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Der Israelit · 1906-11-01 · 44 (1.11.1906) · p. Seite 3

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
44 (1.11.1906)
Date
1906-11-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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I Roveiuber 1906 wie auct)״ infolqe lUanqek' eitlem orthoboren t'Iottce sich selbst in viele» onlwdoxcn!-reisen ei»bürgern konnte. Die'e Art nng.-jndischc Vit^ teratnr tongl aber eben nur sür Nrolöge. Sie liescrt ihnen anderen Kmisessionen nachqeahmre Andachtsbüchlein, echt jüdische Litten und wahre ^üdischkeit verletzende, verspottende belletristische Schriften, wie anch int bunten Kleide ober slächlicher '?Liffeitschaftlichfeik paradierende ״ge lehrte" Werke, die die Lengnunq der Gött lichkcit der Thora zum Anmqangm und Zielpunkte haben. Und eben jetzt arbeitet man daran, den (Großmeister subjektiver Geschichtsschrcibnnq, Grätz, dessen verderbliche tendenziöse Methode unser Altmeister Hirsch in ׳einer berühmten Ne zcnsion ans solch köstliche, den Kern der Sache treffende Weise charakterisiert hat, auch dein un garischen Publikum zugänglich zu machen. Wir Orthodoxen aber, wir haben trotz unserer großen Zahl und trotz ihrer drängenden ׳?kotwendig feit keine ungarische Presse, ja, wir haben kein in ungarischer Sprache abgesaßleo Buch, das wir zur Festigung der Gesetzesnene getrost den »ach religiöser Belehrung lechzenden, nur Ungarisch sprechenden und verstehenden Kreisen in d!e Hände geben könnten. Welch traurige Perspektive! ׳?koch trauriger, daß die Gefahr leider nicht in ihrer ganzen Tragweite erkannt ivird. Tiefem betrübenden Faktum nach Möglichkeit entgegeuzuarbeiten hat Schreiber dieser Zeilen vor €t!v•1(1 2 ״ iiiuimi ein bossentl'ch der heiligen Sache nützlichem literarischem Uuternehnleu be Fch veröffentlichte dam erste. 100 Seite» um fassende Hest einem größeren, etwa 7(X» Seiten aummachenden Wertem über sünltliche Feste und Sabbathc des Fahrem. Es sei mir gestattet einige Sätze anm der Borrede zu meinem Werke in deutscher lieber »etznng herznsetzcn: ״Tie Berbreitnng von Thorakenntuis in uug. Sprache ist Ziveck und Ziel unserem Wertem, triebt es doch noch kein Buch in nng. Sprache, welches die uralten, aber ewiggültigen Wahrheiten dem Judentums in moderner Form den jenigen täglich wachsenden Schichten des Vaterländischen Israel verkünden möchte, die nur die uugarische Sprache verstehend, den Fdccnschatz dem Fudentums durch die Bermittlung einer anderen Sprache in sich nicht ausnehmen können. Sie sind z. B. unfähig dazu, ihren Eltern oder (Großeltern gleich, die in früheren Zeiten mit Necht so sehr beliebten Werke: ,חרבוה הרבבות עיקרים ,מגורת רמאיי ere. im Originale oder in deutscher Sprache zu lesen Sie sind, um von einem jüdischen Klassiker der Neuzeit zu reden, unfähig, die I'.» Briese des großen Frankfurter Neligionsphilosophen zu lesen, diesem erschütternde Der AOrarNt. Epos von der weltgeschichtlichen Stellung und! Sendung dem Fudentninm, diese bewcimkräftige,! überivältigende Apologie des traditionellen, historischen FndentumS, dieses herrliche Buch, , welchem selb» den Lippe:׳, der erbittertsten Gegner Lobeshmnnen abgerungen hat. Tiefem traurigen Umstande;»folge verringert sich von Tag zu Tag daS Erbe wahrer jüdischer (Gefühls, Tcnk und Lebensweise im ungarischen Fmracl. Berwelken und verdorren doch des fchönsten (Wartens Blumen, wenn ihrer nicht ge hörig gewartet wird. Anch kann dam Publikum nicht einfach aus Bibelüberse^ungen verwiesen werden. Tenn der Boden mns; zuerst bearbeitet werden, bevor man die segenbringcnde Saat ans streuen kann. Tie Thorah bleibt wohl, selbst in der mißlungensten