Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1996
- Issue
- No. 60 (1996)
- Date
- 1996-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Als das Ol noch dickes war... Von HEINZWERNER GOLDSTEIN 'Wie ruhig könnten wir leben, wenn das Petro, ieum, das Erdöl, nie gefunden wäre, wenn unsere technische Entwicklung ohne die fettige Flüssigkeit stattgefunden hätte. Die Welt wird immer wieder erschreckt durch Drohungen der ölproduzierenden Länder. Mit diesem Artikel wird politischer Unfung getrieben, wirtschaftliche wie strategische Erpressungen. Dabei handelt es sich um ein Produkt, dass die Natur gratis liefert. Aus Neugierde beschlossen wir, nach der „Entdeckung“ des Rohöls zu forschen. Der Erfolg ist wenig ermutigend. Aus Fachbüchern wie Lexika lernt man, wo und wie Rohöl gefunden wird und gefördert, irr weichen Quantitäten, mit welchen technischen Ausrüstungen, die chemische Zusammenstellung, was man alles daraus hersteilen kann, was die chemische Industrie aus dem Erdöl zaubert, Dinge die zum täglichen Leben gehören, und die niemand mehr vermissen möchte. Über den „Anfang“, über die ersten, die sich des Naturgeschenks bedienen, schweigen die Berichte. * Die Vorväter haben, wenn sie Sorgen bedrückten, sie Lösungen suchten, in der Bibel geblättert. Man suchte Antworten auf Fragen und Probleme, reale und religiöse. Vielleicht ist es nicht er. stauniich, dass die erste und bekannte Aufzeichnung über Erdölfunde im Iran, dem früheren Persien, eine der wichtigen Erdölländer der Welt, sich in der Bibel befinden. Um zu verstehen, warum sie dort erwähn! werden, muss eine knappe historische Rückblende eingeschaltet werden: Nebukadnezar, König von Babylon, zerstörte im Jahre 586 vor der Zeitrechnung Jerusalem. Teile der Bevölkerung wurden ausgesiedelt, an die „Ufer Babylons" deportiert. Fünf Jahrzehnte später, um 537 B.C.E., erobert Cyrus, ein junger Herrscher Persiens, Babylon mit allen Aussenprovinzen. Um entferntere Grenzlän. der wie Juda beherrschen zu können, muss er sich auf einen Teil der Bevölkerung stützen, der treu und politisch zuverlässig war. Die Juden sind dem König bis auf den heutigen Tag dankbar, dass er einem Teil der „deplaced persons", die Rück, kehr ermöglicht. In den Städten Israels haben sie ihm, in der hebräischen Form, Koresch, Strassennamen gewidmet. Es dauerte lange, bis sich die Provinz um Jerusalem konsolidierte. Neunzig Jahre später, um 445 B.C.E., ernannte Artaxerxes, der die verlustreichen „Persischen Kriege" gegen die Griechen, die ihm seine Vorgänger hinterlassen hatten, beenden konnte, Nechemia zum Statt, halter, zum Gouverneur von Jerusalem. Er be. schliesst, durch einen neuen Tempel die Pracht des Salomonischen Heiligtums zu erneuern. Die Gechichte wird im zweiten Buch der Makkabäer berichtet. Die 'Makkabäerbücher gehören zu den Apokryphen. Das sind Bücher, welche in die Schrift nicht aufgenommen wurden. Die Gründe, warum sie nicht in den Kodex aufgenommen wurden, trotzdem die Geschichte der Hasmonäer, die dort berichtet wird, eine entscheidende Periode der historischen Entwicklung darstellt, kennt man nicht. Es bestehen Annahmen und Theorien. In den Aufzeichnungen wird die Tempelweihe als „Tag, an dem Nechemia das Feuer fand“ bezeichnet. Der aufregende Bericht ist interessant genug, um wörtlich berichtet zu werden: „Denn da unsere Väter nach Persien weggeführt wurden, haben die frommen Priester das Feuer vom Alter in einem tiefen, trockenen Brunnen versteckt, dass niemand es erführe. Als nun nach vielen Jahren Nechemia nach dem Willen G“ttes heimgesandt ward, schickte er derselben Priester Nachkommen, die das Feuer verborgen hatten, dass sie es suchten. Aber wie sie uns berichtet heben, haben sie kein Feuer gefunden, sondern nur dickes Wasser. Dasselbe hiess er sie schöpfen und bringen. Da nun alles zum Opfer zugerüstet war, hat Nechemia befohlen, sie sollten das Wasser über das Holz und das Opfer, das auf dem ‘Holz lag, giessen. Als sie das getan haben und die Sonne wohl herauf gekommen war und die Wolken vergangen, da zündete sich ein grosses Feuer an. Später heisst es: 'Bald war es lautbar geworden, und vor dem König von Persien gekommen, wie man an dem Ort, da man das Feuer versteckt hatte, Wasser gefunden und dasselbe die Opfer angezündet hatte. Da prüfte es der König und liess den Ort aussondern und heiligte ihn. Und gab viel Geld dazu. Und Nechemias Gesellen und viele andere Intellektuelle setzten sich für eine nachgiebige Haltung in dem Interessenskonflikt zwischen den beiden semitischen Völkern ein. Doch die Mehrheit des Volkps befürwortete den aktiven Widerstand gegen die Araber und das Britische Imperium, die militärischen Vorbereitungen für unvermeidbare Kriege und den bewaffneten Kampf um die Staatswerdung. Diese Haltung wurde zur politischen Norm der Mehrheit der Bevölkerung, ermöglichte die Entstehung des Staates Israel und ist bis heute die Lösung des Überlebens der jüdischen Souveränität. Viele deutschsprachige Juden kämpften in der .Hagana’ und besonders in der ,Palmach' und später in der Verteidigungsarmee Israels. Viele von ihnen sind im Kampf gefallen. 