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Der Israelit · 1906-11-01 · 44 (1.11.1906) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
44 (1.11.1906)
Date
1906-11-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Ein Centraiorqan IQr das orfhodoxg Jüdentnm f/(UI ItfrliJtt m Or. Ldrnii ii ffljiu c5s^3 I. Flonember 1906. 47. Jahrgang. sss Sranhfurf a. M.. flen ,, (7. ,. 13.Cheicbn3an0667. Icr ,lOraflil «febril» ifbfit?onnrTftdfl. 4lbonnrmrntS: (Mriröhiilidic 'AuJflabf 'JWf. 1.0() üUili'iinlnltit), v>f»a11S1111br auf niniftbriiitbapi« ilif.;1. 1)i«t(i11ib11ub. V(114lat1b{1>r«!r fiiv dir .;riVubuliibc Äii»nüb<; Cn'ievrfui) 2 Kr., :HuRlaiib I >!»>>., (Siitilanb 2 >!>., Äiurrika Ott 1׳t'., 'Jitfbovlaiibo 1,2» ri.׳ ^lboiiiieiiiri»- bri allr» l>o»a»siallr», B11ch!,a11bl111»1k11,!»wir birctl br> brr ^N'rbilio», Hrslaiisüadc nur birrki. Inserate: 3» Pseiun^e mr dir fech-aeipalieur (loloncl ,grile: Rabatt nadi lavtf. I»>r1alrna»l1adme nur durch טa ג i (11 ft n 11 11. jioalrr <1. (H. in tfonto bei der M. W. Postsparkasse iSicn Wo.?1H»0.>. Iiankfiut a. M. und brrru Iiiialcu. Soiito bet be>n U. Potisparkassenaint Budapest No. IKI'll Die knkjudung des russischen ״Bundes“. £01 ״Bund der jüdische» '?irdener,» Vnanen, Polen »iid Nustland" hat vor kurzem leine Londcrstellung in der sozialistische» Beivegung Nnstlands aufgcgeben und die 2׳ere1nigung mit der Gesaintvrganisation der nissische» Lozialdenivkratic vollzogen. Bo» verschiedene» -Leite» »t dieser Borgang im Interesse ho« Judentums bedauert ivordeu. Wir vermögen ״ns!edoch »»׳sein Bedauern nicht an: schlieste!׳. u!rd halten es vielmehr für eine höchit erfreuliche Tatsache, dast der ״Bund“, iudein er in der al!ge!neiuen iozialdeniokratischen Partei auszngehen beschloss, »ch offenkundig feine« scheinbar jüdischen EbarakterS entkleidet hat. Ter ״Bnud" ist ei» Erzeugnis des russischen Negierungsstistcins. Alle Borbcdingungcn zur Bildung einer revolutionären Partei fehlen in der Mitte des jüdischen Bolkes, das mit einein >ionsewativisn1ns obnegleichen seit Jahrtausenden ani gotlgegebkircn Tinaigcsetz festhält. '*Ule die Jahrhunderte des Mittelalters hindurch hat das indische Bolk jeden Druck und jede Mischandlnng, Bersolgung und Nkord geduldig ertrageil, ohne die Ehrfurcht vor den staatlichen Gewalten zu verlieren, die ihm von seiner Lehre zur Psticht gemacht wird. Trotz aller Leiden, die von den Staatsmächten ihneil bereitet wurden, haben die Inden für das 260h! des Landes, in dem sie ivohnten und für dessen ,Fürsten zu beten nicht anfgehort. Glicht etiva, weil sie auch >» ihren Peinigern Herrscher von (Lottes Gnaden gesehen Hütten, sondern weil die Thora ne durchdtlingen hatte mit der Ueberze g»ng, dag eine Staatsordnung bestehen must, dast die Gesetze ge achtel werden müssen, soll das Gebäude der Ge- ׳ellschaft nicht in Trümmer stürzen, dast darum d>e ärgste Tlirannei der Anarchie, der revolntio nären Berwirrung, dem sozialen Ehaos vorzn stehen sei. Die Nömer haben den Grundsatz ausgesprochen: L x dir« tarnen lex. die Ariden dber haben ihn mit beispielloser DPserwilligkeit iniinersort im Leben betätigt. Wenn trotzalledcm die ilioderne sozialistische Bewegung gerade bei dem Nachwuchs der r rissi scheu Hilden, während die altere Generation treu an den lleberliesernngeil ihres Kolkes hielt, Inst fassen konnte, so war das eine Jolge des ungeheueren Elends, das die Negicruugen Nnstlands über ihre jüdischen Unter tonen gebracht, indem sie ihnen von!eher die elcmkntarsten Menschenrechte entzogen, sie in * ot -lrmut drängten und mit ihrem Blut “s". Boden einer verruchten Politik düngen zu durskn glaubten. Die russischen -Ltaatsmänner Hoven den Lachverhalt natutlich stets umgekehrt dargestellt und die Bluttaten der von ihnen be stellten oder begünstiaten Mörder für eine st! - aktion gegcli die revoinlionäre» Umtriebe der Hilden ausgegeben. ׳?Nögen ne diese Anstands lüge, die von t-insend Blättern der jüdische» v>'׳e schichte als solche gekennzeichnet ivird, ruhig, so oft sie!vollen, wiederholen, uns genügt es zu ivissen, dast nicht der jüdische Bolksgeist eine re volutionäre Partei erzeugen konnte, dast vielmehr dieselbe Negierung, die ein sliichinew, ein Biaihslvk