Graetz, der Mathematiker Zuckermann, hatten eine große Anzahl von Zöglingen, namentlich aus dem Osten und Südosten Europas, nach Breslau hingelockt. Diese, meistens einseitig talmudisch-pilpulistisch ausgebildet, sollten erst mit den erforderlichen Gymnasial-Kenntnissen ausgerüstet werden, um gleichzeitig neben den Lehrkursen am Seminar auch die Universitätsvorlesungen besuchen zu können. (Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur, Berlin 1925) (mit der freundlichen Erlaubnis von Frau Mirjam Falk, aus dem Nachlass ihres verstorbenen Mannes Prof. Se'ew Falk s.A) BRESLAUS STADTBILD IM 19. JAHRHUNDERT — EINE VERKEHRSGEOGRAPHISCHE STUDIE Arbeit von Dr.Wilhelm (Se'ev) Freyhan zur Erwerbung des Titels Dr. Phil. A. Beschreibender Teil l . ... [; Breslau gehört zu jener Gruppe von Kolonialstädten Ostdeutschlands, die f i sämtlich nach gleichem Schema angelegt wurden. Gegenüber der scheinbaren r i Regellosigkeit der westdeutschen Stadtanlage weisen sie einen überall wiederj; kehrenden, regelmäßigen geometrischen Grundriß auf. An die alte Innenl \ stadt innerhalb des Stadtwalles oder Stadtgrabens schließt sich die moderne j Entwicklung über die Grenzen der Altstadt hinaus. i j Das älteste Breslau war eine slawische Siedlung, welche sich um den heut’.- j i zen Ritterplatz eruppierte. Die Zeit ihrer Gründung ist unbekannt, ij i doch bestand sie schon im Beginn des zwölften Jahrhunderts. Um 1130; wurde bereits die Pfarrkirche von St. Albert geweiht. Erst ein Jahrhundert; : später finden wir die ersten Anfänge des heutigen Breslau. Das Gebiet, auf : dem die Siedlung entstand, sah damals ganz anders aus als heute. Um den : : Teil, auf dem sich heute der Dom erhebt, floß ein Oderarm, die Vincenzoder, : i der im 18. Jahrhundert zugeschüttet wurde. Sie floß am heutigen Lehmdamm : hin und vereinigte sich nördlich der Hinterbleiche mit den die Dom- und; Sandinsel umfließenden Armen. Uber sie führte die älteste Brücke. Da die j i Oderarme natürliche Schutzwehr boten, so mußten die von ihnen umflos- : i senen Inseln zur Ansiedlung locken. Die ersten Siedlungen breiteten sich am; : linken Oderufer bei der späteren Ziegelbastion, der heutigen H o 11 e i - : i höhe, aus. Der südlich der Oder gelegene Teil jenes im 11. Jahrhundert :; gegründeten „Alt-Breslau“ war beim Mongoleneinfall (1241) völlig einge- :; äschert worden und wurde nunmehr von Grund auf neu angelegt. Hierher :; wurde jetzt der Schwerpunkt der neuen Siedlung verlegt - weitab von der;; Oder, damit man vor Überschwemmungen sicher war. Wie sich hierin eine :; verständnisvolle Auswertung der morphologischen Beschaffenheit der ört-; i lichkeit zeigt, so beweist die großzügige Anlage des Ringes (des slawischen :; rynek - des großen Marktplatzes), die zu dem damaligen Bedürfnis in :; keinem Verhältnis stand, die richtige Erfassung der wichtigen Verkehrs- :; geographischen Lage der Stadt. Sonderdruck aus „Jahrbuch der Schlesischen Friedridi-Wilhelms-Universität zu Breslau" 1965 — Band X Holzner-Verlacj, Würzburg, 1965