Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 16 auf das Jahr 5618 (1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 63)
- Language
- German
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<>3 Verlust der Sprache, die er gemißbraucht hat, bis der Sabbath endet, der die Sünde mit sich wcgnimmt. Gehet nun, bedecket ihn mit diesem Gebetmantct, und er wird sich wieder in einen Menschen verwandeln." Der Gebetmantel bewirkte treulich das verheißene Wunder. Kaum war er über das bellende Thier geworfen, als dieses in sich zusammenzucktc und wie todt am Boden liegen blieb. Man nahm voll Bcsorgniß schnell den Mantel ab, und sah, wie sich der Cantvr ganz erschöpft aufzusteyen bemühte. Man kam seiner Schwäche zn Hilfe und hob ihn ans einen Lehnstuhl. Er strich sich die Haare zurück und öffnete die vertrockneten Lippen, aber ach! er war stumm. Man reichte ihm einen Kelch voll Brandwein. Er leerte ihn auf einen Zug, und reichte ihn zum Wicdereinscheuken hin. Dieses wiederholte sich mehrere Male, und seine Kräfte kehrten sichtlich zurück, so daß er nun auch einige festere Nahrung zu sich nehme» konnte. Er machte sich durch Gebehrden verständlich, und man mußte ihn in die Synagoge führen, wo er eben so gut wie der Bal Schein die Aufmerksamkeit Aller auf sich zog, und durch seine Andacht die allgemeinste Theilnahmc gewann. Dem Wirthe wurde von den Vorstehern die sorgsamste Verpflegung seines stummen Gastes zur Pflicht gemacht, und dieser zeigte bei dem kräftigen Abendmahle, daß ihm von der Hundenatur noch ein bewundernswürdiger Heißhunger zurückgeblieben war. Der Bal Schein nahm am Sabbathe den Besuch der Angesehenste» aus der Gemeinde an. Die Unterhaltung mit ihm war ziemlich erschwert, da er an diesem Tage sich nur der heilige» Sprache bediente. Doch verstand man, daß er den Charakter und die Fröminigkeit des Eantors prieß und nunmehr auch durch höhere Engel über den gestrigen Vorfall genauer unterrichtet sei. Der Cantvr habe nämlich in seinem Morgengebete eine wichtige Stelle übersprungen, und dieses Vergehen bösen Geistern Macht über seinen Geist und seine Zunge gegeben, Cr setzte hinzu, daß er, da er den Cantvr als einen brave» Mann kenne, schon gestern so etwas verinuthet und wohl gar geäußert habe. Wirklich erinnerten sich auch der Wirth und der Schulmeister einer solchen Aeußcrung, die jetzt bewies, um wie viel tiefer dieser Wunderthäter in den geheimen Zusammenhang der Begebenheit eindrang als selbst die gewöhnlichen Engel.