Uebersetzung gelesen, eine unerschöpfliche Fundgrube allem Schönen, Guten, Edlen, Beherzigenm- und Nachahmnnamwerten in den Augen dem nachdenkenden Menschen. Aber in unserer materiell gesinnten Zeit hat nicht Federmann Lust zum Hervorsuchen der ver borgenen Schönheiten der Thorah, ihrer im Bllnncnkelchc der Einfachheit versteckten Perlen. Auch in, lärmenden Getriebe und- Getümmel des Fahrmarktes gehr es so zu. Tie billige Ware wird umlagert, zu dem Fuwelier aber kehren nur wenige ein. Tiefem Mangel wollen wir — so weit es in unserer Macht liegt — abhelsen. . . .״ ״Unsere erste Arbeit soll nach unserem Plane hauptsächlich Pionierdienste leisten. Fn derselben werden nämlich Hirsch'sche Gedanke!!, mit agadischen Elementen verwebt, volkstümlich dargesteür. Später soll die Uebersetzung Hirsch'scher Schriften selbst folgen. Tenn in der Berbreitnng in die nngarische Sprache übertragener Schriften Hirsch's sehen wir das einzig mögliche Ncttungmmittel der FnteUigcnz vor den weit, iveit ausgebreiteten Fangarmen derNeologie und demFndiffcrentismus." Tas erste Heit itt vor etwa 2 Monaten er schienen, Natürlich ivird es je nach der Partei stellnng verschieden beurteilt. Tie Neologen betrachten es als einen Eingriff in ihre Rechte, daß ein orthodoxer Rabbiner sich in ihr eigenstes Metier hinein ivagt und in ungarischer Sprache für dam orthodoxe Fudentnm kämpfen will. Tics sind die Herren nicht gewöhnt. Selbstverständlich wird dieser Bettuch auch im entgegengesetzten Lager, bei deil Ehassidim, mit '??kißtrauen beobachtet, und nur ein kleiner Bruchteil der Gesctzemtrenen sieht ein, ivelch heilsame Folgen ein derartigem Unternehmen haben kann. Auf die Unterstützung dem Unternehmens seitens unserer mit irdischen Glückmgütcrn rnchgeseg neten jüdischen Landsleute ist nicht zu rechnen, sie befinden sich fast alle im Lager der Neologie. Fm Nr. 4 t Kette 8. eigene» Lager haben wir mit den traurigen, rt' er durch 'eider unbestreitbare Ersahrungen genährten Bornrteilen zu ringen. Wenige sind cs, auf die!vir am Anfänge zählen können. Und dennoch haben nur den Wnrs gewagt. Uns siibtt die Pfficht. Anch leuchtet uns das hehre Bild des große!, Mannes voran, dem >v!e keinen, Zn,eiten in unserer Zeit das epitboton orn<ms gebührt, welchem Krochmal imberechtigter Weise für sich in Anspruch genommen hat:!מייד. נבוב, תום' Für seine Fahne, die die altgeheiligte Fahne dem einzig ivahren Fudentninm ist, wollen wir in unserem Lande kämpsen. Wir hoffen ans den Beistand Gottes nnd den Beistand opienähiger und opsersrcildigcr Gesinnungsgenossen. ₪$rachi contra vogektrl». Bon mimrachittischer Seite iverden nur um die Beröffentlichnng folgender an die Adresse des Resormkämpen von Stettin, Tr. Bogel stein, gerichteten Tarlegungen gebeten: Wir stehen >m Zeichen der Entwicklung. Auch daS Fndeiitum da!!!cd in' dc!> levien Iiunderi Fahren rech! kräftig entwickelt. Das koininr äußerlich u. a.!!! C rgeln, dadi> cdrn edc! bücdrrn and M assra t aufrn cum Ausdruck. Aua giedl rs Leute, dir dam rinr ge deidliche Eiilwickeluug nrnnra, Leute. dir tirfi rühmcn ״durch rmc getuudc, dcu Brhürtuisirn drr Zeit und den ästhetischen Ausprückrn gereck,! wrrdrndc Fortentwicklung, lowir durch Besen!.,zu!