1933 stellte das Verteidigungsministerium fest, dass seit der Staatsgründung 15 Angehörige der deutschspra. chigen Landsmannschaften in der israelischen Armee zu Generälen ernannt worden sind — ein vergleichsweise sehr hoher Prozentsatz. Zwei führende Persönlichkeiten der Siedlungsinitiative In den von Israel verwalteten Gebieten stammen aus dem deutschen Kulturkreis: Rabbi Mosche Levinger, der in 'München geboren wurde, und Eliakim Haezni, ein gebürtiger Kieler, der Knessetabgeordneter war. Sie gehören zu den radikalsten Wortführern der Gusch-Emunim.Bewegung, die sich die massive Besiedlung aller Teile des Landes Israel zum Ziel setzt. fluppin und ßuber waren schon frühzeitig vor der Staatsgründung Schrittmacher von Bewegungen gewesen, die eine jüdische-arabische Annäherung zuwegebringen wollten. War diese Zielsetzung eine Illusion? Stellte sie nicht die jüdischen Belange in Frage? Der konsequente arabische Widerstand gegen sämtliche Kompromissvorschlä. ge und der unberechenbare Zickzack-Kurs der modernen Geschichte haben der Staatswerdung Israels den Weg gebahnt. Israel und das deutschspachige Judentum können dennoch stolz darauf sein, dass Persönlichkeiten aus ihrer Mitte versucht haben, die Konfrontation zu vermeiden und eine Einigung zustande zu bringen. Ihr Ziel, die Verständigung aller geistigen und moralischen Kräfte auf beiden Seiten, ist letztlich auch heute nannten das Wasser Nithar (gereinigt), etliche hiessen es Naphar". (Makkabäer 2). Die Kenntniss des Naphta, des brennbaren „Wasser“ war wahrscheinlich vorher in Priesterkreisen bekannt, und wurde von ihnen gehütet. Das Wort Naphta soll griechischen Ursprungs sein. Es erscheint noch immer im Sprachgebrauch, nach einem Lexikon, „das an vielen Orten dem Erdboden entquellende Roh-Öl“. Die hebräische Sprache hat es als Neft übernommen. — Artaxerxes, der König, zeigt politische wie wirtschaftliche Voraussicht. Bemüht „Das Geheimnis“ zu wahren, es als persöntliches Monopol auch für seine Nachfolger zu sichern. In weiser Voraussicht, dass man mit der Ölpolitik wirtschaftliche und politische Erpressungen treiben kann. Das, was er anordnete, unterscheidet sich nicht von den Bestimmungen unserer Tage. Die Quellen werden eingezaunt, — vielleicht kannte man schon Schilder mit der Aufschrift „Zutritt verboten“ oder „Bissige Hunde“... Er zahlte Royalities an die Mitwisser. Schon damals beruhigte Geld nicht nur die Nerven, es schliesst auch den Mund... noch das Gebot der Stunde, denn Waffengewalt allein wird das jüdisch-arabische Problem nicht lösen. Ohne allzu optimistisch zu sein: Israel und die Araber sind auf dem Wege zum langer, sehnten Frieden. Was immer der Ausgang dieser Verhandlungen sein wird, der erste Schritt mag gewagt sein, aber er ist notwendig geworden — für Israel, für den Mittleren Osten und für die Welt im Wandel. UNTERNEHMER ISRAEL STYLE Die Industrie und Wirtschaft Israels sind nicht von einer Landsmannschaft, sondern von allen Einwanderungsgruppen gemeinsam aufgebaut worden. Selbst die Darstellung des spezifischen Beitrags einer Gruppe im Vergleich zu anderen fällt schwer. Fest steht, dass die deutschsprachige Alija-Welle (1933—1940) zu einer Zeit ins Land kam, als die Wirtschaft Palästinas zum Aufbruch in die Moderne ansetzte. Die mitteleuropäischen Einwanderer konnten dank der Erfahrungen, die sie Im fortschrittlichen Europa gesammelt hatten, diese Entwicklung beschleunigen. Das Bankwesen wurde erweitert und reorganisiert. Neue Indust, riezweige im Bereich der Pharmazeutik, Glasher- Stellung, Molkereiproduktion, Konfektion, Metall, wareinmdustrie, des Hotelgewerbes und des Getreidesilo-Baus blühten auf. Bestehende Fabri. ken wurden vollständig überholt und modernisiert Das folgende Kapitel beschäftigt sich nicht mit den Leistungen der Vergangenheit, die aufzuzählen zu viel Raum in Anspruch nehmen würde, sondern mit zwei heute bestehenden Konzernen, die von deutschsprachigen Unternehmern und Besitzern gegründet wurden und bis auf den heutigen Tag geleitet werden. Stef Wertheimer und Dr. 'Reuben Hecht (gestorben im Jahre 1993) be. mühen sich erfolgreich, auf dem Werksgelände Kunst und Industrie zu einer Synthese zu verbin. den. Sie sind zum Symbol für effizientes Unter, nehmertum geworden, das sich mit grosszügigem Mäzenatentum paart. Stef Wiertheimer entwickelt seine Auffassung von industriellem Unternehmertum in Israel, indem er junge Industrielle und neue Industrie, zweige nach Tefen in Westgaliläa holt, wo seine Metallwarenfabrikation angesiedelt ist. AUS DER ANTHOLOGIE KALEIDOSKOP ISRAEL (Fortsetzung von Seite 12) 13