Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 16 auf das Jahr 5618 (1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
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28 zu Dillenbnrg und Herr vr. meil. Herz zum Mcdicinal-AssistcnteN i» Hochhcim ernannt worden. AnsWcilburg (im Rassauischen) wird folgendes Pröbchen geistlicher Undn ldsamkcit im Dorsbarbier niilgcthcilt. Ein aller Soldat war daselbst gestorben und die Garnison rückte in Parade auch um dem allen Kameraden das letzte Geleit zu geben. Der katholische Orts- Prediger hielt eine Grabrede, die große Entrüstung erregte; nachdem cr nämlich den Entschlafenen glücklich gepriesen hatte, dag er als guter katholischer Christ gestorben und nun im Himmel sei, fügte cr bedauernd hinzu, „in welcher schrecklichen Lage sich die Inden, sowie die getanf- I e n und n n g e t a n s t c n H ciden aus dem Sterbebett befinden mußten, wenn sic sich vergegenwärtigten, daß ihnen der Himmel nicht beschicden sei. Das Weltbürger Publikum war nun in der Logik so weit, daß es bcranSbrachte, nach der Meinung des christlichen Redners konnten Juden und Protestanten nicht in den Himmel kommen. Aber ein christlicher Hauptmann steckte die Sache nicht so ruhig in die Tasche. Tags darauf hielt er vor seiner Kompagnie, die cr gestern ans den Kirchhof geführt, auch eine Rede. Er ries einen in der Kompagnie befindlichen Inden vor, gab Befchl, daö „Handbuch für den Unterricht der Soldaten in Nassau" hcrbeizuholen und las den 8- 18 daraus vor: „Der Soldat soll sich eines religiösen Lebenswandels befleißigen, aber sich mit seinen Kameraden verschiedener Consessioncn des Glaubens wcgcn nicht entzweien; Spöttereien über religiöse Gebräuche dürfen nicht Vorkommen." Er sprach dann mit lauter Stimme: „Ich habe Euch diese Steile des Gesetzes vorgelesen, weil gestern der Psarrer auf dem Kirchhof gesagt hat: d,ic Juden kamen nicht in den Himmel. Keiner erlaube sich, den Inden N. der Kompagnie wegen seiner Religion zu verspotten, oder ihm zu sagen, er käme nicht in den Himmel. — Wer sich das untersteht , der crhä t vier Lage scharfen Arrest, mag's auch der Psarrer gesagt haben." Zn dem ior. Soldaten sprach cr: „Sic kommen in den Himmel, wenn Sie ordentlich und brav bleiben. Dem Schurken aber bleibt der Himmel verschlossen, welch Standes und Glaubens cr auch sei!" Die ganze Kompagnie gestand sich, daß die Rede ihres Hanptmanns ans dem Kascrncnhose mehr Glauben gefunden, als die des Pfarrers ans dem Kirchhofe. Drohen Mnthcs aber war bcscnders dct Jude und meinte, seine Religion sage dasselbe, wie die seines Herrn Hanplmanns. In Belgien erhielt der Rabbiner Dr. Locb in Veranlassung des 2i>jährigen Regirrungosestes des Königs den Lropoldsordcn; auch wurde derselbe zu dem Mahle, das die Kammern dem Könige gaben, ringelnde» und bekam seinen Platz an der Lasel der Bischöfe. In der S ch wei; gestalten sich die Verhältnisse der Inden bedeutend besser, als früher. — 'Die Verfasjnngsnrknnde batte nur die Bekenner der christlichen Konfessionen gleichgestellt. Der Führer der Liberalen Genf's, Ja m cs Fa zu, drang daraus, daß in dem §. das Wort „christlich" gestrichen würde; aber der wackere Mann könnte mit all seiner Energie nicht dnrchdrillgen. Die Schweizer fürchteten nicht bloß von den Juden ans dem benachbarten Elsaß überflutet zu werden, sondern auch, den cingebornen Inden, die bei ihren Mitbürgern in der erfreulichsten Achtung stehen, ans diese Weise Schaden znzufügcn. Me Regierung des