Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 16 auf das Jahr 5618 (1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 55)
- Language
- German
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5s' den Kopf voll von den ausgesuchtesten Ränken; an vielen Orten aber ist cs ihm dennoch mißlangen. Man hat seine Spitzbübereien entdeckt und ihn mit Schimpf und Schande fortgejagt." „Ihr gebet dem Manne ein übles Zeugniß," sagte der Wirth verstimmt, „ein übleres, als er um euch verdient, denn als ich ihm euren Namen nannte, hat er euch höchlich gerühmt." „Er sott dafür bedankt sein!" spottete der Eantor. „Das ist was Rechtes. Ich bedarf wohl seines Lobes? Nein, Gottlob! Wenn ich singe, so weiß Jeder, woran er mit mir ist. Ein Eantor kann, selbst wenn er wollte, Niemanden hintcrgehcn, der gesunde Ohren hat, und es ist erst nicht nöthig, daß ein Landläufer hcrkömmt, um euch meinen Gesang anzuprcisen. Aber wer sich kabbalistischer Kenntnisse und Kräfte rühmt, ist freilich sicher, nicht sobald Jemanden zu finden, der ihn prüfen kann. Das weiß auch jener Spitzbube recht gut, und darauf gründet sich seine unverschämte Frechheit. Liebe Freunde! Hört auf meine Warnung! Laßt euch mit diesem Schuft nicht ein." Mit diesen Worten entfernte sich der Eantor und ließ die Gesellschaft in ziemlicher Aufregung zurück. Besonders machte sich der Schulmeister durch rin heftiges Schimpfen auf den Fremden breit. „Ich lasse mich nicht so leicht hinter das Licht führen," schrie er, höhnisch den Greis anblickcnd, der ihm vorhin sein Benehmen verwiesen hatte. „Habe ich nicht gleich erklärt, daß der Mensch ein- Betrüger ist?" „Wozu der Lärm?" rief der Wirth mißmuthig. „Mich überzeuget ihr nun einmal nicht. Wer weiß denn, ob die Aussage des Cantors Vertrauen verdient. Seine Warnung wenigstens war ganz überflüssig, denn der Fremde will hier nicht als Wunderthäter wirken, nur still für sich den Sabbath zubringcn. Auf keinen Fall also hat er die Absicht, uns zu täuschen, und was anderswo vvrgcgangen sein soll, und doch »och gar nicht erwiesen ist, kümmert uns nicht." „Ei, wen» ihr es so nehmet, kann ich euch nicht Unrecht geben," sagte der Lehrer. „Will der Mann sich hier ruhig verhalten, so habe ich nichts gegen ihn und mag ihm auch nicht eure gute Meinung rauben. Aber ihr konntet mir einen