Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 16 auf das Jahr 5618 (1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 103)
- Language
- German
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im Wahren sucht und findet, ist er im edelsten Sinne des Wortes ein Freund der Freiheit. Jede Unterdrückung findet in ihm einen begeisterten und geharnischten Gegner, und selbst die Orthodoxie, die er bekämpft und die ihn verfolgt, hat der aufgeklärten Intoleranz gegenüber, keinen wärmeren Vertheidiger als ihn. Seine Freundschaft mit Mendelssohn zeigt die beiden ausgezeichneten Männer von ihrer schönsten und liebenswürdigsten Seite. Auf der Höhe des Gedankens ergänzen sich Lessings scharfer und freier Blick, Mendelssohn klare und besonnene Auffassung; wie in ' den Tiefen der Empfindung Lessings edle Wärme, und Mendelssohns weise Ruhe sich auf die wohlthuendste Weise begegnen. In Lessings Nathan vermählt sich, wie in Lessings Herzen, an der Hand der Freundschaft hohe Kunst auf's schönste mit hoher Weisheit. Er, der gegen jeden Glaubcnsdruck kämpfte, war durch sein innerstes Wesen getrieben sich derer am wärmsten anzunehmen, die unter dem härtesten Drucke litten, und so bekämpft er den Judenhaß durch Wort und Beispiel. Riesser hielt es für Pflicht, seine Glaubensgenossen zu Beiträgen für dieses großen deutschen Mannes Denkmal besonders aufzufordern. Er that dies in einer Schrift*), welche zu den ausgezeichnetsten gehört, die aus seiner Feder geflossen. Es ist von besonderem Interesse für den gegenwärtigen Augenblick, wie er die vornehmen Acsthetiker zurechtwcist, welche die Poesie, nach Göthe's Vorgang, „ein für alle Mal vor der lästigen Mahnung an die höchsten Interessen der Menschheit schirmen, welche, wie man den Pöbel von den zierlichen Pforten, von dem geglätteten Boden eines Palastes abhält, so die Angelegenheiten und Forderungen des Volkes, der Gesellschaft — von der Schwelle des Musentempcls zurückweisen wollen." Er zeigt wie die großen Ideen der Freiheit und des Rechts ein großes Dichter- Herz, einen hohen Dichtergeist eben zu den herrlichsten Gestaltungen begeistern, und wie gefährlich für menschliche und volksthümliche Interessen „jene Aristokratie der Aesthetik, jene theilnahmlose Schöuheitsliebc" ist, welche den Dichter, den Priester des Schönen, dem Kampfe für Licht und Recht entrücken, und der schönen Form die schönere Seele gleichsam *) Einige Worte über Lessing's Denkmal. An die Israeliten Dentschland's gerichtet. Frankfurt 1838. (Ltockmar und Wagner.)