Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 51 (20.12.1906)
- Date
- 1906-12-20
- Page
- Seite 4 (sequence 5)
- Language
- German
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*t. LI. Sette 4__ anderen Menschen, (Rbt es einen erschüttern deren Beweis für das Bestehen einer 'mensch lichen Willensfreiheit, als d s Beispiel Lassalles, der nicht mir ein qroßcr soziald mokratischer Bolksanswiecsier, sondern der größten Hilden (kiner hätte werden können, wenn er eben hätte wollen'/ 'Wie viele!vollen »nd können nicht, w e viele können und wollen nicht. Bielleicht hat noch kein Jahrhundert wie das vorige so viel Talente hervorqcbracht, die berufen waren, das ^׳.:d?::t:!m tn 'oolui ^nleiichiling dein enropäi'che» Kulturkreise zu präsentieren und die ihre Mission so wenig > egriffen, das, sie das Znden tliin nicht nur nicht zu Ehren gebracht, sondern sich wunder wie vornehin dunklen, wenn sie mit stillschweigendem Achselzucken ihrn den?lücken wandten, '?licht nur ׳£׳ אדמתנו לזרים, sondern auch כחנו לנכיים. Das ist der schmerzlichste int Eharaktcrbilde dieser so vielgepriesenen ^cii. Wäre Vaifnllc der große Zn de gew.sen, ivie er der große Bolksverriihrer ivar, sein ganzes 'Wesen, sein ganzes Leben wäre in eine andere Richtung geraten. Er iväre seiner, edler, nim־' pathischer gewesen. Leine ungezügelte Wi dheit hätte sich in einen stillglühenden, a er auch nie erkaltenden E»th»lüas»1l1s ansgelöst und wo ivir heute prasselndes Zcuer bc,v Indern, das nur allzu früh erlosch, läge ein gleichmäßig schla endes | Herz, das mit seiner l'iebe eine ganze Welt nm , schlösse,?licht mit Heraklit, dem ruh losen! Tänion, mit Sokrates oder gar mit Moses ver j gliche ihn heme der geschichtliche Uebeischivang! der Rachwc.t, Sv aber schwankt sein Bild in unserem?ln! gedenken. Ung sähe drei Zahrc hatte er seine \ Arbeiter in eine unerhörte Erregung verlebt, j hatte mit der?lnsstelluiig des ehernen Lohngesetzes,! seinem dialektischen Feldzüge gegen Schnitze! De itzsch, seiner Gründnng des Ärbeiteivereins! die innerpolitische 'Wett rsahne Deutschlands in die heftigste Unruhe gebracht, dann meinte der j Unglückliche, er habe genug geleistet und endete durch einen Pistole! schuß, den er im Zweikampf erhielt. Wegen eines Liebcsbandels. Tot, maus tot infolge tines Liebesromans. Und dieser scharfe Logiker sah nicht, ivie unlogisch imd ver rückt dieser Pistolenschuß war.?schiele sich selbst so gering, daß er die Menschheit, für die er gesendet war, nicht bedachte, als er sich der Gefahr des Todes auszusetzen beschloß Uebergab de» Berein, j den er kaum gegründet, seinem Schicksale imd »var , so leichtfertig wenig selbstbewußt, nicht zu wisse»,! daß es für Männer aus solchem Hol; Erlab so leicht nicht gibt. Hakte in die schwerste» Rätsel dieser Welt ein zudringen versucht, war nicht nur Sozialist, svuderu Philosoph, Welt und Menschen- . enors l er uild ivußte die erste aller Mensche»-! Der Israel». tugenden nicht, daß der Mensch vor allem sich selbst zu achten und zu beschüben habe, ehe er zur Ergründliug weiterer fragen sich berufen fühlen könne, daß ein Liebeshandel ein viel zu unbedeutendes Ereignis sei, daß daran Männer seines Schlages ungestraft verbluten dürsten. Effektvoller konnte Vatfaüe nicht dokumentieren, daß er als ein seiner jüdischen Wiege Ent sremdeter durchs Vebeit ging und aus dem Leben schied, als indem er seine Brnst der Kugel seines (Gegners bot.?licht