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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1996-01-01 · No. 60 (1996) · p. Seite 11

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1996
Issue
No. 60 (1996)
Date
1996-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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JUGENDGÄSTEHAUS DACHAU JOHANN GEORG ELSEN - EIN MUTIGER MANN IM ZEITALTER DER BARBAREI Die Reichspogromnacht vom 9. zum 10. November 1938 — ausgerufen von Goebbels im Alten Rathaussaal in Müncherr, dieser schlimmste unwürdige Akt der Neuzeit gegen Minderheiten aus rassischen, religiösen und politischen Motiven, — war nur der Auftakt zu einem weiteren Kapitel der jahrhundertelangen Judenverfolgung, dessen letztes unvorstellbares und unvergleichbares in Deutschland geschrieben wurde und „ENDLÖSUNG DER JUDENFRAGE” hiess! ln jener Nacht wurde der Wahn für alle Öffentlichkeit, die brutale Gewalttätigkeit des Naziregi. mes, sichtbar: als jüdiche Synagogen brannten, Geschäfte verwüstet und geplündert, als Menschen ermordet, misshandelt und in Konzentrationslager verschleppt wurden. Nach dieser Nacht konnte niemand in Deutschland mehr so tun, als ob er unwissend sei. Die staatlichen und privaten Fernsehanstalten strahlen zum 50. Jahrestag der Befreiung verschiedene Dokumentationen zur Erinnerung aus. Die Freiheit im geeinten Deutschland wird aber tragfähig sein, wenn die Ereignisse vor 50 Jahnen bewusst bleiben. Unsere Nachdenklichkeit gilt heute auch einer ganzen Reihe von November-Ereignissen—und nicht nur im März zur „Woche der Brüderlichkeit" — oder dem Sieg der wiedergewonnenen Freiheit vom „8. Mai 1945”... „Um sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen, bedarf es mehr als einer Tafel oder eines Denkmals” — Seit November 1984 setzt sich der „Fördervereirr Internationale Jugendbegegnungs- Stätte Dachau e.V." für ein „Jugendgästehaus DACHAU” ein. Die langen und schwierigen Auseinandersetzungen hat der Freistaat Bayern noch nicht zur Zufriedenheit abschliessen können! Die ehemaligen Verfolgten waren in der Mehrzahl Kommunisten, Sozialdemokraten und Intellektuelle. Aber es gibt keinen Grund, das internatio. nale „Jugendgästehaus” durch finanzielle Mittel vom Freistaat Bayern nicht zu unterstützen. Gerade für unsere Jugend ist es wichtig, nicht nur im Unterricht, Filmdokumentationen etc. aus der Vergangenheit zu lernen, sondern die Stätten des Unrechts dieser Verbrechen zu sehen — Demokratie bedeutet Freiheit und nicht Dikta, tur! So soll erinnert werden an einen deutschen Widerstandskämpfer der „Ersten Stunde", der keiner politischen Gruppierung angehörte, sondern mit Mut das erste Opfer vieler einzelner wurde: Johann-Georg Elser, der württembergische Kunst, schreiner. Dieser stille, unauffällige Mensch, der nicht dem verbrecherischen Tun Zusehen wollte, sondern als einzelner handelte. Sein Attentat auf Adolf Hitler am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller misslang nach monatelangen Vorbereitungen. Er wurde in Dachau nur weinige Tage vor der Befreiung des Lagers ermordet. Es wäre angebracht, wenn das „Jugendhaus Dachau” seinen Namen tragen würde, als neutra. ler Ort für alle „NAZI.OPFER”. Wäre Johann-Georg Elser das Attentat ge. glückt, Millionen deutscher Soldaten, Zivilisten hätten nicht sterben müssen, und es wären keine 6 Millionen Juden ermordet worden! — Aber in der Bundesrepublik wie auch in der ehemaligen DDR wurde Johann-Georg Elser nur am Rande erwähnt. Am Gasteig, Kulturzentrum in München, auf dem ehemaligen Gelände des Hofbräukellers — der Kultstätte „Adolf Hitlers" und seiner „Herren, rasse" — erinnert nur eine unscheinbare Bodenplatte, wo jeder Hund „Gassi geht”, an die mutige Tat eines Mannes aus dem deutschen Vol. ke! Arthur Förschler „Die Mahnung” 1.4.1995 DAS SYMPHONIEORCHESTER VON BE'ER SCHEWA SPIELT WERKE VON IN DER SCHOAH UMGEKOMMENEN KOMPONISTEN Gideon Klein, ein genialer Komponist, welcher im Alter von 26 Jahren von den Nazis nach Theresienstadt verschleppt wurde, beendigt dort das Trio für Streichinstrumente. Kurz danach wurde er nach Auschwitz gebracht. 