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Der Israelit · 1906-11-08 · 45 (8.11.1906) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
45 (8.11.1906)
Date
1906-11-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Ein Centralorgan für das orthodoxe Jadentnm Bcgrflatfef m Or. Lekmii Io llkior 47. Jahrgang, Ess Sranhfurt a. M.. 3en 20.Ch”2an5667: M •*». Der Israelit erfcheinl irden Xoimcrftn«. Abonnements; liiewöhnlictie Ausgabe Mt. i..'a> virrtrtiäkrlidi. HeftauSaabe am Äunstdrilckpapiee Mt. i. nierieliährlnb. AuSla»h'.pre1>e für die gewöhnliche AnSgabe 1 ^esteneich ä Kr., Nnnland I Iin>>., England >>!.. Amerika .'»> <t.-., Niederlande l.S» 11.> Ahoiineinenthei asten Postanstalien, Bmlihandliingen. iowie direkt bei der r5xvedilio», venauSgabe nur direkt. Inserate: 30 Pfeinnge für die iechsge»׳al1e»e i!olonel.teile: Nahatl nach Tarif, ^nierateiiannahiiie mir durch vaa'tiistei» ». Bögler VI.׳(U. »> tfonto bei der M. H. Poftfparkaffe rtSien ■No.?:HiO.V ,'vvaiiffuvt a. M. und deren ,Filiale». («oneo bei dem M. Postfpnrkostrnnmt Budapest Bo. IKI4I Das Programm der französischen Regierung. Es ist ein erhebendes (Üefutjl, lvenn von der Ministerbank eines der hervorragendsten Paria lainente ans so goldene Worte gesprochen werden, ivie sie der neue französische Ministerpräsident in be zng ans das soziale Resormprogramm zuni Ausdruck gebracht hat. Wenn es auch nicht vom Ministerinm abhängt, alle Porsätze zu verwirklichen, so ״lvächst doch der Mensch mit seinen höheren Zwecken." Es wird die Begeisterung für die vor gesteckten Ziele, von der die Mitarbeiter des Eolleginins einmütig erfüllt sind, ihrer Arbeitskraft einen mächtigen Schwung verleihen, und die Erfolge iverden die Arbeitsfrendigkeit nur imnier steigerir. Ist doch der 'JÜhit zur ernsten Tat, der Entschlufl zur kühnen Berteidignng der ״zur Wahrheit strebenden Handhabung des Rechtes" durch die Tatsache allein gewährleistet, dag der von der Lüge verfolgte Ieind der listigen Gewalt ans den Schild gehoben ist und an hervorragender Stelle mitarbeitell darr an der Wikderherstellnng eines Staatskörpers, der vor den Angen der Welt eine krankhafte Eiterling, die das Lebensblnt zu zersetzen drohte, sich ansschnitt l,nd voll da ab immer mehr zn gesunden nnd zli erstarken scheint. In der Tat must uns Inden, die der Schuh immer zuerst drückt, ivenn er zu eng lvird, nnd die wir vo!r dem Geist der Thora nild ihren. Gesetzen, von den Reden der Propheten und ihrem Ringen her der! frischen Luftzug freier Regung iliid gleicher Würdigrmg gewohnt sind, die Ge dankenäuflerung des voll sreiheitlichstem, son schrittlichstem Geist getragenen Miniflerpräsiden ten Frankreichs besonders angenehm berühren. Glauben lvir doch das erste Morgenrot am polltischeii Horizont unfgehen zn sehen, ivenn lvir eine ״Politik der Gradheit" verkünden hören. Also soll fvirklich endlich der Rechtskoder der Allgemeinheit sich nicht mehr von dem des Individuums unter scheiden dürfen °? Soll gleiches Recht für alle anch gleiche Pflicht bedeuten? Soll im Schlangen fveg politischer Entwickelung die Zeit gekommen fein, wo erhabeil über allem verfliegeflden Rausch volksversührerischer Begeisterung das gleiche Recht und die gleiche Pflicht reale Grundlage realer Politik iverden kann v Wir »vollen es nicht Wort ichwall nennen, wie die Tageszeitungen die Einführungsrede der neuen Regierung wohl bezeichnet haben. Einen Iudenbeschützerzum Minister machen, ist eine Tat, die nur einem rückhaltlosen Wahrbeitsdiensf entspringen kann, vor dessen ernster Tpfersreudigkeit die Zungen der. Bosheit verflummen müssen. Nnd rvären es nur Worte, all die Gedanken, die aus der Ueberzeugung von der Gleickiheit aller Menschen resultieren lind im ge meifisanien Streben nach der Berherrlichnng der allen gemeinsamen Ausgabe 1111 Staate gipfeln, mit Znlückdrnngnng aller besonderen Gefühle nnd lleberzengnngen, denen ein jeder im Ein zelnen gleichberechtigt mit einem jeden anderen huldigen mag danil sind diese Worte, dann sind diese alten Zuknnttsideei! der Thorah und ihrer Wortkünder, der jüdischen Propheten,endlich im zwanzigsten Jahrhundert salonfähig geworden. Auch das ist ein Borzug. Man darf von diesen Idealen »vieder schwännen, sie