neranstalket, auch das >tnck!!ckse! de« ״Bundes" den russischen Inden ins Nest gelegt hat. Und dennoch würden wir auch das kaum verstehen, dast ein Plchive und seine 'Borgänger und 'Nach solger einen Teil der Hilden Nnstlands unter die revolutionäre Saline zu treiben vermochten, wenn lvir nicht sähen, dast die überzeugten 'Anhänger dieser Bewegung olles jüdische längst abgeschüttelt und nur durch den jüdstche» Namen, den sie ihren Bestrebungen gaben, eine ansehnliche Lchar von Mitläufern zu gewinnen gennistt haben. Es iväre falsch ausgedrückt, iveun inan sagte, dast die zielbeivustren ״Bnirdistcu" der jüdischen Ueberliesernng gleichgültig gegenüberständen. Bon solcher Gleichgültigkeit sind diese Elcniente ivcit entserut. Den Geist der Thora und die Treue zum Tlioragesetz aus dem .Stopf und dem Herren ihrer Brüd r zu reisten, ist ihr Ziel. Tie wincn ivohl, dost sie hier ihrem stärksten Gegner gegen überstchen, wissen, dast, n׳o noch die Thora sestlvurzelt in der Gemütern, für sie kein Boden bereitet ist. Und darum verfolgen sie die jüdische Lebcnsanschanung und ihre Anhänger mit Hast undTpokt, mit einem Terrorismus, der auch vor den Mitteln brutaler Gewalt vielfach nicht zurückschreckt. 20 viele nicht geringe Ge!ahren auch der jüdischen Gesetzestreue in der Gegenwart drohen, in dem ״Bund" mit seinen vergiftenden Eiustüsscn ans die Heranwachsende Jugend unserer .sternrruppen im Dsten haben >vir den gröstten Jeiild der jüdischen Bolksideale zu erblicken. Zur Illustrierung des ׳Berhältnisses, in dem der ״Bund" zu unsercil heiligsten Güten! steht, mögen iolgende Ausführungen dienen, die Dr. T. Bernscld, ein Tachkenner, in der Rllg. Ztg. d. Judent. »lacht: ״In Nustland steh; es den Juden frei, sonntags zu arbeiten, da ne strenge Labbatrnhe üben und ihnen nicht zugemutet werden kann, zwei Tage in der Woche zu feiern. Ebenso verhält es sich mit den jüdischen Jeiertagen. Dies belührt nicht nur die jüdischen Fabrikarbeiter, sondern auch das technische und kommerzielle Personal in jüdischen Fabriken und die überaus groste Zahl der jüdischen Handwerker. Es ist dies eine Jrage des Jndcninms nne sie orenueuoer gar nian gedacht werden kan». Nun regt sich jetzt in Nust land eine 'Bewegung zugunsten eines allgemeinen, fiiv alle geltenden Nnhetags. ׳Während aber in christlichen Streifen oft noch so viel (berechtig keitsstn» zu sinden ist, dast von ihnen zugegeben ivird, in Nustland laste sich nicht generalisieren und inan müsse ans die Millionen Jude» Nückficht nehmen, welche die Tabbatruhe nicht vcr letzen!vollen, sind die meisteil jüdischen Gleichheits sanaliker cntschiedeu dagegen, dast die Juden ,für sich Lchabbes mache"-..׳.׳ ׳Wenn nun der 2״stmd" unter Aufgabe seiner Eigenart seine J-usion mit der allgemeinen sozial demokratischen Organisation vorgenommcn hat, so verdient er schon deshalb den Dank des jüdischen ׳Bolkes,!veil er dainir die für cs סי bc schämende Tatsache beseitigte, dast eine Partei von de»! Ebaratler des ׳״Bnndcs" nch die Bezeichnung einer jüdischen beilegen konnte. Jedoch ist dieses Moment mehr äusterlicher Natur. 'Biel lvichtiger ist eine andere Jolgc. ׳Was nämlich viele jüdische Arbeiter in den Neihen des Bundes sesthielt, das!var die >üdisch nationale ׳.stnance, die derselbe bisher wenigstens durch sei» Loiider sein zur Schau getragen hat. Nim diese Nuanee verloren ging, ivird es ziveifellos viele geben, die sich die Jrage vorlegen, ob ste an dieser 'Wandlung des 'Bundes tcilnehnien sollen Die 26erbckrast des Bundes dürfte durch diese Wand lung kaum geivinncn, und man ist zur Hostnung berechtigt, dast damit auch die dem rhoratrenen Judentum so verderblichen Einstüste, die die Bundisten seither auf die!lidischen Masten zu üben imNanSk waren, eine bedeiltende Lchivächung erfahren tvcrdcn Mochenrunöscbau. Das Judentum unö die politische Presse. Dast ivir in der volitischen Taqcsvreste bei der Besprechnlig jüdischer Angelegenheiten einem richtigen Urteil begegnen, das darf wohl als ein ziemlich seltenes ׳Borkommilis bezeichnet werden. Man braucht dabei gar nicht an drujenigen Teil der Presse zu dcirken, dem die antisemitische Methode der Entstellung der Tatsachen als

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