Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 16 auf das Jahr 5618 (1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 136)
- Language
- German
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— 136 — Die Mrgschasl. Gedicht, gesprochen am Schlüsse der Prüfung (26. Marz 1857) der Unterrichtsanstalt der isr. Religionsgesellschaft in Frankfurt a. M.*) Morgen war's am dritten Tage, wo der Herr der Himmelsschaaren Sein Gesetz für alle Zelten wollt' den Menschen offenbaren. Und wie auch die Blitze glüh'tcn, und wie auch die Donner grollten, Als ob Himmel sich und Erde in dem Dtnrm verbinden wollten — Felsenfest stand jenes Völkchen, daö in Leid nnd Schmerz geboren, Sich der Herr zum will'gcn Träger seiner Lehre auserkoren, Stand das Völkchen, noch vor Kurzem tief gebeugt, ein Knecht der Knechte, Jetzt ein siegcsfrcud'gcr Sprosse aus dem ältesten Geschlecht«:, Das, mit noch von Gcißelhieben jämmerlich zerfleischtem Rücken, Dreier Tage nur bedurfte, sich für seinen Gott zu schmücken. — Und im Lager war's so stille, ausgclcert war jede Hütte, Denn am Fuß des Berges draußen, ,hren Führer in der Mitte, Standen Alle jetzt versammelt, Kinder, Greife, Männer, Frauen, Was kein Steiblicher gcahnet, ofs'ucu Auges anzuschaucn, Und die Lehre, deren Schöpfung einst der Welt vorangcgangen, Aus der Hand des Ew'gen selber als Vermächtnis; zn empfangen. Horch, da tönt's herab von Oben, aus den Lüften hört mau's rufen: „Tretet nicht mit leeren Händen hin vor meines Thrones Stufen! „Soll ich euch daö Kleinod schenken, euch die Lehre offenbaren, „Sagt, wer soll sür euch denn bürgen, daß ihr treu sie wollt bewahren? „Meiner Krone schönsten Demant geb' ich euch als Bundeszeichcn, „Wird sein Glanz in euren Händen nie sich trüben, nie erbleichen? „Tief im Herzen ruht verborgen wilder Kampf der Leidenschaften — „Darum stellt mir sich'rc Bürgen, die für eure Treue haften!" Und das Volk, das nnverzagct in der Knechtschaft harten Tagen Die Erinn'rung aller Zeiten stets in seiner Brust getragen, Das der Vorzeit theure Namen und der Sprache süße Klänge Nicht vertauscht nnd nicht verloren trotz der feilen Vögte Strenge, O, wie stolz und niuthig dürft' es jetzt die Blicke rückwärts wenden Und der Väter Angedenken sür die eig'ne Treu' verpfänden! „Unsre Väter," riefen Me, „wollen Bürgschaft für uns geben! „Darfst du solcher Väter Söhne nicht zu deinem Volk erheben?" Und von Oben ruft die Stimme wieder durch der Flamme Lodern: „Solches Pfand ist nicht genügend, Bess'res muß ich von euch fodcrn!. „Abraham hat einst gezweifelt, Isaak irrt' in seinen Söhnen, „Jakob könnt' in trüber Stunde sich von mir verlassen wähnen. *) Der diesem Gedichte zu Grunde liegende Stoff ist entlehnt aus Loliir basvbirim rabba. I. 1.