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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1997-01-01 · No. 63 (1997) · p. Seite 9

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1997
Issue
No. 63 (1997)
Date
1997-01-01
Page
Seite 9 (sequence 1457)
Language
German
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9 EINE ZEIT STIRBT (Arthur Silbergleit und Paul Mühsam - Zeugnisse einer Dichterfreundschaft, von Else Levi-Mühsam) Als Rabbiner Leo Baeck s.A. am Ende des 2. Weltkrieges aus Theresienstadt befreit wurde sagte er: "Die Epoche der Juden in Deutschland ist ein für alle Mal vorbei". Diese Epoche umfasst auch die Werke jüdischer Dichter und Schriftsteller in deutscher Sprache im 19. Jahrhundert bis zur Zeit der Nazibarbaren im 20 Jahrhundert. Die beiden Lyriker Arthur Silbergleit und Paul Mühsam gehören zu den letzten jüdischen Dichtern in Deutschland. Frau Else Levi-Mühsam, die Tochter von Paul Mühsam versucht in ihrem Buch "Arthur Silbergleit und Paul Mühsam, Zeugnisse einer Dichterfreundschaft", ein Bild von zwei jüdischen Dichtern und Freunden zu zeichnen. Ein Bild von zwei Menschen, verschieden in ihrem Fühlen und Denken, zwei Menschen welche in einer Zeit lebten, in welcher Begriffe wie Menschlichkeit, Kultur, Humanismus anfingen ihren Wert in Deutschland zu verlieren. Eine Zeit über welche Kurt Tucholsky schrieb:"Oh Postillon von Lonjumeau, oh Preussisches Kuiturniveau... vergiss die Schüsse und das Blut und denke nur der Mensch ist gut beim Schall der Schuposaune". Der erste Teil des Buches ist den Biographien der beiden Dichter gewidmet. Einerseits der Rechtsanwat Dr. Paul Mühsam welcher in Görlitz eine Praxis unterhielt, um den Lebensunterhalt für seine Familie zu bestreiten, und sich in seinen Mussestunden der Poesie widmete. Und Arthur Silbergleit, der Bohemien der immer nur von der Hand in den Mund lebte, andererseits, welcher Dichtung und Kunst als seine Lebensaufgabe auffasste. Den Lebensbildern dieser beiden Dichter folgen Tagebuchaufzeichnungen von Paul Mühsam über seine Begegnung mit Silbergleit, sowie Briefe von Silbergleit an Mühsam. Aus diesen Briefen und Tagebuchaufzeichnungen lernen "wir auch viel über die prosaischen Verhältnisse der beiden Freunde. Der dritte Teil enthält eine kleine Auswahl von Gedichten beider Autoren, welche uns einen Einblick in ihre innere Welt gestatten. Paul Mühsam, welcher schon 1924 in seinem Poem "Der ewige Jude" das Schicksal der Juden in Deutschland nach 1933 erahnte, wanderte 1933 nach Erez-Israel aus. So verschieden wie die Lebensweise dieser zwei Freunde waren, war auch ihr Ende. Paul Mühsam verschied 1960, umgeben von Kindern und Enkeln, in Jerusalem. Arthur Silbergleit wurde 1943 nach Auschwitz verschickt. Keiner seiner "berühmten" Bekannten kam ihm in seiner Not zur Hilfe. Die Träger der "deutschen Kultur" wandten sich von dem Leid ihrer jüdischen Kollegen ab. Silbergleit ereilte das grausame Schicksal zusammen mit seinen Brüdern und Schwestern in den Gaskammern von Auschwitz. Vielleicht dachte er in seinen letzten Tagen oder Stunden an die Verse welche Heinrich Heine vor mehr als 150 Jahren schrieb: Nicht gedacht soll seiner werden Nicht im Liede nicht im Buche Dunkler Hund im dunklen Grabe du verfaulst mit meinem Fluche. Derselbe Heinrich Heine welcher schon damals prophetisch schrieb: Wer