Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 16 auf das Jahr 5618 (1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 31)
- Language
- German
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31 auszahlen zu lasten, welche ihnen von Rothschild ausgesetzt waren, um die nöthigen Vorbereitungen für das bevorstehende Osterfest treffen zu können. Er erhob das Geld, verwendete es aber nicht zu dem bestimmten Zwecke, sondern zum Trunk und Spiel. Den vielfachen Aufforderungen seiner Frau, die Erhebung der Gelder nicht länger anstehen zu lassen, suchte er so lange auszuweichen, bis sie ihm endlich drohte, selbst zu Rothschild zu gehen, um diese Sache zu erledigen. Gedrängt zwischen Furcht vor den gerechten Vorwürfen seiner Frau, wenn sie die Wahrheit erführe und der Scham vor seinem wohlthätigen Freunde, wenn er genöthigt sei, diesem sein Unrecht nun zu gestehen, entschied er sich für das Letztere unter dem Vorwände, erhübe das Geld bei einem mißlungenen Geschäfte eingebüßt. Rothschild mochte wohl als ein tüchtiger Menschenkenner den wahren Sachverhalt ahnen; aber als eben ein so großer Menschenfreund wollte er die Familie seines Freundes nicht um dessen Fehler willen leiden lassen. Er gab ihm den Betrag zum zweiten Male, mit dem wohlgemeinten Rath, denselben doch nun gleich zu seiner Bestimmung zu verwenden. Allein dieser vergaß schnell die Warnung seines Freundes und verschwendete das Geld zum zweiten Male. Seine Frau, entschlossen, die Vorbereitungen zum Osterfeste nicht länger anstehen zu lassen, begibt sich eines frühen Morgens zu Rothschild. Bei ihrem Eintreten ruft er ihr freundlich entgegen: Friede sei mit Euch, Frau Meier! Ihr kommt wegen der Ostergelder! Setzt Euch nur einen Augenblick; ich will sic Euch gleich bringen! Er geht in das Nebenzimmer, holt die Summe und überreicht sic ihr mit den Worten: „Gebraucht es in Freuden mit Eurer Familie! Mit Euch sei Frieden! Nehmt das Geleite!" — und führt sie bis an die Treppe. Zu Hause erzählte sic ihrem Manne den Vorgang, wie freundlich Rothschild sie empfangen und das Geld ihr gegeben habe. Meier war vernichtet und wich Rothschild aus wo er immer konnte, weil er glaubte, vor Scham in die Erde sinken zu müssen, sobald er ihn nur sah. Ter edle Rothschild bemerkte dies alles, aber er ließ es geschehen, weil er Meier nicht kränken wollte. Als endlich