nur in der?lrt des wissenschastlichen Denkens zeigt sich so die Ent sreindlliig des Assimilationsjiiden.?licht mir in der Gleichgültigkeit und Feindseligkeit, die er seinem Stammhaus entgegenbringl, nicht nur in seine», gesellschaft ichen Berhalten im Gewoge des sozialen und geschäftlichen 'Berkens. Sondern vor allem in den Znstiiikleu seiner allgemein menschlichen Moraliiüt. Zn beider Hinsicht ist Lassalle das typische 'Beispiel. Religiöse Erziehung in Ulürttemberg.; ׳ Fortsetzung j n.;?lach dieser Schilderung der Anstände in Stadt und Land müssen wir aus die Schul- und Erziehnngsverhnltiiisse eingehen.?luch hier in »vieder ein Unterschied zwischen Dorf und Stadt resp. den ״Stammgemeinden" und den im Laufe des vorigen Jahrhunderts allmählich durch liebersiedelnng und Zuzug entstandenen Stadtgeineinden zu machen, Zn den ״Stainmgemeinden" entstanden ans?lurcgnng und 'Befehl der Regierung schon im ersten Biertel des vorigen Jahrhunderts israelitische Bolksschnlen, deren Unterhaltung der betr. israelitischen Gemeinde oblag. Wa diese nicht im Stande die Schullaiten zu tragen, so hatten die isr Schn kinder die allgemeine!Drtsschule zu besuchen, den?leligions Unterricht einpsingen sie von einem isr. Lehrer, den die Ge meinde zu ttellen halte, Zn isr. Gemeinden, welche mindestens f»U Mitglieder zählte, ivelche Ltenern an die politische Gemeinde zahlten, hatte nild bat noch heute bi ic leb orc die Pflicht, die isr. Bolksschnle;» unterhalten n»d das Grundgehalt des Lehrers zu bezahlen Durch das Prinzip der Konfessionsschule, das in Württem bcrg von jeher und noch bis heute herrscht, kam es ali'o, daß jede Gemeinde, die nicht ganz nn bedeutend ivar, ihr? eigeile isr. ׳Bolksschnle besaß, llnd ich glaube, daß dieser llmftattb mächtig dazu beigetragen hat, daß auf dem Lande und in den jeiiigen Städten, ivo ״Staliimgeineinden" sind, Sv. Dezember t9« der Zusammenhalt unter den Zucen ״״,, der Geist des Judentums das praktisch religiöse vebrn ganz anders und viel lebenskräftiger floriert.'als in den neiigegründeten Stadtgemeinden. ,^,.?!!>ch hätten auch diese das Recht, jüdische Bolks!chulen zu errichten, ja sogar da, wa, ,vie gesagt, t;1( Steuer,;all r sich befinden, aus Kosten der die Errichtung einer Konfessionsschule ner langen, aber die Israeliten in der Stadt einerseits ausnahmslos ihre Kiilder in die höhere» Schnleit (Realunb Töchterschulen,, soda» ein Bedürfnis für eine isr. Bolksschnle nicht ermim, andererseits verwerfen sie isr. 'Bolksschnle״ da sie das Heil für ihre Kinder von dem möglichst intensiven 'Berkehre mit ben Ebristen erwarten. Und doch iväre auch in d׳n Städten?!'am׳,, ״,!- jüdische Schulen. Es könilten ja die Kultus Gemeinden Schulen für die ersten oder 4 Schuljahre errichten »nd diese Klassen so ausballen, daß sie als Borschulen, sowohl für Real- und Ghmnasialanstalten als auch für höhere Töchterschulen dienten. Es könnten ans diese Weise unsere Kinder wenigsiens bis zu ihrem!0. Lebensjahre der jüdischen?ltinosphäre erhalten bleibeil und damit wäre schon sehr viel geivciiiie». Dieser?Vorschlag tväre von großem 'Borteil mein alleiit für die Kinder und das Judentum, sonder» ailch für die Bolksschnllehrer, die dadurch Aus sicht ans sehr günstiges?lvaiicement hätten.?.Möchten sie darum doch diesem Ziele?lnsmerk samkeit und iverbeilde ׳Arbeit znivendeu! Da wir nun bei ben Städten einmal an ge kommeil sind, so wollen wir die Erziehung