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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2001-01-01 · No. 70 (2001) · p. Seite 20

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2001
Issue
No. 70 (2001)
Date
2001-01-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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(Fortsetzung von Seite 19) Frankreich, Belgien oder den Niederlanden in Sicherheit gebracht und wurde dort, nachdem auch diese Gebiete durch die Nationalsozialisten erobert worden waren, von der SS verhaftet und in Konzentrationslager gebracht. Weiterhin war von den männlichen Mitgliedern der Gemeinde ein Teil nach England oder Palästina emigriert, um hier eine neue Existenz zu gründen und die Idee eines Staates Israel im Heiligen Land zu verwirklichen. Zurück blieben^ wie aus dem Königsberger Adreßbuch von 1941 hervorgeht, in der Regel alleinstehend'e Frauen und auch Kinder. Nach der Reichstagswahl vom 5. März 1933 wurden Sozialdemokraten, Kommunisten und Juden in Königsberg verhaftet. Am 7. März wurde in die alte Synagoge aus dem Jahre 1756 ein Brandsatz geworfen, der allerdings nur geringen Schaden verursachte. Der Boykott jüdischer Geschäfte ab 1. April 1933 wurde nicht von allen Bürgern befolgt; es gab auch in Königsberg beherzte Menschen, die sich dieser Maßnahme widersetzten und sich auch von den SA-Posten nicht beeindrucken ließen, wie die Zeitzeugen Ludwig Goldstein (1867-1943) und Paul Ronge berichteten: "Es gab damals... noch manchen gerechten und freimütigen Widerstand." Doch lösten diese Vorkommnisse die erste Emigrationswelle aus. Noch im gleichen Jahr verließen ca. 700 Juden Königsberg, wodurch das Gemeindeleben stark beeinträchtigt wurde. Nach einer Phase relativer Ruhe war das Novemberpogrom des Jahres 1938, bei dem alle Synagogen der Stadt, das Waisenhaus und die Schule zerstört wurden, die zweite in das Leben der Königsberger Gemeinde einschneidende Maßnahme. Der Leiter der jüdischen Schule von 1935 bis 1938, Franz David Kaelter (1906-1978), erinnerte sich später an dieses Ereignis: "Weissgekleidete kleine Kindergestalten flohen in panischer Angst über die Straße und verschwanden in den anliegenden Gäßchen... Ihr besonderes Mütchen kühlten die SS Leute an unserem zweiten Kantor, der im selben Haus wohnte. Sie jagten den alten Mann gröhlend über die Straßen bis zur nächsten Pregelbrücke und drohten, ihn in den Fluß zu werfen, nur das Eingreifen ihres Vorgesetzten verhinderte das. Hinter uns ging die Synagoge, deren Kuppel wie ein riesiger Kessel in die Nacht hineindampfte, in Flammen auf und beleuchtete Judentum in Ostpreußen die grausigfe Szene." Noch in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden rund 450 Männer verhaftet. Ihre Überstellung in Konzentrationslager erfolgte allerdings nicht, weil für eine Fahrt durch den polnischen Korridor ein polnisches Transitvisum erforderlich gewesen wäre; sie wurden deshalb nach wenigen Wochen wieder freigelassen. Nach 1940 wurden die in Königsberg zurückgebliebenen Juden in speziellen "Judenhäusern" untergebracht, ehe sie im Jahi;ä 1942 in die Todeslager von Auschwitz, Majdanek oder Treblinka deportiert wurden. Auch in Allenstein wurden die Juden gezwungen, ihre Häuser zu verlassen und in Mt asfägl MW i f.r besondere, von der Gestapo bewachte Häuser in der Liebstädter Straße zu ziehen. Im Jahre 1941 wurden in Allenstein noch zusätzlich Juden aus Südostpreußen untergebracht. Ein Zeitzeuge, Dr. Heinrich Wolffheim (1878-1967), berichtet über die Situation damals in Allenstein: “Die Juden in Allenstein wurden... im Winter mit Schneeräumen der Straßen beschäftigt, im Sommer in der Stadt- und Kreisgärtnerei - zwangsmäßig. Der Lohn betrug 16 Mark pro Monat bei 8- bis 10 ständiger Arbeit täglich... Die verheirateten Frauen waren frei von der Arbeitspflicht. Die jugendlichen Leute arbeiteten teilweise in einer Waschanstalt, teilweise in einer Privatgärtnerei, teilweise in einem Produktengeschäft (Felle, Knochen etc.) - bei Christen. Die jüdischen Mädchen in der GERMANIA JUDAICA Kölner Bibliothek Z&V2-/2. zur Geschichte des deutschen Judentums e.V. Wäscherei, die jungen Menschen in der Verkaufsstelle der Privatgärtnerei trugen nicht den Judenstern - trotz meiner mehrfachen Warnungen." Allenstein wurde zur Sammelstelle für die Transporte aus ganz Ostpreußen. Am 24. Juni 1942 verließ der erste Transport mit rund 1000 Juden die Stadt; mit dem nächsten Transport, der am 2 . August 1942 folgte, wurden die Bewohner des jüdischen Altersheimes und die übrigen älteren jüdischen Bürger deportiert. In Allenstein blieben nur noch der Arzt Dr. Wolffheim sowie die beiden jüdischen Familien Mendel und Ladendorff. Der letzte Transport aus Ostpreußen verließ Allenstein am 15. März 1943. Damit war nicht nur das jüdische Leben in Allenstein, sondern auch in der größten jüdischen Gemeinde Ostpreußens, Königsberg, erloschen. Die jüdischen Gemeindeglieder, die nicht deportiert wurden, waren entweder in Mischehen verheiratet oder wurden für harte Zwangsarbeiten in Königsberg gebraucht. Von den ostpreußischen Juden überlebten nur wenige die nationalsozialistischen Vernichtungslager. Die Geschichte der Juden in Ostpreußen ist erst in Ansätzen erforscht. Aus der Zeit vor dem Krieg gibt es einige themenbezogene Einzeldarstellungen. Eine Gesamtdarstellung, die auch das Ende des jüdischen Lebens in dieser Provinz einbezöge, fehlt. Mit dem bisher bekannten Material ist sie auch kaum zu schreiben, und es bleibt die Hoffnung, daß nach Öffnung der polnischen und sowjetischen Archive verloren geglaubte Bestände wieder auftauchen. Der Forscher ist hier auf den Zufall und ein Quentchen Glück angewiesen. Auch wenn die jüdischen Gemeinden in Ostpreußen prozentual keinen hohen Anteil an der Gesamtbevölkerung dieser Provinz hatten, gibt es doch Phasen der ostpreußischen Geschichte, die ohne die Juden nur verkürzt darzustellen wären. Vielleicht kann gerade die biographische Einzelforschung hierzu in den nächsten Jahren entsprechende Arbeiten anregen. Die jüdische Geschichte hat als Teil der allgemeinen Landesgeschichte Ostpreußens Anspruch auf eine angemessene Würdigung. Sie auszuklammern hieße, ein Stück historischer Unaufrichtigkeit und eine Verkürzung der Geschichte zu betreiben. Ulrich Hutter-Wolandt (KK) (Kulturkorrespondenz 61/-93)

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