Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2001
- Issue
- No. 71 (2001)
- Date
- 2001-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 1660)
- Language
- German
- Belongs to
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19 Unsere Leser Schreiben KURT A. BECHER - EINE DEUTSCHE KARRIERE Mit großer Freude erhielt ich die Mitteilungen Nr. 70 und habe sie zwischenzeitlich mit Interesse und sehr aufmerksam gelesen. Ich freue mich immer wieder auf's Neue, daß Sie nach wie vor die Mühe und Ausdauer aufbringen, um das Erscheinen der "Mitteilungen" weiter zu ermöglichen und das Werk des von mir hochverehrten Herrn Kantor Erich Lewin s.A. fortsetzen. Mit Herrn Lewin stand ich bis zu seinem Tod, der mich zutiefst getroffen hat, in regelmäßiger Verbindung; ich kannte ihn aus der ehemaligen Jüdischen Gemeinde Rosenberg O/S. Ich war ihm sehr verbunden und halte sein Andenken in Ehren; er war eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die man nicht vergessen kann. Meine letzte feste Adresse in Schlesien war: Oppelner Landstraße 16, Rosenberg O/S. Das war - wie schon gesagt - die Gemeinde von Herrn Kantor Lewin; der zuständige Rabbiner war Dr. Feinberg, Bezirksrabbiner in Groß-Strehlitz. Zeitweilig hielt ich mich auch in Breslau auf (Gabitzstr. 163 und Eichenallee 7). Mit guten Wünschen für Sie, Ihre Arbeit und herzliche Grüße bin ich stets Bernard Staudacher Burckhardtstraße 65, D-70374 Stuttgart, Germany BglBBBBKHBBEIBKnPPBtltltlg(glPBg(KBg|g(BBr(glBBKBE Yechiel Dinur (K.Zetnik) s.A. Am 17. Juli d.J. starb im Alter von 84 Jahren der Schriftsteller Yechiel Dinur (K.Zetnik), s.A. Im Jahre 1946 kam er im Alter von 28 Jahren nach Erez-Israel, als Überlebender des berüchtigten Vernichtungslagers Auschwitz. Die Themen seiner Bücher sind alle mit der Schoah und den Leiden der Opfer der Nazis in den Vernichtungslagern verbunden (daher sein Pseudonym K.Zetnik). Die Darstellungen des Verhaltens der bestialen Nazis in diesen Lagern, haben einen tiefen Eindruck auf alle Leser in der ganzen Welt hinterlassen, da seine Bücher in viele Sprachen übersetzt wurden. Er war einer der wichtigsten Zeugen im Prozeß gegen Eichmann in Jerusalem. Seine Bücher werden ein ewiges Dokument sein für eine Zeit, in der ein von Verbrechern regierter Staat alle Menschlichkeit mit Füssen trat. Karla Müller-Tupath: Reichsführers gehorsamster Becher. Eine deutsche Karriere. Aufbau Verlag, Berlin 1999, 239 Seiten, DM 36. In vierzehn Kapitel gliedert die Autorin die überarbeitete Neuausgabe ihres 1982 in Hamburg erschienenen Buches "Reichsführers gehormsamster Becher. Eine deutsche Karriere", das den weiteren Aufstieg des ehemaligen hohen SS-Führers Becher in den Aufsichtsrat eines bedeuenden deutschen Unternehmens verhinderte. u u u u u u C u M u u M u u u u u u u u u u u u u u u u u u u Jedes Kapitel behandelt einen Schritt in der "Karriere" in dem Lebensablauf des Kurt A. Becher (1909-1994), in seiner jeweiligen Anpassung an das, was ihm hic et nunc Rprsönlich oppertun, dem "Aufstieg" in Ansehen, Reichtum, Sicherheit in der Karriere, Straflosigkeit, Selbstgewißheit dienlich erschien. So ist Bechers Karriere als eine deutsche Karriere im Zeichen der Nazityrannei zu verstehen, die 1934 mit dem Eintritt des jungen Prokuristen Becher in einen Reitersturm der SS in Hamburg begann, die ihn im Januar 1945 im Rang ines SS-Standartenführers der Waffen- SS