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Der Israelit · 1906-12-27 · 52 (27.12.1906) · p. Seite 14

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
52 (27.12.1906)
Date
1906-12-27
Page
Seite 14 (sequence 13)
Language
German
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Lette 14 Nr 50. war, ihm kauin mehr als das Äleph Bes bei* bringen, an ein richtiges Lesen und gar ein Uebersetzen unserer heiligsten Gebete nun׳ nicht zu denken. So ist er ausgewachsen in einem außerjüdischen Baucnihanse; was blieb uns übrig, um ihm sei» bischen Iüdischkeir zu erhalten oder beizubriugcn, als daß er jede Nacht, ivenn in seinem Aufenthaltsorte alles schlief, zu mir ge schlichen kam und da beten lernte und mit seiner Schwester zusammen die gewöhnlichen Gebete bei mir verdeutschte, die Siddra jede Woche und den Zeeuo Urenno dazu leiente- Mendel, und du konntest wirklich glauben — —״ Weiter konnte fte nicht sprechen, denn ihr Mann siel, alle Ehrfurcht und Rücksicht vor den beiden anwesenden Nabbinern vergesiend, seinem wackeren Weibe um den Hals. ״Ettel, sei mauchel!" rief er einmal über daS andere mal; mehr konnte er nicht Hervorbringen. Der Baal Schein gab seinen Assessorc.t ein leiseS Zeichen und beide entfernten sich unbemerkt aus dem Zimmer, um das Glück der beiden Gatten nicht zu ftöi cn, die hier statt sich zu scheiden, ihre Wiedervereinigung aus'S neue gesunden hatten. ״Neb Wolf, jetzt könnt Ihr gehen," sagte lächelnd auf dem Flur der Baal-Schem zu seinem Assessor, ״mit dem Get hat'S keine Eilemeint Ihr nicht auch? Eure Leute werden nicht wissen, wo Ihr bleibt und Ihr habt ihnen doch diesmal was schönes mitzubriugen, die Peilen Eurer Tochter, die Neb Sander Goldstickcr Euch von Koblenz extra hierhergebracht hat." ״Nabbi," entgegnete der Angeredete, ״ich gehe nicht fort, bis Ihr mir zn׳ei Frageil beantwortet habtdarf ich sie Euch vorlegen?" ״Gewiß, wenn ich sie beantworten kann, warum nichts" . Ser Rabbi har doch hewe Morgen noch gar nichts von den vierhundert Gulden gehabt, wieso ivar es dem Rabbi so sicher, dass das Geld!׳echtzeitig da sein wird?" ״Das iü ganz einfach lind daS wißt Ihr so gut wie ich selber. Ich habe mir alle Mühe gegeben, uni daS Geld zu bekommen, ich habe nach Frankfurt deshalb geschrieben und an einige gute Fleunde an andern Orten. Dadurch, daß die Hochzeit trüber stattsinden kann, als ivir beide glaubten, ist das Geld wofür ich mich bemüht habe, noch nicht da. Aber da der Weiseste der Weiten und seine großen Erklärer, unsere Weisen des Talmud, sagen, daß wer wirtlich Zedoko zu geben benrebt in. daß der auch die Mittel dazu findet, so war ich deshalb ganz außer Sorge. Daß das Geld von Koblenz kommen tvlrd, das wußte ich nicht, aber daß es sicher eimrifst, das kann doch keinem ein Zweifel sein, der die Gcmoro un crüen Perek von Bobo Basro kennt, und die Hab! Ihr doch so gut im Kopf wie ich." Fortsetzung folgt. Dämon und Pljintias in der Iudengnsse. Bon Arthur Kahn. Nachdruck onbotm. Lunbacher behauptete, es lväre leicht möglich, daß zufällig aus seiner Heimat Jemand in der Stadt fein lind ihm begegnen könnte. Als der armgeivordeiie, vom Gesetz verfolgte Mann, solle ihtn Niemand ins Gesicht sehen. Ailch seine Kleider seien zu schlecht, um sich am helllichte» Dag darin blicken zil lassen. Das war zwar nicht ganz ivahr, aber Bemi glaubte es bald selber. So!ebten Bater u d Tochter ein zurückge zogeues, bescheidenem Leben. Bemi hatte, seitdem 1>e vom llntcrrichicrteilcn den Lebcnslintcrhalt benritt, maitche bittere Enttäuschung und znivcilcn auch Kränkungen erfahren. Die Sache war doch!licht so lichtvoll, wie es im Altfang schien, wo sie noch den Ra, der Neuheit hatte Bertli batte sendenl oft die Bitternis der Abhängigkeit kennen gelernt lind