50 Jahre später spielte das Symphonieorchester von Be'er Schewa dieses Werk in instrumentaler Fassung. Gideon Klein, Hans Krasse, Pawel Has und Erwin Schulhof stammen aus der Tschechoslowakei und zählen zu den grössten Komponisten des jüdischen Volkes in der Zeit des Holocaust. Das Orchester von Be'er Schewa machte es sich zur Ehrenpflicht die Werke dieser Komponisten der Vergessenheit zu entreissen. Es spielte ausser dem obengenannten Werk von Gideon Klein, noch die „Symphonie für kleines Orchester" von Krasse, „Etüde für Streichinstrumente" von Pawel Has und ein Werk von Schulhof. Beim Hören dieser interessanten Werke, verlässt einen nicht der Gedanke, welchen Verlust das jüdische Volk, und die Musikwelt im allgemeinen, durch den tragischen Tod dieser Musiker erlitten hat. Es wäre zu wünschen, dass die israelischen Orchester dem Beispiel des Symphonieorchesters von Be'er Schewa folgen würden, Werke dieser Komponisten sowohl auf den Auslandstournees wie auch bei den hiesigen Konzerten in ihr Programm aufzunehmen. Und dem Symphonieorchester von Be'er Schewa: Yascher Coach! M.E.H DIE NAZIEPOCHE IM SPIEGEL DER JUGENDLITERATUR IM NACHKRIEGSDEUTSCHLAND (Fortsetzung von Seite 10) müssen selbst die ärgsten Judenfeinde zugeben: Die Juden sind tüchtig," folgen darauf sogleich verkappte oder offene antisemitische Bemerkungen. In Worten von Prof. Shavit: „Die Juden verstehen es, jede negative Situation zu ihren Gunsten zu wenden, und was noch wichtiger ist — sie schaffen es immer. Der deutsche Vater findet, wie erwähnt, keine Stelle, bis Hitler an die Macht kommt, der jüdische Vater findet sofort Arbeit, nachdem er entlassen wird, und er findet sogar eine viel bessere Stelle, in einer jüdischen Firma. Zwar wird der jüdische Vater einzig auf Grund dessen entlassen, dass er Jude ist, und es verletzt ihn tief, aber das höhere Gehalt und die interessantere Arbeit sind eine reichliche Entschädigung. Und so haben die Juden unter den diskriminierenden Rassengesetzen nicht nur nicht zu leiden, sondern der jüdische Vater wird für das deutsche Kind auch noch zum Gegenstand des Neides. Die neue Arbeit ist der Traum jedes Kindes: Er wird Abteilungsleiter in einem Kaufhaus, der Spielwarenabteilung". Prof. Shavit beschreibt wie in diesen Kinder- und Jugendbüchern dargestellt wird, dass Juden gesellschaftlich, finanziell, familiär und intellektuell auffällige Vorzüge gemessen. Der relative Vorteil der Juden wird hervorgehoben selbst wenn sie in einem Armenviertel leben. In dem Buch „Im roten Hin- Icihaus" wnu eme |uui$chc rammt; geschildert, welche, obwohl sie im Armenviertel wohnt, wertvolleren Besitz hat als jede deutsche Familie. In dem Kapital „Juden und Nazis" weist Prof. Shavit auf die absurden, sogar krankhaft klingenden Vorstellungen hin, wie Nazis als „Nicht-Deutsche" den „echt Deutschen" gegenüber gestellt werden. Den Nazis („Nicht-Deutsche") werden physische Merkmale zugeschrieben, mit welchen sich die Nazis bedienten um Juden zu defaminieren. Nach den Worten von Prof. Shavit, auf Grund der Bücher „Maikäfer flieg", „Stern ohne Himmel", „Damals war es Friedrich", v,Nie wieder ein Wort davon", „Emma" — sehen sich Juden und „echte Nazis" verblüffend ähnlich. Sie alle sind klein und dunkel. Beim Lesen dieser Bücher bekommt man den Eindruck, dass es in Deutschland nur wenige „echte" Nazis gab, aber viel „unechte", Mitläufer, welche gezwungen wurden der Partei beizutreten. Sie erwecken den trügerischen Eindruck, dass die Mehrheit der Deutschen den Juden geholfen hat. Es handelt sich hier nicht um die Ableugnung des Holocaust, sondern um ein Nichtwissen(wollen) des Holocaust, und die Verlagerung des Schwergewichts auf die Darstellung der Leiden der Deutschen. Die Verfasserin dieser Forschungsarbeit kommt zu dem deprimierenden Schluss: „Vor nicht alllzulanger Zeit hiess Helmut Kohl den Versuch willkommen, sich von der Vergangenheit zu befreien, und stellte fest: „Wir müssen endlich aus dem Schatten Hitlers treten." Die Darstellung des Dritten Reiches in deutschen Kinderbüchern hat sich schon längst von den Schatten der Vergangenheit befreit. Sie hat das schon in der Stunde Null, 1945, getan. Ohne auch nur den Versuch zu machen, sich mit der deutschen Vergangenheit auseinanderzusetzen, hat sie es möglich gemacht, dass die dunklen Seiten der Geschichte im Dunkeln bleiben." n

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