Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 16 auf das Jahr 5618 (1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 101)
- Language
- German
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101 wundenheit öffentlich ausgesprochen, daß er zu besserer Ueberzeugung gekommen sei, und selbst einsehe, daß nur „vollständige Gleichstellung aller Staatsangehörigen, nicht Ausnahmsgesetze zum Ziele führen können." So gebietet es die Pietät gegen den achtbaren, nunmehr verstorbenen Mann über diesen Gegenstand himvcgzugehen. Nur eine Stelle aus Niesser's Gegenschrift möge hier angeführt werden, weil sie in der Charakteristik des Mannes des Volks nicht fehlen darf. Herr Strecksuß hatte sich nämlich damals mit großer Bitterkeit gegen die „Tagesschriftsteller" ausgesprochen, welche jenen Entwurf in öffentlichen Blättern besprochen, und dessen Zusammenhang mit allen reactionären Ideen nachgewicsen hatten. Er hatte solche „Tagcsschriftstcller," wie er sie wiederholt mit etwas erzwungener Verachtung nannte und charaktcrisirte, nicht niedrig genug zu stellen gewußt. Darauf antwortet Riesser: „Ja, die Schriftsteller des Tages, das sind wir; das wünschen und streben wir zu sein in jedem Sinne des Wortes. Der Tag ist das Licht, und nach dem Lichte ringen, für das Licht streiten wir; der Tag ist die Zeit und die Gegenwart und in ihr leben, für sic fühlen wir. Wir tragen die Farben des Jahrhunderts; es sind die Farben der Freiheit. Wir kämpfen die Kämpfe des Jahrhunderts, es sind die Kämpfe der Freiheit. Wir sind unterthan dem Geiste und dem Gedanken des Jahrhunderts, es ist der Geist und der Gedanke der Freiheit; cs sind die Sympathieen, di^Hoffnungcn und die Schmerzen der Freiheit. Die Freiheit und das Recht werden siegen, das wissen wir wohl; aber sie sollen jetzt siegen; ihre Gegner sollen jetzt in der Schmach der Lüge vergehen vor der Sonne der Wahrheit; wir und die wir lieben und Alle welche die Freiheit lieben, sie sollen es erleben und genießen; ein Augenblick des Sieges früher ist tausend bessere Leben als die unseren werth. . . Möge man dann die Schriftsteller des Leidentages nur immerhin vergessen, wenn der Tag der Freiheit und Freude angebrochen. Wir machen keinen Anspruch auf Unsterblichkeit und wollen das Gedächtniß unserer Kämpfe gern im Schoße der Vergessenheit ruhen lassen, mit der Schmach der Unterdrückung, gegen welche sie gerichtet war." In Kurhessen schien damals dieser Tag der Gerechtigkeit und der Freiheit anzubrechen. Der Gedanke, dem der edle Riesser lebt, war dort gesctzlick, und wie es schien in