manche Demükiguilg erfahren. die ihr häung Tränen ausgepreßl Harken. Mit s rschenden, ängstlichen Blicken sab ihr der Barer, ,venn ne Der FSraelit. nach Haufe kam, in das blasse, verstörte Antlitz und. die vom Weinen noch geröteten Augen. Dann sank die gebeugte blestalt des Greises noch mehr zusammen und seine Lippen bewegten sich wie im Gespräche mit sich selber. Stumm sah er dann zu Boden und schielt mit seinen Gedanken in weiter Ferne zu weilen. ,/Warum hast du geweint, mein Kind?" frng er in klagendem Toll. ״Ich weiß, ich weiß, ach und lveh, wenn man von der Gunst der Meilschen abhängt. Nlln erzähl' deinem alten Bater, erzähl' mein Kind, was war's'"" Betty versuchte dann zu lächeln - aber das heiterte Limbacher nicht auf. Sie machte jetzt, wenn ihr etwas Unangenehmes widerfahren lvar, nicht selten weite Umwege beim Nachhansegeheu, bis die Spuren der Erregung von ihrem Antlitz verwischt lvaren. Meist am Vormittag, wenn sie ansgegangen war, kam ihr Onkel ans kurze Zeit zu Besuch. Seine Gattin kam nllr Abends in der Dämmeruug einmal in der Woche, öfter auch noch seltener, stets in Begleitung ihres Mallnes. Sie kontrollierte seine Ausgänge, wie sie ihll über- Haupt ganz beherrschte. Seit seiner Verheiratung fchwärzte er seinen Bart nicht mehr, sie hatte daS schon vor der Heirat bemerkt und sagte ihm eines Tages sarkastisch, er habe es jetzt nicht mehr nötig. Er nahm ihre versteckten Bosheiten schweigend hin — er ward ein philosophisch gestimmter Ehemann, was Männer, die sich glücklich fühlen, nie sind. Draußen lvar es gegen Borniittag etwas wärmer geworden- Limbacher empfand es aber nicht und legte immer von Neuem Kohlen an. Es war ilnn zur Gelvohnheit geworden, immer am Jener zu schürender Oien war jetzt, >vie er sagte, sein bester Freund. Der Schlvager lvar ivieder einmal, wie öfter, deS Vormittags gekommen. Gerade war Limbacher wieder damit beschäftigt, von seinem Sessel ans mir dem Schürhaken im Kohienfeuer herum znstochern. Er wandte, ohne in dieser Beschästignng anfznhören, sein Gesicht halb zllm Schlvager, dessen Gruß erwidernd. Diesem kam das Gesicht Limbachers eigentümlich glänzend gedunsen im Schein des Feuers vor und er blickte prüfend zu ihm hinüber. ״Ist's!licht merkivürdig," eröffnete Limbacher die Unterhaltung, ״daß ich jetzt so oft an Rosensteiil denken innp? Wo der jetzt stecken mag?" Er schivieg und blickte wieder auf dcil roten Schein, den das Zugtürchen und der Ascheilbehältcr des eisernen Ofens auf den Zimmer baden zeichneten. Den Schlvager berührte es offenbar peinlich, daß Limbacher gegenwärtig nur an n oscnstein dachte und!licht an Gllstav, der in einigeil Wochen, spätestens in zwei Monaten znrückkehrcn solltezum ersteilinale lvieder seit jener verhängnisvollen Lrcniiullg linter dem Zivange der traurigen Berhältnine von damals. Bor noch nicht langer Zeit hatte Limbacher geklagt, die Sehnsucht nach seinem Sohne mache ihn krank. Aber die Macht des Alters und der Schicksale hatten ihn dennoch nicht zu einem Eiltschlnß komnicu lassen, sich mit dem Sohne jenseits der Grenzen zu treffen. -Er fürchtete noch immer, obgleich dazu die Ursache jetzt fort- «wiallen war, von der Polizei ergriffen zu werden. Dieser Gedanke spann sich zuweilen zlir fixen Idee ans, von der er dann tagelailg nicht frei werden konnte. Und jetzt, wo feine Gedanken wochenlang sich mit Gustav beschäftigt hatten, kam er plötzlich auf Roseiifteiu zu sprechen. Endlich waren, dank Leligs Bemühungen, nach und nach alle Hindernistc beseitigt, die Gustavs Rückkehr zu seinen Angehörigen so lange verhindert hatten. Der gegen ihn erlassene Steck bries lvar zurückgezogen, da die Gläubiger mit Bettps Geld befriedigt worden waren Er konnte znrückkehrcn und konnte jetzt lvieder einen Paß, ohne