Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 16 auf das Jahr 5618 (1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 96)
- Language
- German
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96 selbst zurück, für welche sie auftrat. Sie verwies dieselben auf den wahren Standpunkt der Zeit, welcher herzliches Anschließcn au Volk und Sitte, an alles Edle und Humane, zugleich mit gesetzlicher Freiheit in allen den Dingen verlangt, die der Mensch nur mit seinem Gewissen und seinem höchsten Richter abzuthun hat. Vor Allem fühlte man sich verpflichtet, dem edlen Manne zu beweisen, daß die Gefühle und Gesinnungen, die er ausgesprochen, im Herzen seiner Glaubensgenossen lebten und von ihnen völlig erkannt würden. Bei einem Festessen in einer wohlthätigen Anstalt zu Frankfurt a. M. wurde der Vorschlag, Riestern einen Ehrenpokal zu votiren, und denselben mit einem ausführlichen Sendschreiben zu begleiten, in welchem er als der würdigste Repräsentant der deutschen Israeliten oder vielmehr der israelitischen Deutschen des 1!>. Jahrhunderts begrüßt würde, mit einem unbeschreiblichen Enthusiasmus ausgenommen. Zu dem Ehrengeschenke sollten, so beschloß man, nur kleine Beiträge angenommen werden, damit cs sich als Gabe und Anerkennung Aller darstelle. Professor Oppenheim wurde mit der Zeichnung der Sinnbilder, und der Verfasser dieser Skizze mit dem Entwürfe des Sendschreibens beauftragt. Ju sehr kurzer Zeit war die nothwendige Summe unterzeichnet und das Sendschreiben*) mit Unterschriften bedeckt. Der Pokal, .von dem erwähnten Künstler mit sinnreichen Emblemen geschmückt, und von Herrn Hcsscnberg kunstreich gefertigt, erschien nicht unwürdig des Mannes der ihn erhielt, und der Liebe die ihn bot. Im Sinne dieser Einwirkung auf seine Glaubensgenossen, gab Riesser einer Zeitschrift, welche er im Jahre l8J2 begann, den Titel: der Jude, periodische Blätter für Rcligions- und Gewissensfreiheit. Die Dandics unter den jüdischen Glaubensgenossen erschraken nicht wenig ob dieses Titels. Daß ihre Aufgabe sei, diesen Namen, welcher, durch die Schuld des Pöbels beider Religionsparteien, zum Schimpfworte geworden, bei besserer Gesinnung von beiden Seiten wieder zu Ehren zu bringen, statt sich dessen kindisch zu schämen, war die dabei bezweckte, nicht verlorene Belehrung. H Lcnbschreiben an Herrn Ilr. Gabriel Riesser. Franksurt bei Heller n»b Rohm l832.