׳.g dem Brraneien und denen, wac> ach überlebt da!, dir Religion drr den »!ndrra l'fiüt und Verrhrungsivurdlg zu niachra״. Wir haltca weniger davon, wir inraira. daß es rt!:r Entwickelung vom Elianukaleuchler cum Weihnachrsbi'.um, vo»! Fuden lum zum Aichiiudraium gewesen itt. Und nun da! riarr drr tüchtigsien und eisrigslen Förderer diesem sogen. lidrralrn Fudrnlums in rmrr inngsi rrschirnrncn Broschüre dam Wort ergriffen, um »ui rinr große ilriadr aufmerksam zu machen, dir srmrn Fdrrn droht. Wir könnten unm rincr tulcticn ilrsadr,!vorn! ftc auch brsirdcii möge, die für uns rinen BiindeSgenoffen drdruirt. nur freuen. T!r t^cfnhr!ft drr Zionismus. Akan ist sich in zioiuttiichrn Kreisen drr volirn Würdigung drm Lobes garnich! recht bewußt geworden Eine bessere Emptedlung für drn Zionismus als dir Brzeichnung rnirr CHcfnhr für dam Bogclste> n sche Judentum in nicht drnkdar Man dal m zionistischen ,Leitungen verschiedene Angriffe Tr. B s zurückgrwirsen und salschr Ansichten widerlegt. Man dat oder zu de merken vergessen, dass drr Gegner m dem wichtigsten 'Punkte seiner Bedauvtungrn recht hat. Fawohi, der Zionismus ist eine Gefahr sür da» linksliberale Judentum Möge diese Gefahr nur blühen wachien und gedeihen. Wovon ging das Resormjudentum — der Hellenismus, ivie es ein Berliner jüdischer *Hctcljrtcr so treffend nannte - wovon ging cs aus? Bon Anri zion ging die Ae sorm auS. Bon der Lriignung drr!üdischrn R a l 1 o na i 1 t ä t Bon!eher war die erste ״liberale״ ,Forderung daS Ttrrichen drr «Hcbctc um tue Rückkehr nach Ferusairm. Man wollte sich von den Bölker» de! Erde nicht mehr unterschkldrn, deslialb schaffte man das jüdische Gesetz ab, man wollte es ihnen gleichtun, deSiiilb wollte nian lüdischr Kirchen Und nun kam die Reaktion gerade in drm, was dir Retorn! am radikalsien vernichten wollte: tut Aationalrn. nur einer solchen Tlaalsposie zum Leben helfen zu können: ivas kümmert sic sich um alle die lausend abgeschmackten Uittvalirscheinlichkeitcii sie findet doch, wenn auch nicht den vollen, so dock ein klem wenig Glauben, und einer der ausgezeichncislen Männer der Hamburger jüdischen Gemeinde, Herr (Habiicl Rießer, der »1 gerader Linie von diesem Aachtkönig abgcstamint sein soll, schrieb mir vor benialie einem Bicrleljahrhundert noch, daft man ihn mit dieie»! Märchen ״verfolge.״ 20״ wenig als in den Btürchcn aber, so wenig können wir in der beglaubigten Geschickte auch nur den mindesten Anhaltspunkt für eine unter Tlavrn beübte grösscre Tuld samkeit gegen dir Juden erkennen. Laer fehlt kein Ltück des grogen BersolgungSapparatrs, den das Mütelalicr nnt .ttonseaucnz und Raffinement aller t>״den ausgesonnrn und ״usgebildrt hm. crs ist hier nicht der Crt, dies im einzelnen und chronologisch auszuf'ührrn. aber das kann ick auf tffrund sorgiältiger und uinsanender Forschung sagen, das; e? keine ^ritFind keinen Bezirk der slavischcn i'trblrie gegeben hat, in denen die Fuden^me rechtlich uud uaatsbürgerlich gemessen bevorzugtere Stellung als dir ,Zuden in Truischland gehabt haben. Ter allergröplc!eil drr sämtlichen Fuden betreffenden Gesetze ist wörtlich oder dem Tinne nam von den in Trutschland erlassenen kopiert. Wohl lmben keine Manenaustreibungen siattge!»»de», obwohl eine solche auch unter Wladimir Monomach >m Fahre 1124 erwähnt wird! aber wir^ nndrn hier die ׳clbc Beschränkung drr bürgerlichen Stellung, diesen^ Beschränkung drr AechtSsäbigkeit, denselben Ausschluf? aus drm Handwerk, dieselbe Untersagung, Grundbesitz zu erwerben, dasselbe Hindrängrn aus drn Trödel und Zwischen- Handel, dieselbe herzlose Ausschlies-.ung von allen höheren ,cnierrttrn des ZtaateS und der tffrsrllschati . ." (laro selbst giebl von der Snistebung und der Ent Wicklung der ostcuroväischen jüdischen Diaspora, wir tir kirutc rjr, solgendeS Bild Es sind liier zwei Strömungen zu unterscheiden, von denen die eine während der Bölkerwanderung mit den Hunnen, Acmrcn. Ehazaren, Tataren, .ciosaken und anderen Ltäinmcn von Lüdosten her kam und »nt diesen Bölkerstümmen am (7strand Europas Halt machte. Er hält es für wahrscheinlich, dag die zwischen diese» Lcämnicn wohnenden Fuden auch deren sprachen