den er in Deutschland nicht reisen und da her arich keine Stellung erlangen konnte, von der Behörde erhalten. DaS waren die schönen, guten 27. Dezember 1906 alten Zeiten, lvo der wackere Deutsche, bevoH an einem fremden Orr seines Vaterlandes Ge schäfte machen durfte, erst aufs Polizeiamt gehen, feilten Paß, Gewerbeschein, oft auch noch den HeimatS- und Geburtsschein schön ausbreiten, Rede lilld Antlvort stehen nmßte, und dann em Kunden besuchen durfte. Gustav hatte eine gute Stelle in Brüssel gesunden und wünschte, daß Bater und Schwester ihm dahin folgen sollten. Davon wollten aber Limbacher nichts wissen. Gustav solle vorerst nach Deutschland znrückkommen. ״Er braucht vor seinem Onkel und dem fremden Frauenzimmer" — womit er dessen Frau meinte, — ״nicht znrückznweichen." Betty suchte dies dem Vater auszureden,- dann wurde er heftig und erklärte, er lasse sich nicht in der Welt herumschleppen, und wenn er sterben sollte, wolle er ״zu Hause" begraben werden, wo seit mehr als hundert Jahren alle Limbachers beisammen ruhten. Betty begleitete den Onkel an die Hanstüre. Es war feuchtes, naßkaltes Wetter und cs fegte unfreundlich durch den Hausstur. Der Onkel war zögernd stehen geblieben, als wolle er noch etwas Wichtiges sagen. Er besann sich einige Augenblicke, reichte der Nichte, die ihn erwartungsvoll ansah, die Hand und wollte gehen. ״Hast Dir mir was zu sagen, Onkel?" frng sie forschend. ,/Nein, doch nicht", antwortete er wie zerstreut llnd ging, nachdem er wieder zögernd stehen geblieben, nach Hanse. ״Ob das nicht Wassersucht ist?" murmelte er leise und mit einem Anflug von Besorgnis vor sich hin. Ohne des Wetters und der Grüße der ihm Begegnenden zu achten, ging er mit zu Boden gesenkten Blicken durch die Anlagen. Bettys Zukunft beschäftigte ihn seit langer Zeit wieder einmal, diesmal aber ernstlicher wie früher. Lim bacher war doch nur noch ein Schatten gegen früher. Er graulte sich sehr und ertrug auch die tausend kleinen Entbehrungen, die seine jetzige Lage ihm anferlegte, nur schwer. Man mußte mit der Möglichkeit seines baldigen Todes rechnen. Was dann ans dem Mädchen werden sollte? Heiraten, natürlich. Betty war doch eine auf fallend schöne Erscheinungdie mußte doch ihr Glück leicht machen können. Aber auch das schönste Mädchen erscheint nicht begehrenswert, wenn es kein Geld hat, lind wahrscheinlich, so bald es anging, lvieder den frühern Luxus nch angewöhnen würde. Zn sich nehmen ins Haus konnte er die Nichte ailch nichtseine Frau hätte es nie zugegeben, zumal sie dem Mädchen gegen über stets eine versteckte Feindseligkeit, die dem Onkel nicht entgangen war, hegte. Auch wäre Betty nicht zum zweitenmale zu ihm zlirückgckehrt. Also mußte er eine Mitgift besorgen, denn allein konnte Betty nicht bleiben. Aber vielleicht konnte Süc den Reklamenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist es ausschliesslich Lache der Leser, die im Reklameteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgcsetzlicheu Charakters aus ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. Kaiser Friedrich Quelle (vUfi) - Offenbach a. X. -- <;ojCen tilrht u. KhenmatUmn« bewahrt. Aber Bubi, warum weinst dn denn so? Meine Mutter — huhu — hat mit sechs KayS ächte Lodener Mineral-Pastillen mirgegeben — huhu — und die Hab' ich verloten. Und wenn ich mich nun crkälle. — — Na, Junge, deshalb brauchst du noch mchl zu weinen. Fays ächte Lodener Hab ich iurmcr bei mit, die kann ich gar nicht entbehien. Da hast du sechs andere, und nun sei vergnügt. Kar:» ächte SodenerMineral» '1 «stillen losten nur 8>'> Pg die Schachtet und sind überall zu haben. SioiHuid Singer, frankfart a. tt..” -Stoffe für Audi• s-L Paletot» billigst --

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