zur?Religion in denselben schildern. Zn der ,yamilic selb», besonders wenn sie schon lange Zahre in der S'adt ailsässig ist, sieht das Kind satt gar nichts Religiöses vor sich Der Sabbat und die isr. Zeiertrage iverdcn nicht mehr ge halten, lind bamit entfällt natürlich alles religiöse Lebe» im Hailse, ivie tägliches 'Beten n. a. 1». Die Speisegesetze »verden in derHansh.iltnng auch nur mangelhaft beobachtet, in vielen Küchen läßt man ab, das Zleisch ״koscher" zu machen, so daß es also ganz nnjüdi'ch int Hanse zngebt. Tas Kind ist die 'Woche über in der?ieal oder Töchterschtile sehr angestrengt und hört dort sehr selten etwas Gutes von Zuden und Zndennim. Und tveiln es auch?—4 Stunden Unterricht in der Relicsions'chule erhält, so kann dieser nicht viel nützen. Eiitinal reicht die Zeit nicht aus für die vielen nnb außerorden lid) schwierigen Zäckier wie Hebräi rfjlefen. Gebet »nd Tboraübersetzeil,?biblische Geschick) c und?ieligionslehre Des lveiteren muß der Unterricht zu wenig ge eigneten Zeiten angesetzt werden, da denn das Kind schon müde und unmutig über die besondere 'Be׳ last mg ist, welche ihiil als Znden zugemntet wird. Ucberdies muß matt, durch Zeit und Um- Sinn dieser? elonung berausgrnmden hätte. iShnic griff dirte Wendung drs t^rspracti» den» Sckopi und nirnnr! ״Zch krnnc EhaskelS Uran ganz gut, sir ist wirklich rinr drkowedr Irau aber mit drr Kowed in s doch rmr rigrnr Sache, liniere Ü()d(h01nim sagt»! En kvwrd rlo Tl^iuro, das GeUendmachen unterer (iUre dar nur rinrn Sinn, wenn eS für dir Tdora geschiedt. Wenn!emand srübrr rin A»! Hoorez war und ist >etzi r>n Talmid Edockoni grwordrn, so dm rr Anspruch mit Ebre Wenn irinand rm Talnnd tLdochoin war, rr dal adcr srinr Kcnnmis drr Idora vrrlorrn und in rm Am poorcz grwordrn!!י bat rr Ursachc sich zii schamrn. Isir sich adrr tsdaskrl Trilling und Urau zu schamrn drauchcn, wrnn ür nichts als i^irld vrrlorrn baden, das vrrnrdr ich nicht Tas kann dock icdrn Tag!rdrin odne srin Brrschuldcn paisirrrn ״ Als dir ktugr Lvrrchrrw merfte. wir wodl dies,׳ Ardrn idrcr sricundin iairn, ging ne noch tiefer aus den i'irgknstand rm, indem sie fuitfuhr: ״Wrnn ich dir Lacke rickug überlege, nirmr ich uninrr,!c incbr man an i'irtd und (Hut dangl. desto drdcnkilchrr münir rmrm drr Nnchiuin und desto achiungswrner inüiir eurem dir Arinul rrschrmrn. Tlr isdachvinmi sagen! Ls n'i rm Rad, das m drr Welt krenl, wer deulr oben sied!, n'i morgen umen lind umgrkrdrl, Trnk dir einmal, Tina, sas Moickol so rrchi durch, so muß man sich sagen! Bei dir'rin Wrlrlaui baden nur dirirnigen etwas zu verlieren, dir bu ch ldrrn Reichtum oben sind, denn ne kommen einmal >n dir Tiese. Zu gewinnen lxrben nur dlefenigen die durch ldre Armut untcn sieben, denn ür gelangen ,a bei diesem viang beS Wetrrads in die i'öbe,״ ״Wenn nian Tick bört," enlgegneie Tina Ullreick, ״soUle nian wirklich dir Arnirn brnribr» und die Rrickrn bemillkidrir. Tas kann koch Trine Ansicht > rchi im tsrrsre sein daß Tu de» Armen, der für beute Mriag mckrS da: um seinen!junger zu (film, dem Reichen der in Ueber üus: lebt votz'rkn ״Ich ver siechere Dir, Dma," erwiederi isd'ja, ״es ist mein voller Ernst und Dein Beispiel besiegelt mir noch diesen Ernst, Es ist wadr der Arme, der nichts dak um seinen Hunger zu stillen, ist übet dran, aber irg, ird cm guter Mensch, der dem Armen in den Weg kommt, kann itnn etwas gegen den Hunger geben, wie cs ja täglich vorkoinmi. Adcr wie unglücklich isr der Reiche, dem Brot und Kuchen, dein alle Leckerbissen der Welt zur Bcrsügung riehen, aber es sehll ihm das, was der Arme in Ueberslup besitzt Hunger, Appetit! Lein llederrlus! hat ihm de! Magen verdorben, seine Äeschäslr und Händel baden ibn nervös gemacht durch die fortwährende Aufregung ist er derzleidcnd, er kann nicht schlafen, er kann nichl essen, gibt 's eine größere Kioto als die des Rowi: Mit deuten Augen sollst du's sehen, aber davon erlon können sollst! du nicht! 