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Jahrbuch für Israeliten · 1857-01-01 · 16 auf das Jahr 5618 (1858) · p. Seite 37

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Journal
Jahrbuch für Israeliten
Volume
16 auf das Jahr 5618 (1858)
Date
1857-01-01
Page
Seite 37 (sequence 37)
Language
German
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37 die Judengasse, Mord, Brand, Austreibung der Juden spielen in den Chroniken der Vorzeit eine große Rolle. Vergleicht man mit der Vergangenheit die Gegenwart, so finden wir einen bedeutenden Theil der Intelligenz und des Wohlstandes der Stadt im Besitz der jüdischen Bevölkerung. Durch humane Gesetze, den Geist der Milde und Duldung, die sich mit dem Fortschreitcn der Bildung allmählig über die christliche Bürgerschaft verbreiteten, sind aus den Nachkommen jener verachteten Bewohner des Judenguartiers unternehmende Kaufleute und F-abrikhcrrcn, achtbare Gelehrte und Künstler geworden, die durch eine Menge gemeinnütziger Anstalten für die Zwecke der religiösen und allgemeinen Bildung, für Kranke und Arme beweisen, daß in den langen Jahren des Drucks Gemcinsinn und Wohlthätigkeit nicht untergegangen sind. Der Rückblick in die Vorzeit scheint nicht ohne Nutzen, wenn man nicht blvs den Fortschritt der Juden, sondern auch der Christen erkennen will. Höchst charakteristisch scheint eine Eiurichlung des 10. Jahrhunderts, die wir „Schudt's jüdischen Denkwürdigkeiten und Frankfurter Judcnchromk" entnehmen. Sie zeigt, wie den damaligen Vätern der Stadt bei einer heute kaum glaublichen rohen Untcrdrückungssucht ein gewisser boshafter Humor eigen war, der sich nicht bedenkt, in ungerechter Willkühr die Neugier eines Juden mit einem Aderlaß seiner Kasse zu bestrafen, doch aber wieder mit so viel Stolz und Chrgefühl verbunden ist, um es anständig zu finden, Paß der Stadtscckel durch das abgepreßte Judengeld bereichert werden soll. Zu Anfang des 16. Jahrhunderts saß regelmäßig in einem dazu aufgebautcn Häuschen auf der Frankfurter Mainbrücke ein Beamter des Raths, mit Austhcilung des Nattenpfcnnigs beauftragt: Von Zeit zu Zeit erschienen nämlich vor diesem seltsamen Forum Kinder oder Arme, erbeutete Ratten abliefernd. Von Seiten des Angestellten wurde den Thicren sofort der Schwanz abgehauen, die cnglisirte Ratte selbst in den Main geworfen und den Ueberbringern baar und richtig ein Pfennig ausgezahlt. Mit diesem Nattenpfcnnig hatte es folgende Bewandniß: „Es hat im Jahr 1498 der junge Landgraf Wilhelm „zu Hessen mit des Pfalzgrafen Philipp Tochter unter großer

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