und äugeren LrbenSgrwohn heitcn geteilt hätten. Fedrnsalts haben ne in der i^e schichte der sic umgebenden Bölker eine nicht unbedeutende Rolle gespielt. Fn dem ersten groffbulgarischen Reiche, deffcn Z,arcn ihre Hercschasl bis nach Bvzanz auSdehnten, und damals, als d e Bkagnaten und ihre Monarchen noch aus den gedörrten Tchädeln ihrer Feinde tranken, Fuden durchs Land gezogen, mildere Titten, menschliche Liebe, den einzigen unnchtdaren Gott predigend. Fn großen Tcharrn fiel das Bolk, das in Knechtschaft seufzte, ihnen zu, sodaß das Muriarchat von Konstannnopel den Angst rus erhob, das Bulgarenreich stände in Gefahr, drm Fuden tum anheinizusallen ״Wir rs drn Juden im *. Falirbundert unter dem Zaren Bulan gelungen in, drn Ehagan der Ebazarrn zu ihrem <!»lauben zu bekehren, ist bekannt, und an drr Authrn nzitäl der hierüber zwischen drm Ebagan und dem Fuden Ehasdai gewechselten Briefe ist gar nicht zu zweifeln. Ich habe selb« dir Handschrift, dir ne uns erlmlirn Hat, in Händen gehabt. Rach der Berfaffung der Ehazaren bestand zwischen dem Ehagan und dem Beg, drm weltlichen Fürsten, ein Berbältniö etwa wir zwischen den! japanischen Mikado und dem Taikun. Ter Ebagan aber war als geistliches überhaupt dir wichtigere Person. ״Fm Monat Risan", so schreibt der Ehagan Foseph, ״verlanen wir dir Trabt cJtil >n drr Rave des heutigen Astrachan >, und jeder zieht aus sein Feld und au! seine Gärten, um sie zu bearbeiten; denn >ede Familie har ihr Erb«, in das sie freudig zieht .. Ich aber mit meinen Großen und meinen Dienern noma difiekk aut riner Trrrcke von 20 ^,riangen Ausdehnung bis zum großen Fluffe Arsak״. Man sieht darau», daß die Ehazaren keineswegs bloß ein wildes Reitervolk waren, wie die Magvaren und Polowzer. Und der Bericht Masudis von der inneren Einrichtung ihres itirmelnwrsrns bestätigt das vollauf. Die Bevölkerung der Ttadt, so n>eldet er, war verschiedener Herkunft und verschiedenen (Glaubens, ai^r alle genoisen religiöse Freiheit, und daher hatten dir Ekazare» für >cde religiöse «ffenonrnschast besondere!lkichter. Es giebl sieben Richter, sagt Masudl wörtlich, zwei sür die Modanimrdanrr, zwei sür dir Ehiizarrn, die nach dem (besetze Mosis richten, zwei sür die hier lebenden Edristen, denen »ach deni Evangelium Recht gesprochen wird, und einen sür die Tlaven, Russen und andere Heiden, die nach deldnischen Gesetzen gerichtet werden. Tan dir Evacarrn auch einen bedeutenden Transitbandel betrieben und Waren aus Rußland und Bulgarien zum Kaspischen Meere aus führten, daß sie die feineren »iewrbr aus Griechenland, aus drn Kaukai'uslündern in dir Heimat brachten, wird uns durch Fbn Tasla versichert; aber wenn man andererselks vernimmt, vaß die wirtschaftliche Entwickelung noch nicht einmal bis zur Kenntnis des «Geldes vorgeschritten war, wird man nicht behaupten wollen, daß die merkanti lischrn und industriellen Interessen hier den Juden ihr Ilebrrgewickt und das Herz des Monarchen zugesührt haben." Arbnlickr Borgängr, wenn auch in kleinerrni Man stabe, weist die rusnschr Geschichte des 1',. Fahrdundrrts auf. Fn drn siebziger Fahren dieses FahrhundertS geschah es, dag der Pope von Groß-Rowgorod und andere Würden träger der griechischen Kirche, der Bo,ar Tuschm und dann ganze Tcharen der Bürger von Rowaorod und Pskow zum Judentum, überiraren. Durch zehn ^ahre wuchs dir Be wrgung, und selbst im heiligen Moskau bildete sich eine Gemeinde dieser Rruiuden, der sich sogar die Löhne des tlroßfürsten Jlvan III. Waniliewicz, seine Tchwiegertochker schiene und fein Kanzler Fedvr Kurirmr anschlonen. Un'׳ als im Jahre 14*9 der Archimandrit ,'»osiinos ^»»Mi>»1>

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