'J■‘ 1 Eba!״." ries die Freundin begeistert, ״wober kommst , Tu zu all dieier Ebeckmo'/" ״Es ist nicht meine Ebochmo, liebe Tina״, auiwoneie Eba>a de'cheiden, ״ick bab's in Letorini geleieni und Hab s von anderen gedöri. Ten Äcdanken inn dem Tbclirad dab' ich einmal von einem großen Mann gedöri, daß er idn in dem Poßuk in Mischte gefunden bat! ״Reiche und Arme begegnen sich, daS hat Gort so geschaffen." Wenn sich zwei Leute begegnen, so gebt immer drr eine d״k:n, woher der andre kommt. Wenn sich in dieser Welt Arme , und Reiche begegnen, so kanns nichl anders seinDie Armen gehen dem Reickiuni, die Reichen geben der Armut enrgeaen. Wie selten vererben nch Reichrum und Arniut aus Kinder und gar aus Kindeskinder, wie osl werden die Rachkonnnrn der Reichen arm und die der Armen reich' Rein, die Armen haben vor uns Reichen zu viel voraus, al» das wir Ursache ballen in unserem bischen Geld un sere dückiste Kowed und tn seinem Berlust die größte Schande zu erblicken,״ Sagte kchon diele ganze Auseinandersetzung form! Dina Ullreich zu, so tat eS ihr doch besonders wobl da» ihre nrrundm, wenn sie mit ihr von den Reis en sprach, die Mehrzahl gebrauchte, also auch sie dazu zählte^ Und doch kam ihr das jetzl nicht gelegen, denn waS nc der ,Freundin schon die ganze Woche erzählen wollte, war eben daS Geständnis, da» sie nichts weniger als reich sei >a daß sie mir den Zbrigen bitteren Mangel leide, >sbr Ebrgrsühl, Zhre Ko»--׳d hatte cs nicht zugelaffen» sich her ,;reundin zu offenbaren. Jetzt aber sah fie selber ein, u׳te die wahre Ebre hier gar n chl ur Betracht koinnle, und ihre Freundin war es, die diese Umwertung ihres äurdegriffS zuwege gebracht batte ׳, jetzt konnte sie nck >dr viel freier und leichter offenbaren. ״Du zählst mich wobl auch unter die Reichen'/" trotte Dina mir einem wehmütigen lächeln. ״,ivie kann ich daS wissen'?" rntgegneie die Geiragie. ״Aber unter die Gescheiten habe ich Dick immer gezaair und wenn Du Mangel an Geld und Gut känest, obne e^ mir zu sagen, so müßte ich Dich unter die Narren rechnen. Cher bat Dir dir Kowed auch Deinen gesunden ernano verdreht und Dich zur Kowed-Närrin gemacht'/ ^»׳d »« doch einmal in die Augen!" . - ei diesen Worten stellte Eba!a ihr Esstgiöpichen ■י den Küchenschrank, ergriff beide Hände der )Freundin ui zog dieselbe ans neuster, indem ne ihr in die flf״ncu Augen schaute. Diese biclirn den Blick der Areundm »1« aus, ne senkten sich verschämt zu Boden, und zwei gro . dicke Tränen fielen aus EhojeS Hände. ״Wenn Du wüßtest was an diesen Händen ktevi^ r würdest ne rnisctzt fahren lasten," sprach sckluwzeno Urcundin, ,^asi Du eine halbe Stunde Zeit """י büren, so komme mit mir bincin in die Stube, niemand zu Hause und wir sind ungciiöri" Mtl diesen Worten machte sie ihre Hände von^ der Arrundin los und ging mit derselben in die ' Ehaja wußte!ryl, welche Hände das Holz aus bet ano 2eite der Mauer abgenommen batten.