Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 16 auf das Jahr 5618 (1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 68)
- Language
- German
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68 Die Hasmoiläer. Unter allen ncnern dramatischen Stücken, welche über die Bühne wanderten, ist anfsallend wenig ciithalten, das ans wahre Poesie Anspruch machen kann, denn leider werden die Snjct'ö nach einer Bühnenschablone zugeschnittcn, nm momentanen Effekt zn niachen. Um so anerkcilnenswerther sind dramatische Gcdichlc, welche sich nicht nur eine höhere Aufgabe stellen, sondern auch von acht poetischem Geiste getragen sind. Zn diesen gehören nnstrcilig die Hasinonäer, welche bereits zweimal ans dem Hosthealer zu Mannheim zur Darstellung gelangten und sich des Beifalls eines kunstsinnigen Publikums zn erfreuen hatten. Schon die Wahl des Ltofsö aus einer bedeutsamen Zeit und der Familie der Makkabäer darf eine glückliche genannt werden. Cs tritt diese Hcldenfamilie in crbabcner Grösic hervor und in ihr das Schicksal ihres Volks. Die Auffassung der Charaktere ist mit Glück und Conseqnenz dnrchgeführt und besonders an acht lyrischen Stellen ist das Stück so reich, wie nicht wohl ein anderes ans der Gegenwart. Darum konnte auch die dazu componirtc Musik des Kapellmeisters Lachner nur von tiefer Wirkung sein, weil sic bloS dem Dichter zn folgen hatte. Ja wir möchten behaupten, das, schon der Stofs allein ein so sehr lyrischer und musikalischer ist, daß eine Umarbeitung zn einer Oper sich des reichsten Crsolges zu erfreuen Hütte. Wolllen wir etwas daran aussehcn — woran aber der Stoff vorzüglich Ursache ist — so möchte es das sein, daß eigentlich mit dem dritten Acte die Spannung ans die Höhe gebracht ist und das Ende hingegen weniger hervortrilt*). Die Sprache ist corrert, oft sehr schwungrcich; die Bilder zeugen von gesunder, kräftiger Phantasie und das Ganze durchweht ein edler Geist, der für den Ruhm seines Volks begeistert ist und seine Lyra der Verherrlichung dcsse den freudig weiht. Um unser» Lesern die Vorzüge dieses trefflichen dramatischen Werks darzulcgen, da cs noch nicht im Buchhandel erschienen ist, thcilcn wir im Nachfolgenden eine Stelle mit, die zn den schönsten des Kunstwerks gehört, nämlich aus dem V. Akt der zweiten Scene. *) Wir können dieser Ausstellung des gehertcn Benrthcilcrs nicht bcipftichten; die ethische Seite des Stückes, der geistige Sieg, welchen Jonaihan über sich selbst davon trägt, tritt vielmehr erst im vierten Akte recht bedeutungsvoll hervor und findet im sünftcn Akte, in dem gegeneinander abgewogenen Lode des Königs und Judas, die verklärte Äbschließung. — Uebrigens hat der Dichter, zur Kürzung für die Bühne, mehrere Austritte, die am Schlüsse des dritten Aktes auch in Beziehung zu dein Kampfe des Volkes für seine nationale und religiöse Freiheit dem Drama neue Spannkrast geben, wcggclassen, und wird das abgerundete Ganze in der Dichtung erst dann hcrvortrctcn, wenn dieselbe, was wie wir hören bald geschehen dürste, uns vollständig vorliegcn wird. Annrcrk. tu Red.