Bücher verbrennt, wird auch Menschen verbrennen. (Fortsetzung auf Seite 10) MAX NORDAU (Fortsetzung von Seite 8) jüdische Volk proklamiert. Die zionistische Propaganda, das kommt in vielen seiner Schriften und Reden zum Ausdruck, die erstmalig 1909 veröffentlicht wurden, bemüht sich um einen "Charter“,eine völkerrechtlich gesicherte Basis für die Besiedlung des Landes zu erhalten. Diese ist auf die Not der Juden, insbesondere auf die als mehr als 6 Millionen in Osteuropa aufgebaut. Niemand konnte die Entwicklung voraussehen. Auf dem 3. Kongress, 1899, sagt Nordau, "ich erkläre offen, dass ich an eine Wiederholung der Schauerdramen unserer Vergangenheit in der Zukunft nicht recht glaube... Es ist nicht wahrscheinlich, dass man zehntausende unseres. Stammes in einem Anfall von Massenmordgier niederschlachten wird!" Heute, wie immer hinterher, ist es leicht, ihm und seiner Generation die falsche Auslegung der Entwicklung anzukreiden. Persönliche Gründe veranlassen Nordau, die ihm angebotene Nachfolge Herzls abzulehnen. Aber er setzt seine Persönlichkeit ein, um Dawid Wolffsohn die notwendige Autorität zu verschaffen,die Organisation im Geiste Herzls weiterzuführen. Es beginnt die Auseinandersetzung mit den "Praktischen", die sich um Chaim Weizmann scharen, durch deren Anregung 1909 das Palästina-Amt in Jaffa geschaffen wird... Als österreich-ungarischer Staatsbürger wird er während es 1. Weltkrieges aus Frankreich ausgewiesen. Er geht nach Madrid, und bringt dort, wie schon erwähnt, ein Werk überein spanisches Kulturthema heraus. Er sympatisiert mit dem Plan, eine "Jüdische Legion" aufzustellen, lehnt sie aber als Zionist ab. Die Organisation, die ihr offizielles Zentrum in Kopenhagen hatte, solle neutral bleiben, da Juden in allen Ländern leben. In diesen Jahren konzentriert sich die zionistische Aktivität in England. Weizmann wird zum Sprecher des Zionismus. Nach dem Krieg tritt Max Nordau 1920 mit der "Albert Hall- Adresse“ auf, worin er eine schnelle Einwanderung von 600,000 Juden fordert. Die "Praktischen" lehnen den Plan als unreal ab. Ein Jahr später zieht sich Nordau aus der aktiven zionistischen Politik zurück Er kehrt nach Paris zurück und beginnt zwei literarische Werke, die Fragmente bleiben, "Sinn und Gesittung", wie eine biblische Tragödie, "Rahab". Er verstirbt am 22. Januar 1923 im 74. Lebensjahr. Die sterblichen Ueberreste wurden 1926 nach Tel Aviv überführt und auf dem alten Friedhof beigesetzt. * Die Diskussion über politischen oder praktischen Zionismus gehört in die Frühgeschichte der Bewegung. Zu seiner Zeit war Nordau eine der treibenden Kräfte, ein erfolgreicher Propagandist der Idee, die er den Gedankengängen Herzls unterordnete, der leichter Kontakt mit den jüdischen Massen fand als Herzl . Er war Arzt und Zeitkritiker, Journalist und Dichter, ein Menschenkenner, der immer das richtige Wort wie den richtigen Stil fand. * Vor langen Jahren, das sei als Kuriosum nachgetragen, als eine Gruppe junger Menschen einen Namen für ihren Bund suchte, wählte sie Nordau. Nicht um sich mit ihm zu identifizieren, noch keiner hatte etwas von ihm gelesen, sondern "um des Reimes willen": Die Abkürzung einer "Zionistischen Jugendorganisation Nordau" ergibt ZION , und diese vier Buchstaben machten sich gut im Vereinsemblem!

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