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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1990-01-01 · No. 54 (1990) · p. Seite 20

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1990
Issue
No. 54 (1990)
Date
1990-01-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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NEUE WURZELN (Fortsetzung von Seite 13) zentsatz der Mitteleuropäer unterstützte aktivistisehe Politik des Widerstandes gegen England im Sinne der Ben-Gurionschen Doktrin. All dies veränderte nicht das kollektive Bild, und die gesamte mitteleuropäische Immigration wurde ungerechterweise über einen Kamm geschoren. Die positive Einstellung zur Legalität und zur Staatstreue sind notwendig zur Führung jedes demokratischen Staatswesens. Erst nach der Gründung des Staates sah man die ernsten Gefahren der Gehorsamsverweigerung von Seiten der in Osteuropa und in den arabischen Ländern gross gewordenen Bevölkerung. Israel leidet noch heute an der Plage der Undisziplin seiner Bürger, die in der Galut gelernt hatten, Gesetze zu umgehen als Verteidigung gegen das Unrecht, das Juden zu ertragen hatten. Reaktionen, die in der Galut verständlich waren, wurden für die neu eingeführte Staatsordnung zur Last. Ein anderer Mangel der mitteleuropäischen Mentalität war das Bedürfnis, Aktionen aufgrund von genauester Planung durchzuführen. Planung, Kalkulationen und detaillierte Untersuchungen durch Institute gehören zur Technik einer entwikkelten Gesellschaft. Für das Palästina der dreissiger und vierziger Jahre waren bis ins letzte durchdachte Wege ungangbar, denn die wissenschaftlichen und technischen Institute für solche Planungen waren in ihren Anfängen. Die Zeit drängte. Sowohl die Einordnung des einzelnen und der Gesamtalija, als auch die Notwendigkeit, praktische Erfolge in der Auseinandersetzung mit der Mandatsregierung zu erzielen, machten schnelle Entschlüsse und spontane Reaktionen in der Politik und in der Wirtschaft notwendig. Menschen, die aus ungeordnete.n Ländern eingewandert waren, zeigten Begabung zur Improvisation, zum echten Elan und Draufgängertum — Eigenschaften, die zu praktischen Misserfolgen führen können, aber auch zu mächtigen Taten in Konfrontation mit grossen Aufgaben der Kolonisation, Verteidigung und wirtschaftlichen Modernisierung des Landes. Die osteuropäischen Einwanderer Hessen die Spontanität walten, während das kalte Kalkül des Westeuropäers oft bremste. Die mitteleuropäische Alija hat grosse Werke in Erez Israel zustande gebracht, und jede Verallgemeinerung führt zu Fehlschlüssen. Jedoch Meir Dizengoffs Gründung von Tel Aviv, Levi Eshkols Siedlungsinitiative für die ungeschulten Einwanderer der Massenalija und Pinhas Sapirs1 Industrialisierung der kleinen, benachteiligten Landstädtchen — all dies waren gewagte Unternehmen, deren wirtschaftliche Logik und technische Planung erst nach den Anfängen formuliert wurden. Sie zeigten später Mängel auf, aber sie waren wichtige Stufen in der Entwicklung Israels. Es war die Initiative dieser drei Juden Osteuropas, die diese wichtigen Etappen einleiteten — vielleicht war es unter den Bedingungen des Landes notwendig, dass es Menschen gab, die nichts von Planung und Berichten der Forschungsinstitute verstanden. Dieses Improvisationstalent osteuropäischer Juden tut dem Werk und den konstruktiven Schöpfungen der mitteleuropäischen Immigration keinen Abbruch. Nach den Riesenschritten der Entwicklung des Landes sieht man erst recht, wie notwendig Kalkül, Planung und blue-prints sind, um die Kräfte und Gelder des Staates nicht zu vergeuden. Leider hat heute in Israel wieder die spontane und draufgängerische Initiative die Oberhand zum Nachteil einer vernünftigen Entwicklung gewonnen. Die Zeit, in der alle wesentlichen Generaldirektoren der Ministerien in Mitteleuropa geschulte Persönlichkeiten waren, ist schon längst vorüber und viele unqualifizierte — oft nur parteipolitisch geförderte — 'Beamte beherrschen die Amtswege. Bei Untersuchung dieses Themas kann man feststellen, dass bei Gründung der Ministerien oder in den ersten Jahren ihrer Tätigkeit die Generaldirektoren in den folgenden Ministerien von Mitteleuropäern besetzt waren: Büro des Ministerpräsidenten, des Verteidigungs-, Erziehungs-, Handels- und