Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 16 auf das Jahr 5618 (1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 137)
- Language
- German
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137 „Selbst bedürfen sie des Bürgen, die im Glauben doch verzagen, „Und des Zweifels letzte Reste immer noch im Herzen tragen. „Ewig fest, wie diese Himmel, ewig rein wie ihre Bläue, „Also fordr' ich von den Menschen feste, reine Glaubcnstreue!" Sich, da lcuchtct's ans im Volke, Freude strahlt in allen Zügen: „Uns'rc Kinder nimm zn Bürgen, dieses Pfand wird dir genügen! „Die mit Lhränc» einst geboren, die mit Thräncn aufgezogen, „Die in bittcrn Todesnöthcn wir gerettet aus den Wo^en, „Diese Kinder, unser cinz'ges Kleinod in des Elcnd's Lagen, „In die Wüste, dir gehorchend, hat sic unser Arm getragen, „Daß auch ihre leise ^Stimme, lieblich wie der Engel Chöre, „Deine Worte hier vernehme, deine Lehre mit beschwöre. „Mögen sic für uns'rc Treue dir als sich're Bürgen dienen, „Und wenn einst die Vater sünd'gen, ihre Schuld die Enkel sühnen!" Und es ward, wie sie gesprochen; denn fortan zn allen Zeiten Wußte Gott uns durch die Kinder auf den wahren Weg zu leiten. Immer hat er, wenn die Herzen treulos sich von ihm gewendet, Uns durch jenes Gut gemahnet, das wir damals ihm verpfändet, Und wenn das Geschlecht der Väter in der Sünde arg befangen, Sind die neuen, bess'ren Tage durch die Kinder anfgegaugen. — Darum mög't in dieser Stunde ihr mit Liebe und Vertrauen Auf den Kreis der frohen Kinder, die sich hier versammelt, schauen; Denn sie sind der Zukunft Bürgen, daß fortschreitend aus der Erde Alles Gute immer besser, alles Fromme frömmer werde, Daß die edlen Samen alle, die noch unbefruchtet lagen, Schwellend sich in Keime wandeln, wachsen, blühen, Früchte tragen! O, so wollet all' die Großen, o, so wollet all' die Kleinen, Die vereint zum vierten Male heute hier vor euch erscheinen, Wollt sic alle, alle prüfen, ob das Gute und das Wahre, Das an diesem Ort gcpflcgct ward in dem vcrfloss'ncn Jahre, Ob es spurlos ist verhallet auf den Lippen, ans den Zungen, Oder ob's belehrend, weckend ist in'ö Herz hinein gedrungen, Ob sic das, wofür sie bürgen, auch in seiner Größe kennen Und von jenen HorcbSzcugcn sich die treuen Erben nennen. Möge dann in jedem Jahre, das die Prüfungstag' beschließen, Fort und fort der Eltern Segen ihre Kinder hier begrüßen! Jeder Frühling findet neue Blumen auf den frischen Beeten, Jeder Frühling läßt in diesen Kreis auch and're Kinder treten — Aber ob die Einen gehen, oder ob die Andern kommen, Ewig bleibt die Bürgschaft gültig, die der Herr einst angenommen, Und wenn anch im Lauf der Zeiten wechseln werden die Gestalten, Immer wird im Kindeshcrzen Gottes Wort am schönsten walten, Bis der Tag kommt, wo der Glauben alle Menschen gleich beschattet, Uno der Herr die Bürgschaft selber seinem Volk zurückerstattct, Vis er einst, wie er verheißen, seinen Friedensboten sendet Und das Vatcrhcrz zum Kinde und das Kind zum Vater wendet! vr. S. Dessau.