in Budapest an lebensentscheidender Stelle aufwies und die ihn als angeblich schuldlosen Judenretter nach dem Krieg in wirtschaftlichen Führungspositionen in der alten BRD leben ließ - in aller Selbstgefälligkeit aufgrund einre konsequenten Lebenslüge. "Judenweiber und Kinder sind in die Sümpfe zu treiben" - so lautete eine Weisung an die SS-Kavallerie, in der Becher in Polen und Weißrußland an der Ermordung der Juden beteiligt war. Nach dem Krieg will er von dem Verbrechen nichts gewußt haben - er sei nur ein Verbindungsmann gewesen, als solcher sei er aufgestiegen, sei er "wegen besonderer Tapferkeit" dekoriert worden. Im SS-Führungshauptamt erhielt er dn Auftrag, die SS-Kavallerie mit Pferden auszustatten aus deutschen Gestüten, die in nichtarischem Besitz waren. Im Kapitel "Besondere Tapferkeit vor dem hilflosen Feinde" schildert die Verfasserin, wie Becher als Verhandlungsführer den Zwangsverkauf des weltberühmten Gestütes Schlenderhan der Barone Oppenheim bewerkstelligte. Becher verschleierte die tatsächliche Erpressung und schuf sich selbst die Grundlage seiner Selbstzufriedenheit, seiner späteren Lebenslüge, ein "Judenretter" gewesen 2 zu sein. Bechers "Fronteinsätze" sind schwer nachzuweisen; andererseits ist sein schneller Aufstieg in der SS - "Hochzuverehrender Reichsführer! Lieber Becher!" lautet eine weitere Kapitelüberschrift - nur nachzuvollziehen, wenn man Bechers phänomenale opportunistische Anpassungsfähigkeit, ja Servilität, in Rechnung stellt. Die führte ihn nach Ungarn, das nach dem Abfall Italien aus dem Bündnis mit Hitler herausstrebte, weshalb im März 1944 deutsche Truppen Ungarn besetzten. Becher fand sich in amtlicher Mission und mit grossem Stab in Budaest ein. Seine erste Aufgabe war die Übernahme des nichtarischen Manfred-Weiß- Stahlkonzerns durch die SS; sie geschah in einer ersten Transaktion "Menschen gegen Material": Durch die "Entlassung" der nichtarischen Weiß-Familienangehörigen in das neutrale Ausland erpreßte Becher den Verkauf der Weiß-Werke, der "ausgehandelte" Verkaufspreis wurde bei weitem nicht beglichen. Damit befand sich Becher "ergebenst" auf der Linie Himmlers, der gegen Ende des Krieges Humanität, die "Anständigkeit der SS" erweisen wollte. In Budapest kam Becher bei der dort anstehenden "Lösung der Judenfrage" in Rivalität mit dem gleichrangigen SS-Offizier Eichmann. Im Kapitel "Das Geschäft des Retters" erreicht die Arbeit von Karla Müller-Tupath ihren Höhepunkt. "Quantität an Menschenleben gegen Quantität erforderlichen Materials", das war der Leitfaden der Verhandlungen Bechers mit Judenräten, die sich gegen Eichmann und Auschwitz wehrten und deshalb mit dem SS- Mann Becher verhandelten. Das Schicksal des Dr. Kasztner spielt hier eine sorgfältig recherchierte Rolle. Der Eichmann-Prozeß und Hannah Arendts Buch "Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen" werden in Bezug auf "Reichsführers gehormsamsten Becher" ausführlich behandelt. Becher hat sich nie schuldig gefühlt. Er hat sich als "Judenretter" stilisiert, nie seine Wirklichkeit als “Kriegsverbrecher in seiner wirklichen und schrecklichsten Bedeutung" (Kapiel 11) auch nur geahnt. Im Besitz einer umfassenden Lebenslüge, durch diese Lebenslüge ist der SS-Reiter Becher eine der miesesten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Dr. Fritz Hoffmann, Dortmund AVS Informationsdienst Nr. 2/3 Dezember 2000.