Industrie, Justiz-, Transport- und Wohnungsministeriums. Dies gilt auch für die Finanzkontrolleure und den Gründer der Nationalen Versicherungsanstalt. Das Aussenministerium hat einen besonderen Rekord zu verzeichnen: seit Staatsgründung standen acht Generaldirektoren als Berufsbeamte an seiner Spitze, von denen sieben mitteleuropäischer Abkunft sind. Die Frage, warum der parteipolitische Einfluss der Mitteleuropäer im Lande immer limitiert war und in den letzten Jahren nicht genügend spürbar ist, wird in dem Kapitel über Giora Josephthal -) behandelt, der eine bedeutende politische Karriere hatte, doch sein früher Tod hat ihn nicht zu voller Entfaltung kommen lassen. ') Pinhas Sapir (1901—1975), Minister für Handel und Industrie (1957-67); Finanzminister (1963- 67; 1969-74). Levi Eshkol (1895—1960), Leiter der Finanzabteilung der Jewish Agency (1949); Finanzminister (1952-63); Ministerpräsident (1963-69). Meir Dizengoff (1861—1937). — Einer der Gründer Tel Avivs und ihr erster Bürgermeister. ") Giora Josephthal (1912—1962); Sekretär der Arbeiterpartei Mapai (1956-59); Minister für Entwicklung und Wohnungsbau. SUCHNOTIZ Ein Brief von Herrn Herbert Hirschei (geb. 1912 ln Breslau) an seine Schwester Selma Rigato, Breslau, den er auf dem Weg.nach Auschwitz am ,14.12.1944 schrieb, wurde gefunden. Angehörige werden gebeten sich mit Prof. Joseph Walk, Leo Baeck Institute, 33 Bustenai Street, 93229 Jerusalem, in Verbindung zu setzen. „FELDGEBETBUCH FUER DIE JUEDISCHEN MANNSCHAFTEN DES HEERES” (Fortsetzung von Seite 8) Deutschen seien, widerlegen sollte, werden 10,275 Namen mit genauen Personalien angegeben. Die Tragödie dieser wie anderer mit wissenschaftlicher Akribie durchgeführten Untersuchungen lag darin, dass sie das Gewissen der Juden beruhigten, “es sei ja nicht so schlimm, wie die Gegner behaupteten", eine Feststellung, die die Antisemiten einfach nicht zur Kenntnis nehmen wollten. Diese Art von Selbstberuhigung wurde vielen zum Verhängnis, und verhinderte eine rechtzeitige Auswanderung. Die Statistik sagt weiter, dass mehr als ein Drittel der jüdischen Soldaten, 35,000. Kriegsauszeichnungen erhielten, aber nur weniger als ein Viertel, 23,000, während der vier Kriegsjahre befördert wurden, davon nur 2% in den Offiziersrang, 2000, von denen 322 fielen, 16,1%, gegen 14% der Verluste aller Offiziere. In der damals jungen Luftwaffe dienten 200 Juden als Flieger, Beobachter, Bombenwerfer, Bodenpersonal, von denen 30 gefallen sind. — ★ Das Gebetbuch hat 28 Seiten mit deutschen Text, Übersetzungen, kurze Abschnitte aus fast allen Gebeten, Morgen-Abend- und Nachtgebet, Segenssprüche, nach dem Essen, für den Schabbat, zehn Seiten Psalmübersetzungen, die erste Strophe des 5cIbo>ebetbud) für bie jübifd?ert Ailartnfdjaften . ' bp8 ‘ £> <t <t r t s Sezfin 19U Statt >en $. Chanukaliedes, “Schirm und Schutz in Sturm und Braus”, es folgen drei “Volkslieder". Der hebräische Teil, 23 Seiten, ohne Titel und ohne Inhaltsverzeichnis, bringt stark verkürzte Gebete, in einer gut lesbaren Type gesetzt, er endet mit dem fast vollständigen Awinu Malkenu Gebet, Unser Vater, unser König, 28 Verse, während im deutschen Teil nur 18 erscheinen, und dem Kaddisch Gebet, das wir, die Nachgeborenen leider über viele der ehemaligen Frontkämpfer sagen müssen. Es gibt keinen Hinweis, wer die Auswahl und Zusammenstellung der Gebete redigiert hat. Ein dünnes Heft. Es ist aus dem Tornister des Vaters irgendwie in die Sachen gekommen, die die langen Wanderungen mitgemacht haben. Es ist so leicht und dünn, dass es sich sozusagen verstecken konnte. Wir berichten davon, um der Tragik der Generation der deutschen Frontsoldaten zu gedenken, die sich ihrem “Vaterland", in Scharen freiwillig, zur Verfügnis stellten, in dem Glauben und der persönlichen Überzeugung, für sich und die jüdische Gemeinschaft den richtigen Weg zu gehen. Sie konnten das Schicksal nicht voraussehen, oft auch nach 1933, knapp 15 Jahre später, nicht verstehen, insbesonders da viele der in der Öffentlichkeit bekannten jüdischen Persönlichkeiten, die Gefahren herunterspielten, da sie ja die Statistiken u. das Recht auf ihrer Seite glaubten... Heinzwerner Goldstein Druck ,,OT", Tel Aviv, Wolfson 48

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