scheinen ja so lebenswahr zn sein, daß sie von treuen Kämpfern fiir Rechtlichkeit als mögliche Grundlage berech nender nnd kühler Staatsleitnng bewertet iverden. Wahrlich, ein Ministerium, dessen Leiter und Mitglieder in den nur denkbar gehässigsten nnd niedrigsten Kämpfen gegen den Ansbnnd alles Schlechten in groszein Maflsrabe gerungen haben, ist so vertrant mit der moralischen Rückständigkeit der Iaktoren, mit denen es in seinem groflen Wir knngskreise zn rechnen hat, dasz ihm jeder Hang nach Tchwarnnrei nn praktischen Leben abhandeil gekommen sein mufl Und wenn es doch eilt so groflzügiges lind so jüdisch antikes Programm enlivirft, so mag dessen Uebermodernität wohl mailchen znrückschraubenden Staatsmann nnd Zeitungsschreiber, so mancheil Ieind von Juden nnd Indentnni verblüffen, so mancheni Hasser von Recht nnd Menscheiiliebe nnbegnen, sein ja in manchem jüdischen .Kreise »int Zwangs nnd Herrschastsgelüsten ivohl recht ungelegen kommen nnd von manchem jüdischen und nicht jüdischen Emporkömmling dilrch die abgeklärte Weltiveisheit, die daraus spricht, unverstanden bleiben in! Geiste höreii wir aus dieser Weisheit manch passeirdes Wort unserer immer modertler werdenden altertümlichen Propheten Hallen nnd hofsnungsfroh möchten wir, mit Geilugtnllilg aus die letzteil fünf Jahre der französischen inneren Politik zurückschallend, aus rufen ,,la v^rite eat en marche.“ Tiefe Politik der Wahrheit rind des sozialen דשכיל אי* דל als gesetzestreue Juden mit Wärme zil begrüflen, soll feine falsche Rücksicht uns hindern. Gewifl: die Weltanschauung der neuen Männer in Frankreich lfl uils nichts weniger als smnpathisch, und in dem rücksichtslosen Kampfe gegen die kirchliche Hierarchie steht das Recht gervisz nicht aus Seiteir der Regierung. Aber dennoch wird aus dem Gewoge der Leiden schart der Gedanke reinmenschllcher Bürgertugend sich emporringen, der nach dem Ideale des Judenlllms die Borbedingung einer besseren Mensch beitzttkunN ist: La ▼ent»'■ eat en marche. - B. W. //■M< ש 1 Mochenrunöschau. Ein Volum gegen das heflifdie Oberrals- Projekt. Tie am vergangenen Sonntag von dem ״Nnabhängigen Bereit, kn. Lehrer im Groflherzogtnm Hessen" dahier abgekaltene Iahresversaniinlnng, über deren Berlanf an anderer Stelle diese Blattes eingehend berichtet ivird, stand :nt Ze'.chcrr des t) e ו י i ז ft) c n!TrgaIIi 1 atlonsprojektes. Tie stark besuchte Bersamnllung hat sich, ivie nicht anders zu erivarten tvar, mit Entschiedenheit gegen die Einführung eines Tberrars ausgesprochen. Länitliche Redner ftimmten Darin überein, dafl der deil Landständen zugegangene (besetzen tivurf, insoweit er das Institut einer jüdischeil Zentral behörde vorsehe, dlirchaus uii an lieh mbar fei. Tie Tenkschrlst der Rabbitier und Boritände der Religionsgesellschafteii, der sich die Bersainmiiiiig anf'chlofl, erkennt zivar ausdrücklich die Berbessernngen an, die in den die Steilung der jüdische» Lehrer betreffenden jBestimmnngen des Entwurfs enthalten sind, erklärt aber, das; eine Umgestaltung der indischen (Gesetzgebung in Hesieii auf der Grund', läge einer Tberratsbehörde als ein Gewissetis zivang für die gesetzestrenen Juden unterhalten llinständen abgelehnt iverdeit jmüsie. Esj ivar der Antrag gestellt ivorden, der Bereit, möge diirch eitle .Kominissiotl unter völliger Ausschaltung des!Tberrats einen neuen (^eietzentivurf aus arbeiten lassen, der lediglich die ailnehmbareil Bestimmungen der gegentvärtigeit Borlage beibehalten solle. Wir unsererseits flehen an aesichts der Berhältnisse in Hessen auf dem «tandpnnkr, das! man sich aus parlamentarischtechnischen Gründeil besser für dieseii Weg ent schieden hätte. Wenn demgegenüber die Majorität der Bersammliing es vorzog. kurzerhand der envätinten Tenkschrirt beiziitrelen, so zeigt das, eine wie gro> e (Gefahr für die Freiheit der Gewissen man i,1 einer Tberratsverfassung er blickt, und dafl man sich vor allen T׳״aen vcr pflichtet fühlte, den vorliegenden Gesetzentwurf mir möglichster Teutlichkeit a liminv turückzu weisen. Das Botum des ״Unabhängigen Bereins", der die gesamte gesetzestreue jüdische Lehrerschaft Hessens umraflt, bringt die Willensmeinung von

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